Santa Croce in Gerusalemme (Rom)

Santa Croce in Gerusalemme (Rom)
Santa Croce in Gerusalemme
Santa Croce in Gerusalemme
Santa Croce in Gerusalemme
Lage ItalienItalien Italien
Rom
Bistum Rom
Koordinaten: 41° 53′ N, 12° 31′ O41.8883651112.51546621Koordinaten: 41° 53′ 18″ N, 12° 30′ 56″ O
zisterziensisch seit 1561
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
2011
Kongregation San Bernardo d'Italia
Tochterklöster

Santa Cruz in Mexiko (2006–2009)

Santa Croce in Gerusalemme (lat.: Sanctae Crucis in Hierusalem, deutsch: Heiliges Kreuz in Jerusalem) ist eine der sieben römischen Pilgerkirchen. Ihre Bedeutung erhält sie vor allem wegen verschiedener hier aufbewahrter Kreuzreliquien, die ihr auch den Namen gegeben haben. Als Titelkirche wird ihr ein Kardinalpriester zugeteilt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vom Anfang des 12. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert war der Kirche ein Kartäuserkloster angeschlossen. Seit 1561 lebten hier zur Betreuung der Pfarrei Zisterzienser, zuletzt der Kongregation San Bernardo d'Italia.

Nach einer Apostolischen Visitation wurde diese Zisterzienserabtei Santa Croce in Gerusalemme im März 2011[1] per Dekret der Ordenskongregation aufgehoben[2]. Haus und Basilika wurden dem Vikariat Rom übergeben.

Baugeschichte

Die Kirche liegt weniger als 1 km östlich vom Lateran an der Aurelianischen Mauer. Sie entstand aus dem im 3. Jahrhundert errichteten Palast Sessorium. Ein 36,5 m langer und 21,8 m breiter Saal dieses Palastes wurde dann um 330 in eine Kirche umgebaut. Laut dem Liber Pontificalis war der Palast im Besitz der Kaiserin Helena. Drei Inschriften, die in der Nähe der Basilika St. Croce entdeckt wurden, belegen, dass sie ihn bewohnte. Beispielsweise erinnert eine der Inschriften an den Wiederaufbau der durch ein Feuer zerstörten öffentlichen Bäder nahe dem Palast, welche schon vor dem Jahr 325 Thermae Helenae genannt wurden.

Unter dem Kardinalpriester Gerardus, dem späteren Papst Lucius II. wurde die Kirche im 12. Jahrhundert umgebaut und unter anderem zur Machtdemonstration mit einem Turm versehen. Dabei wird er die eine Hälfte des Kreuztitels (INRI) entdeckt haben, den er dann in einer Bleikassette mit seinem Siegel in einer Nische über dem Triumphbogen der Helenakapelle einmauerte – samt einem uralten Ziegel mit der Inschrift: Titulus Crucis (Die Kreuz-Inschrift). Bei Erneuerungsarbeiten an der Kirche wurde dieser Ziegel am 1. Februar 1492 versteckt unter dem Verputz entdeckt. Während der Renaissance und des Barock (15.18. Jahrhundert) wurden weitere Umbauten vorgenommen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Kirche fast völlig zerstörten. Jedoch sind Fresken der alten Kirche heute in einem Museum ausgestellt.

An der im 18. Jahrhundert errichteten Fassade der Kirche fällt das Wechselspiel konkaver und konvexer Linien auf. Die Architekten, von Borromini inspiriert, aber schon vom Rokoko beeinflusst, waren Domenico Gregorini und Pietro Passalacqua. Auf dem Dach stehen Statuen der Kaiserin Helena mit dem Kreuz (ganz links) und ihres Sohnes Konstantin (ganz rechts). Von den antiken Granitsäulen im Inneren der Kirche sind nur noch acht sichtbar; die anderen wurden mit barocken Pfeilern umhüllt. Erhalten geblieben sind der Kosmaten-Fußboden aus dem 12. Jahrhundert sowie das 1490 entstandene Fresko in der Apsis, das Antionazzo Romano zugeschrieben wird; es stellt das Auffinden des Heiligen Kreuzes und darüber den segnenden Christus dar.

Kunstwerke und Reliquien

Der Umbau des Palastsaales zur Kirche wurde vorgenommen, um eine Reihe von christlichen Reliquien aus dem Umfeld der Kreuzigung Jesu unterzubringen. Dazu gehören kleinste Teile des Kreuzes Christi selbst (das große Holzstück des Heiligen Kreuzes im Vatikan wurde aus S. Croce in Gerusalemme im Jahr 1629 in den Petersdom gebracht), ein Querbalken eines der Schächerkreuze, zwei Dornen der Dornenkrone, ein Nagel vom Kreuz Christi und die Hälfte des Kreuzestitulus, welcher ursprünglich in einen Mauerbogen der Helenakapelle versteckt eingebettet und mit einem Stein mit der Aufschrift Titulus Crucis gekennzeichnet war. Diese Reliquien wurden einer Legende nach von Kaiserin Helena aus dem Heiligen Land mitgebracht.

Eine weitere große Reliquie ist die heute verborgen im Museum der Kirche stehende Mosaikikone aus dem 14. Jahrhundert, die angeblich Papst Gregor der Große nach einer Erscheinung Christi habe anfertigen lassen. Sie ist in einen Holzrahmen eingebunden, der unzählige kleine Fächer für Reliquien aufweist. Vielfach wird die Ikone in Zusammenhang mit dem spätmittelalterlichen Bildtypus der Gregorsmesse in Verbindung gebracht.

Die sterblichen Überreste des sechsjährig gestorbenen Mädchens Antonietta Meo, genannt Nennolina, wurden 1999 in die Kirche überführt und für sie ein eigener Gedenkraum eingerichtet.

Name

Innerhalb der Kirche befindet sich die sog. Helenakapelle, deren Boden mit Erde aus dem Heiligen Land bedeckt gewesen sein soll. Deshalb wurde diese Grundfläche zu Heiligem Land umgeschrieben, was der Kirche auch ihren merkwürdigen Namen In Gerusalemme gab. Die Inschrift in der Helenakapelle lautet: HIC TELLUS SANCTA CALVA, RIE SOLIME AB BEATA HELENA, IN INFERIOREM FORNICEM, DEMISSA SERVATA EST ARQUE, INDE NOMEN HIERUSALEM, CAPELLE INDITUM („Hier wird die heilige Erde vom Kalvarienberg von Jerusalem, von der seligen Helena im unteren Gewölbe ausgebreitet, aufbewahrt, über der sie diese Kapelle mit dem Namen Jerusalem errichtete.“) Das Buch der Päpste, der Liber Pontificalis, schreibt in der Chronik des Papstes Silvester I.: „Kaiser Konstantin errichtete im Sessorianischen Palast eine Basilika, in der er Teile vom heiligen Kreuz unseres Herrn Jesus Christus in einem mit Edelsteinen verzierten Goldschrein verwahrte, wo er auch den Namen der Kirche weihte, die man bis zum heutigen Tag als Jerusalem kennt.“

Spätmittelalterlichen Pilgerführern galt diese Kapelle als so heilig, dass sie von Frauen nicht betreten werden durfte, was auch für die lateranische Palastkapelle Sancta Sanctorum galt.

Gärten

Die Ringmauer eines alten Amphitheaters umfasst das Grundstück, in dem Zisterzienser den prächtigen botanischen Garten mit Gemüsegarten angelegt haben.

Literatur

  • Mario Armellini: Le chiese di Roma dalle loro origine sino al secolo XVI. Tipografia editrice romana, Rom 1887, S. 203–207.
  • Raimondo Besozzi: La Storia Della Basilica Di Santa Croce In Gerusalemme dedicata alla Santità di nostro Signore Papa Benedetto Decimoquarto. Salomoni, Rom 1750, online.
  • Heinz-Joachim Fischer: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt. DuMont Buchverlag, Köln 2001, ISBN 3-7701-5607-2, S. 302.
  • Anton Henze: Kunstführer Rom. 5. neu bearbeitete Auflage. Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5, S. 168–169.
  • Michael Hesemann: Die Jesus-Tafel. Die Entdeckung der Kreuz-Inschrift. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1999, ISBN 3-451-27092-7, S. 241–274.
  • Sergio Ortolani: S. Croce in Gerusalemme. 2a edizione. Marietti, Rom 1969 (Le Chiese di Roma illustrate 106, ZDB-ID 196104-4).
  • Carsten Peter Thiede, Matthew D'Ancona: Das Jesus-Fragment. Was wirklich über dem Kreuz Jesu stand. Das Abenteuer einer archäologischen Entdeckung. Brunnen, Basel u. a. 2004, ISBN 3-7655-3796-9.

Einzelnachweise

  1. kath.net: Rom: Abtei Santa Croce in Gerusalemme wird vom Vatikan aufgelöst, Artikel vom 24. Mai 2011 (abgerufen am 25. Mai 2011)
  2. Giuseppe Nardi: Vatikan löst Zisterzienserabtei Santa Croce in Gerusalemme auf, in: Katholisches. Magazin für Kirche und Kultur, Artikel vom 23. Mai 2011 (abgerufen am 25. Mai 2011)

Weblinks

 Commons: Santa Croce in Gerusalemme (Rome) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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