Wesel-Datteln-Kanal

Wesel-Datteln-Kanal
Kanalstufe Hünxe, Unterwasser vom Nordufer. Links große Schleuse, rechts kleine Schleuse
Füllen der großen Schleuse Flaesheim
Das Hubtor der großen Schleuse Datteln

Der Wesel-Datteln-Kanal (WDK, Gewässerkennzahl: 75101) ist eine Bundeswasserstraße[1] im Bundesland Nordrhein-Westfalen und einer der wichtigsten und verkehrsreichsten Schifffahrtskanäle Deutschlands. Die Wasserstraße verläuft durch das nördliche Ruhrgebiet und verbindet den Rheinstrom bei Wesel mit dem Dortmund-Ems-Kanal am Wasserstraßenkreuz Datteln. Der 60 km lange[2] Kanal verläuft parallel zur Lippe auf ihrer Südseite.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Wegen seines Laufs entlang der Lippe wurde der Wesel-Datteln-Kanal und seine östliche Verlängerung, die heute Datteln-Hamm-Kanal heißt, bei Baubeginn Lippe-Seitenkanal genannt. Die Kanaleingangsschleusen am Rhein sind die Schleusen Friedrichsfeld zwischen Voerde (Niederrhein) und Wesel. Die Schiffe fahren auf dem Kanal zu Berg bis zum Wasserstraßenkreuz Datteln. Mit insgesamt sechs Kanalstufen[3] mit zunächst je einer Schleuse wird je nach Rheinwasserstand ein Höhenunterschied von maximal 44 Metern überwunden. Der Wesel-Datteln-Kanal bildet die kürzeste Verbindung zwischen den niederländischen Nordseehäfen mit dem Ruhrgebiet. Er ist zugleich neben dem Rhein-Herne-Kanal das Eingangstor zur einzigen deutschen West-Ost-Wasserstraßenverbindung über den Dortmund-Ems-Kanal und den Mittellandkanal bis zur Oder.

Der Kanal ist eine Binnenwasserstraße der Klasse Vb und kann somit von Großmotorgüterschiffen und entsprechenden Verbänden befahren werden.

Im Jahr 2003 wurden bei etwa 23.400 Schleusungen 17,5 Mio. t Güter auf dem Wesel-Datteln-Kanal transportiert. Der Umschlag am Kanal betrug im Jahr 2004 etwa 6,1 Mio. t. Den größten Umschlag entlang des Wesel-Datteln-Kanal haben die Marler Häfen am Chemiepark Marl und der Zeche Auguste Victoria/Blumenthal mit etwa 4.000.000 t Umschlag/Jahr.

Der Kanal wird vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich verwaltet. Polizeilich ist die Wasserschutzpolizeiwache Datteln und die Wachdienstgruppen Dorsten, Dortmund und Hamm zuständig. Die Wassersicherheit entlang des Kanals wird durch die DLRG-Ortsgruppen Voerde, Datteln, Haltern und Marl, der Wasserwacht Datteln und den Feuerwehren Dorsten und Haltern sichergestellt.

Geschichte

Der Hauptgrund für den Kanalbau war, die Nord- und Ostwanderung des Bergbaues und der Industrie durch eine leistungsfähige Wasserstraße zu unterstützen und ggf. den Rhein-Herne-Kanal zu entlasten.

Trotz Kriegsbeginns wurde 1915 mit dem Bau begonnen, der allerdings schon 1916 eingestellt werden musste. Bei Dorsten wurde die Lippe etwa 500 m nach Norden verlegt. Erst ab 1924 konnten die Bauarbeiten wieder ernsthaft aufgenommen werden, so dass schließlich am 2. Juni 1930 der Probebetrieb aufgenommen werden konnte. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte zwar erst ein Jahr später, dennoch gilt 1930 als Eröffnungsdatum. Verschiedene Baumaßnahmen berücksichtigten einen späteren Ausgleich von Bergsenkungen.

Mit 6 Mio. t/Jahr wurde Ende der 1930er Jahre die errechnete Leistungsfähigkeit bereits erreicht. 1958 wurde deshalb damit begonnen, neben den bestehenden 225 m langen und 12 m breiten Schleusen jeweils eine weitere Schleuse zu errichten. 1966 ging die zweite Schleuse Friedrichsfeld in Betrieb. Bis 1970 wurden alle Kanalstufen mit einer zweiten, kleineren Schleuse von 110 m Länge und 12 m Breite für das Europaschiff ausgerüstet, um den gestiegenen Verkehr zu bewältigen. 1990 war der 1968 begonnene Ausbau des Kanalprofils, weitgehend in einseitiger Spundwandbauweise, abgeschlossen, so dass auch große Schubverbände den Kanal nutzen konnten. 1992/93 wurden außerdem die Hubtore aller Schleusen ersetzt.

Im Jahr 2005 begann die schwimmende Wanderausstellung „Wandel durch Kanal – 75 Jahre Wesel-Datteln-Kanal“ auf dem 80 Jahre alten Schleppkahn „Ostara“. Das Schiff des Westfälisches Industriemuseums machte an Schleusen und Häfen fest und zeigte eine Ausstellung über die Lippeschifffahrt und die Geschichte des Wesel-Datteln-Kanals.

Wasserhaltung

Der Wesel-Datteln-Kanal ist ein Glied des Wasserleitungsnetzes, das die Westdeutschen Kanäle (Datteln-Hamm, Dortmund-Ems, Rhein-Herne und Wesel-Datteln) bilden. Dieses Netz dient nicht nur der Schifffahrt für die Schleusungen sowie dem Ausgleich für Versickerungen und Verdunstungen, sondern in hohem Maße auch der öffentlichen, landwirtschaftlichen und industriellen Wasserversorgung in Form von Gebrauchswasser (Kühlwasser für Kraftwerke) und Verbrauchswasser. Der Bedarf wird einerseits durch Entnahme aus der oberen Lippe bei der Wasserübergabe Hamm, zusätzlich durch den Verbindungskanal des Rhein-Herne-Kanals zum Unterlauf der Ruhr und in Ausnahmesituationen aus dem Rhein gedeckt. Andererseits wird durch Rückpumpen von Schleusungswasser der Verbrauch für die Schifffahrt minimiert. Hierfür wurde der WDK an seinen sechs Kanalstufen bereits bei seinem Bau mit Rückpumpwerken ausgestattet. Diese Pumpwerkskette brachte seit 1931 eine wesentliche Erleichterung der Wasserversorgung, zumal bei dem steigenden Verkehr. In den 1980er Jahren wurden die Pumpwerke modernisiert und ihre Kapazität erhöht. Die gesamte Wasserversorgung der Westdeutschen Kanäle wird seit 1984 durch die Fernsteuerungszentrale in Datteln geregelt.

Kanalstufen

Reihenfolge vom Rhein bis zum Dattelner Meer:

Freizeitnutzung

Vereinssportler mit Faltbooten um 1950
Heutige Freizeitnutzung des Wesel-Datteln-Kanal

Parallel zum Kanal verläuft fast durchgehend von Datteln bis nach Friedrichsfeld ein Radweg. Lediglich am Chemiepark in Marl muss der Kanal verlassen werden und auf den Radweg an der Lippe ausgewichen werden.

An mehreren Stellen, vor allem in der Nähe von Schleusen, sind Wasserwanderrastplätze eingerichtet (z. B. nahe der Schleuse Hünxe), an denen teilweise bis zu 72 Stunden geankert werden kann.

An den Ufern des Kanals gibt es einige Campingplätze, zum Beispiel an der Marina Flaesheim. Im Sommer wird der Kanal trotz offizieller Verbote zum Baden genutzt.

Für Angler wird der Wesel-Datteln-Kanal vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe betreut.

Literatur

M. Eckoldt (Hrsg.), Flüsse und Kanäle, Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen, DSV-Verlag Hamburg 1998

Einzelnachweise

  1. Verzeichnis E, Lfd.Nr. 63 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. DIN 4054 Verkehrswasserbau, Begriffe, September 1977,

Weblinks

 Commons: Wesel-Datteln-Kanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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