Stahlwerke Bochum

Stahlwerke Bochum
Firmenzeichen der Stahlwerke Bochum um 1950
Zufahrt zu TKS Elektro und SWB 2009

Die Stahlwerke Bochum AG (SWB) gehen zurück auf die Seilfabrik Vennemann aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts und sind neben dem ehemaligen Bochumer Verein der größte Stahlstandort in Bochum mit Walzwerk und Stahlgießanlagen. Nach mehreren Eigentümerwechseln produzieren heute die ThyssenKrupp und die Stahlwerke Bochum GmbH als Nachfolgeunternehmen am Standort Castroper Straße.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aufstieg

Um das Jahr 1820 gründete Johann Hermann Vennemann (1798–1845) an der Castroper Straße in Bochum eine Seilerei, die seine Söhne später an die Essener Chausse (heute Alleestraße 79, direkt gegenüber dem Bochumer Verein) umsiedelten und die für den prosperierenden Bergbau unter anderem seit 1830 (Draht-) Förderseile herstellte. Heinrich Grimberg übernahm im Jahre 1880 die Fabrik der Familie seiner Frau Wilhelmine in die Firma H. Grimberg & Christian Hilgerd. 1907 siedelte die Seilerei zusammen mit der Firma Heinrich Grimberg, die Grubenlampen und weitere Bergbauartikel herstellte, auf das heutige Gelände auf der „großen Vöde“ an der Karl-Lange-Straße um. Sechs Jahre später wurde das Produktprogramm dann auf Stahlkonstruktionen und Maschinen umgestellt, 1918 wurde die Firma zur Securitas-Werke AG, die wiederum Mitte des Jahres 1921 in Maschinenbau AG Elsaß umbenannt wurde. Die Bergbau AG „Lothringen“, zu deren Aktionären Grimberg zählte, initiierte dann den Bau eines Stahl-, Walz- und Schmiedewerkes, das von den Zechenanlagen im Stadtteil Bochum-Gerthe mit Kokereigas und Elektrizität beliefert werden konnte. Aufgrund einer Neuausrichtung wurde das Unternehmen 1926 in Eisen- und Hüttenwerke AG umbenannt, die Zahl der Arbeiter stieg von 1.034 auf über 2.300.

Wie beim Bochumer Verein wurden auch bei der Eisen- und Hüttenwerke AG Zwangsarbeiter und in den letzten Kriegsjahren auch KZ-Häftlinge für die Produktion eingesetzt.

1936 erwarb die Otto Wolff KG eine Aktienmehrheit von der Bergbau AG „Lothringen“, die in der Weltwirtschaftskrise stark in Bedrängnis gekommen war.

Da die Fabrikationsanlagen an der Castroper Straße weder im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt noch nach Kriegsende demontiert wurden, konnte der Betrieb 1945 nahezu unverändert weitergeführt werden. 1947 wurde der Betrieb dann als Stahlwerke Bochum AG (SWB) neu gegründet, die 1953 schließlich 4000 Arbeiter beschäftigte. Die Drahtseilerei, die im 19. Jahrhundert den Einstieg in das Stahlgeschäft bedeutete, wurde erst am 30. Juli 1951 stillgelegt. Im Jahr 1960 wurde mit dem Bochumer Verein eine Vereinbarung zur Lieferung von Roheisen aus dessen Hochöfen per Bahn abgeschlossen.

Niedergang

Nach der Höchstzahl von über 5700 Arbeitern im Jahre 1961 und der Inbetriebnahme eines Kaltbreitbandwalzwerks und neuen Elektro-Ofens begann der Abstieg des ehemals zweitgrößten Bochumer Arbeitgebers: In der Stahlkrise erfolgte 1964 die Stilllegung des Siemens-Martin-Stahlwerks, das an die Edelstahlwerke (Krefeld) verkauft wurde, 1966 der Verkauf der Blockwalzstraße, die erst im Vorjahr modernisiert wurde, an die Buderus-Werke (Wetzlar). Im Jahr 1967 waren daher nur noch knapp 3700 Arbeiter und Angestellte bei den SWB beschäftigt. Nach der Stilllegung des Hammerwerkes 1968 waren es schließlich noch 3300 Arbeitsplätze, als die Thyssen-Gruppe die Mehrheit des nunmehr auf Feinblech und Stahlguss spezialisierten Standortes übernahm.

1970 übernahm die Thyssen-Gruppe das Bochumer Werk komplett, die den Walzwerk-Standort auf die Herstellung von Elektroblech ausrichtete. Der Standort Neviges, an dem zuletzt noch ein Walzwerk in Betrieb war, stand schließlich 1976 zur Disposition. 1989 wurde der Bochumer Standort mit dem Werk in Gelsenkirchen in der EBG Gesellschaft für Elektromagnetische Werkstoffe GmbH zusammenfasst.

Gegenwart

Luftaufnahme des Werksgeländes

2002 wurden die Elektroblech-Aktivitäten der mittlerweile entstandenen ThyssenKruppSteel in der ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH zusammengefasst, im September 2004 wurde der Gießereibetrieb jedoch aufgrund der Konzentration von TKS als Management Buyout eine eigenständige GmbH, die wieder den traditionellen Namen „Stahlwerke Bochum“ bekam.

Der Wasserturm vom Typ Klönne, der 1927 errichtet wurde, steht unter Denkmalschutz. Der markante Gasometer mit dem Firmenzeichen der Stahlwerke Bochum wurde abgerissen. Auch die Hallen des Siemens-Martin-Stahlwerkes wurden im Dezember 1981 niedergelegt.

Literatur

  • Arbeit am Stahl. Stahlwerke Bochum AG, Bochum 1953
  • Zusammenfassung im 6. Bochumer Heimatbuch 1954
  • Industrielehrpfad auf bochum.de online
  • Zeitgeschichtliche Sammlung (vor allem die Zeitungsartikel der Bochumer Zeitung vom 1. März 1959 und Ruhr-Nachrichten vom 13. Oktober 1966) im Stadtarchiv Bochum, Signatur ZA IX A1
51.4888717.248015

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