Erhard Auer

Erhard Auer
Erhard Auer als bayerischer Innenminister. Postkarte von 1919
Gedenktafel für Erhard Auer in Giengen an der Brenz, Obertorstraße 9

Erhard Auer (* 22. Dezember 1874 in Dommelstadl, Gemeinde Neuburg am Inn bei Passau; † 20. März 1945 in Giengen an der Brenz, Württemberg) war ein bayerischer Politiker, Mitglied des Landtages, erster Innenminister des Freistaats Bayern und SPD-Parteivorsitzender in Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Geboren wurde Auer als unehelicher Sohn einer Näherin aus einer bereits sozialdemokratisch geprägten Familie. Für ihre soziale Not spricht, dass er bereits mit zwölf Jahren als Landarbeiter arbeitete. Im Alter von 15 Jahren gehörte Auer zu den Mitbegründern einer sofort wieder verbotenen Landarbeiterbewegung. Nach seinem Militärdienst gelang ihm ein bemerkenswerter sozialer Aufstieg. Als Bote trat er 1896 in ein Münchener Handelshaus ein und erreichte im Laufe der Zeit durch intensive Weiterbildung eine leitende Stellung. Im Jahr 1900 trat er dann in den Dienst der Ortskrankenkasse München ein. Diese Stellung gab er 1908 auf Grund seiner zahlreichen politischen Verpflichtungen auf. Im Ersten Weltkrieg war Auer Soldat.

Partei und parlamentarische Mandate

Seit 1892 war Auer Mitglied der SPD. Von 1900 bis 1921 war Auer Leiter des neu errichteten Landessekretariats der bayerischen SPD und war damit enger Mitarbeiter des Vorsitzenden Georg von Vollmar. Seit 1907 war Auer Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer und von 1919 bis zum Ende der Republik Vizepräsident des Bayerischen Landtages. 1919/20 war Auer Mitglied der verfassunggebenden Nationalversammlung.

Auer während der Revolution von 1918/19

Zu Auers Rolle während des Streiks bei Krupp im Januar 1918 schreibt Ernst Toller in „Eine Jugend in Deutschland“, der „Führer der Rechtssozialisten“, Auer habe die Arbeiter beschwichtigt: „Tagelang währt der Streik, bis sich die rechtssozialistischen Parlamentarier der Führung bemächtigen, sie haben dem Kriegsminister versprochen, den Streik abzuwürgen. Der Streik bricht zusammen. Vorher wird eine Delegation gewählt, sie soll »mit allem Ernst und allem Nachdruck« dem Minister die Forderungen der Streikenden überbringen. Der Führer der Rechtssozialisten Auer beschwichtigt die unzufriedenen Arbeiter, er verbürge sich für die Erfüllung ihrer Forderungen, er werde die Delegation zum Minister führen, keiner, der am Streik teilgenommen habe, würde entlassen, keiner bestraft werden. Vormittags versammeln sich die Streikenden zu einer letzten Kundgebung auf der Theresienwiese, der Zug zieht in die Stadt und löst sich am Karlsplatz auf.“ Kurz darauf werden die Streikführer, unter ihnen auch Ernst Toller verhaftet.

Nach dem Rücktritt von Georg von Vollmar wurde Auer zu dessen Nachfolger gewählt. Am 8. November 1918 wählte der provisorische Nationalrat Bayerns eine Revolutionsregierung aus MSPD und USPD mit Kurt Eisner als Ministerpräsident und Erhard Auer als Innenminister.

Auer, der auch der Weimarer Nationalversammlung angehörte, war wie der Großteil der bayerischen MSPD-Führung bestrebt, möglichst schnell eine Koalition mit der Bayerischen Volkspartei und den Liberalen zu schließen, wie dies auf Reichsebene mit der Weimarer Koalition ebenfalls geschehen sollte.

Bei den Landtagswahlen vom 12. Januar 1919 erlitt die USPD eine vernichtende Niederlage und Eisner wollte auf der konstituierenden Sitzung des Landtages am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt als Ministerpräsident erklären, wurde aber auf dem Weg zum Landtagsgebäude von Graf Anton von Arco-Valley erschossen. Es kommt daraufhin zu Tumulten im Landtag, bei denen Erhard Auer von dem Linksradikalen Alois Lindner angeschossen und der Major Paul Ritter von Jahreiß (Referent im bayerischen Kriegsministerium) getötet wird. Der konservative Abgeordnete Heinrich Osel stirbt ebenfalls an einer Schusswunde, die Täterschaft bleibt jedoch in diesem Fall unklar.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Nach seiner Genesung, operiert wurde er von Ferdinand Sauerbruch, übernahm Auer den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion. In den Jahren 1919/20 war Auer erneut Innenminister in Bayern. Von 1919 bis 1933 war er Stadtrat in München. In der Mitte der 1920er Jahre setzte sich Auer für eine reformistische Ausrichtung des neuen SPD-Grundsatzprogramms („Heidelberger Programm“) (1925). Er gehörte zu denjenigen Sozialdemokraten, die versuchten sich dem Nationalsozialismus selbstbewusst entgegenzustellen. Als Reaktion auf den Hitlerputsch von 1923 veranlasste Auer die Bildung sozialdemokratischer Selbstschutzbünde, die so genannten Auer-Garden, die später in das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ überführt werden.

Nach der „Machtergreifung“ durch die NSDAP tauchte Auer zunächst unter und floh nach Innsbruck. Kurze Zeit später kehrte er jedoch nach München zurück. Am 9. Mai 1933 wurde er im Münchener Stadtrat von Nationalsozialisten schwer misshandelt und im Gefängnis Stadelheim inhaftiert. Nach seiner Freilassung erhielt Auer für München ein Aufenthaltsverbot und war in der Folge gezwungen, Aufenthaltsort und Anstellung des Öfteren zu wechseln. Im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Auer, inzwischen schwer krank, erneut verhaftet, im KZ Dachau inhaftiert und wohl wegen der vorrückenden alliierten Truppen mit einem Krankenwagen nach Giengen verlegt, wo er am 20. März 1945 starb.

Literatur

  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Erster Band, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S. 40, ISBN 3-598-30664-4
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Hgn.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Marburg 2000, S. 26f.
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1. 

Weblinks


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