Henry Goverts

Henry Goverts

Wilhelm Henry Goverts (* 28. Mai 1892 in Hamburg; † 30. Mai 1988 in Vaduz, Liechtenstein) war ein deutscher Verleger und Verlagsgründer.

Goverts entstammte einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie, deren männlich Mitglieder größtenteils als Assekuranzmakler tätig gewesen waren.[1]. Nach einer Ausbildung als Kaufmann studierte Goverts ab 1919 in Heidelberg Soziologie und schloss das Studium 1925 mit einer Promotion über das Volkserziehungsprogramm von John Ruskin bei Alfred Weber ab. Ab Mitte der 1920er Jahre gehörte er dem Klub vom 3. Oktober an, einer sozialliberalen Vereinigung in Hamburg, deren Mitgliedschaft sich überwiegend aus jüngeren SPD- und DDP-Politikern speiste.[2] Von 1927 bis 1933 arbeitete Goverts an der Volkshochschule Hamburg als Lehrer. 1934 gründete er zusammen mit Eugen Claassen den H. Goverts Verlag und vermied es dabei, Naziliteratur zu veröffentlichen. Der Verlag konzentrierte sich auf Romane, Lyrik, Geistes- und Naturwissenschaften sowie Übersetzungen, vor allem aus der italienischen und amerikanischen Literatur. Der größte Publikumserfolg war 1937 die deutsche Übersetzung von Margaret Mitchells Vom Winde verweht, ebenso verlegt Goverts auch die Werke Herman Melvilles. Goverts hielt auch weiterhin Kontakte zu emigrierten Schriftstellern aufrecht, so etwa zu Carl Zuckmayer. In seinem Verlag verschaffte er, der sich seit 1933 am liberalen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligte, dem entlassenen Rektor der Lichtwarkschule Heinrich Landahl, den er aus dem Klub vom 3. Oktober kannte, eine Anstellung als Lektor.[3] 1945 ging Goverts nach Vaduz in Liechtenstein, wo seine Mutter lebte und blieb auch nach dem Kriegsende dort.

1950 trennte sich Goverts von Claassen und begründete zusammen mit Alfred Scherz den Scherz & Goverts Verlag, den er ab 1956 bis 1964 nach der Trennung von Scherz als Henry Goverts Verlag weiterführte. Er war Verleger unter anderem von Wolfgang Koeppen, Richard Gerlach, Editha Klipstein, Horst Lange oder Erich Kuby.

Werke

  • Henry Goverts (Hrsg.): Der Student im Ausland: Heidelberger Berichte zum Universitätsleben der Gegenwart. Hörning, Heidelberg 1930.

Literatur

  • Dietrich Schaefer (Hrsg.): Begegnung mit Henry Goverts: zu seinem 80. Geburtstag dargebracht von den Freunden, 28. Mai 1972. Goverts, Krüger, Stahlberg, Frankfurt a.M. 1972.
  • Eugen Claassen. Von der Arbeit eines Verlegers. Mit einer Bibliographie der Verlage H. Goverts, Claassen & Goverts, Claassen 1935–1966. Ausstellung von Juni – August 1981 im Schiller-Nationalmuseum Marbach. Bearbeitet von Reinhard Tgahrt und Huguette Herrmann. Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv, Marbach a.N.: Deutsche Schillergesellschaft, 1981.
  • Dietrich Schaefer (Hrsg.): Henry Goverts zum 90. Geburtstag: eine Auswahl seiner Briefe aus den Jahren 1937–1955. Studiodruck, Nürtingen-Raidwangen 1982. Privatdruck, 14 Bl.
  • Anne-Margret Wallrath-Janssen. Der Verlag H. Goverts im Dritten Reich. Saur, München 2007. (Archiv für Geschichte des Buchwesens: Studien. Bd. 5), Dissertation Universität Göttingen 1999, ISBN 978-3-598-24904-4 Ausführliche Vorschau auf Google Books
  • Carl Zuckmayer: Geheimreport. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2004, ISBN 3423131896. (dtv; 13189). Literaturverzeichnis S. 481–509.

Einzelnachweise

  1. Hamburgisches Geschlechterbuch, Band 4, DGB Band 23; Jhrg. 1913, S. 129
  2. Christof Brauers, Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953, Seite 70.
  3. Christof Brauers, Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953, Seite 73.

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