Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal (Hamburg)

Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal (Hamburg)
1903 errichtetes Hamburger Denkmal für Wilhelm I.

Kaiser-Wilhelm-Denkmäler sind auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg gleich mehrmals vorhanden. In vielen Orten des Deutschen Kaiserreiches wurden nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. (1888) Denkmäler zu dessen Ehrung errichtet. Durch die Eingemeindung der ehemals preußischen Stadt Altona 1937 (Groß-Hamburg-Gesetz) zu Hamburg, gibt es nun auf hamburgischem Staatsgebiet gleich zwei Reiterstandbilder, aber auch weniger aufwendige Bildnisse des Kaisers.

Inhaltsverzeichnis

Denkmal in Hamburg

Sockel eines Flaggenmastes auf dem Rathausmarkt (Hamburg)

Koordinaten: 53° 33′ 19″ N, 9° 58′ 41″ O53.5553888888899.9780555555556Koordinaten: 53° 33′ 19″ N, 9° 58′ 41″ O

Das Reiterdenkmal mit Figurengruppe wurde von Johannes Schilling entworfen und am 20. Juni 1903 in Anwesenheit des Enkels Kaiser Wilhelm II. auf dem Rathausmarkt vor dem Hamburger Rathaus enthüllt. 1930 in die Neustadt versetzt, besteht es seit 1997 in der heutigen Gruppierung im Park Planten un Blomen (Ecke Johannes-Brahms-/Sievekingplatz/Holstenwall).

Entstehung

Kurz nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. 1888 wurde eine Kommission aus Senats- und Bürgerschaftsmitgliedern mit der Standortfindung und Ausgestaltung eines Denkmals beauftragt, die sich für einen Entwurf von Fritz Schaper auf der Reesendammbrücke aussprach. Die Empfehlung wurde jedoch von der Bürgerschaft nicht angenommen, die sich 1890 für die Aufstellung auf dem Rathausmarkt entschied. Verkehrsprobleme und finanzielle Fragen verhinderten die Durchführung bis der Baumeister des 1897 fertiggestellten Rathauses Martin Haller die Diskussion wieder entfachte und 1898 (das Reiterdenkmal in Altona war kurz vor der Vollendung) ein neuer Beschluss über einen Denkmalsentwurf von Schilling gefasst und umgesetzt wurde. Die Platzgestaltung geht im Wesentlichen auf den Gemeinschaftsentwurf von Carl Garbers und Ernst Barlach aus einem gewonnen Ideenwettbewerb zurück, der von Schilling lediglich stilistisch an sein Reiterstandbild angepasst wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 3. Juni 1902. Die Kosten für das Denkmal-Ensemble betrugen (einschließlich Platzumgestaltung, Verlegung der Straßenbahn, Feierlichkeiten) über 1 Million Mark.

Ursprüngliche Anlage

Auf einem erhöhten Plateau, dem Rathaus zugewandt, stand das fünfeinhalb Meter hohe Reiterstandbild auf einem sechs Meter hohen, verzierten Sockel aus poliertem Granit. An diesem waren Bronzereliefs zur Versinnbildlichung der Reichseinigung 1871 und die Reichsinsignien angebracht. Vorne durch eine Freitreppe gefasst, wurde das Plateau (80 mal 30 Meter) seitlich eingerahmt von zwei getrennten, viertelkreisförmigen Steinbalustraden. Von vasenartigen Bronze-Feuerbecken bekrönt, waren auch sie zur Innenseite mit verschiedenen Reliefs in Bezug auf die Reichseinigung und mit umlaufenden Sitzbänken versehen, die von mehreren bronzenen Greifen unterbrochen wurden. An den im weiten Bogen verlaufenden Balustraden, die von den beiden Flaggenmasten und zwei Lichtmasten abgeschlossen wurden, waren auch die vier allegorischen Figurengruppen aufgestellt. Zwei weitere Lichtmasten, deren Sockel ebenfalls mit Ornamenten jeweils unterschiedlicher deutscher Baumarten geschmückt waren, standen als Lichtspender einzeln zwischen Flaggenmasten und Standbild in der Anlage, die auch als Festplatz dienen sollte.

Das Denkmal stellte den Kaiser bewusst in würdig empfundener, schlichter Uniform dar. Nicht der preußische Militarismus, sondern die sozialen, ökonomischen und juristischen Errungenschaften nach der Gründung des Deutschen Reiches und Hamburgs Anteil daran, sollten im Vordergrund stehen.

Teilweise Auflösung

1929/1930 wurde das Denkmal, das schon während der Novemberrevolution 1918 sowie 1922 beschädigt worden war und in der nun demokratischen Weimarer Republik auch von politischer Seite kritisiert wurde, entfernt. Anlass war die aus verkehrstechnischen Gründen erfolgte Umgestaltung des Rathausmarktes 1930/1931 unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der das Denkmal schon vor dem Ersten Weltkrieg entfernen wollte um die Platzgestaltung wieder an das ursprünglich geplante Raumgefüge (dem Markusplatz nachempfunden) anzunähern. Das Reiterstandbild, die allegorischen Gruppen, ein Teil der Balustraden und zwei Laternenmasten wurden vor dem Ziviljustizgebäude (vor der Ostfassade in den Wallanlagen am Holsten-, heute Johannes-Brahms-Platz) neu aufgestellt. Die nicht mehr verwendeten Teile, wie die Reliefs und Aufsätze der Balustraden, gelten heute als verschollen. Die Flaggenmasten verblieben - näher zum Rathaus gerückt - am alten Ort.

Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Denkmal wurde 1961 wegen der bevorstehenden Umgestaltung der Wallanlagen (Teil des Parks Planten un Blomen) für die IGA 1963 aufgelöst und das Reiterstandbild auf einem Betonsockel in der Parkanlage erneut umgestellt.

Die vier Figurengruppen, die den Weltverkehr und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die neuen einheitlichen Reichsgesetze, das Invaliditäts- und Altersversorgungsgesetz und das einheitliche Maß- und Münzwesen darstellen, wurden nach kurzzeitiger Ausstellung von 1977 bis 1980 auf dem Rathausmarkt im Jahr 1985 vor den Justizgebäuden am Sievekingplatz aufgestellt. 1997 wurden sie nochmals umgesetzt und nun wieder um das Reiterstandbild gruppiert.

Zudem befinden sich ein erhaltener Lichtmast auf dem St. Anscharplatz (Hinterhof Neue ABC-Straße) und die beiden seitlichen Sockelreliefs des Standbildes in den Schaufenstern des Geschäftes "Thomas I Punkt" am Gänsemarkt und der Rückseite des Hulbe-Hauses.


Denkmal in Altona

Die Statue in Altona

Koordinaten: 53° 32′ 51″ N, 9° 56′ 6″ O53.5475369444449.935127

In der Stadt Altona entstand ebenfalls vor dem Altonaer Rathaus ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Auch hier ist die Statue wieder ein Reiterstandbild das von weiteren Figuren umgeben ist, jedoch anders als später in Hamburg, direkt vor der nordseitigen Hauptfassade des Rathauses mit dem Rücken zum Gebäude aufgestellt wurde. Bildhauer war Gustav Eberlein. Das Denkmal wurde am 18. Juni 1898 in Anwesenheit des (Enkel-)Kaiserpaares eingeweiht.

Auf hohem Sockel steht das Reiterstandbild des Kaisers, der als General mit Helm dargestellt ist. Mit der linken Hand hält er die Zügel des Pferdes. Vor dem Sockel des Standbildes stellen ein antiker Krieger die Deutsche Wehrkraft und zwei weibliche Genien, die sich bei der Hand halten, die Herzogtümer Schleswig und Holstein dar. Zu beiden Seiten hinter dem Reiterstandbild sind auf eigenen Sockeln ein Schmied, stehend für Gewerbe und Industrie und ein Fischer für Handel und Schifffahrt dargestellt.

Weitere Denkmäler in Hamburg

Fassaden-Standbild in Altona
  • Das Büstendenkmal am Kaiser-Wilhelm-Platz in Hamburg-Bergedorf in der Nähe des Bergedorfer Schlosses.
  • Eine Marmorbüste befindet sich auch im Kaisersaal des Hamburger Rathauses, an dessen Stelle bereits zum Empfang der aus dem Deutsch-Französischen Krieg heimkehrenden Soldaten am 17. Juni 1871 ein überlebensgroßes ephemeres Denkmal (aus Gips) von Engelbert Peiffer stand. Es war das erste herrschaftliche Reiterstandbild in der Stadtrepublik und war auch auf einem der verschollenen Flachreliefs der späteren Hamburger Denkmalanlage dargestellt.
  • Ein Standbild an einer Hausfassade Bei der Friedenseiche in Altona

Siehe auch

Literatur

  • Reinhard Alings: Monument und Nation. Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal - zum Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871-1918. de Gruyter, 1996. U. a. S. 224 ff.
  • Maik Ohnezeit: „…dem Begründer des Reiches ein würdiges Denkmal zu setzen.“ Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Bergedorf. In: Lichtwark-Heft Nr. 72, S. 43–46. Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf, 2007. ISSN 1862-3549

Weblinks

 Commons: Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kaiser Wilhelm-Denkmal (Hamburg-Altona) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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