Oer-Erkenschwick

Oer-Erkenschwick
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Oer-Erkenschwick
Oer-Erkenschwick
Deutschlandkarte, Position der Stadt Oer-Erkenschwick hervorgehoben
51.6422222222227.250833333333372
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Recklinghausen
Höhe: 72 m ü. NN
Fläche: 38,69 km²
Einwohner:

30.312 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 783 Einwohner je km²
Postleitzahl: 45739
Vorwahlen: 0 23 68
Kfz-Kennzeichen: RE
Gemeindeschlüssel: 05 5 62 028
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
45739 Oer-Erkenschwick
Webpräsenz: www.oer-erkenschwick.de
Bürgermeister: Johannes-Joachim Menge (CDU)
Lage der Stadt Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen
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Über dieses Bild

Die westfälische Stadt Oer-Erkenschwick [oːɐ-] liegt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster.

Das „e“ in Oer ist ein niederdeutsches Dehnungs-e, so dass Oer als „Oor“, nicht wie „Ör“, ausgesprochen wird.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Räumliche Lage

Die Stadt Oer-Erkenschwick liegt östlich der Kreisstadt Recklinghausen und am Südrand der Haard, die selbst zum Naturpark Hohe Mark gehört.

Gemeinsam mit Datteln, Waltrop und Flaesheim bildet Oer-Erkenschwick inoffiziell die Region Ostvest.

Stadtgebiet

Die Stadt gliedert sich in die Ortsteile Oer, Klein-Erkenschwick, Groß-Erkenschwick, Rapen, Erkenschwick und die Honermannsiedlung.

Geschichte

Am 1. April 1926 wurde die Gemeinde Oer-Erkenschwick aus Teilen der Gemeinden Datteln, Oer und Recklinghausen-Land neu gebildet.[2] Am 2. März 1953 erhielt sie die Stadtrechte. Damit ist sie eine der jüngsten Städte des Ruhrgebiets. Einzelne Stadtteile wie z. B. Oer finden aber schon in mehr als 860 Jahre alten Schriftstücken Erwähnung. Das große Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert resultierte aus der massiven Zuwanderung durch den Kohlebergbau.

Nachdem die örtliche Zeche Ewald Fortsetzung 1997 stillgelegt wurde, lag der Wirtschaftsschwerpunkt der Stadt im Jahr 2005 in der Fleischverarbeitung. Kreisweit bekannt wurde die Stadt für das Freizeit- und Erlebnisbad Stimbergpark, für das 2004 ein neues, privatisiertes Sport- und Spaßbad namens Maritimo eröffnet wurde.[3]

Weit über den Kreis Recklinghausen hinaus bekannt wurde die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg durch einen der bis Mitte der 1950er Jahre in Westdeutschland führenden Fußballvereine, die SpVgg Erkenschwick.

Rathaus
Christus-König-Kirche von Josef Franke

Politik

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Kommunalwahlkampf in Oer-Erkenschwick im Jahre 1999, als bekannt wurde, dass der Bürgermeisterkandidat der FDP, Dirk Chittka, vor seinen Mitgliedschaften in CDU und CSU auch der rechtsextremen NPD angehört hatte. Die FDP forderte ihn zum Rücktritt von seiner Kandidatur auf, die der beruflich als Unternehmensberater und Motivationscoach arbeitende Chittka, jedoch aufrechterhielt. Daraufhin rief die FDP die Bürger auf, bei der Kommunalwahl nicht FDP zu wählen, da er auch als Spitzenkandidat der FDP für den Stadtrat angetreten war. Letztlich blieb ihm der Einzug in den Rat der Stadt – per Wählervotum – verwehrt.[4] Zwischenzeitlich wieder zur NPD zurückgekehrt, fungierte Chittka im Jahre 2006 kurzzeitig als Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei Ab jetzt…Bündnis für Deutschland für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.[5] Inzwischen hält Chittka wieder Vorträge für die NPD.[6]

Zu einem besonderen politischen Ereignis kam es auch im Jahr 2004: Der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Rusche kandidierte bei der Bürgermeisterwahl gegen den von der SPD nominierten Kandidaten, da er aufgrund eines parteiinternen Streits aus der Ratsfraktion ausgeschlossen worden war. Bei der Stichwahl konnte sich dann der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Johannes-Joachim Menge gegen Alfred Schlechter (SPD) durchsetzen und wurde zum Bürgermeister der Stadt Oer-Erkenschwick gewählt. Er ist damit der erste Bürgermeister in Oer-Erkenschwick, der nicht Mitglied der SPD ist.

Im Stadtteil Oer liegt die NRW Landes- und Bundesbildungsstätte der SJD-Die Falken – das Salvador-Allende-Haus, in dem auch das Archiv der Arbeiterjugendbewegung angesiedelt ist.[7]

Stadtrat

Dem Stadtrat gehören 38 Mitglieder an. Seit der letzten Kommunalwahl sind darin sieben Fraktionen vertreten, nämlich SPD mit 15, CDU mit elf, Bündnis 90/Die Grünen und LINKE mit je drei, Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), FDP und Bürgervereinigung Oer-Erkenschwick (BOE) mit je zwei Sitzen.

Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975

In der Liste[8][9][10][11][12] werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Jahr SPD CDU Grüne1 Linke UWG FDP BOE
1975 66,5 28,0 4,4
19792 66,7 25,8 4,9
1984 65,2 21,8 10,2 2,8
1989 63,6 21,6 11,4 3,5
1994 62,3 21,7 9,7 4,9 1,4
1999 54,8 28,2 6,5 9,4 1,1
2004 40,4 28,6 7,5 7,0 3,9 12,7
2009 38,9 28,8 8,6 7,3 6,5 5,1 4,8
Fußnoten

1 Grüne: 1984 bis 2004: GL, 2009: B’90/Grüne
2 1979: zusätzlich: UWU: 2,7 %

Bürgermeister

  • 1946–1963: Wilhelm Winter, SPD
  • 1963–1987: Heinz Netta, SPD
  • 1987–2004: Clemens Peick, SPD
  • seit 2004: Johannes-Joachim Menge, CDU

Städtepartnerschaften

Fördergerüst der Zeche Ewald Fortsetzung

Oer-Erkenschwick unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Wirtschaft

Von 1899 bis 1997 war ein bedeutender Wirtschaftszweig der Steinkohlebergbau und die Kokerei. Noch heute sind Teile der ehemaligen Bergwerksanlagen der Zeche Ewald im Stadtgebiet zu sehen.

Auch Jahre nach dem Niedergang der Montanindustrie, die die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt bestimmte, leidet die Stadt noch unter hoher Arbeitslosigkeit als Folge dieses Abhängigkeitsverhältnisses. Neben der umsatzstarken Fleisch- und Wurstfabrik Gustoland herrscht heute vor allem der Handel vor. Die Industrie ist nicht mehr der prägende Faktor. Vielmehr arbeitet der überwiegende Teil der Oer-Erkenschwicker Bürger außerhalb der Stadt. Oer-Erkenschwick kann sich daher zu Recht als Wohn- und Freizeitstadt bezeichnen.

Medizin

Oer-Erkenschwick verfügt über kein eigenes Krankenhaus. Für die medizinische Versorgung sind die Krankenhäuser in Recklinghausen und Datteln zuständig.

Bildung

Neben fünf Grundschulen beherbergt die Stadt eine Hauptschule (Paul-Gerhardt-Schule), eine Realschule (Christoph-Stöver-Realschule), das Willy-Brandt-Gymnasium und eine Förderschule (Friedrich-Fröbel-Schule). Für die Erwachsenenbildung gibt es eine Volkshochschule.[13]

Sport

Stimbergstadion Haupttribüne

Der Fußballverein SpVgg Erkenschwick gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg fast ein Jahrzehnt der höchsten Spielklasse an. Seine Spielstätte ist das Stimbergstadion.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Peter Anders (* 1949), Fußballspieler und -trainer
  • Hans Dieter Baroth (1937–2008), Journalist und Schriftsteller
  • Ninon Colneric (* 1948), Rechtswissenschaftlerin und ehemalige Richterin am Europäischen Gerichtshof
  • Olga Eckstein, Turmspringerin, sechsfache deutsche Meisterin
  • Julius „Jule“ Ludorf (* 1919), Fußballspieler
  • Horst Szymaniak, 43-facher Fußball-Nationalspieler, WM-Teilnehmer 1958 und 1962
  • Heinz Schäfer, Ringer, Olympiateilnehmer, Deutscher Meister
  • Klaus Wennemann (1940–2000), Schauspieler
  • Birgit Broda, Leichtathletin, Senioren-Welt- und Europameisterin
  • Werner Ehrlicher (* 1927), Schauspieler
  • Ellen Krenz, Sängerin, Komponistin und Texterin[14]
  • Jörg Grabosch, Chef der TV-Produktionsfirma Brainpool

Persönlichkeiten, die mit der Stadt verbunden sind

  • Leonardo DiCaprio, Schauspieler, wohnte in seiner Jugend zeitweilig bei seinen Großeltern in Oer-Erkenschwick
  • Moondog, Komponist, lebte in Oer-Erkenschwick von Mitte der 1970er Jahre bis zu seinem Tod 1999

Literatur

  • Gerhard Verk u. Bettina Lehnert: Übertage - Untertage. Bergbau in Oer-Erkenschwick Sutton Verlag, Erfurt 2003. ISBN 978-3-89702-523-3

Quellen

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 27. Juni 2011. (Hilfe dazu)
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817 – 1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.
  3. Maritimo – von „Traumsauna“ zur „Erlebnissauna“
  4. http://www.vvn-bda-re.de/pdf/1969-2000.pdf
  5. http://forum.helmut-fleck.de/viewtopic.php?p=27&sid=a2e0bbea3b62f88343192abcb054de6f
  6. http://www.news4press.com/NPD-Dortmund-Dortmund--Im-Zuge-der-land_377774.html
  7. http://www.allende-haus.de/i_wir.html
  8. Verzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009
  9. Wahlprofil des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NW
  10. Wahlergebnisse 1999 (PDF-Datei)
  11. Wahlergebnisse 2004 (PDF-Datei)
  12. Wahlergebnisse 200
  13. Stadtentwicklungskonzept Oer-Erkenschwick (PDF)
  14. Ellen Krenz’ Biografie

Weblinks

 Commons: Oer-Erkenschwick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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