VC-137C

VC-137C
Siegel des US-Präsidenten

Air Force One ist der Funkrufname für jedes Flugzeug der US Air Force, in dem sich der Präsident der Vereinigten Staaten befindet. Dieses kann praktisch jedes Flugzeug der US Air Force sein. Im allgemeinen Sprachgebrauch, der aber nur dann zutrifft, wenn der Präsident an Bord ist, bezeichnet der Begriff heute zwei umgebaute Langstreckenversionen der Boeing 747-200B mit der USAF-Bezeichnung VC-25A, die seit 1990 im Einsatz sind.

Inhaltsverzeichnis

Flugzeuge 1943 bis heute

Boeing 314

Als in den 1940er-Jahren die Personenbeförderung mit Flugzeugen ihre Anfänge nahm, wurde dies auch für den amerikanischen Präsidenten ein adäquates Mittel zu reisen. Franklin D. Roosevelt wurde zunächst ein Flugboot Boeing 314 (militärische Bezeichnung: C-98) zur Verfügung gestellt, um 1943 zur Casablanca-Konferenz zu reisen. Schiffe waren wegen der Gefahr, die von deutschen U-Booten ausging, ein zu gefährliches Transportmittel im Zweiten Weltkrieg.

C-87

Bereits 1944 erhielt der Präsident eine C-87A Liberator Express mit dem Namen Guess where Two für seine Reisen. Diese Flugzeuge waren umgebaute B-24-Bomber. Nachdem allerdings eine andere C-87A aus ungeklärter Ursache abgestürzt war, kam man schnell wieder von diesem Typ ab, und die Guess where Two wurde außer Dienst gestellt.

C-54

C-54 Skymaster Sacred Cow

1944 wurde eine C-54 Skymaster mit dem Namen Sacred Cow als Präsidentenmaschine umgebaut. Sie war unter anderem mit einem Schlafraum, Telekommunikationseinrichtungen und einem Aufzug für Roosevelts Rollstuhl ausgerüstet.

C-118 Liftmaster Independence

C-118, VC-118A

Als Roosevelt im Frühjahr 1945 starb und Harry S. Truman Präsident wurde, ließ dieser sich eine C-118 Liftmaster für seine Reisen umbauen. Sie erhielt den Namen Independence, nach Trumans Geburtsort Independence, Missouri. Dies war das erste aller Präsidentenflugzeuge, das auch äußerlich verändert war: das gesamte Flugzeug war als stilisierter Weißkopfadler lackiert. Auch John F. Kennedy griff 1960 nochmals auf eine Liftmaster zurück, allerdings auf eine aktuellere Version (VC-118A), um eine Maschine für kleinere Flugplätze zu haben, auf denen er nicht mit seiner VC-137 landen konnte. Diese Maschine ist im Pima Air and Space Museum bei Tucson, Arizona, begehbar ausgestellt.

Lockheed VC-121E Columbine III

VC-121E

Unter Präsident Dwight D. Eisenhower wurden zwei weitere Flugzeuge für den Präsidententransport angeschafft. Es handelte sich um zwei Maschinen des Typs Lockheed Constellation. Diese wurden nach der offiziellen Blume des Staates Colorado, Columbine II und Columbine III (Akelei/Kolumbine) benannt. Eine dieser Maschinen (8614) steht im Pima Air and Space Museum.

VC-137A mit roter Lackierung
VC-137C in alter Lackierung
VC-137C in neuer Lackierung

VC-137A, VC-137B, VC-137C

Am 9. Mai 1959 wurden die ersten drei Boeing 707 als Typ VC-137A von der Air Force in Dienst gestellt. Diese waren mit J57-Turbojettriebwerken ausgestattet und waren anfangs beim 1254th Air Transport Wing stationiert. Später erhielten diese Maschinen neue leistungsstärkere Turbofantriebwerke des Typs TF33, wodurch sie zum Typ VC-137B wurden, und wurden dem 89th Airlift Wing überstellt. Alle diese Flugzeuge waren zum generellen VIP-Transport vorgesehen, nicht exklusiv für den Präsidenten.
Die Kennungen dieser Maschinen waren 58-6970 (86970), 58-6971 (86971) und 58-6972 (86972). Zwei der Maschinen können im Museum of Flight in Seattle, Washington, beziehungsweise im Pima Air and Space Museum besichtigt werden.

1962 wurde die erste modifizierte Boeing 707-320B vom Typ VC-137C speziell für die Bedürfnisse des Präsidenten umgebaut. Für deren Ersatz kam 1972 eine weitere VC-137C hinzu. Die beiden Maschinen (Kennung 62-6000, auch 26000 und 72-7000, auch 27000) waren ebenfalls nicht ausschließlich für den Transport des Präsidenten vorgesehen, auch hochrangige Kabinettsmitglieder, Senatoren und Kongressabgeordnete waren damit auf politischen Reisen unterwegs. Die VC-137C Nr. 26000 benutzte Präsident Kennedy für den Flug nach Dallas am 22. November 1963 (Siehe auch: Attentat auf John F. Kennedy). Die Maschine befindet sich (zusammen mit anderen als Air Force One geflogenen Flugzeugen) im Air Force-Museum in Dayton (Ohio)

Jeder Präsident ließ sich die Maschinen nach seinem Geschmack etwas umbauen, Präsident Nixon war so sehr von diesem Flugzeug begeistert, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt alles mitnahm, was er transportieren konnte.
Mit der Einführung der VC-25A 1987 wurde die 27000 zur Reservemaschine Air Force Two und wurde neben zwei weiteren Maschinen aus dem Jahr 1985 nun für generelle Personentransportzwecke beim 89th Airlift Wing bereitgehalten. 1998 wurden sie zur regulären C-137C, ihren letzten Flug als Air Force One absolvierte sie unter Präsident George W. Bush am 29. August 2001.
Die 27000 befindet sich als Denkmal an der Ronald Reagan Presidential Library in Simi Valley, Kalifornien.

VC-25A

VC-25A über Mount Rushmore

Als man in den 1980ern einen Nachfolger für die beiden seit 1962 eingesetzten VC-137C suchte, fiel die Wahl auf die Boeing 747–200B, da sie ein großes Platzangebot bei großer Reichweite bieten konnte. Die erste für diesen Zweck vorgesehene Maschine startete am 16. Mai 1987 zu ihrem Erstflug. Anschließend wurde sie speziell ausgerüstet: Die Anpassungen im Innenraum umfassen Privatquartiere für die „First Family“, Aufenthalts- und Arbeitsbereiche für weitere Regierungsmitglieder, Sicherheitsbeamte, Personal und Pressevertreter; dazu zwei Küchen und Ausstattung für medizinische Notfälle, inklusive Operationstisch. Neben 23 Besatzungsmitgliedern können bis zu 70 Fluggäste befördert werden.

Die Maschinen verfügen über modernste Kommunikationseinrichtungen, die vom Oberdeck aus bedient werden. Die VC-25A ist eine komplette militärische Operationsbasis, die dem Präsidenten vollen Zugriff auf das gesamte Militär bietet. Zu diesem Zweck ist stets der militärische Berater des Präsidenten in dessen Nähe. Er hat einen Koffer (der volkstümlich Football genannt wird), mit geheimen militärischen Codes, die im Ernstfall zur Auslösung eines Atomschlages berechtigen, bei sich.

Als Air Force One hatte die VC-25A mit der Kennung 28000 am 6. September 1990 ihren ersten Einsatz, die zweite Maschine mit der Kennung 29000 am 26. März 1991.

Normalerweise sind die ersten beiden Ziffern der Kennung bei der USAF vorgegeben durch das Haushaltsjahr, in dem das Flugzeug bestellt wurde. So waren die ursprünglichen Seriennummern der beiden VC-25A auch 86-8800 und 86-8900, wurden bis zur Indienststellung dann aber in 82-8000 und 92-9000 (kurz auch: 28000 und 29000) geändert, um eine schon bei den VC-137C mit 62-6000 und 72-7000 (26000 und 27000) begonnene Zahlenreihe fortzusetzen.

Am 9. Januar 2009 startete die US Air Force offiziell die Suche nach einem Nachfolger für die VC-25A. Geplant ist die Anschaffung von drei Maschinen, wobei die erste ab 2017 in Dienst gehen soll. Die zweite und dritte Maschine sollen jeweils 2019 und 2021 folgen. Als mögliche Ausgangsmuster galten die Boeing 747-8I und der Airbus A380.[1] Allerdings teilte die EADS-Sparte North American Defense Co. am 28. Januar 2009 mit, dass man an dem Auswahlverfahren nicht teilnehmen werde.[2]

Einsatz

Alle Flüge der Air Force One werden seit den 1960er-Jahren von der Presidential Airlift Group der 89th Airlift Wing des Air Mobility Command durchgeführt, welche auf der Andrews Air Force Base in Maryland stationiert ist. Der Helikopter, mit dem die Flüge vom Weißen Haus zur Andrews Airforce Base durchgeführt werden, gehört dem U.S. Marine Corps an und trägt das Rufzeichen Marine One. Gleichermaßen gelten die Rufzeichen Army One und Navy One für Flüge in Luftfahrzeugen der entsprechenden Waffengattungen. Ein Zivilflugzeug, in dem sich der amerikanische Präsident befindet, bekommt den Rufnamen Executive One zugewiesen.

Militärische Ausrüstung

Zum Schutz des Präsidenten verfügt die aktuelle Air Force One über eine militärische Ausrüstung. Die tatsächliche Bewaffnung ist jedoch streng geheim. Als bewiesen gilt die Bewaffnung mit fünf AN/ALQ-204 Matador Infrared Countermeasures (IRCM – jeweils eins hinter jedem der vier Triebwerke und eines zentriert am Höhenleitwerk[3]). Hierbei handelt es sich um ein System, das pulsierende Infrarot-Strahlen zur Bekämpfung von infrarotgesteuerten (hitzesuchenden) Boden/Luft- oder Luft/Luft-Raketen einsetzt. Jeder der Störsender verfügt über eine vier bis zwölf Kilowatt starke Infrarot-Quelle, die zur Störung oder Überlastung des Infrarotsensors der Rakete dient. Auch gegen den bei Atombombenexplosionen auftretenden elektromagnetischen Impuls (EMP) ist die Elektronik des Flugzeuges besonders geschützt. Die Verkabelung besteht aus einem EMP-unempfindlichen Glasfasernetz. Die Möglichkeit der Luftbetankung erhöht die Reichweite. Die Treibstofftanks fassen insgesamt 53.611 US-Gallonen (202.650 l)[3]. Es wird jedoch vermutet, dass die Air Force One neben den Standardtanks der 747 über mindestens zwei weitere Tanks verfügt, welche die Reichweite im Notfall erheblich erhöhen würden. Dadurch könnte das Hoheitsgebiet der USA von jedem Punkt der Erde aus ohne Zwischenlandung erreicht werden.

Begleitung

Wenn der Präsident auf Reisen geht, setzt sich bereits mindestens drei Tage im Voraus eine Maschinerie in Bewegung, um dies möglich zu machen: Die gepanzerten Limousinen und Begleitfahrzeuge des Secret Service werden in Frachter verladen und vorab an den Bestimmungsort geflogen. Die VC-25A wird beladen, der persönliche Steward des Präsidenten befindet sich an Bord, die Maschine wird außen und innen gereinigt und auf Hochglanz gebracht.

Die Maschine des Präsidenten wird von einer Flotte von Tankflugzeugen und Frachtern begleitet, um die notwendigen Materialien, Fahrzeuge sowie Mitarbeiter zu transportieren. Die Air Force One wird gewöhnlich nicht von Jagdflugzeugen begleitet, jedoch ist dies schon aufgetreten.

Trivia

Das Rufzeichen Air Force One wurde 1953 nach einem Vorfall reserviert, bei dem sich ein Zivilflugzeug mit dem gleichen Rufzeichen (Eastern Airlines 8610) wie das Flugzeug von US-Präsident Dwight D. Eisenhower, Air Force 8610, im gleichen Luftraum befand.

Als im Jahr 1974 Richard Nixon zurücktrat, startete er mit dem Rufzeichen Air Force One von der Andrews Air Force Base. In dem Moment, als Gerald Ford seinen Amtseid ablegte und damit Nixon nicht mehr Präsident war, wurde das Rufzeichen in SAM 26000 geändert. SAM bedeutet Special Air Mission.

Seit ihrer Einführung ist die Bezeichnung Air Force One ein Symbol der präsidialen Macht und des Prestiges. SAM 26000 brachte am 22. November 1963 John F. Kennedy während einer Wahlkampfreise nach Dallas, Texas, wo er bei einem Attentat ermordet wurde. Vizepräsident Lyndon B. Johnson legte seinen Amtseid an Bord desselben Flugzeuges ab, als er mit dem Leichnam des toten John F. Kennedy im Laderaum nach Washington zurückkehrte. SAM 26000 brachte Nixon zu seinem historischen Besuch in die Volksrepublik China.

Durch einen Fehler waren sicherheitsrelevante Daten über die beiden aktuellen Maschinen im April 2006 im Internet öffentlich zugänglich. Es dauerte eine Woche, bis die Daten wieder durch ein Passwort geschützt wurden. Bei den veröffentlichten Daten handelte es sich um Notfall- und Rettungsinformationen, die im Rahmen einer so genannten Technical Order von der Air Force zur Verfügung gestellt werden. Das Dokument liefert präzise Informationen über Art und Position der Bewaffnung, detaillierte Beschreibung der drei Sauerstoffkreise im Flugzeug sowie Deck- und Kabinenpläne mit den Standorten der Sicherheitskräfte und den verschiedenen Räumen in der Maschine.[4]

Ein Anzeichen des Prestiges der Maschine ist auch ihr Vorkommen in diversen Medien. Neben dem gleichnamigen Film kommt sie ebenfalls in den Filmen Der Anschlag, Independence Day, Superman und Die Klapperschlange vor. Weiterhin in Computerspielen (Perfect Dark, Ghost Squad, Deus Ex, Tom Clancy's H.A.W.X.), Büchern, Fernsehserien und anderen Populärmedien. Auch in der Pilotfolge der erfolgreichen CBS-Serie Navy CIS kommt das Flugzeug vor.

Im April 2006 wurde das Video eines amerikanischen Graffiti-Künstlers veröffentlicht, in welchem dieser, trotz Stacheldraht und Bewachung, ein Tag auf eine Air Force One Maschine aufsprüht. Dabei handelte es sich um einen PR-Scherz, bei dem lediglich eine gemietete und originalgetreu lackierte Boeing 747 besprüht wurde.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. [2]
  3. a b TECHNICAL ORDER 00-105E-9, S. 65f. Zugriff am 25. Juli 2008
  4. Paul J. Caffera: Air Force One data removed from Web Site revealed details of security measures on president’s jets. In: San Francisco Chronicle, 11. April 2006

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