Wrisbergholzen

Wrisbergholzen
Wrisbergholzen
Wappen der ehemaligen Gemeinde Wrisbergholzen
Koordinaten: 52° 2′ N, 9° 55′ O52.0413888888899.9141666666667175Koordinaten: 52° 2′ 29″ N, 9° 54′ 51″ O
Höhe: 175 m

Wrisbergholzen ist ein Ortsteil der Gemeinde Westfeld im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Wrisbergholzen liegt südwestlich von Hildesheim zwischen den Naturparks Weserbergland und Harz. Die Landschaft ist eine breite Talmulde zwischen den Höhenzügen Hildesheimer Wald (N) und Sieben Berge (S), nach Westen geöffnet zum Leinetal.

Geschichte

St.-Martins-Kirche Wrisbergholzen

Wrisbergholzen ist der wesentlich ältere Ortsteil gegenüber Westfeld, dem heutigen Namensgeber der Gemeinde. Wrisbergholzen wurde erstmals im Jahr 1019 die urkundlich als Thiderikes Holzhusen erwähnt. Der Hildesheimer Bischof Godehard schätzte den Ort und besuchte ihn häufig, auch noch kurz vor seinem Tod 1038. Die ursprünglich frühromanische Kirche weist durch ihr St.-Martins-Patrozinium in die Zeit der fränkischen Sachsen-Mission zurück. Sie hat eine bemerkenswerte barocke Ausstattung und Ausmalung. Der Kirchturm weist im unteren Teil 2 m starke Bruchsteinmauern auf, was auf eine Erbauung als mittelalterliche Wehrkirche hindeutet.

In Wrisbergholzen bestand laut einer ersten Ortskarte von 1589 eine mittelalterliche Burganlage, deren Entstehungsbeginn bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung der Herren von Wrisberg um 1350 anzunehmen ist. Die Karte bildet den Bau mit vorgelagertem Torturm und umgebenden Wassergraben ab. Es handelt sich um ein Gebäude in Steinbauweise mit Renaissanceformen, das zwei Geschosse und zwei Gebäudeflügel aufweist. Dabei handelte es sich um eine Vorgängeranlage am Standort des 1745 fertig gestellten Schloss Wrisbergholzen.

Im Unterdorf befindet sich die 1736 erbaute Fayence-Manufaktur Wrisbergholzen, bei dem es sich um das älteste, noch in ursprünglicher Gestaltung erhaltene Manufakturgebäude für Fayence-Erzeugnisse in Norddeutschland handelt. Mit der Errichtung der Manufaktur sowie dem Schlossbau ab 1740 siedelten sich vermehrt Handwerker im Dorf an und es entstanden neue Häuser. Die fast 100 Jahre lang produzierende Manufaktur trug zur wirtschaftlichen Blüte des Ortes bei. 1809 gab es rund 470 Einwohner, 1925 waren es etwa 410. Bei etwa 40 % war ein Großteil der Ortsbewohner, darunter viele Tagelöhner, auf dem Gut tätig. 1870 spaltete sich der Gemeindebezirk Wrisbergholzen wegen Streitigkeiten um Gemeindelasten in zwei Gemeinden. Die Gutsgemeinde und die Dorfgemeinde wurden 1928 wiedervereinigt.

Gutshof und Schloss

Die Entwicklung des Ortes ist eng verbunden mit dem Bestehen des Rittergutes, das in den Händen der Familie Wrisberg lag. Das Geschlecht ist mit Hermann Wristberg am 5. Juni 1355 erstmals urkundlich belegt. Es handelte sich zunächst um Freiherren, die 1817 in den Grafenstand erhoben wurden. Zur Unterscheidung des Ortsnamen von vielen anderen „Holthusen“ und „Holzen“ wurde der Adelsname Wrisberg in der frühen Neuzeit zum ersten Teil des Ortsnamens. 1920 gehörten zum Gut etwa 1.500 ha Land, von dem es nach dem Reichssiedlungsgesetz im Rahmen der Inneren Kolonisation rund 150 ha für Siedlungszwecke zur Verfügung stellen musste.

Die heutige Gutsanlage mit dem Schloss Wrisbergholzen entstand zwischen 1740 und 1745. Erbauer war Graf Johann Rudolf von Wrisberg (1677-1764), damals Präsident des Oberappellationsgerichts Celle. Schloss und Schlosspark sind noch heute eindrucksvoll, befinden sich aber seit Jahrzehnten einem in erneuerungsbedürftigen Zustand. Im Schloss ist das Fliesenzimmer, ein ganz mit blauweißen Emblem-Fliesen gekachelter Raum, sehenswert. Die Fliesen stammen aus der 1736 entstandenen Fayence-Manufaktur Wrisbergholzen.

20. Jahrhundert

1901 ließ Werner Graf Görtz-Wrisberg am Ortsrand eine neue Ziegelei errichten, die eine alte Handziegelei ablöste. 22 Beschäftigte stellten jährlich bis zu einer Million Mauersteine, Dachziegeln und Röhren her. 1903 erhielt das Dorf aus Alfeld kommend den ersten Fernsprecheranschluss, der zum Gutshof und zur Ziegelei führte. Auf dem Kirchkamp oberhalb des Dorfes wurde 1903 von der gräflichen Familie von Wrisberg das Marienstift erbaut, in dem kranke und gebrechliche Gutsarbeiter aufgenommen wurden. Ab 1904 ließ der Graf das Gut mit Gaslicht erleuchten. Dazu wurde eine Gasanstalt zur Herstellung von Aerogengas erbaut. 1911 bekamen Dorf und Gut elektrischen Strom, den das Gronauer Elektrizitätswerk lieferte. 1911 entstand ein neues Schulgebäude im Ort.

Etwa 1 km südwestlich des Ortes liegt auf der Erhebung Wernershöhe (329 m) ein 1670 als Jagdschloss erbautes Gebäude, das lange im Besitz des Grafen Görtz-Wrisberg stand. 1906 wurde es durch einen gelegten Brand zerstört und danach als Wohngebäude für das dortige Vorwerk wieder aufgebaut. Dort entstand in der Folge auch eine Ausflugsgaststätte mit Kaffeegarten. Nach der Machtergreifung richtete das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps 1938 im Gebäude eine Schule ein. Seit November 1997 befindet sich auf dem Gelände das Veranstaltungszentrum Kulturherberge Wernershöhe. Im Umfeld der Wernershöhe wurde 1941 ein militärischer Feldflugplatz eingerichtet. Das Schloss diente dem Militär als Fotostelle für Luftbilder, während die Schlossbesitzer umgesiedelt wurden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beschossen am 7. April 1945 amerikanische Truppen den Ort mit Artillerie und Maschinengewehren, da sie deutsche Truppen dort vermuteten. Die Fliegereinheit von der Wernershöhe war zuvor bereits nach Hildesheim abgezogen. Infolge des Angriffs brannte ein Kuhstall des Gutes ab. Im Oktober 1945 quartierten sich britische Truppen im Schloss ein. Bei ihrem Abzug im Januar 1946 nahmen sie Einrichtungen und sonstiges Inventar mit. Nach dem Krieg wählten zahlreiche Adelsfamilien, die aus ihrer Heimat im Osten des Großdeutschen Reichs geflüchtet oder vertrieben worden waren, Wrisbergholzen als neuen Wohnsitz. Sie wurden zunächst im Schloss untergebracht.

Bis zur Gebietsreform 1977 gehörte die Region zum Landkreis Alfeld.

Bauwerke

  • Schloss Wrisbergholzen mit Gutshof, erbaut 1740 bis 1745 mit dem Fliesenzimmer von 1752, deren Wände komplett mit rund 800 Spruchfliesen (in italienischer, französischer und lateinischer Sprache) bedeckt sind.
  • Ehemalige Fayence-Manufaktur Wrisbergholzen, 1736 als „Porcellain Fabrique“ errichtet
  • Ev. Kirche St. Martin (Wrisbergholzen)

Literatur

  • Erlebnisse von Max Grohmann in Wrisbergholzen (Gutsverwalter und -vorsteher ab 1901 auf Gut Wrisbergholzen), 18. Oktober 1952, in: Verzeichnis von Urkunden des Archivs des Grafen von Goertz-Wrisberg zu Wrisbergholzen, Hildesheim 1953
  • Wrisbergholzen Bilder – wie es früher war, hrsg. Kulturvereinigung Wrisbergholzen, 1986, Horbach am Neckar, ISBN 3-89264-003-3

Weblinks


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