Örtze

Örtze
Örtze
Die Örtze bei Hermannsburg

Die Örtze bei HermannsburgVorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Niedersachsen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Aller → Weser → Nordsee
Quelle nördlich von Munster in der Großen Heide (Bundesforst Raubkammer)
53° 1′ 36″ N, 10° 5′ 1″ O53.02666666666710.08361111111186
Quellhöhe 86 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in Aller südöstlich von Winsen
52.6713888888899.931666666666730

52° 40′ 17″ N, 9° 55′ 54″ O52.6713888888899.931666666666730
Mündungshöhe 30 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 56 m
Länge 62 km (mit Aue und Wietze 70 km)dep1Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 760 km²[1]
Abflussmenge
am Pegel Feuerschützenborstel
(MQ Mündung: 6,1 m³/s)[2]
NNQ: 2,45 m³/s (im Jahr 2006)
MNQ: 3,15 m³/s
MQ: 5,95 m³/s
MHQ: 22,4 m³/s
HHQ: 40,7 m³/s (im Jahr 2002)
Rechte Nebenflüsse Ilster, Wietze, Brunau, Brandenbach, Hasselbach, Mühlenbach, Rollbach
Linke Nebenflüsse Kleine Örtze, Schmarbeck und Sothrieth (münden als Landwehrbach in die Örtze), Weesener Bach, Angelbach
Kleinstädte Munster
Gemeinden Kreutzen, Poitzen, Müden, Hermannsburg, Oldendorf, Eversen und Wolthausen

Die Örtze ist ein Fluss in Niedersachsen, der nördlich von Munster in der Großen Heide (Bundesforst Raubkammer) entspringt und nach 62 Kilometern südöstlich von Winsen in die Aller mündet. Sie ist mit einer Wasserführung von 6,1 m³/s deren größter rechter Nebenfluss.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Die Örtze folgt im Wesentlichen einem breiten Urstromtal, das durch Schmelzwasser aus dem saaleeiszeitlichen Inlandeis vor etwa 150.000 Jahren 20 bis 50 Meter tief in die welligen Hochflächen der südlichen Lüneburger Heide eingeschnitten wurde. Der Eisrand deckte sich annähernd mit dem nordöstlichen Rand des Örtze-Einzugsgebietes. Die obere Örtze hat in die Sanderflächen und den etwa vier Kilometer breiten ebenen Talboden des geradlinigen Urstromtals ein eigenes, wesentlich kleineres Tal eingeschnitten.

Das Ursprungsgebiet der Örtze liegt mit mehreren Quellsümpfen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Munster-Nord. Um Trübstoffe und Sedimente abzufangen, die bei Starkregen von den vegetationsarmen Panzerübungsflächen abgeschwemmt werden, wurden an der Örtze die vier hintereinander liegenden Munoseen angelegt. Zusätzlich wurde an der Ilster, dem eigentlichen Hauptquellfluss der Örtze, ein weiterer Stauteich angelegt. Der Name Ilster erinnert an ein großes Dorf, das dem Truppenübungsplatz Munster-Nord teilweise weichen musste. Die Örtze entwässert als größter Fluss der Südheide deren Mittelteil, zwischen der etwas längeren Böhme im Westen und der Ise im Osten, und hat ein relativ starkes Gefälle. In Flussmitte des Unterlaufs beträgt die Strömung etwa 0,71 Meter pro Sekunde, die Wassertiefe 0,5 m bis 2 m. Es handelt sich um einen so genannten sommerkalten Heidebach.

Verlauf

Örtze bei Breloh (nördlich von Munster)

Die Örtze fließt in ihrem ursprünglichen naturnah belassenen Flussbett in südlicher Richtung zunächst an Breloh, einem Ortsteil der Stadt Munster vorbei und danach direkt durch die Stadt Munster (bedeutendster Militärstandort Norddeutschlands) hindurch. Hier wurde der Fluss bereits im 17.  Jahrhundert gestaut um eine Getreidemühle zu betreiben. Westlich der Ortschaft Dethlingen quert sie die Bundesstraße 71 und fließt dann weiter am Ostrand des Truppenübungsplatzes Munster-Süd bis nach Kreutzen (Gemeinde Faßberg). Hier fließt von links die Kleine Örtze zu, die nördlich von Oerrel entspringt. Deren Oberlauf fungierte vor seiner Renaturierung als Entwässerungsgraben für das einstige inzwischen aber aufgeforstete Hochmoor. Das schmale Tal wurde 1993 beinahe auf einer gesamten Länge zum Naturschutzgebiet erklärt.[3] In südlicher Richtung weiter kommt die Örtze nach Poitzen und Müden. Im Norden von Müden fließt der Landwehrbach dazu. An den Quellflüssen des Landwehrbachs liegen der Heeresflugplatz Faßberg (nördlich der Schmarbeck) und zahlreiche frühere Kieselgur-Gruben (beidseits der Sothrieth). Im Südwesten von Müden mündet von rechts die Wietze ein und gab dadurch dem Heideort seinen Namen. Die Wietze ist ihr größter Nebenfluss. Sie entspringt zwischen Soltau und Munster, und mit der Aue, ihrem wiederum größten Nebenbach, übertrifft sie die Örtze um gut 5 Kilometer an Länge. An den ursprünglichen Rieselwiesen vorbei fließt sie nach Baven, wo von rechts die Brunau einmündet und weiter nach Hermannsburg (bekannt geworden durch die Hermannsburger Mission). Im Norden von Hermannsburg kommt von links der Weesener Bach dazu. Die Örtze fließt dann in südlicher Richtung weiter nach Oldendorf und Eversen. Vor Eversen mündet von rechts der Mühlenbach ein, der aus Sülze kommt. In diesem Ort wurde vom 14. bis 19. Jahrhundert die Sülzer Saline betrieben. Im weiteren Verlauf kommt die Örtze nach Wolthausen. Hier versperrt ein Mühlenwehr den Flusslauf. In Wolthausen quert der Fluss die Bundesstraße 3. Hinter Wolthausen zweigt nach rechts der Örtzekanal ab. Im Osten von Winsen (Aller) mündet die Örtze in die Aller.

Die Nebenbäche der Örtze sind: Ilster, Kleine Örtze, Wietze, Schmarbeck und Sothrieth (münden zusammen als Landwehrbach in die Örtze), Brunau, Weesener Bach, Brandenbach, Hasselbach, Angelbach, Mühlenbach und Rollbach.

Fauna und Flora

Breitblättriges Knabenkraut im Örtzetal

Da die Örtze von Ausbaumaßnahmen weitgehend verschont geblieben ist, blieb hier ein naturnaher Lebensraum erhalten. Die Wasserqualität hat durchgehend die Gewässergüteklasse II: mäßig belastet (betamesosaprob). [4] [5] Schwarzerlen, Kiefern und Fichten am Ufer sorgen für Schatten. Dadurch bleibt das Wasser auch im Sommer kühl und der Sauerstoffgehalt hoch. Die Örtze ist relativ nährstoffarm. Ihr Lauf ist teilweise mäandrierend und strukturreich und bietet mit einzelnen Steilufern, Vertiefungen, Kies- und Sandbänken Verstecke und Laichmöglichkeiten.

In den Feuchtwiesen des Flusstales haben sich teilweise seltene Pflanzenarten erhalten. Man findet hier zum Beispiel noch Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Schlangenknöterich (Bistorta officinalis), Sumpfdotterblumen (Caltha palustris), Kuckucks-Lichtnelken (Lychnis flos-cuculi], Scharfer, Kriechender und Brennender Hahnenfuß (Ranunculus), Quell-Sternmiere (Stellaria alsine), Ehrenpreis (Veronica), Gundermann (Glechoma hederacea), Kriechenden Günsel (Ajuga reptans), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) und Kahlen Frauenmantel (Alchemilla glabra). Außerdem verschiedene Seggen-Arten, wie Sumpfsegge (Carex acutiformis), Schlank-Segge (Carex acuta), Wiesensegge (Carex nigra), Walzensegge (Carex elongata) und Schnabelsegge (Carex rostrata). Am Ufer blüht die gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus). Im Fluss findet man den Flutenden Wasserhahnenfuß (ranunculus fluitans).

An Fischen und Tieren sind vorhanden: Aal (Anguilla anguilla) und Aalraupe oder Quappe (Lota lota), Äsche (Thymallus thymallus), Bachforelle (Salmo trutta forma fario), Brachsen oder Blei (Abramis brama), Elritze (Phoxinus phoxinus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Gründling oder Greßling (Gobio gobio), Hecht (Esox lucius), Mühlkoppe oder Groppe (Cottus gobio), Plötze oder Rotauge (Leuciscus rutilus), Rotfeder (Scardinius erytrophthalmus), Bachneunauge (Lampreta planeri). Auch der gefährdete und schützenswerte Fischotter und der Eisvogel leben hier. Der Wachtelkönig hält sich zeitweise in den extensiv genutzten Brachwiesen im Flusstal auf. Auf den nicht bewirtschafteten naturbelassenen Feuchtwiesenflächen findet man die Zwergmaus (Micromys minutus). Der Amerikanische Flusskrebs (Kamberkrebs) breitet sich auch in der Örtze stark aus. Durch die von ihm eingeschleppte Krebspest, gegen die er selbst immun ist, verdrängt er die ursprüngliche Krebsfauna. Der Europäische Flusskrebs (Astacus astacus) ist aber seit einigen Jahren in kleinen Stückzahlen wieder heimisch.

Umlaufgerinne in Müden

Fischwege

Seit 1766 ist in der Örtze der Lachsfang nachgewiesen. 1935 wurden hier die letzten Lachse gefangen. Seit 1982 wird mit neuem Lachsbesatz eine Wiederansiedlung versucht. Durch Stauwehre wird aber die notwendige ungestörte Wanderung von Kleintieren und Fischen bachaufwärts unterbrochen und verhindert. Auch die Laichwanderungen der Bachforellen und Lachse wird dadurch unterbunden. Um die Wehranlage an der Mühle in Müden wurde im Sommer 1995 ein Umlaufgerinne geschaffen, das die Aufwanderung in die oberhalb liegenden Gewässerstrecken wieder ermöglicht.

Das Wehr in Wolthausen

Das Stauwehr in Wolthausen stellt immer noch ein Hindernis für die stromaufwärts ziehenden Fische und Kleintiere dar. Vom 16. Jahrhundert bis 1960 trieb hier die Örtze das Wasserrad einer Getreidemühle an. Heute läuft neben dem Wasserrad eine Turbine mit Generator zur Stromerzeugung . Eine Fischtreppe mit acht Stufen, rund 1 m breit und etwa 24 m lang, geeignet auch für wirbellose Kriechtiere, ist in Planung. Die untere Wasserbehörde des Landkreises Celle hat das Bauwerk Ende 2010 genehmigt. Die Gesamtkosten sollen 33.000 Euro betragen. Im Jahr 2011 wird mit der Fertigstellung gerechnet.


Etymologie

Louis Harms schreibt in seinem Buch Goldene Äpfel in silbernen Schalen, Band 1 von 1865, der Name Örtze würde sich vom altdeutschen Wort Horz (‚Pferd‘) ableiten, weil die Örtze liefe und spränge wie ein Pferd, und weil früher viele Pferde an ihrem Ufer weideten. Diese Etymologie ist aber wahrscheinlich nicht richtig.

Rezeption in der Literatur

Der Heimatdichter Hermann Löns widmete der Örtze ein Kapitel mit mehreren Seiten. Er schrieb unter anderem:

„An den Ufern der Örtze.
Viele Flüsse und Flüßchen hat die Lüneburger Heide; ihr echtester Heidefluß aber ist die Örtze. Sie hat als Heidjerin keine Sehnsucht nach anderen Ländern; in der Heide kommt sie auf die Welt, in der Heide will sie enden. Sie ist so bescheiden, so klug und so still, wie ein richtiges Heidjerkind; es wäre ihr ein Leichtes, wenn sie ihren eigenen Weg ginge bis zum Meere, denn selbst in den trockensten Sommern hat sie Wasser genug, die Flüßchen und Bäche aus den Mooren, die Schmarbeck und Sotriet, Lutter und Wittbeck, Wietze und Brunau, lassen sie nicht verdursten. Aber ihr liegt nichts an der weiten Welt.“

Hermann Löns: Mein braunes Buch – Heidbilder (1909)

Wassermühle in Munster (Örtze)
Mühlenteich in Munster (Örtze)

Wassermühle Munster

Im Zentrum der Stadt Munster liegt die Wassermühle, die erstmalig 1556 erwähnt wurde. Vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts erhielt sie ein unterschlächtiges Wasserrad mit einem Kropfgerinne, sowie einen Mahlgang. Als erster Müller ist namentlich ein Hans Poitzmann bekannt. Ab 1784 führte ein Peter Gerdau die Mühle weiter, die er 1820 an seinen Sohn übergab. Dieser baute 1820 zusätzlich einen Schrotgang eine Ölmühle und ein zweites Wasserrad ein. 1847 wurde die Mühle wegen Überschuldung verkauft. Es gab immer wieder Ärger mit den Wiesenbesitzern an der Örtze weil der Mühlenteich in Munster zu hoch aufgestaut wurde. 1919 starb ein Müller, als er mit seiner Jacke in die Zahnräder des Mühlengetriebes geriet. Nach 1945 verschlammte die Örtze durch die Abwässer des Truppenübungsplatzes so stark, dass der Betrieb eines Wasserrades nicht mehr möglich war und 1949 eingestellt wurde. Die Schrotmühle erhielt einen elektrischen Antrieb. 1968 wurde der Mühlenteich vom angeschwemmten Schlamm befreit. Der vorgesehene Einbau einer Turbine scheiterte aber an den zu geringen Abflusswerten der Örtze. 1975 erwarb die Stadt Munster die Mühle und das wasserrechtlich genehmigte Staurecht. 1987/88 wurde eine Renovierung vorgenommen. Ein neues unterschlächtiges Wasserrad aus Holz wurde eingebaut, das 2011 durch ein Wasserrad aus Stahl ersetzt wurde. Dieses hat einen Durchmesser von 5 m, eine Schaufelbreite von 1 m und besitzt 48 Schaufeln. Die Drehzehl beträgt 3–25 U/min. Zwei funktionstüchtige Mahlwerke (Schrot und Mehl) und ein Sichter sind heute zu besichtigen und werden an den Mahl- und Backtagen eingesetzt. Auch der Einsatz eines Stromgenerators ist wieder in Planung.

Rieselwiesenwirtschaft

Bis in die 1950er Jahre wurden die Wiesen in der Talaue der Örtze nach dem Prinzip des Lüneburger Rückenbaus, auch Suderburger Rückenbau genannt, bewässert und durch die im Flusswasser gelösten Mineralien und organischen Substanzen gedüngt.

Zur Bewässerung der Bavener Rieselwiesen wurde in der Zeit von 1831 bis 1850 ein Kanal angelegt und 1854 in Betrieb genommen. Er begann bei Müden mit einem Ausleitungswehr. Weitere Wehre verteilten das Kanalwasser in die Rieselwiesen. Der Kanal diente auch der Hochwasserableitung.

Örtzekanal Wolthausen

Stauwehr am Örtzekanal bei Wolthausen
Örtzekanal südlich von Wolthausen

Hinter Wolthausen verläuft die Örtze in vielen starken Mäandern. Bei hohen Niederschlägen kam es dadurch auf den angrenzenden Wiesen und Weiden immer wieder zu Überschwemmungen. Die Heu- und Grummeternte konnte oft nicht eingefahren werden. Bereits um 1800 wollte ein Oberkommisar Meyer durch Umfangreiche Maßnahmen die Nutzung der Wiesen und Weiden verbessern. Amtsvogt von Düring legte in seinem Bericht an die königliche Kammer Hannover den Plan einer entsprechenden Kanalisation, mit Bewässerungsgräben beiderseits der Örtze und mehreren kleinen Staustufen vor. Zur Ausführung kam dieser allerdings nicht. Am 25. November 1868 beantragten die Wiesenbesitzer eine Untersuchung über mögliche Entwässerungsmöglichkeiten. Im November 1871 wurde der Antrag noch einmal wiederholt. Ein Umflutkanal zwecks besserem Hochwasserablauf war angedacht. Am 8. Februar 1872 wurde der Antrag vom königlich hannoverschen Amt in Celle genehmigt. Im gleichen Jahr wurde noch mit dem Bau des Kanals begonnen. Mit einer Länge von 2.160 m überbrückt er eine Flußlänge von rund 6.500 m. Die von der Regulierung betroffene Fläche umfasst rund 108 ha. Zur Regulierung des Örtzewassers wurde, unmittelbar südlich von Wolthusen, ein Wehr von insgesamt 4,88 m lichter Weite errichtet. Zwei Kanalbrücken erschlossen die hinter dem Kanal liegenden Wiesen und Weiden. Vor der Einmündung des Kanals in die Örtze wurde ein hölzernes Überfallwehr von 16 m Breite errichtet. Dieses sollte Schädigungen infolge des Höhenunterschiedes von Kanal und Örtze und einen möglichen Sandeintrag in die Örtze verhindern. Zum Anstauen des Wassers für Bewässerungszwecke wurde am 17. April 1896, 10 m vor dem ersten Wehr bei Wolthausen, noch ein Graben als Zuleiter errichtet. Am 15. Mai 1896 wurde die „Freie Örtze-Kanal-Genossenschaft“ mit Sitz in Wolthausen gegründet. Das Statut enthielt als Zweck der Vereinigung die Regelung der Bewässerungsmaßnahmen, die Unterhaltung der Anlagen und die Finanzierung der Unterhaltung. In den 1920 er Jahren glaubte man, nach vielen trockenen Sommern, den Kanal nicht mehr zu benötigen. Die Kosten einer notwendigen Wehrerneuerung wollte man einsparen und schüttete den Kanal zu. Nach einem Hochwasser mit Überschwemmungen wurde er aber sofort wieder durchgestochen. Am 16. Januar 1963 wurde endgültig beschlossen die Bewässerung ein zu stellen. Das baufällige Wehr wurde aber 1964 noch einmal instand gesetzt. Die Genossenschaft wurde 1974 aufgelöst. Am 30. Januar 1975 wurde die Löschung des Rechts auf Ab- und Einleitung von Wasser der Örtze gestellt. Das Staurecht blieb aber erhalten. Sämtliche Rechte und die Unterhaltungspflichten gingen auf den Unterhaltungsverband Örtze über. [6]

Flößerei

Geschichte

Die Flößerei auf der Örtze setzte wahrscheinlich im 17. Jahrhundert ein. Am 28. Februar 1677 untersuchte der fürstliche Floßmeister Johann Bastian Erhardt den Fluss auf eine mögliche Flößbarkeit für Holz aus den Waldgebieten Hassel, Lüß und Kalbsloh. Er gab dem „Hochedelgestrengen, Hochgebietenden Herrn Oberförster zu Wahrenholz“ folgenden Bericht:

„Die Örtze ist ein guth und schnell Wasser, welchen mehrenteils auf beiden Seiten hohe Ufer, daß darauf füglich, sowoll langk als kurz Holtz bis Stedden, wo selbst die Örtze in die Aller schießt, geflößt werden kann.“

Floßmeister Johann Bastian Erhardt

Dieses Gutachten führte dazu, den Flößereibetrieb auf der Örtze einzurichten.

Wilhelm Witte, einer der letzten Flößer auf der Örtze, um 1910

Die Flößerei auf der Örtze bekam im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die Region. Die Floßfahrten nahmen von rund 600 im Jahr 1868 bis auf 1946 im Jahr 1874 zu, was den wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerjahre widerspiegelt. Der Gebäude- und Schiffbau in Bremen, Bremerhaven und den Wesermarschen erzeugte die Nachfrage, das Angebot dagegen die im Zuge der Allmendeteilung Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz und auf Realgemeinden übergegangenen großen Altholzflächen. Ab 1877 ging die Anzahl der Flöße auf der Örtze rapide zurück, zumal der Unterlauf versandete und zu seicht wurde. Ab 1912 kam die Flößerei zum Erliegen. Die 1910 gebaute Kleinbahn Celle-Soltau, Celle-Munster wurde zur Konkurrenz wie auch befestigte Straßen und neue Sägewerke in unmittelbarer Waldnähe.

Anzahl der Flöße von 1869 bis 1910
aus den Akten des Kreisausschusses über die Flößbarkeit der Oertze
Jahr Anzahl Flöße Jahr Anzahl Flöße Jahr Anzahl Flöße Jahr Anzahl Flöße
1869 1592
1870 1262 1880 546 1890 182 1900 160
1871 1446 1881 522 1891 220 1901 135
1872 1733 1882 371 1892 n.E. 1902 134
1873 1788 1883 350 1893 148 1903 123
1874 1946 1884 286 1894 139 1904 051
1875 1476 1885 211 1895 145 1905 070
1876 1130 1886 257 1896 206 1906 061
1877 0695 1887 207 1897 216 1907 017
1878 0583 1888 255 1898 186 1908 031
1879 0611 1889 232 1899 201 1909 022
1910 014
Tabelle: Anzahl der Flöße auf der Örtze


Technik

Die Örtze war aufgrund des wasserspeichernden sandigen Untergrundes von der Wietzemündung bei Müden bis zur Aller ganzjährig mit Flößen befahrbar. Diese 36 Flusskilometer konnten gebundene Flöße an einem Tag zurücklegen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es auf der Strecke von Müden bis Oldendorf elf Bindestellen, an denen das mit Pferdefuhrwerken gebrachte Holz zu einem Floß zusammengebunden wurde. An der Aller wurden die Hölzer zu noch größeren Flößen eingebunden und zum Umschlagplatz in Bremen geflößt. Von dort wurde das Holz auch nach England, Holland, Frankreich oder Spanien verschifft.

Die Flöße waren 23 Meter lang und 3 Meter breit. Eine Besonderheit waren vorne angebrachte runde Weidenbügel, sogenannte Handregels, an denen sich der Flößer notfalls festhalten konnte. Eine Schiebestange (Schufstaken, Schufboom) zum Manövrieren wurde an einem Quergriff gegen die linke Schulter gepresst. Sie war vorne mit einer Spitze und einem Haken aus Eisen versehen.

Paddeln auf der Örtze

Zweier-Kajak auf der Örtze

In der Zeit vom 16. Mai bis 14. Oktober, von 9 - 18 Uhr, ist auf der Örtze das Paddeln, unter Beachtung der Naturverträglichkeit, eingeschränkt zugelassen. Erlaubt sind ausschließlich gekennzeichnete Paddelboote (Kajak, Canadier, Kanu), von maximal 6 m Länge und 1 m Breite. [7] Die Örtze darf, bei ausreichendem Wasserstand (Pegelanzeige ist zu beachten), ab der Mühle in Müden bachabwärts genutzt werden. Ein- und Ausstiegsstellen sind in Müden, Baven, Hermannsburg, Oldendorf, Eversen, Wolthausen und Winsen.

Literatur

  • Jürgen Delfs: Die Flößerei auf Ise, Aller und Örtze, Gifhorn 1995, ISBN 3-929632-24-1

Weblinks

 Commons: Örtze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Angabe im Gewässerkundlichen Jahrbuch für Pegel Feuerschützenborstel: 738 km²; Einzugsgebiet unterhalb, gemessen in TK50: 21 km²; Summenwert 759 km² ist wegen teils unklar verlaufender Wasserscheide in ebenen Bereichen gerundet angegeben
  2. Pegeldaten aus dem Gewässerkundlichen Jahrbuch, Mündungswert durch Hochrechnung auf die verbleibenden 2,8% des Einzugsgebietes
  3. NSG Tal der Kleinen Örtze mit Übersichtskarte
  4. Wasserqualität Örtze-Nord
  5. Wasserqualität Örtze-Süd
  6. Der Örtzekanal Wolthausen pdf 283 KB
  7. Verordnung des Landkreises Celle zum Schutze von Heidebächen vom 18. März 2005

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