Bahnstrecke Lüderitz–Seeheim

Bahnstrecke Lüderitz–Seeheim
Lüderitz–Seeheim
Streckenlänge: 318 km
Spurweite: 1067 mm (Kapspur)
Maximale Neigung: 2,5 
Legende
Kopfbahnhof – Streckenanfang
0 Lüderitz
Haltepunkt, Haltestelle
1,5 Burenkamp
Haltepunkt, Haltestelle
18 Kolmanskuppe 124 m
Haltepunkt, Haltestelle
24 Grasplatz 215 m
Haltepunkt, Haltestelle
37 Haalenberg früher Rotkuppe 292 m
Haltepunkt, Haltestelle
72 Tschaukaip 567 m
Haltepunkt, Haltestelle
96 Garup 767 m
Haltepunkt, Haltestelle
Ausweiche
Bahnhof, Station
140 Aus 1495 m
Haltepunkt, Haltestelle
172 Schakalskuppe (Scheitelpunkt) 1498 m
Haltepunkt, Haltestelle
206 Kuibis (Übernachtungsbahnhof)
Haltepunkt, Haltestelle
236 Buchholzbrunn
Haltepunkt, Haltestelle
246 Konkiep (Brackwasser)
Haltepunkt, Haltestelle
269 Sandverhaar
Haltepunkt, Haltestelle
284 Feldschuhhorn 908 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Fischfluss
Bahnhof, Station
318 Seeheim
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Grünau
Bahnhof, Station
319 Seeheim Noord
Strecke – geradeaus
nach Keetmanshoop
Zug der Lüderitzbahn in den Wanderdünen, um 1910
Bahnhof Grasplatz
Das Bahnhof Hotel in Aus

Die Bahnstrecke Lüderitz–Seeheim (auch Südbahn genannt, ehemals Lüderitz-Eisenbahn beziehungsweise Lüderitzbahn bis nach Keetmanshoop) ist eine Eisenbahnstrecke der TransNamib in Namibia zwischen Lüderitz und Seeheim.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangssituation

Die Bahn verdankte ihre Entstehung der Erkenntnis aus dem Aufstand der Herero und Nama, dass die Abhängigkeit des küstenfernen Hinterlandes des damaligen Schutzgebietes Deutsch-Südwestafrika von nur einer bestehenden Eisenbahnstrecke Swakopmund–Windhoek zu wenig war, um das Land auf Dauer unter Kontrolle zu halten.

Die Lüderitzbucht und ein 140 Kilometer breiter Streifen landeinwärts sind absolut trinkwasserfrei, was den Überlandtransport mit Tieren sehr kostspielig und wenig leistungsfähig machte. Während für den Verkehr auf dem Baiweg vor dem Bahnbau in einem einzigen Jahr 40 Millionen Goldmark aufgewendet werden mussten, kostete der Bahnbau zwischen Lüderitz und Keetmanshoop insgesamt „nur“ 27,6 Millionen Goldmark.

Bau

Im Gegensatz zu dem bestehenden 600-mm-Netz im nördlichen Deutsch-Südwestafrika fiel für die Strecke Lüderitz–Aus–(Keetmanshoop) die Wahl der Spurweite auf die des benachbarten Südafrika, nämlich die Kapspur von 1067 mm.

Mit Bau und Betrieb beauftragt war die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft (DKEBBG). Der Bau begann Ende 1905 und bereits am 1. November 1906 wurde der Betrieb bis Aus aufgenommen. Die Baufirma erstellte das Planum, der Oberbau wurde vom Eisenbahnbataillon der Schutztruppe verlegt.

Der zweite Abschnitt von Aus nach Keetmanshoop wurde nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten in 15 Monaten dann in den Jahren 1906/1907 errichtet und 1908/1909 um die Zweigstrecke SeeheimKalkfontein Süd ergänzt.

Betrieb

Größtes Problem beim Betrieb war der extreme Wassermangel. Weder in Lüderitz noch an dem ersten Endpunkt der Linie, in Aus, gab es eine Quelle und somit Speisewasser für die Dampflokomotiven. Kondensloks gab es noch nicht. Zunächst wurde das Wasser über zwei Meerwasserentsalzungsanlagen in Lüderitz beschafft, enorm teuer (5 M/m³), aber immer noch billiger als auf dem Seeweg aus Kapstadt herbeigeschafftes Trinkwasser (40 M/m³). Erst später wurde in Garub eine Quelle erbohrt.

Die Lüderitz-Eisenbahn verfügte über:

Die Belegschaft umfasste 515 Mitarbeiter, davon 125 Europäer.

In der Anfangszeit befuhren zwei gemischte Züge pro Woche die Strecke Lüderitz–Keetmanshoop. Da nur bei Tag gefahren wurde, wurde die Fahrt in Kuibis unterbrochen, wo es eine Übernachtungsmöglichkeit gab. Später trat ein wöchentlicher Schnellzug hinzu, der die Strecke in einer Tagesfahrt schaffte. Die beiden gemischten Züge hatten in Seeheim Anschluss nach Kalkfontein, was aber nach einigen Jahren auf eine Verbindung pro Woche reduziert wurde.

Diamantenbahn

In Kolmanskuppe bestand Anschluss an eine 600-mm-Werksbahn der Diamantenfelder, die seit 1911 elektrifiziert und die bis heute einzige elektrisch betriebene Eisenbahn Namibias geblieben ist. Da der Diamantenabbau immer weiter nach Süden wanderte, wurde der nördliche Teil der Bahn bis Pomona 1931 – und damit auch der Anschluss an die Lüderitz-Eisenbahn – aufgegeben.

Weitere Entwicklung

Das benachbarte Südafrika war im Ersten Weltkrieg deutscher Kriegsgegner. Von Südafrika aus wurde nun – in Verlängerung der Strecke De AarPrieska – der Eisenbahnbau vorangetrieben, um einen sicheren Nachschubweg für südafrikanische Truppen zu erhalten. 1916 wurde das Gleis in Kalkfontein an die Zweigbahn der Lüderitz-Bahn angeschlossen. In Friedenszeiten gab es auf diesem Gleis durchgehenden Personenverkehr von Südafrika nach Windhoek. Dieser wurde aber im Herbst 2006 jenseits von Upington auf südafrikanischer Seite eingestellt. Regelmäßigen Güterverkehr gibt es auf der Lüderitz-Bahn derzeit auf dem Abschnitt Keetmanshoop–Aus sowie Personen- und Güterverkehr über die Zweigbahn von Windhoek kommend zwischen Keetmanshoop und Upington.

Aktuelle Entwicklung

Seit 2006 wird der Streckenabschnitt zwischen Aus und Lüderitz vollständig neu gebaut, um die Anbindung des Hafens Lüderitz zu verbessern.[1] Die Fertigstellung ist bis 2012 vorgesehen.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Brenda Bravenboer und Walter Rusch: The First 100 Years of State Railways in Namibia. Windhoek 1997, ISBN 0-86976-401-2
  • Günther Klebes: Die Lokomotiven der Eisenbahnen in den ehemals Deutschen Schutzgebieten im Bild. Verlag und Büro für spezielle Verkehrsliteratur Rohr, Krefeld 1978, ISBN 978-3884900864.
  • Helmut Schroeter: Die Eisenbahnen der ehemaligen deutschen Schutzgebiete Afrikas und ihre Fahrzeuge = Die Fahrzeuge der deutschen Eisenbahnen 7. Frankfurt 1961.
  • Namibische Eisenbahnstudie von Klaus Dierks

Einzelnachweise

  1. Südbahn geht neue Wege Allgemeine Zeitung online, 1. Dezember 2006
  2. Südbahn kommt nur langsam in Fahrt Allgemeine Zeitung online, 14. Dezember 2009

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