Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen

Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen
Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule
Schultyp Integrierte Gesamtschule
Gründung 1975
Bundesland Niedersachsen
Koordinaten 9° 55′ 18″ N, 51° 32′ 24″ O9.921666666666751.547Koordinaten: 9° 55′ 18″ N, 51° 32′ 24″ O
Träger Stadt Göttingen
Schüler 1.450
Lehrer 135
Website www.igs-goettingen.de

Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen wurde nach dem Göttinger Naturwissenschaftler und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg (1772–1799) benannt. Gegründet wurde die Schule 1975 unter dem Namen IGS Göttingen-Geismar. Sie ist eine der wenigen Gesamtschulen, die konsequent auf eine äußere Fachleistungsdifferenzierung verzichtet, da sie Heterogenität positiv nutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Um 1970 fand sich ein Arbeitskreis aus Eltern, Lehrern, Erziehungswissenschaftlern, Architekten und Politikern zusammen, der auf der einen Seite ein alternatives Schulmodell zum viergliedrigen Schulsystem verwirklichen wollte, der aber auf der anderen Seite aus den Fehlern der großen Gesamtschulen der ersten Generation lernen wollte.

Dieser Arbeitskreis besuchte eine ganze Reihe von Reformschulen, unter anderem auch in Schweden, und entwickelte so ein Konzept, das sich bis heute als tragfähig erwiesen hat: Konsequenter Verzicht auf eine äußere Fachleistungsdifferenzierung einschließlich Klasse 10. Dies wurde gedeckt durch einen Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25. Mai 1982, in dem nur die folgenden Schulen vom Zwang zur äußeren Fachleistungsdifferenzierung ausgenommen wurden: Fritz-Karsen-Schule und Bettina-von Arnim-Oberschule, Berlin; Albert-Schweitzer-Schule, Hamburg; Gesamtschule Göttingen-Geismar, Niedersachsen; Gesamtschulen Köln-Holweide und Köln-Höhenhaus, NRW. Der in diesem Beschluss verordnete Zwang zur äußeren Differenzierung in den Fächern Englisch, Mathematik, Deutsch und in den Naturwissenschaften ist damals bewusst in die Vereinbarungen aufgenommen worden, um die Prinzipien der Homogenität der Lerngruppen und der Selektion nach Leistung aus dem viergliedrigen System in die Gesamtschule als Fremdkörper einzuschleusen und damit ihren Erfolg zu gefährden.

Die Stadt Göttingen realisierte fast vollständig das von der Arbeitsgruppe erarbeitete Konzept, auch architektonisch.

Pädagogische Arbeit

Zusammensetzung der Schülerschaft

Die Gesamtschule nimmt die Schülerinnen und Schüler nach dem repräsentativen Querschnitt der Göttinger Bevölkerung auf: 10 % Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulempfehlung, 30 % mit Realschulempfehlung, 60 % mit Gymnasialempfehlung, Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Handicaps. Die Hälfte der Schüler sind Mädchen, die andere Hälfte Jungen. Wegen des Verzichtes auf eine äußere Fachleistungsdifferenzierung verlaufen die individuellen Schulkarrieren äußerst erfolgreich: Etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit einer Hauptschulempfehlung erreicht das Abitur, ebenso wie viele der Schülerinnen und Schüler mit einer Realschulempfehlung.

Organisation

Die Schule führt die Jahrgänge 5 bis 13. In den Klassen der Sekundarstufe I arbeiten pro Jahrgang sechs Klassen mit jeweils 30 Schülerinnen und Schülern. Nur in den vier Integrationsklassen ist die Zahl der Schüler auf 24 begrenzt, da hier auch Schülerinnen und Schüler mit geistigen Handicaps oder Lernstörungen arbeiten. Die Schule arbeitet nach dem Teamgruppen-Modell, sowohl in den Tischgruppen der Schüler, in den Jahrgangsteams der Lehrerinnen und Lehrer, in der kollegialen Schulleitung, in Sekretariat und Mensa, im Freizeit- und Sozialpädagogenbereich, bei den Hausmeistern.

Die Schule setzt auf die personale Bindung von Lehrern, Eltern und Schülern. Daher werden die Lehrer grundsätzlich mit vielen Stunden und Fächern in ihren Klassen eingesetzt. Das Lehrerteam, das aus 12 bis 15 Kollegen besteht, übernimmt einen Jahrgang in der 5. Klasse und begleitet ihn bis zum Ende der 10. Klasse.

Die Klassen eines Jahrgangs werden möglichst heterogen zusammengesetzt, in der einzelnen Klasse werden Lernteams gebildet, die in Tischgruppen zu jeweils sechs Schülern arbeiten. In jeder Tischgruppe arbeiten Mädchen und Jungen, lernschwächere und lernstärkere Kinder über den Zeitraum von etwa einem Jahr zusammen, indem sie gemeinsam Aufgaben zu lösen haben und sich dadurch gegenseitig helfen. In den sechs Jahren der Sekundarstufe I arbeitet jeder Schüler mit jedem anderen Schüler der Klasse zusammen in einer Tischgruppe. Mehrmals jährlich treffen sich die Tischgruppen bei jeweils einem der Schüler zu Hause, dazu kommen alle Schüler der Tischgruppe, ihre Eltern und die Tutoren. Hier werden die Lernentwicklungen der Schüler, das pädagogische Konzept der Schule, Störungen und familiäre Erziehungskonzepte besprochen. Dadurch wird deutlich, dass alle Beteiligten für den individuellen Lernerfolg eines jeden Schülers verantwortlich sind.

Fächerangebot

In Klasse 6 lernen alle Schüler im Klassenverband ein halbes Jahr Französisch, ein halbes Jahr Spanisch. Erst in Klasse 7 entscheiden sie, ob und wenn ja, welche Fremdsprache sie fortführen wollen. Es besteht die Möglichkeit, bis zum Abitur das Fach Biologie bilingual in Englisch zu lernen.

Die Fächer Chemie, Physik und Biologie sind zum Fach Naturwissenschaften zusammengefasst, die Fächer Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde und Religion zum Fach Gesellschaft–Religion.

Neben dem klassischen Fachunterricht haben Musik (Bläserklasse ab Klasse 5), Theater, Zirkus und die Arbeitsgemeinschaften einen wichtigen Stellenwert. Jeder Schüler der Schule soll seine Fähigkeiten und Interessen erkennen, soll lernen, dass er etwas kann und so Selbstbewusstsein entwickeln.

Landschulheim

Auf dem Hohen Hagen wird zusammen mit anderen Schulen (Otto-Hahn-Gymnasium Göttingen) und Trägern der Region das Schullandheim Haus Hoher Hagen unterhalten.

Weitere Besonderheiten

Die Schule verzichtet auf Sitzenbleiben und Abschulen. Aus dem schwedischen Schulsystem hat man das Duzen übernommen: Alle Mitglieder der Schulgemeinde duzen sich.

Architektur und Gebäude

Die Architektur der Schule folgte dem pädagogischen Konzept: Die sechs Jahrgänge der Sekundarstufe I sind als Cluster konzipiert. In jedem Cluster finden sich – von den anderen Clustern abgetrennt – sechs Klassenräume, Toiletten, ein Computerraum, ein Lehrerteamraum für das Team, das diesen Jahrgang sechs Jahre lang betreut, und ein großer zentraler Bereich, in dem außerhalb der Klassenräume in kleineren Gruppen gearbeitet und gespielt werden kann. Es gibt Fachräume für die Naturwissenschaften, für den Bereich Arbeit–Wirtschaft–Technik (Werkräume), Kunsträume, Musikräume, Sporthallen, Computerräume, Kino, Theater, Freizeitzentrale, Cafeteria, Bibliothek, Disco, Billardraum, Teestube, Werkhalle und ein zentral gelegenes Forum, in dem größere Veranstaltungen stattfinden können. In der Mensa essen täglich 1.200 Schülerinnen und Schüler. Im Außenbereich der Schule finden sich diverse Bewegungsangebote (Beachvolleyball, Klettergerüste, Seilbahn, Skateranlage, Fußball- und Basketball-Möglichkeiten).

Kooperationen

Die IGS Göttingen hat Schulpartnerschaften mit Schulen in Nicaragua, England, Frankreich und Polen. Einen wichtigen Stellenwert nimmt das Projekt International Education ein. Hier haben sich 18 europäische Schulen vertraglich verpflichtet, gemeinsame Projekte, ein gemeinsames europäisches Curriculum zu verwirklichen, das die teilnehmenden Schüler befähigen soll, sich in Europa zu bewegen und in europäischen Teams zu arbeiten.[1]

Die Schule arbeitet im Bündnis Blick über den Zaun, in dem sich die Reformschulen Deutschlands zusammengeschlossen haben, um Einfluss auf die Bildungspolitik in Deutschland zu nehmen.[2]

Sie ist seit drei Jahren Beraterschule im Bündnis Reformzeit der Robert-Bosch-Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.[3]

Mit vielen örtlichen Firmen und Einrichtungen bestehen Kooperationsverträge, die die Zusammenarbeit mit der Schule regeln.

In allen Leistungsvergleichen rangiert die Schule unter den ersten 10 % der niedersächsischen Schulen, zahlreiche Preise wurden in den verschiedensten Bereichen errungen, die Schule engagiert sich für die Umwelt (europäische Umweltschule) und gegen Rassismus. Jährlich melden sich etwa doppelt so viele Schüler und Schülerinnen an als Plätze vorhanden sind. Der Anteil der angemeldeten Geschwister und Ehemaligenkinder liegt bei über 40 %.

Einzelnachweise

  1. International Education. Abgerufen am 17. Juni 2008. (englisch)
  2. Blick über den Zaun. Abgerufen am 17. Juni 2008.
  3. Forum Reformzeit. Abgerufen am 17. Juni 2008.

Weblinks


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