Heiligengeistfeld

Heiligengeistfeld
Heiligengeistfeld nach dem Sommer-Dom.
Links in der Mitte das Stadion des FC St. Pauli

Das Heiligengeistfeld ist ein Gebiet im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Im meist verwendeten engeren Sinn bezeichnet der Name ein gut 20 Hektar großes Veranstaltungsgelände, auf dem vor allem der Hamburger Dom stattfindet. In einem weiteren Sinn werden auch nordwestlich daran angrenzende Gebiete bis zum Neuen Pferdemarkt dazugerechnet; die Gesamtgröße beträgt etwa 50 Hektar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Internationale
Landwirtschaftsausstellung 1863
Karte: Heiligengeistfeld um 1890
Karte: Heiligengeistfeld um 2005
Lage in Hamburg
Flakturm auf dem Heiligengeistfeld
Eingang zum Hamburger Dom

Das Heiligengeistfeld hat seinen Namen vom „Hospital zum Heiligen Geist“, einem Klosterkrankenhaus in Hamburg, zu dessen Ländereien das Gebiet (damals Weideland) gehörte. Die älteste bekannte Erwähnung des Namens „Heiligengeistfeld“ stammt von 1497. Zu dieser Zeit reichte das Gebiet bis in die heutige Neustadt, etwa bis zur Straße Kohlhöfen. Das Hospital selber ist jedoch vermutlich älter:

„Zur Unterscheidung nun von dem etliche Jahrhunderte früher zu ähnlichen Zwecken gestifteten Hospital zum heiligen Geiste nannte man im Volke dieses auch wohl ‚den grooten‘ und das [1428 erbaute] Ilsabe’n-Haus ‚den lütten hilligen Geest‘[1].“

Mit dem Bau der Stadtbefestigungen in den Jahren 1616 bis 1625 ging der östliche Teil dieses Gebiets verloren. Dafür wurde das Hospital mit Gebieten in Hamm und Horn entschädigt. Der verbliebene Rest – das heutige Heiligengeistfeld – wurde unter anderem als Glacis und Exerzierfeld genutzt.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet zunehmend auch für Amüsierzwecke verwendet, unter anderem für Panoramen, eine Kunsteisbahn und ab 1893 für den Dom. Die historische Getreidemühle wurde 1936 abgetragen.

Lage

Das Heiligengeistfeld im umfangreicheren Sinn ist das Gebiet innerhalb des Straßendreiecks Budapester Straße – Neuer Kamp / Feldstraße – Glacischaussee. Es wird im Osten von den Großen Wallanlagen begrenzt, im Westen von den Wohngebieten von St. Pauli und im Norden vom Schanzenviertel und Karolinenviertel. Gegenüber der Nordwestecke befindet sich der Neue Pferdemarkt, an der Südecke das Millerntor.

Bebauung

Der östliche Teil des Geländes ist unbebaut und dient als Veranstaltungsgelände.

Auf der westlichen Hälfte befanden sich zwei Hamburger Flaktürme, die während des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren von 1942 bis 1944, errichtet wurden. Der größere Bunker am Nordrand trug auf vier hervortretenden "Balkonen" Flugabwehrgeschütze, der kleinere am südlichen Rand diente als Feuerleitstand. Der letztere wurde nach dem Krieg zunächst vom Nordwestdeutschen Rundfunk genutzt, der von dort 1950 sein erstes Fernseh-Testbild ausstrahlte.[2][3] In den 1970er Jahren wurde er abgerissen und an seiner Stelle von der Deutschen Bundespost ein gleich großer Neubau mit einer Vermittlungsstelle errichtet, die heute von der Telekom betrieben wird. Der verbliebene größere und intensiv sanierte Hochbunker wird heute vor allem von Unternehmen der Medien- und Veranstaltungsbranche genutzt.

Entlang der westlich angrenzenden Budapester Straße befinden weiterhin das Hallenbad St. Pauli der Bäderland Hamburg GmbH, das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli mit mehreren zugehörigen Sportplätzen und Gebäuden, eine Handelsschule und an der Nordwest-Ecke die 1950/51 errichtete, über einen Hektar große frühere Zentralviehmarkthalle vormals des Hamburger Schlachthofes. Der ebenerdige Bereich des denkmalsgeschützten Baues [4] wurde zuletzt von mehreren Supermarkt-Ketten nacheinander genutzt und steht seit 2009 leer. Auf dem oberen Parkdeck werden häufig Flohmärkte veranstaltet.

Zwischen dieser Halle und dem verbliebenen Hochbunker befinden sich noch eine Tankstelle, ein Recyclinghof und die Haltestelle Feldstraße der Linie U3 der U-Bahn Hamburg. Von der letzteren führt ein Tunnel unter dem Heiligengeistfeld hindurch zur nächsten Haltestelle St. Pauli im Süden.

Eisenbahngleise entlang der Budapester Straße erlaubten bis in die 1980er Jahre die Anreise von Jahrmarkts-Schaustellern und Zirkus-Unternehmen mit ihrem Gerät per Bahn.

Ereignisse

19. Jahrhundert

  • 1863 fand auf dem Heiligengeistfeld die Internationale Landwirtschaftsausstellung statt. Es handelte sich um eine der ersten Ausstellungen, bei denen statt der zuvor üblichen Zelte von dem Architekten Martin Haller feste Bauten errichtet wurden.
  • 1884: Der Hamburger Schlittschuh-Club von 1881 und der Schlittschuhläuferverein von Hamburg-Altona 1876 schreiben gemeinsam den ersten internationalen Wettbewerb für Eisschnelllauf und Eiskunstlauf auf dem Heiligengeistfeld aus. Trotz der hohen Eintrittspreise sollen zehntausende Zuschauer die Veranstaltung besucht haben.
  • 1885, 18. Januar: Das erste mit Ergebnissen überlieferte Eisschnelllauf-Rennen in Deutschland wird durchgeführt.
  • 1887, 17./18. Februar: Erste (inoffizielle) Deutsche Meisterschaft im Eisschnelllauf auf dem Heiligengeistfeld.

20. Jahrhundert

  • Das Veranstaltungsgelände wird dreimal im Jahr jeweils vier Wochen lang für den Hamburger Dom genutzt. Außerhalb dieser festen Termine wird es von Wanderzirkussen oder als Parkplatz benutzt.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Überlegungen, diese zentral gelegene, große und damit wertvolle Fläche zu bebauen. Im Gespräch waren dafür zentrale Einrichtungen wie etwa der Regierungssitz oder das Parlament eines möglichen Nordstaats mit Hamburg als Hauptstadt. Hamburgs Senate unter den Bürgermeistern Brauer, Nevermann und Weichmann nahmen von solchen Plänen wiederholt Abstand.

21. Jahrhundert

  • Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fand auf dem Heiligengeistfeld das FIFA-WM-Fanfest Hamburg statt, an dem tageweise bis zu 105.000 Besucher (max. 70.000 während eines Spiels) gezählt wurden.
  • Auch während der Fußball-Europameisterschaft 2008 wurde das Heiligengeistfeld für die Übertragung der Spiele genutzt. Das Projekt nannte sich "Heimspiel Hamburg" und wurde von KIA Motors gesponsert. Bis zu 40.000 Menschen verfolgten täglich die Spiele. Ebenso fand anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auf dem Heiligengeistfeld wieder eine so genannte Partymeile statt, nachdem Pläne des Hamburger Senats, diese Veranstaltung in der HSH Nordbank Arena durchzuführen, auf heftige Kritik stießen.[5]
  • Vom 28. Dezember 2010 bis zum 20. Februar 2011 wurde auf dem Hamburger Heiligengeistfeld das Musical Cats in einem extra errichteten Zelt mit 1.800 Plätzen aufgeführt[6].

Weblinks

 Commons: Heiligengeistfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Otto Beneke: Hamburgische Geschichten und Sagen. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg, 1854, Seite 129.
  2. Bild des kleineren, "Fernsehbunkers"
  3. Bild von beiden Bunkern gemeinsam auf dem Heiligengeistfeld
  4. Denkmalsliste Hamburg, Teil L-R
  5. Heiligengeistfeld wird wieder zur Partymeile. In: Hamburger Abendblatt vom 16. Januar 2010, Überschrift zuletzt abgerufen am 22. Januar 2010 (Inhalt gebührenpflichtig).
  6. http://www.hotspot-hh.de/index.php?option=com_content&view=article&id=101:das-heiligengeistfeld-wird-zum-schrottplatz&catid=45:news
53.5558333333339.9713888888889

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