- John Cockerill
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John Cockerill (* 3. August 1790 in Haslingden, Lancashire; † 19. Juni 1840 in Warschau) war ein britischer Industrieller.
Biografie
Cockerills Vater William Cockerill emigrierte bereits 1797 nach Verviers, dort entwickelte er Spinnmaschinen. 1802 folgte John Cockerill nach und arbeitete in der väterlichen Manufaktur.
1807 machte er sich mit seinem Bruder James in Lüttich selbstständig. Von dort baute er ein Unternehmen auf, welches im Werk im Ortsteil Seraing 1816 seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Die Investitionen beliefen sich auf 17 Millionen Französischer Francs. Dort befanden sich neben Hochöfen, einem Stahl- und Walzwerk auch eine Maschinenfabrik, zwei Steinkohlegruben, eine Erzgrube und eine Kesselschmiede. 2500 Personen wurden dort beschäftigt.
James Cockerill verkaufte seine Anteile 1825 an den König des vereinigten Königreich der Niederlande. Durch die Belgische Revolution von 1830 wurde das Werk zunächst stillgelegt, begann aber 1833, mit John Cockerill als alleinigen Besitzer und mit Konrad Gustav Pastor als Generaldirektor, der zentrale Punkt der belgischen Industrie zu werden.
Cockerill baute seine Unternehmungen zu einem Konzern aus. An insgesamt 60 Standorten, viele davon außerhalb Belgiens, wurden auf Rechnung Cockerills Kohlenwerke und Eisenhütten, Spinnereien, Tuchfabriken, Maschinenbauwerkstätten und anderes betrieben.
Das Unternehmen war der erste Eisenbahnhersteller auf dem europäischen Festland. Sie lieferte sowohl die Schienen für die erste kontinentaleuropäische Bahnlinie von Brüssel nach Mecheln, als auch die erste in Kontinentaleuropa gefertigte Dampflokomotive (genannt "Le Belge"), welche auf der Bahnlinie verkehrte.
In Aachen gründete John Cockerill eine Wollspinnerei sowie eine Maschinenfabrik zur Herstellung von Spinnmaschinen. 1832 kaufte er die Blei- und Zinkerzgrube Herrenberg zwischen Verlautenheide und Haaren. Im Jahre 1837 gründete er die St. Heinrich-Zinkhütte in Münsterbusch in unmittelbarer Nähe zur James-Grube, die seinem Bruder James Cockerill gehörte. 1838 brachte John Cockerill seine Anteile an der St. Heinrichhütte, das Bergwerk Herrenberg und weiteren Grubenbesitz in die neu gegründete Metallurgische Gesellschaft zu Stolberg ein.
Cockerill war auch Mitbegründer der belgischen Bank. Durch politische Spannungen geriet diese Bank 1838 in eine wirtschaftliche Schieflage, als das Vertrauen in die Unternehmen Cockerills schwand. Die Bank stellte 1839 ihre Zahlungen ein und über dem Cockerillschen Vermögen wurde ein Liquidationsverfahren eröffnet. Am 12. April 1839 wurde eine Bilanz mit 26 Millionen Francs Aktiva gegen 18 Millionen Francs Passiva veröffentlicht. Als Bevollmächtigte bestimmte Cockerill Piercot und den Aachener Tuchfabrikanten und Präsidenten der Handelskammer Aachen, Philipp Heinrich Pastor, dessen Cousine Johanna Friederike (1795–1850) er 1813 in einer Doppelhochzeit mit seinem älteren Brüder James geheiratet hatte.
Durch Abstoßung des gesamten Besitzes mit Ausnahme von Seraing und Lüttich gelang es Konrad Gustav Pastor nach Cockerills plötzlichem Tod 1840 den Kern des Unternehmens zu retten und auf der Grundlage der Serainger Anlagen die "Societe Anonyme des Etablissements John Cockerill" zu bilden, kurz S. A. Cockerill, welches in den Folgejahren erneut zu einem Unternehmen mit Weltruf aufstieg. Pastor führte zahlreiche technische Neuerungen, wie beispielsweise die Kokshochöfen ein und war auf dem Festland einer der Ersten, der das Bessemer-Verfahren anwendete
Cockerill selbst hatte sich 1840 auf den Weg nach Russland gemacht, um dort von neuem zu beginnen, starb aber auf der Reise dorthin an Typhus.
Nach Cockerills Tod wuchs der von ihm gegründete Konzern weiter. Der bedeutendste Zweig wurde das belgische Montanunternehmen S.A. Cockerill-Ougrée, das später unter Cockerill-Sambre firmierte. Dieses Unternehmen wurde 1998 in die französische Usinor integriert, die 2002 im Arcelor-Konzern aufging. Bis heute wird die Tradition des Namens Cockerill vom Unternehmen Cockerill Maintenance & Ingénierie weitergeführt.
Weblinks
Commons: John Cockerill – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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