Kabul

Kabul
کابل
Kabul
Kabul (Afghanistan)
Kabul
Kabul
Basisdaten
Staat Afghanistan
Provinz Kabul
Höhe 1.807 m
Einwohner 3.043.589 (2005)
ISO 3166-2 AF-KAB
Kabul
Kabul
34.53333333333369.166666666667
Kabul
Klimadiagramm (Erklärung)
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kabul
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Max. Temperatur (°C) 4,5 5,5 12,5 19,2 24,4 30,2 32,1 32,0 28,5 22,4 15,0 8,3 Ø 19,6
Min. Temperatur (°C) -7,1 -5,7 0,7 6,0 8,8 12,4 15,3 14,3 9,4 3,9 -1,2 -4,7 Ø 4,3
Niederschlag (mm) 34,3 60,1 67,9 71,9 23,4 1,0 6,2 1,6 1,7 3,7 18,6 21,6 Σ 312
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Quelle: WMO

Kabul (Paschtu/Dari: ‏کابل‎) ist die Hauptstadt und mit 3.043.589 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005) auch die größte Stadt Afghanistans und sowohl das ökonomische als auch kulturelle Zentrum des Landes.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Berge um Kabul

Die strategische Bedeutung der Stadt ist auf die Nähe zum Khyber-Pass, einer wichtigen Verbindung zwischen Afghanistan, Pakistan und Indien, zurückzuführen. Die Stadt wird vom Fluss Kabul mit Wasser versorgt und verfügt über kein eigenes Kanalsystem.

Bevölkerung

Kabul spiegelt die ethnische und sprachliche Vielfalt des Landes wider, wobei jedoch traditionell die persischsprachige Bevölkerung die Mehrheit bildet. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, doch setzt sich die Bevölkerung Schätzungen zufolge aus etwa 45 % Tadschiken und 25 % Hazara zusammen, gefolgt von weiteren 25 % Paschtunen. Usbeken, Turkmenen, Paschai und andere bilden bedeutende Minderheiten.[1]

Sprache

Kabul ist die bevölkerungsreichste und bedeutendste persischsprachige Stadt des Landes. Der Kabuler Dialekt (persisch ‏کابلى‎ / Kābulī), ein östlicher Dialekt des Persischen, dient als Standardsprache in der Politik, Bildung und in den Medien. Kābulī wird oftmals fälschlicherweise mit der persischen Schriftsprache Dari – einer der beiden offiziellen Landessprachen Afghanistans – gleichgesetzt.

Religion

Wie im restlichen Afghanistan ist der Islam die dominierende Religion. Die meisten Einwohner der Stadt sind Sunniten, schiitische Muslime stellen eine bedeutende Minderheit. Darüber hinaus gibt es eine bedeutende hinduistische Gemeinde. Ehemals gab es in der Stadt auch zoroastrische und jüdische Gemeinden, die jetzt jedoch vollständig verschwunden sind.

Geschichte

Das Fort Bala Hissar aus westlicher Richtung gesehen (1879)
Kabul 1958

Die antike Stadt Kabura wurde vor mehr als 2500 Jahren im Tal des Hindukusch von iranischen Stämmen gegründet. Der Avesta und Schahnama zufolge wurde Kabul von Esfandiyar, einem iranischen Helden, gegründet. Während der Herrschaft der Achämeniden gehörte Kabul zur Satrapie Gandhara und war neben der Hauptstadt Taxila ein wichtiger Handelsknotenpunkt am Hindukusch.

Unter den Kuschanen wurde Kabul ein Zentrum der buddhistisch-iranischen Kultur der Region, wurde aber wenig später von den Sassaniden erobert und wieder dem Perserreich einverleibt.

Kabul wurde im 7. Jahrhundert von den Arabern eingenommen. Vom 7. Jahrhundert bis zum 11. Jahrhundert n. Chr. regierten die hinduistischen Kabulschahian (Könige von Kabul) bzw. Hindushahi (Hindu-Dynastie). Die Islamisierung von Kabul begann mit dem Sendungsbewusstsein der Ghaznawiden im 11. Jahrhundert. 1504 wurde Kabul von Babur (1483–1530) erobert und zur Hauptstadt seines Machtbereiches gemacht. Nadir Schah von Persien (1688–1747) nahm die Stadt 1738 ein, und sie wurde erst unter Timur Shah Durrani, dem zweiten Sohn Ahmad Schah Durranis (des Begründers Afghanistans), im Jahre 1776 zur Hauptstadt von Afghanistan – davor war Kandahar die Hauptstadt des Landes.

Kabul wurde von den Briten 1839 während des Ersten Anglo-Afghanischen Krieges eingenommen und 1842 aus Rache nach der Niederlage beim Rückzug von dort teilweise niedergebrannt. Die Briten nahmen die Stadt 1879 nach einem Massaker am britischen Gesandten Louis Cavagnari und seinem Stab im Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg erneut ein.

Die Sowjetunion besetzte die Stadt am 23. Dezember 1979 und machte sie zu ihrem Hauptquartier während des zehnjährigen Konflikts zwischen der mit der Sowjetunion verbündeten Regierung und den Mujahedeen-Rebellen.

Nach dem Zusammenbruch der Regierung unter Präsident Nadschibullah 1992 wurde Kabul Zentrum des Bürgerkriegs, in dem sich die verschiedenen Mudschaheddin-Gruppierungen gegenseitig bekämpften. In dieser Zeit verloren in den Straßen von Kabul über 50.000 Menschen ihr Leben.

1995 standen die von Pakistan unterstützten Taliban-Milizen bis 15 Kilometer vor der Stadtgrenze und eroberten Kabul im darauffolgenden Jahr. Die Taliban riefen in Kabul mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern einen streng islamischen Staat aus.

Am 12. November 2001 übernahm die Nordallianz die Stadt, nachdem sich die Taliban aus Kabul zurückgezogen hatten. In Kabul befindet sich das Hauptquartier der ISAF (HQ ISAF).

Wirtschaft

Blick vom TV-Hill nach Nordosten

In Kabul werden hauptsächlich Kleidung, Möbel und Rübenzucker hergestellt, aber die kontinuierliche Kriegsführung seit 1979 hat die ökonomische Produktivität der Stadt stark eingeschränkt. Die Handelskammer der Stadt Kabul repräsentiert die Interessen der Privatwirtschaft in der Stadt.

Verkehr

In der Stadt befindet sich der Kabul International Airport.

Beim Eisenbahnbau in Afghanistan in den 1930er Jahren spielten deutsche Konstrukteure, Baufirmen und Maschinen eine herausragende Rolle. Die Verbindung Dschalalabad – Kabul wurde vom deutschen Konsortium Lenz, Berlin, geplant, existiert heute jedoch nicht mehr.

Die 7 km lange Tram (Straßenbahn) Kabul – Darulaman von 1923 wurde ebenfalls mit deutschen Lokomotiven der Marke Henschel, Kassel, betrieben. Während der Talibanzeit wurden die Schienen jedoch abgebaut und als Metallschrott ins Ausland verkauft.

In Kabul war vor dem Bürgerkrieg der Bau einer Metro (U-Bahn) geplant, welcher jedoch nicht umgesetzt werden konnte, da am 27. April 1978 der damalige Ministerpräsident Mohammed Daoud Khan im Zuge eines Staatsstreichs ums Leben kam.

Ferner verkehrte in der Hauptstadt von 1979 bis 1993 der Oberleitungsbus Kabul – der einzige Obus-Betrieb Afghanistans. Er musste in Folge des Bürgerkriegs eingestellt werden.

Gartenanlagen von Kabul

Kabul bestand eigentlich aus verschiedenen Gärten und Parkanlagen, Bagh (persisch ‏باغ‎): wie Badam-Bagh, Bagh e Alam Ganj (befand sich von 1924–1970 Amani-Oberrealschule), Bagh e Ali Mardan, Bagh e Babur, Bagh e Qazi, Bagh e Wazir, Baghe Tschel Seton bzw. Chilsotoon Bagh (dort steht (persisch ‏تخت رستمTacht e Rostam (Thron von Rostam; siehe auch Persepolis), Gul Bagh, Baghe Bala, Bagh e Vafa, Bagh e Pole Ommumi, Qarabagh, Bagh e Zanana Bagh e Shah Rara, Bagh e Nur Afshan, Bagh e Gul Tschar Bagh, Nila Bagh, Nasir Bagh und die Parks wie Park e Zarnegar, Cinema Park u. v. m. Diese Gärten sind überwiegend in den Zeiten des Mogulreiches in Kabul angelegt worden.

Die obengenannten Gärten waren Lustgärten für Könige und Vergnügungsgärten für die Bevölkerung vor allem Freitags für Picknicks und während der Feste für diverse Veranstaltungen, Spiele, Drachensteigen und Wettkämpfe. Der inzwischen renovierte Babur-Garten steht heute wieder der Kabuler Bevölkerung zur Verfügung.

Diese Gärten sind im Laufe der Zeit entweder zerstört oder für andere Zwecke umfunktioniert worden. Zu diesen Gärten zählen nicht die Obst- und Gemüsegärten, die während der Induskultur angelegt worden waren. Alexander der Große gründete den Ort Istafil (bedeutet Wein) im Nordwest von Kabul. Heute heißt der Ort wegen der Lautverschiebung Istalif. Der Ort ist für seine Keramik und Kelimherstellung berühmt.

Sport

Als erfolgreichster Fußballverein gilt Ariana Kabul FC, die zehn Mal die afghanische Meisterschaft gewinnen konnten. 2007 wurde der Fußballverein FC Kabul Bank Vizemeister in der Afghanistan Premier League. Das Ghazi-Stadion ist das Heimatstadion des FC Maiwand, wird aber auch von anderen Vereinen aus Kabul genutzt.

Söhne und Töchter der Stadt

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungskarte Afghanistan, National Geographic, 2003

Literatur

  • Christine Issa: Baukultur als Symbol nationaler Identität. Das Beispiel Kabul, Afghanistan. Dissertation, Justus-Liebig-Universität Gießen 2009 (Volltext)
  • Dominic Medley, Jude Barrand: Kabul. (= The Bradt mini guide). Bradt, Chaldont St. Peter 2003, ISBN 1-84162-085-8
  • Horst Nußer: Kabul kurzgefasst. (= Geographie Kompakt; Bd. 108). Nußer, München 1992, ISBN 3-88091-648-9

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kabul – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kabul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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