Kastenhalslaute

Kastenhalslaute
Laute auf einem Gemälde Hans Holbeins d.J.

Die Laute (von arabischالعود‎, DMG al-ʿūd) ist ein Zupfinstrument mit Korpus und angesetztem Hals. Als Laute im engeren Sinn bezeichnet man die aus der arabischen Kurzhalslaute Oud entstandene europäische Laute. In der Musiktheorie wird der Begriff Lauteninstrumente als Überbegriff für verschiedene Saiteninstrumente benutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Apsara mit Sitar, Indien

Der Name Laute entstammt der arabischen Sprache. Arabisch al-ʿūd / ‏العود bedeutet "das Holz" und meinte ursprünglich das zum Spielen verwendete hölzerne Plektrum. Daraus wurde im Italienischen leuto / liuto, Französischen luth, auf Deutsch Laute.

Ein der europäischen Laute ähnliches Instrument ist bereits auf einem Relief aus dem Tempel des Hammurapi (1792-1750 v. Chr.) von Babylon zu finden; eine ähnliche Darstellung findet sich auch im Grabmal des Harmosis in Ägypten (15. Jahrhundert. v. Chr.). In China existiert seit etwa der Zeitenwende ein vergleichbares Instrument, die Pipa.

Etwa zeitgleich wurde im persischen Raum die Sitar (aus dem persischen: Setar „Dreisaiter“) verwendet. Diese Instrumente gehören zur Gruppe der Langhalslauten. Die Oud (eine Kurzhalslaute ohne Bünde) gilt als direkter Vorläufer der Laute, sie war schon im 9. Jahrhundert in Persien weit verbreitet und wurde zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert von Kreuzfahrern aus Arabien nach Europa gebracht, und/oder fand ihren Weg nach Europa über das maurisch besetzte Spanien. In Europa wurde die Oud modifiziert, erhielt Bünde aus Darmsaiten und wurde in der Regel mit den Fingern gespielt.

In der Renaissance galt die Laute als Königin der Instrumente. Sie hatte den Vorteil, dass man beliebig transponieren konnte; diese besondere Eigenschaft der Lautenstimmung beschrieben verschiedene Renaissance-Theoretiker. Im 17. Jahrhundert nahm ihre Bedeutung allmählich ab. Im 18. Jahrhundert wurde die Barocklaute schließlich von anderen Saiten- und Tasteninstrumenten verdrängt. Musik für Laute wurde fast immer in Tabulatur aufgeschrieben.

Mit der Wiederentdeckung der Alten Musik erfuhr auch das Lautenspiel im 20. Jahrhundert eine Wiederbelebung.

Instrumentenkunde

Als Lauteninstrumente im weiteren Sinn versteht man in der Musiktheorie alle Saiteninstrumente, die aus einem Resonanzkasten und einem saitentragenden Hals zusammengesetzt sind, und bei denen die Saiten parallel zur Decke des Resonanzkastens verlaufen [1]. Man kann die Lauten in zwei Gruppen einteilen:

Aufbau

Laute
In der Werkstatt des Lautenmachers

Charakteristisch für die Laute ist der birnenförmige Korpus aus mehreren Holzspänchen. Die Decke dagegen besteht meist aus dünnem Fichtenholz. Lauten werden mit Saitenpaaren, den so genannten Chören, bespannt. Die beiden Saiten eines Chores werden im Einklang oder bei den tieferen Saiten in Oktaven gestimmt. Sie bilden eine Einheit und werden zusammen gegriffen und angeschlagen. Bei einigen Komponisten werden die hohen Oktavsaiten allerdings auch gezielt für die Stimmführung verwendet (zum Beispiel Albert de Rippe). Sehr selten werden besondere Effekte durch das alleinige Greifen einer der beiden Saiten oder durch das Greifen der beiden Saiten an verschiedenen Bünden erzielt (Vincenzo Capirola).

Meistens besteht der 1. Chor jedoch nur aus einer Saite, bei den Barocklauten oft auch der 2. Chor. Vor 1500 hatten Lauten normalerweise vier oder fünf Chöre. Im Laufe der Zeit wurden in der Tiefe zusätzliche Chöre eingeführt. Ab dem 16. Jahrhundert waren sechs Chöre die Norm. Vom Ende des 16. Jahrhunderts an wurden sieben und mehr Chöre verwendet. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Laute auf dreizehn Chöre erweitert.

Die Renaissancelaute steht in Terz-Quart-Stimmung, das heißt die Intervalle zwischen den Chören vom höchsten bis zum 6. Chor sind Quarte, Quarte, große Terz, Quarte, Quarte. Die absolute Tonhöhe ist normalerweise nicht festgelegt, und da die Musik der Renaissancelaute in Tabulatur aufgeschrieben wurde, ist sie auch aus der Notation nicht ersichtlich. Zeitgenössische Lehrwerke empfehlen oft den höchsten Chor so hoch wie möglich zu stimmen.

Wenn eine Stimmung angegeben ist (zum Beispiel in theoretischen Abhandlungen) oder wenn bei Ensemblewerken die Stimmung der Laute aus den anderen, in normaler Notation aufgeschriebenen Stimmen erkennbar ist, ist die Stimmung meistens G - c - f - a - d - g oder A - d - g - h - e - a. Bei siebenchörigen Lauten ist der 7. Chor einen Ganzton oder eine Quarte tiefer als der 6. Chor gestimmt (bei der Stimmung in G also auf F oder D). Bei achtchörigen Lauten ist der 7. Chor einen Ganzton und der 8. Chor eine Quarte tiefer als der 6. Chor gestimmt, bei der zehnchörigen Laute werden die Saiten vom sechsten Chor an diatonisch absteigend angeordnet, bei Stimmung in G ist die Stimmung des 7. bis 10. Chores also: F - E - D - C. Je nach der Tonart des Stückes konnten die Basssaiten umgestimmt werden.

Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts experimentierten viele Lautenisten mit unterschiedlichen Stimmungen (so zum Beispiel Mezangeau), um dem veränderten musikalischen Stil gerecht zu werden und um neue Möglichkeiten zu erschließen. Am Ende dieser Entwicklung kristallisierte sich die D-moll Stimmung als grundlegend für die Barocklaute heraus. Sie wurde aus der zehnchörigen Laute heraus entwickelt und zunächst mit elf, später mit dreizehn oder vierzehn Chören versehen.

Außerdem entstanden ab etwa 1600 Großformen der Laute mit einem verlängerten Hals, an dem zusätzliche Basschöre angebracht waren. Diese wurden hauptsächlich für den Generalbass verwendet (Erzlaute, Theorbe, Chitarrone).

Die Saiten bestanden in Renaissance und Barock in der Regel aus Darm. Michael Praetorius berichtet 1618 auch vom Gebrauch von Stahl- und Messingsaiten für Laute und Theorbe. Von Spielern der Gegenwart werden vielfach Saiten aus Kunststoff benutzt.

Spielweise

Caravaggio: Der Lautenspieler (um 1595)

Ursprünglich wurden wohl die Saiten der Laute wie die des arabischen Oud mit einem Plektrum angeschlagen, das in der Regel aus einem starken Vogelfederkiel bestand. Erst um 1500 entwickelten die Lautenisten die Spieltechnik mit den Fingern, womit mehrstimmiges Spiel möglich wurde. Dabei wurden in der frühen Zeit schnelle Läufe in der rechten Hand mit Daumen und Zeigefinger gespielt – einer Technik, die aus dem Plektrumspiel entwickelt wurde, während Akkorde mit Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger gegriffen wurden. Die Finger hielt man mehr oder weniger parallel zu den Saiten. Der kleine Finger ruhte auf der Decke – wie bereits früher beim Plektrumspiel. Im Gegensatz zu dieser Technik (die man auch die „Daumen-innen-Technik“ nennt, weil der Daumen in die Richtung des Handinneren schlägt) entwickelten die Lautenisten in der späteren Renaissance und in der Barockzeit für die rechte Hand die sogenannte „Daumen-außen-Technik“. Die Hand wurde stärker gedreht, so dass die Finger beinahe in rechtem Winkel die Saiten berührten. Der Daumen bediente ähnlich wie bei der Konzertgitarre vor allem die Basssaiten. Der kleine Finger wurde zumeist weiterhin als Stützfinger verwendet. Die Technik entwickelte sich aufgrund der lebhafteren Bassführung in der späteren Musik.

Siehe auch

Literaturhinweise

  • Konrad Ragossnig: Handbuch der Gitarre und Laute Schott ISBN 978-3-7957-8725-7
  • Andreas Schlegel: Die Laute in Europa - Geschichte und Geschichten zum Geniessen (Deutsch/Englisch) Lute Corner ISBN 978-3-9523232-0-5
  • Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Olms ISBN 3-487-04290-8
  • Franz Jahnel: Die Gitarre und ihr Bau - Technologie von Gitarre, Laute, Mandoline, Sister, Tanbur und Saite Edition Bochinsky ISBN 3-923639-09-0
  • Christian Ahrens [Red.]: Laute und Theorbe, Symposium im Rahmen der 31. Tage Alter Musik in Herne: Herne: Stadt Herne, Fachbereich Kultur, 2006 ISBN 3-9807008-7-9

Quellen

  1. Brockhaus Enzyklopädie, 21. Auflage, ISBN 3-7653-4131-2

Weblinks


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