Kotyora

Kotyora
Ordu
Wappen von Ordu
Ordu (Türkei)
DEC
Basisdaten
Provinz (il): Ordu
Koordinaten: 40° 59′ N, 37° 53′ O40.98472222222237.8791666666674Koordinaten: 40° 59′ 5″ N, 37° 52′ 45″ O
Höhe: m
Einwohner: 134.005 (2007[1])
Agglomeration: 167.829 (2007[1])
Telefonvorwahl: (+90) 452
Postleitzahl: 52 000
Kfz-Kennzeichen: 52
Struktur und Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Seyit Torun (DSP)
Webpräsenz (Stadtverwaltung):

Ordu (griechisch Κοτύωρα, deutsche Transkription: Kotyora; französisch auch Ordou genannt) ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz Ordu. Die Stadt ist malerisch in einer kleinen Bucht an der östlichen Schwarzmeerküste eingebettet und zählt mehr als 130.000 Einwohner.

Ordu wird im Westen von dem 550 Meter hohen, mit dichten Wäldern begrünten Berg Boztepe überragt. Die Landschaft um Ordu ist vor allem für ihre Haselnussgärten und Wälder bekannt. Die Haselnussproduktion ist außerdem der Hauptwirtschaftsfaktor der Stadt und ihrer Bürger. Ordu besitzt zudem den längsten Tunnel der Türkei, den Nefise-Akcelik mit 4000 Metern Länge. Eine Universität befindet sich ebenfalls in der Stadt (2006 gegründet). Der Kern der Stadt liegt an einem langen, felsigen Strandabschnitt, an dem sich auch die Autobahn entlang der Schwarzmeerküste in Richtung der nächstgrößeren Städte Samsun im Westen und Trabzon im Osten ausdehnt. Außerdem besitzt Ordu einen kleinen Hafen, an dem auch große Schiffe Zwischenstation machen können.

Unter den Bürgern wird die Stadt liebevoll Küçük Paris (Klein-Paris) genannt, da sich ein enges Straßengeflecht durch die Stadt zieht und auffällige, zum Teil schlanke Gebäudekonstruktionen zum Stadtbild gehören.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Ordu bedeutet Armee in der türkischen Sprache.

Der Name könnte der Stadt während des 15. Jahrhunderts gegeben worden sein, aufgrund ihrer Bedeutung als osmanischer Stützpunkt. Eine andere Alternative ist, dass der Name abgeleitet wurde vom griechischen Kotyora.

Ordu war außerdem die Bezeichnung für das Zelt in den türkischen und mongolischen Stämmen. Der moderne Begriff (englisch und deutsch:) Horde (umherziehende Bande oder Rotte) ist entlehnt aus dem polnischen horda, wiederum aus türkisch ordu, der Tross, das Heer(lager), dies aus tatarisch urdu, das Lager, vergleiche urmak, schlagen.

Geschichte

Das antike Kotyora war der Ort, an dem Xenophons Griechen (Marsch der Zehntausend) 45 Tage rasteten, bevor sie nach Asien aufbrachen. Nach der Legende sollen die Argonauten hier gelandet sein, um nach dem Goldenen Vlies zu suchen.

Es wurden zwar Artefakte gefunden, die bis in das Jahr 1500 v. Chr. datieren, aber die Stadt Ordu wurde erst im achten Jahrhundert vor Christus als Kotyora durch Einwanderer aus der Stadt Sinope gegründet. Ordu wurde somit Teil der Kette von griechischen Kolonien entlang der Schwarzmeerküste, ausgehend von der antiken Ägäis-Stadt Milet.

Bis 1800 war Ordu ein kleiner Hafen, der hauptsächlich von Pontos-Griechen bewohnt war. Die Bevölkerung wuchs rapide während dieses Jahrhunderts, aufgrund der Gesetze des osmanischen Sultans, mehr nomadische Türken-Clans in der Region anzusiedeln.

Nach dem Russisch-Türkischen Krieg (1877-1878) wuchs die Bevölkerung noch einmal an, weil viele Türken aus den nun russisch-kontrollierten Kaukasus-Regionen und Georgien an die türkische Schwarzmeerküste flohen.

Chronologie

Gegenwart

Heute besteht die Bevölkerung aus Türken, Kaukasiern (von den Türken allgemein als Georgier, türkisch "Gürcüler", bezeichnet), einigen muslimischen Armeniern (Hemşinliler genannt) und einer sehr kleinen Gemeinschaft von Nachkommen der Griechen, welche sich weigerten, die Region zu verlassen.

Die Stadt ist das Zentrum einer großen Haselnuss-Industrie, zum Beispiel Sağra (einer der größten Haselnussverarbeiter und -exporteure) und Fiskobirlik (größte Haselnuss-Kooperative der Welt).

Der Fabrik-Laden von Sağra bietet sehr viele Arten an Schokolade, Nougat und Nussprodukten an und ist eine der städtischen Sehenswürdigkeiten.

Politik

Ordu ist grundsätzlich liberaler als die restlichen türkischen Städte am Schwarzen Meer und hat traditionell eine Links-Wähler-Mehrheit. Ordu ist eine der wenigen Städte, die von der Links-Partei DSP kontrolliert werden, obwohl in der Überzahl der Städte am Schwarzen Meer die AKP stärkste Partei ist.

Musik

Die lokale Musik ist beeinflusst von der Schwarzmeer-Region. Das bekannteste Instrument ist die Kemençe.

Sport

In Ordu befindet sich das Ordu 19 Eylül Stadyumu, Heimstadion des Fußballvereins Orduspor.

Küche

Die Küche beinhaltet typisch türkische Gerichte, wie zum Beispiel Pide und Kebab.

Lokale Spezialitäten sind unter anderem:

  • Haselnussprodukte, Schokolade
  • Hamsi - türkische Sardellenart
  • Pancar Çorbası - Kohlsuppe
  • Mısır Ekmeği - Maisbrot
  • Su Böreği - Blätterteig mit Käsefüllung

Klima

Klimadiagramm der Stadt Ordu

Bekannte Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Türkisches Institut für Statistik abgerufen 8.12.2008

Siehe auch

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kotyōra — (a. Geogr), Emporium in Pontos, lag am Kotyoräischen Busen des Schwarzen Meeres, Colonie der Sinoper; hier schifften sich die 10,000 Griechen ein, um in ihr Vaterland zurückzukehren …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ordu — Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis Ordu …   Deutsch Wikipedia

  • David Komnenos — (Greek: Δαβίδ Κομνηνός) (c. 1184 – 1212) was one of the founders of the Empire of Trebizond and its joint ruler together with his brother Alexios until his death. Contents 1 Early life 2 Capture of Trebizond 3 Ancestry …   Wikipedia

  • Pontos [2] — Pontos, die nordöstliche Landschaft Kleinasiens, begrenzt von Paphlagonien, Galatien, Kappadokien, Groß u. Kleinarmenien, Kolchis u. dem Schwarzen Meer; ihre Grenze bildete gegen Westen der Halys, gegen Süden der Antitauros u. Paryadres, gegen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Pontic Greek — language name=Pontic Greek nativename=Ποντιακά, Ρωμαίικα familycolor=Indo European states=Greece, Russia, Ukraine, Georgia, Kazakhstan, Turkey, Germany, The Netherlands region=Southeastern Europe speakers=324,535 fam2=Greek fam3=Koine… …   Wikipedia

  • Kemenche — Infobox Instrument name=Karadeniz kemençesi names=ç’ilili(ჭილილი), Pontic kemenche classification= *Bowed string instrument range= related= * Rebec * igil * Byzaanchy * Shichepshin * Huqin * Cretan liraA kemenche (Turkish: kemençe, Laz: Ç… …   Wikipedia

  • Greek exonyms — Below is a list of modern day Greek language exonyms for European places outside Greece. Place names that are not mentioned are generally referred to in Greek by their respective names in their native languages, or at the closest pronunciation a… …   Wikipedia

  • Konstantia — For the brachiopod genus, see Konstantia (brachiopod).Konstantia (South Slavic: Gostoljubi or Kostoljubi ) [Todor Hristov Simovski, The Inhabited Places of the Aegean Macedonia (Skopje 1998), ISBN 9989 9819 4 9, p. 86.] is a village in the… …   Wikipedia

  • Liste ionischer Stadtgründungen — Eine Liste der Städtegründungen ionischer Mutterstädte (Chalkis, Eretria, Phokaia, Milet, Paros, Naxos, Kolophon) vor den Perserkriegen. Die Städte sind mit ihrem griechischen Namen gelistet. Westliches Mittelmeer Moderner Name Antiker Name… …   Deutsch Wikipedia

  • Grec Pontique — Ποντιακά, Ρωμαίικα Parlée en Grèce, Russie, Ukraine, Géorgie, Kazakhstan, Turquie, Allemagne Région Sud est de l’Europe Nombre de locuteurs 324 535 Typologie SVO …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”