Otmar Emminger

Otmar Emminger

Otmar Emminger (* 2. März 1911 in Augsburg; † 3. August 1986 in Manila) war ein deutscher Ökonom und Präsident der Deutschen Bundesbank.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn des Juristen und Politikers Erich Emminger studierte von 1928 bis 1932 Jura und Volkswirtschaft in Berlin, München, Edinburgh und an der London School of Economics. In Berlin wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung Askania (jetzt K.St.V. Askania-Burgundia), in München der K.S.St.V. Alemannia München, beide im KV. Nach seinem ersten juristischen Staatsexamen 1931 wurde er zunächst Referendar, unterbrach den juristischen Vorbereitungsdienst jedoch, um in Großbritannien zu studieren und 1934 als wissenschaftlicher Assistent in Berlin und von 1935 bis 1936 am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zu arbeiten. Im Dezember 1934 hatte Emminger bereits an der Münchener Staatswirtschaftlichen Fakultät promoviert, wurde 1936 wieder Referendar und legte 1938 das Assessor-Examen ab. Der NSDAP trat er im Jahre 1937 bei.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft wurde er 1945 Mitarbeiter der Volkswirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Bayern und 1947 Oberregierungsrat im Bayerischen Wirtschaftsministerium. 1949 übernahm er die Wirtschaftsabteilung der deutschen Delegation beim Europäischen Wirtschaftsrat in Paris, der heutigen OECD. 1950 arbeitete er als Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung für die Bank deutscher Länder in Frankfurt/Main.

Von 1953 bis 1969 war Emminger Mitglied des Direktoriums zunächst der Bank deutscher Länder, dann der Deutschen Bundesbank, von 1969 bis 1977 war er deren Vizepräsident. Im Mai 1977 wurde er als Nachfolger von Karl Klasen bis 1979 Präsident der Deutsche Bundesbank.

Von 1958 bis 1977 war er Vizepräsident und zeitweilig auch Präsident des Währungsausschusses der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Emminger setzte sich konsequent für die Stabilität der Währung ein, er kämpfte gegen die massiven Dollarzuflüsse aus den USA und bestand auf einer strikten Unabhängigkeit der Bundesbank gegenüber der Regierung. Ihre Zustimmung zum Europäischen Währungssystem (EWS) erteilte die Bundesbank erst, nachdem sie erhebliche Änderungen durchgesetzt hatte. Diese Entscheidung war für Emminger nicht leicht, schon in seiner Dissertation hatte er sich mit der Einführung flexibler Wechselkurse auseinandergesetzt und die Loslösung der Währungskurse vom Dollarstandard selbst mitgestaltet.

Aufgrund seiner rhetorischen Begabung, verbunden mit seiner internationalen Erfahrung war Emminger ein einflussreicher Vertreter der deutschen Bundesbank. Weil er konsequent für die Preisstabilität der Währung und die Unabhängigkeit der Bundesbank eintrat, wurde er im Ausland "Mister DM" genannt.

Für seine Verdienste erhielt Emminger zahlreiche Ehrungen: unter anderem das Großkreuz des Bundesverdienstordens, das Großkreuz des Bayerischen Verdienstordens, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik mit Stern und Schulterband, das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, das Großkreuz des Königlichen Nordsternordens von Schweden.

Emminger reiste im Juli 1986 im Auftrag der Bundesregierung nach Manila, wo er der Präsidentin Corazon Aquino seine reichhaltige währungspolitische Erfahrung zur Verfügung stellen wollte. Dort starb er an Herzversagen.[1]

Werke (Auswahl)

  • Die englischen Währungsexperimente der Nachkriegszeit-Währungsentwertung und Krisenüberwindung Dissertation München 1934
  • Zwischenbilanz der DM-Aufwertung (1970)
  • Inflation and the International Monetary System (1973)
  • On the Way to a New International Monetary Order (1976)
  • Verteidigung der DM. Plädoyers für stabiles Geld, Frankfurt am Main 1980
  • D-Mark, Dollar, Währungskrisen. Erinnerungen eines ehemaligen Bundespräsidenten, Stuttgart 1986.[2]

Einzelnachweise

  1. spiegel.de (Spiegel 33/1986, S. 80: Nachruf)
  2. Die Zeit: Ein Denkmal von eigener Hand

Literatur

Weblinks


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