Peter Wolter

Peter Wolter

Peter Wolter (* 1947) ist ein deutscher Journalist und Publizist und ehemaliger Agent für die Hauptverwaltung Aufklärung im Ministerium für Staatssicherheit der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Wolter wuchs in Münster auf und verpflichtete sich nach dem Abitur 1966 zum Dienst als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. Er absolvierte die Laufbahn der Offiziere in der Teilstreitkraft Marine, war u. a. als Kampfschwimmer im Einsatz und verließ das Militär nach vier Jahren als Leutnant zur See. Schon während seiner Zeit als Soldat war er publizistisch für Marinefachzeitschriften tätig.

Anschließend studierte er in Münster und an der FU Berlin Publizistik, Soziologie und Philosophie und beendete sein Studium 1976 mit einer Magisterarbeit über den Deutschlandfunk. Nach einer Ausbildung zum Nachrichtenredakteur arbeitete Wolter bei verschiedenen Presseagenturen, u. a. bei dpa in Hamburg, Düsseldorf und Essen, ddp in Bonn und zuletzt bis zu seiner Verhaftung 1991 als Chef vom Dienst bei Reuters in Hamburg.

Von 1973 bis zu seiner Enttarnung war Wolter mehr als siebzehn Jahre lang als Agent für den Auslandsgeheimdienst der DDR, die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) unter Markus Wolf aktiv, in der Terminologie der DDR als Kundschafter im Westen. Seine Spionagetätigkeit bestand vornehmlich im Fotografieren und Weiterleiten geheimer Dokumente aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln, dem Bundesministerium der Verteidigung in Bonn sowie Einrichtungen der Europäischen Gemeinschaft.

Nach seiner Verurteilung 1994 durch das OLG Düsseldorf zu einer Bewährungsstrafe arbeitete Wolter zunächst als freier Journalist, u. a. bei einer deutschsprachigen Tageszeitung auf den Kanarischen Inseln, und war 1994 zusammen mit Karl-Heinz Welten und dem Sozialarbeiter Gunther Braun Mitbegründer des Straßenmagazins „draußen!“ in Münster, zu dem 1995 der gemeinnützige Verein „draußen!“ e. V. entstand. Das Magazin erscheint monatlich (2x im Jahr gibt es eine Verkäufersonderausgabe) und wird bei einer Auflage von 9000 Exemplaren pro Monat ausschließlich im Straßenverkauf oder per Abonnement angeboten.[1]

Seit 2004 war Wolter Ressortleiter Interview der Berliner Tageszeitung junge Welt, nach dem Einzug von Ulla Jelpke in den 16. Deutschen Bundestag übernahm Wolter dort im September 2005 das Ressort Innenpolitik. Daneben schrieb er Beiträge für die Marxistischen Blätter.

Parteitätigkeiten

Peter Wolter trat 1973 in die DKP ein, wechselte während seiner Studienzeit in West-Berlin in die moskautreue Sozialistische Einheitspartei Westberlins (SEW) und wurde Sekretär der Sektion Publizistik der SEW-Hochschulgruppe. Er verfasste regelmäßig Artikel für das Parteiorgan Die Wahrheit und wurde an der Leninschule in Moskau ideologisch geschult. Während seiner Agententätigkeit für die DDR erhielt er das Parteibuch der SED.

Gemäß einer ihm von der HVA vorgegebenen Legende brach er offiziell alle Kontakte zu DKP und SEW ab und trat als rechter SPD-Sympathisant auf. Nach der Wiedervereinigung wurde Wolter für kurze Zeit Mitglied der PDS und gehört heute wieder der DKP an. Bei den Kommunalwahlen 1999 in Münster kandidierte er erfolglos für einen Sitz im Stadtrat.

Schriften

  • Peter Wolter: Agentenromantik? In: Klaus Eichner/Gotthold Schramm (Hrsg): Kundschafter im Westen. Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich. Mit einem Vorwort von Markus Wolf und Werner Großmann. 2., korr. Auflage, Berlin 2003. edition ost / Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbH.
  • Ders.: Kriegspropaganda. Die Mutter aller Lügen, in: Marxistische Blätter (14. Januar 2004)

Einzelnachweise

  1. Flugblatt „draußen!“ – das Straßenmagazin

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