The God Delusion

The God Delusion
Dawkins auf einer Signierstunde für The God Delusion in der Barnes-&-Noble-Filiale in Lower Manhattan.

Der Gotteswahn (engl. The God Delusion) ist der Titel einer 2006 erstmals bei Houghton Mifflin im englischen Original erschienenen Monografie Richard Dawkins', in der er sich gegen theistische Religionen und insbesondere gegen die drei abrahamitischen Weltreligionen wendet. Dawkins' zentrale Thesen sind, dass jeder Glaube an Gott in all seinen Formen irrational sei und dass Religion in der Regel schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft habe.[1] Das Buch ist weltweit ein großer Verkaufserfolg und wird kontrovers in der Öffentlichkeit rezipiert.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Essay ist in folgende Kapitel gegliedert:

Ein tief religiöser Ungläubiger

Zu Beginn differenziert Dawkins die Aussagen verschiedener Naturwissenschaftler, z.B. Sagan, Weinberg und Hawking, zu ihrer persönlichen Einstellung zur Religion und unterstreicht dies mit entsprechenden Zitaten. Er legt dar, dass etwa Albert Einstein nicht an einen (persönlichen) Gott glaubte, wie oft unterstellt wurde, sondern den Begriff metaphorisch für das von ihm bewunderte Universum gebraucht hat.
Hier differenziert und erläutert Dawkins auch die Begriffe Theismus, Deismus und Pantheismus. Im Weiteren spricht er den seines Erachtens grundlosen Respekt an, der in vielen Gesellschaften der Religion beigemessen oder von ihr gefordert wird. Dabei zitiert er H. L. Mencken: „Wir müssen die Religion des Anderen respektieren, aber nur in dem Sinne und dem Maße, wie wir seine Theorie respektieren müssen, dass seine Frau schön ist und seine Kinder klug.“

Die Gotteshypothese

Dawkins gibt eine sehr kurze Übersicht über Polytheismus (Glaube an eine Vielzahl von Göttern), Monotheismus (Glaube an einen einzigen Gott) und Agnostizismus (‚nicht wissen‘/‚nicht wissen können‘/‚nicht wissen wollen‘) und erstellt eine Skala mit sieben graduellen Überzeugungen, die von (1) Der überzeugte Theist: „Ich glaube nicht, sondern ‚weiß‘, dass es einen Gott gibt.“ bis zu (7) Der überzeugte Atheist: „Ich glaube nicht, sondern ‚weiß‘, dass es keinen Gott gibt.“
In der Mitte liegt (4) Der reine Agnostiker: „Ich ‚weiß‘, dass ich nicht wissen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht.“ Dawkins schätzt sich selbst als (6) De-facto-Atheist ein: „Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes als sehr gering ein und lebe mein Leben entsprechend.“
Anschließend zeigt er u. a. auf, wie die USA ursprünglich als säkularer Staat gegründet wurden, heute aber als der am stärksten religiös geprägte Staat der westlichen Welt anzusehen sind. Dies zeige sich z. B. in der Intoleranz gegenüber Atheisten bei großer Toleranz gegenüber beliebigen religiösen Bekenntnissen und Sekten. Der ebenfalls damit verbundenen Ablehnung der Evolutionstheorie Darwins durch christliche Kreationisten werde von Wissenschaftlern zum Teil mit der NOMA-Theorie Stephen Jay Goulds begegnet, deren Auffassung es sei, Wissenschaft und Religion seien zwei voneinander getrennte Bereiche, und so wie Wissenschaft keine Aussagen über Gott machen könne, solle die Religion die Fakten den Wissenschaftlern überlassen.
Dawkins grenzt sich jedoch deutlich von NOMA ab, vielmehr argumentiert er, eine Welt mit einem Gott unterscheide sich grundlegend von einer Welt ohne Gott. Die Frage nach der Existenz von Göttern sei daher grundsätzlich eine Fragestellung, die mit Methoden der Naturwissenschaft bearbeitet werden könne.

Argumente für die Existenz Gottes

Dawkins nennt die Argumente, die am häufigsten für die Existenz Gottes vorgebracht wurden, und kritisiert sie:

  • die Fünf Wege des Thomas von Aquin mit genereller Ausweitung auf ontologische 'a priori'- oder 'a posteriori'-Argumentationsketten;
  • die Schönheit („Woher kommt die Schönheit in den Werken der Künstler?'“);
  • die persönliche Gotteserfahrung („Ich habe Gott erfahren“);
  • die Existenz „Heiliger Schriften“;
  • die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glauben („Es gibt doch gläubige Naturwissenschaftler“);
  • Blaise Pascals Diktum „Nicht an Gott zu glauben könnte verheerend sein“;
  • die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, dass Gott existiert von Stephen D. Unwin.

Warum es mit ziemlicher Sicherheit keinen Gott gibt

In Kapitel 4 werden Argumente erläutert, die eine Existenz Gottes unwahrscheinlich oder unnötig erscheinen lassen. Dawkins identifiziert das Hauptproblem der Vorstellung eines Schöpfers und allmächtigen Herrschers unserer Welt darin, dass solch eine Vorstellung nichts tatsächlich erkläre, sondern im Gegenteil lediglich einen unendlichen Rückgriff darstelle, indem sie etwas sehr Komplexes (unsere Welt und das Leben auf ihr) mit etwas noch Komplexeren (Gott) erklärt, dessen Ursprung wiederum unklar bleibt. Er erläutert dies mit den Argumenten

  • des Verständnisses der natürlichen Auslese (Evolutionstheorie).
  • gegen das Konzept der nichtreduzierbaren Komplexität des Biochemikers Michael J. Behe.
  • der Verehrung von (Verständnis-)Lücken (d.h. Alles, was wir nicht verstehen, wird Gott zugeschrieben).
  • des Anthropischen Prinzip (d.h. Wir leben auf unserer Erde, weil sie für uns gemacht ist [Mensch ⇒ Erde] gegenübergestellt mit Nur auf einer solchen Erde haben wir uns überhaupt nur entwickeln können [Erde ⇒ Mensch]).

Dawkins kommt in Kapitel 3 und 4 zum Schluss, dass es weder möglich sei, die behauptete Existenz eines „Höheren Wesens“ zu beweisen noch sie zu widerlegen, da Nichtexistenz nicht bewiesen werden könne. Hier führt er die Geschichte von Russells Teekanne an, die vorgeblich im All kreise, aber prinzipiell auch mit den besten Teleskopen nicht zu entdecken sei. Mit Gott sei es wie mit ihr: zwar vorstellbar, aber weder nachweis- noch widerlegbar.

Die Wurzeln der Religion

Da der ‚Glauben an ein höheres Wesen‘ in sozialen Systemen weit verbreitet ist, vermutet Dawkins, dass ‚Glauben‘ durch die Evolution begünstigt wurde. Möglichkeiten einer Erklärung, die er diskutiert, sind

  • der Placebo-Effekt: Eine Person, die glaubt, unter einem väterlichen, allmächtigen Beschützer zu leben, sollte sich zuversichtlicher im Leben fühlen.
  • Gruppenselektion: Eine Gruppe, die durch eine Überzeugung oder einen Glauben (welcher Art auch immer und verstärkt durch Aufnahmerituale) eisern zusammenhält, sollte einen Vorteil haben gegenüber ‚überzeugungslosen‘ Gruppen.
  • Beiprodukt-Effekt: Kinder, die gelernt haben ‚blind zu glauben‘ (‚blind zu vertrauen‘), was ihnen erfahrene Ältere als Warnungen aussprechen, dürften eine größere Chance haben, in einer gefährlichen Umgebung zu überleben. Dabei kann eine Verstärkung entstehen, wenn diese Warnungen (Ver- und Gebote) einer noch höheren Macht als jener der Älteren zugeschrieben werden.
  • Psychologische Gegebenheiten (Funktionsweise des Gehirns): Intuitiver Dualismus (d.h. Ich in meinem Körper, statt Monismus: Ich, der Körper) führt den Menschen zu der Frage: Was ist und woher kommt dieses „Ich“, diese Seele, die meinen Körper bewohnt? Und da alles einen Sinn haben muss (Wasser kommt aus einer Quelle, damit ich es trinken kann), muss auch die Seele einen Sinn haben, der (aus Erklärungsmangel) mit einem höheren Sinn (Gott) in Verbindung gebracht wird.

Wiederkehrende Aspekte dieser Erklärungen können dadurch erklärt werden, dass es sich bei religiösen Vorstellungen um Meme handeln könnte, die eigenständige Evolutionsprozesse durchlaufen und den Menschen nur als „Wirt“ verwenden. Beispiele für diese Meme wären: (a) Lebst du so (und nicht anders), wirst du nach dem Tod belohnt und weiterleben. (b) Je mehr du glaubst und je weniger du zweifelst, desto besser ist es für dich (desto glücklicher wirst du sein). (c) Im Gegensatz zu dir werden Ungläubige sicherlich bestraft oder sollten von dir bestraft werden u.s.w.

Am Ende des Kapitels geht Dawkins auf das Phänomen der Cargo-Kulte ein, bei deren Entstehung, Verbreitung und Perpetuierung von – für den Beobachter absolut irrationalen – Memen beobachtet werden kann.

Die Wurzeln der Moral: Warum sind wir gut?

Zur Entstehung von Moral schreibt Dawkins, dass Menschen ihre Moral nicht aus religiösen Schriften ableiten, sondern die Entstehung von Moral ein universelles gesellschaftliches Phänomen sei. In Testantworten, in denen schwierige moralisch vertretbare Entscheidungen erfragt werden, ergebe sich keine Korrelation zwischen moralischer Entscheidung und Religiosität: Gläubige und Atheisten/Agnostiker zeigten dieselben Entscheidungsprofile. In einem Beispiel aus der Bevölkerungsstatistik beschreibt Dawkins die quantitativ belegten Beobachtungen von Sam Harris, dass in den USA in traditionell republikanischen Staaten, in denen konservative christliche Gruppierungen einen starken Einfluss ausüben, Mordraten, Gewalt- und Eigentumsdelikte in Städten deutlich höher liegen, als in vergleichbaren Städten in „liberalen“ demokratischen Staaten. Religion sei also keine Garantie für moralisches Verhalten und religiöse Menschen seien nicht automatisch „gut“.

Das „gute“ Buch und der wandelbare Zeitgeist

Dawkins konstatiert, die Bibel sei als Grundlage des heutigen menschlichen Handelns und dessen Moral völlig ungeeignet und werde in Wirklichkeit auch von Christen nicht als solche genutzt. Moderne Christen würden nur Ausschnitte aus der Bibel als moralische Grundlage nennen, etwa die Zehn Gebote oder die Bergpredigt, nicht aber z. B. die im Alten Testament ausführlich beschriebenen Bruder- und Völkermorde, oder polygames und inzestuöses Verhalten. Wie aber, so fragt Dawkins, entscheidet ein Christ, welche Passagen der Bibel beherzigenswert sind und welche nicht? Sicher nicht anhand der Bibel selbst, sondern nach eigenem Gutdünken; die Bibel sei dann eine nachgeschobene Begründung für bereits zuvor gefällte moralische Urteile.
Für den Wandel von Moral über die Zeiten benutzt er den Begriff Zeitgeist und zeigt am Beispiel der Zehn Gebote, wie dies heute verstanden werden könnte.

Was ist denn so schlimm an der Religion? Warum diese Feindseligkeit?

Insgesamt betont Dawkins, dass schon ein „gemäßigter“ Glaube dem Fanatismus zugute komme. Er führt aus, dass die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in dieser Form nur möglich gewesen seien (ebenso wie religiös motivierte Anschläge überall sonst auf der Welt), weil die Attentäter wirklich geglaubt hätten, nach ihrem Tod als Märtyrer in ein Paradies zu kommen. Dieser Glaube habe sich aber nur deshalb festigen können, weil die Gesellschaft, in der die Täter aufgewachsen sind, den scheinbar harmlosen Glauben an Gott und an ein Paradies für selbstverständlich hält.
Als Beispiel führt er die Haltung einiger Religionen gegenüber Homosexuellen und deren Verfolgung an oder die Tatsache, dass der Respekt vor dem Leben (Ungeborenes, Soldat, Ehebrecher, Andersgläubiger, ethnische Gruppen) sehr variabel den entsprechenden Glaubensrichtungen angepasst wurde und noch wird.

Kindheit, Kindesmisshandlung und wie man der Religion entkommt

Ein besonderes Anliegen ist Dawkins in seinem Buch die Kritik an kindlicher Indoktrination durch religiöse Verbindungen und Kirchen. So kritisiert er u. a. die staatliche Förderung religiöser Schulen, speziell in Großbritannien, da damit dem Fundamentalismus Vorschub geleistet werde. Dawkins zufolge kann es im Prinzip ebenso wenig katholische oder muslimische Kinder geben wie marxistische oder sozialdemokratische, da Kinder zu unreif seien, sich hier tatsächlich eine Meinung bilden zu können. Er fordert, Kinder müssten ohne Beeinflussung in die eine oder andere Richtung aufwachsen können und bezeichnet die Praxis einer religiösen Erziehung von Kindern als Kindesmisshandlung. Als Beispiele führt er das Leben des Edgardo Mortara an, eines Kindes aus einer jüdischen Familie, das durch die Taufe – ausgeführt durch sein Kindermädchen – auf päpstliche Anordnung von seinen Eltern entfernt und „errettet“ wurde oder die mentalen Qualen eines Kindes, wenn es zu erkennen glaubt, dass ein verstorbener andersgläubiger Freund nun für die Ewigkeit Höllenqualen leiden muss.

Eine notwendige Lücke?

Zum Ende thematisiert er die oft behauptete Nützlichkeit des Glaubens für ein „gutes Leben“. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht notwendig sei, an Gott zu glauben, um glücklich oder getröstet zu sein. So wie sich ein Kind aus der Phase der Begleitung durch einen ‚imaginären Freund‘ löse und eine eigenständige und verantwortungsvolle erwachsene Person werde, sollte sich der denkende und wissende Mensch von einer ihn ‚ständig beobachtenden höheren Macht‘ freimachen können. Dawkins hat den politischen Charakter von Religion mit einem Bertrand Russell-Zitat im Anschluss an seinen Roman antizipiert: „Intellektuell hervorragende Menschen glauben in ihrer großen Mehrheit nicht an die christliche Religion, aber in der Öffentlichkeit und in der Politik halten sie diese Tatsache geheim, weil sie Angst haben, ihr Einkommen zu verlieren.“[2]

Rezeption

Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Prozess gegen türkischen Verleger fehlt

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Das Buch ist ein großer Verkaufserfolg. Die 2006 erschienene Originalausgabe war im Januar 2007 auf der Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times auf Platz 4.[3] Es wurde bis Ende 2007 in 31 Sprachen übersetzt.[4] In Deutschland wurde das Buch am 10. September 2007 veröffentlicht und erreichte über mehrere Wochen Rang 2 der Bestseller-Liste des Buchreports in der Kategorie Hardcover/Sachbuch.[5]

Dabei erhielt es zum Teil sehr harsche Kritiken. Insbesondere bemängelten dabei auch bekannte Atheisten und Agnostiker, dass Dawkins nicht über ausreichende Religionskenntnisse verfüge.[6] Der Schreibstil wird dagegen oft positiv hervorgehoben.

Besonders häufig wird Dawkins vorgeworfen, sein Buch offenbare, dass er über mangelnde religionswissenschaftliche sowie philosophisch-theologische Kenntnisse verfüge. Dieser Vorwurf wird nicht nur von Theologen wie Friedrich Wilhelm Graf[7], sondern auch von atheistischen Neomarxisten wie Terry Eagleton erhoben. Dawkins begegnet diesem Vorwurf mit der Aussage:

„Die meisten Menschen tun Feen, Astrologie und das Fliegende Spaghettimonster als Unsinn ab, ohne sich zunächst in Bücher über Pastafarina-Theologie zu versenken.“

(Der Gotteswahn S.525)

Eine Reihe bekannter Kommentatoren zu Religionsthemen werfen Dawkins vor, er würde seine Thesen ähnlich fundamentalistisch vertreten, wie er dies vielen seiner Gegner, insbesondere Christlichen Fundamentalisten vorwerfe.[8] Nicht nur Dawkins selbst, sondern auch einige seiner Kritiker, wenden gegen dergestaltige Vorwürfe ein, dass sie zumindest teilweise weniger auf rationalen Argumenten basierten als bloße Ressentiments seiner Gegner widerspiegeln würden.[8]

Der Oxforder Molekularbiologe und Theologe Alister McGrath, der selbst gläubiger Christ ist und die Ansicht vertritt, dass „Gott nicht in dieselbe Kategorie gehört wie wissenschaftliche Objekte“,[9] hat als Antwort auf The God Delusion das Buch The Dawkins Delusion? (dt. „Der Atheismus-Wahn“[10]) geschrieben.[11]

Dawkins legt in seinem Buch nahe, dass viele Missstände in der Welt religiösen, ja theologischen Ursprungs seien:

„Stellen wir uns doch [...] eine Welt vor, in der es keine Religion gibt – keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung der Juden als ‚Christusmörder‘, keine ‚Probleme‘ in Nordirland [...]“

Vorwort

McGrath erwidert darauf:

„Stellen Sie sich vor, Dawkins Traum würde wahr, und Religion verschwände: Hätten die Streitereien unter den Menschen ein Ende? Sicherlich nicht. Solche Spaltungen sind letztlich soziale Konstrukte. Sie spiegeln das grundlegende soziologische Bedürfnis von Gemeinschaften wider, selbst zu definieren und zu bestimmen, wer dazugehört beziehungsweise nicht, wer Freund ist oder Feind.“

(Der Atheismus-Wahn S.103)

Einige Kritiker, wie der britische Publizist Kenan Malik, weisen auf die ursprünglich politische, säkulare Natur dieser Konflikte hin, die nur durch politische Entartung in religiösem Gewand daherkämen.[12] Jürgen Spieß verweist darauf, dass es im 20. Jahrhundert gerade atheistische und wissenschaftsgläubige Staatssysteme gewesen seien, die unvorstellbare Grausamkeiten begangen hätten, und hält Dawkins' Behauptung, eine atheistische Welt wäre friedlicher, aufgrund dieser Erfahrungen für widerlegt. [13]

Der deutsche Theologe Friedrich Wilhelm Graf bezeichnet Dawkins in seiner Rezension als biologistischen Hassprediger, der mit seiner philosophischen Unbildung prahle und wenig Neues oder Originelles bringe. [14]

Der Humanistische Pressedienst urteilt: „The God Delusion ist das mitunter beste religionskritische Buch, das es gibt.“[15]

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) kritisiert an Dawkins eine „vergröberte“ Apologie des Säkularen, die zu einer Gegenreligion werde[16], obwohl sich Dawkins gegen jede fehlende Begründung von Religion und Gegenreligion in seinem Buch äußert[17].

Der Literaturkritiker Terry Eagleton wirft Dawkins in einer ausführlichen Kritik u.a. mangelnde Objektivität vor: „Dawkins ist in wissenschaftlicher Hinsicht so objektiv, dass er es in einem Buch von mehr als 400 Seiten praktisch nicht schafft, einzugestehen, dass der religiöse Glaube auch nur einen einzigen menschlichen Gewinn gebracht haben könnte. Diese Ansicht ist a priori genau so unwahrscheinlich wie sie empirisch falsch ist.“[18]

Widmung

Dawkins hat das Buch dem 2001 verstorbenen Schriftsteller Douglas Adams gewidmet.

Literatur

  • Michael Kotsch: Atheismus: Gott oder Nicht-Gott ist hier die Frage. Dawkins „Gotteswahn” lässt grüßen. In: Bibel und Gemeinde 2/2008, S. 7-22 (PDF)
  • Peter Strasser, Warum überhaupt Religion? Der Gott, der Richard Dawkins schuf. Wilhelm Fink Verlag, München und Paderborn, 2008, ISBN 3770546121

Belege

  1. Edward Croft Dutton (2007) “Richard Dawkins: The God Delusion”. Journal of Social, Political & Economic Studies 32(3): 385-388, S. 385f.
  2. zitiert nach Dawkins: Der Gotteswahn, Das Argument der bewunderten religiösen Wissenschaftler, S. 137, der dt. Ausgabe, Zitat unüberprüft
  3. New York Times. Bestseller Februar 2007 The God Delusion.
  4. Richard Dawkins - Science and the New Atheism Richard Dawkins at Point of Inquiry 8. Dezember 2007.
  5. Der Gotteswahn bei Buchreport
  6. Marty E. Martin, “Sneers,” The Christian Century, 14. November 2006, http://www.christiancentury.org/article.lasso?id=2590.
  7. Sueddeutsche Zeitung: Der „liebe Gott“ als blutrünstiges Ungeheuer
  8. a b Edward Croft Dutton (2007) “Richard Dawkins: The God Delusion”. Journal of Social, Political & Economic Studies 32(3): 385-388, S. 387.
  9. http://ncregister.com/site/article/3287/
  10. Alister McGrath: „Der Atheismuswahn: Eine Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus“:, 2007, ISBN 978-3-86591-289-3
  11. Alister McGrath: The Dawkins Delusion: Atheist fundamentalism and the denial of the divine, 2007, ISBN 978-0-281-05927-0
  12. Kenan Malik: I don't believe in Richard Dawkins Buchkritik im Daily Telegraph (englisch).
  13. Rezension in Politische Studien 419, 2008, S. 102
  14. Friedrich Wilhelm Graf: Der "liebe Gott" als blutrünstiges Ungeheuer, Süddeutsche, 11. September 2007
  15. Humanistischer Pressedienst. Inhaltsangabe The God Delusion.
  16. / EKD-Pressemeldung: „Vereinfacht, vergröbert und verschränkt“
  17. Dawkins: Der Gotteswahn, Die Anbetung der Lücken, , S. 174ff; Der Religionsunterricht als Teil der literarischen Kultur, S. 474 ff; Das Argument der Schönheit, S. 120ff. der dt. Ausgabe
  18. Terry Eagleton: „Lunging, Flailing, Mispunching“ in London Review of Books.

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