Bärendräck

Bärendräck
Lakritze
Süßholz (Glycyrrhiza glabra)

Süßholz (Glycyrrhiza glabra)

Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Süßhölzer (Glycyrrhiza)
Art: Lakritze
Wissenschaftlicher Name
Glycyrrhiza glabra
L.

Lakritze (Glycyrrhiza glabra), auch Süßholz genannt, ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Art ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet. Sie ist frostempfindlich und bevorzugt volle Sonne und tiefe, humusreiche, durchlässige Erde. Im Spätsommer erscheinen bläulich-violette und weiße Schmetterlingsblüten in kurzen, aufrechten Ähren. Süßholz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 100 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln werden im Herbst geerntet.
Am bekanntesten ist Lakritze als die aus der Pflanze gewonnene, gleichnamige Süßigkeit. In Tees findet Lakritze ebenfalls Verwendung.


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsstoffe

Lakritze enthält Glycyrrhizin, ein Gemisch aus K- und Ca-Salzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt in etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker. Durch Abspaltung des Diglucuronids entsteht aus Glycyrrhizin die 18-β-Glycyrrhetinsäure, welche selbst keine Süßkraft mehr besitzt. In geringer Konzentration sind zahlreiche Triterpensaponine wie das 24-Hydroxyglycyrrhizin und die Sojasaponine I und II enthalten. Neben weiteren Glykosiden wie Glabrinsäure und Oleanolsäurederivate enthält Süßholzwurzel mehr als 40 identifizierte Flavonoide. Hierzu gehören das Chalconderivat Isoliquiritigenin und das zugehörige 4-O-Glycosid Isoliquirtin und das Flavanon Liquiritigenin und sein Glycosid Liquiritin. Auch Isoflavone, wie Formononetin, oder auch Sterin und höhere Alkohole sind nachgewiesen worden. Weiterhin sind Cumarine wie beispielsweise Umbelliferon enthalten. An flüchtigen Aromastoffen wurden neben anderen Anethol und Gerianol identifiziert. Das saure Polysaccharid Glycyrrhizan GA ist der Hauptbestandteil der weiterhin enthaltenen Polysaccharide.

Medizinische Verwendung

Geraspelte Süßholzwurzel nach Vorschrift der Ph. Eur.

Süßholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, vor allem der Glycyrrhizinsäure, expektorierend, sekretolytisch und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süßholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische Wirkung nachgewiesen. Typische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege.

Bei Gastritis und Magengeschwüren findet Süßholzwurzel ebenfalls Anwendung. Die experimentell und klinisch belegte antiphlogistische und spasmolytische Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Die nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung der Glycyrrhizinsäure soll aber nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen.[1] Daneben beeinflusst Glycyrrhizinsäure selbst den Steroidstoffwechsel, indem sie das Enzym Δ5β-Steroidreduktase hemmt. Dieses Enzym baut Cortison und Aldosteron ab, weshalb durch dessen Hemmung die biologische Halbwertszeit der Corticosteroide verlängert wird.

Zur Behandlung der chronischen Hepatitis und der Leberzirrhose wird im ostasiatischen Raum Glycyrrhizinsäure in Kombination mit Glycin und Cystein als Infusion eingesetzt. Für Glycyrrhizin wurde eine antivirale Wirkung bei Hepatitis A und C belegt.[2] Auch soll der Süßholzzucker die Produktion eines Virusproteins der Herpesviren blockieren, das normalerweise die Entdeckung des Erregers durch die Zelle verhindert.[3] Ohne dieses Protein bemerken die Zellen den Eindringling und leiten ihren eigenen Tod ein. Die dafür nötige Dosis ist allerdings viel zu hoch, um durch normalen (gesundheitlich unbedenklichen) Lakritzkonsum erreicht zu werden, und wurde nicht am lebenden Menschen, sondern nur an Zellkulturen nachgewiesen.[4] Weitere Forschungen untersuchen auch die antivirale Wirkung auf das Kaposi-Sarkom-auslösende Herpesvirus.[5]

Die medizinische Wirkung der Süßholzwurzeln war schon in der Antike bekannt. Die Ägypter des Altertums schätzten Lakritze sehr und kannten ein Lakritzegetränk namens Mai sus. Theophrastos von Eresos, der um 350 v. Chr. lebte, schätzte Lakritze als Heilmittel gegen Husten und als Durstlöscher. Es soll daher zur Standardausrüstung der römischen Soldaten gezählt haben. Tim Richardson weist in seiner Geschichte der Süßigkeiten daraufhin, dass auch französische und türkische Soldaten im Ersten Weltkrieg Lakritze im Marschgepäck hatten.

In Mitteleuropa kennt man Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter. In Großbritannien wurden Lakritztaler zu therapeutischen Zwecken hergestellt. Erst 1760 setzte ein Apotheker namens George Dunhill der Lakritze Zucker zu, so dass sie von da an als Süßigkeit verzehrt wurde. Auch heute wird Lakritze in der westlichen Medizin bei Husten und Magengeschwüren eingesetzt. In der chinesischen Medizin ist Lakritze nach wie vor ein Standardheilmittel. Es wird dort als Tonikum für das Herz eingesetzt sowie bei Geschwüren, Erkältungen und Hautunreinheiten verwendet.

In der Kombination mit Ammoniumchlorid und Anisöl wird Süßholzwurzelextrakt zu Salmiakpastillen verarbeitet. Dieses heute als „traditionell angewendetes Arzneimittel zur Schleimlösung im Bereich der Atemwege“ bezeichnete, wurde bereits in Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis von 1925 beschrieben.

Verwendung als Genussmittel

Lakritze als Süßigkeit

süße Lakritze

Bei der Herstellung werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln extrahiert und eingedickt. Vermischt mit Gelatine, Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und Zuckersirup und teilweise Salmiak werden die üblichen Lakritzformen hergestellt. [6] Angeblich hat Lakritz je nach Anbaugebiet einen unterschiedlichen Geschmack. Kenner sollen den Geschmacksunterschied zwischen den in Spanien, Italien, der Türkei und Frankreich angebauten Pflanzen herausschmecken können.

Die schwarze Farbe, die Lakritzsüßigkeiten in der Regel haben, ist künstlich erzeugt.

In den Niederlanden und Skandinavien ist Lakritze (nl. drop, dän. lakrids) sehr verbreitet und wird in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Formen als Süßigkeit angeboten. Hauptsächlich wird zwischen süßem (nl. zoet, dän. sød) und salzigem (nl. zout, dän. salted) unterschieden. Vor allem in Skandinavien wird der Lakritze Salmiak beigemischt, welches sehr intensiv im Geschmack ist. Auch in Norddeutschland sind Salmis (Salmiakpastillen) recht beliebt. In den meisten europäischen Ländern dagegen kennt man nur süße Lakritze. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz sowie in Österreich wird die süße Lakritze mundartlich oft auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente innehatte.

liquorice allsorts

Aus Großbritannien stammen die sogenannten liquorice allsorts, bei denen Stücke von Lakritze mit verschieden aromatisierten, lakritzefreien Schichten umhüllt oder gefüllt werden; unter verschiedenen Markennamen werden liqourice allsorts international verkauft.

Ein weiterer charakteristischer Bestandteil von Lakritzwaren ist Ammoniumchlorid, auch Salmiak genannt. In Deutschland dürfen Lebensmittel ohne Warnhinweis auf der Verpackung nicht mehr als 2 Prozent Salmiak enthalten. Lakritzwaren mit einem höheren Gehalt an Salmiak müssen einen Warnhinweis auf der Verpackung haben. Dieser lautet:

  1. Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz bei Gehalten über 2 % bis 4,49 %
  2. Extra stark, Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz bei Gehalten über 4,49  bis 7,99 %

Lakritz kann den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen und zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Ödemen führen. Diese Wirkung beruht darauf, dass einer der Hauptinhaltsstoffe der Lakritze (Glycyrrhizin) den Mineralocorticoidstoffwechsel beeinflusst. Derselbe Mechanismus hemmt auch den Abbau von NNK. NNK ist das primäre Karzinogen der Zigarette bei Lungenkrebs.[7] In vielen Zigarettenmarken ist Lakritz als Aromastoff enthalten.[8]

Es gibt noch keine gesetzlichen Höchstgrenzen für Glycyrrhizin, das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt dennoch vor übermäßigem Lakritzgenuss. Lakritzprodukte, die mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm Lakritze enthalten, müssen in Deutschland als Starklakritz gekennzeichnet sein.

Finnischer Salmiakki

Salmiakki, der finnische „Lakritzschnaps“

In Finnland ist der sogenannte Salmiakki Koskenkorva oder Salmiakki Kossu weitverbreitet. Es ist ein Mischgetränk auf Basis des Koskenkorva Viina (Kossu), eines wodkaähnlichen finnischen Schnapses. Die tiefschwarze Spirituose hat 32 Volumenprozent Alkohol und schmeckt intensiv nach Lakritze.

Verbreitung und Verbrauch

Da das Süßholz aus dem Vorderen Orient herangeschafft werden musste, ist Lakritze vor allem in Küstenregionen bekannt und geschätzt. Stark verbreitet ist sein Genuss z.B. an den Küstenregionen Frankreichs und in Norditalien sowie in ganz England. Den Weltrekord im Lakritzeverbrauch halten aber die Niederländer mit 2 Kilogramm pro Person und Jahr. Deutschland, wo der Verbrauch im Norden deutlich größer ist als im Süden, kommt vergleichsweise auf 200 Gramm pro Person und Jahr[6]. Große deutsche Hersteller sind Katjes und Haribo.

Wissenswertes

  • Im Film Goldrausch verspeist Charlie Chaplin seine Schuhe und Schnürsenkel, die aus Lakritze gefertigt waren.
  • Napoléon Bonaparte soll stets Süßholzpulver bei sich getragen haben.[6]

Quellen

Einzelnachweise

  1. F. Capasso et. al., J. Pharm. Pharmcol. 35, 332-335 (1983)
  2. S. Bürschi, Deutsche Apothekerzeitung 136, 89-98 (1996)
  3. J. Clin. Invest. 115(3): 591-593 (2005)
  4. Lakritze verhindert bei Herpes Krebserkrankung
  5. Journal of Clinical Investigation - Glycyrrhizic acid alters Kaposi sarcoma–associated herpesvirus latency, triggering p53-mediated apoptosis in transformed B lymphocytes
  6. a b c Michael Witt: Naschkatzen, Süßholzraspler, in Die Rheinpfalz am Sonntag, 12. August 2007, S. 19
  7. * Studie des UKSH
  8. * Inhaltsstoffe von Zigaretten

Literatur

  • Max Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka. 4. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1854-X
  • Tim Richardson: Sweets. The History of Temptation. Bantam Books, New York 2004.

Weblinks

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