Franz Stein (Politiker)

Franz Stein (Politiker)

Franz Stein (* 24. April 1900 in Mainz; † 14. September 1967 in Südtirol) war ein deutscher Volkswirt, Politiker (SPD) und Oberbürgermeister der Stadt Mainz vom 11. März 1949 bis zum 21. Januar 1965.

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit vor dem Bürgermeisteramt

Als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Stein geboren, arbeitete er ab 1917 in der Finanzadministration der Schöfferhof-Binding-Bürgerbräu auf dem Mainzer Kästrich.[1] Stein war in der Sozialdemokratie und der Gewerkschaft tätig, hatte 1945 das Mainzer Arbeitsamt aufgebaut, und war danach in das hessische Arbeitsministerium gewechselt. Der Wahlsieg der SPD bei der Kommunalwahl von 1948 brachte Franz Stein in das Amt des Mainzer Oberbürgermeisters.

Aufbruch in Mainz

Stein arbeitete mit seinen Mitarbeitern gezielt an einem Aufbruch, um der Lethargie im zerstörten Mainz ein Ende zu setzen. So kam es 1949 zum Wiederaufbau des Kurfürstlichen Schlosses und 1950 zum Bau der nach Bundespräsident Theodor Heuss benannten Straßenbrücke über den Rhein. 1951 nahm das Mainzer Stadttheater seinen Betrieb im wiederaufgebauten Moller-Bau auf. Weiterhin förderte er den Wohnungs- und Krankenhausbau.

Ein erster großer wirtschaftlicher Erfolg war die Ansiedlung des Jenaer Glaswerkes in Mainz, dessen Firmenchef Erich Schott mit einem Teil der Belegschaft aus Jena emigrierte. Weitere Industrieansiedlungen kamen hinzu.

1952 unternahm er einen Versuch, auf das Getrenntsein von Mainz aufmerksam zu machen. In der Zeitschrift "Die neue Stadt. Zeitschrift für Architektur und Städtebau" führte er dies unter dem Titel „Mainz, die amputierte Stadt im Westen, ruft nach Hilfe.“ aus. Bis heute ist Mainz jedoch getrennt.

Stein begründete 1958 gemeinsam mit dem Bürgermeister von Dijon, Felix-Adrien Kir („Kanonikus Kir“), die Städtepartnerschaft zwischen Mainz und Dijon; diese zählt zu den ältesten deutsch-französischen Städtepartnerschaften. Zu Beginn der 1960er Jahre engagierte er sich für die Ansiedlung des ZDF in dem seinerzeit neu geschaffenen Mainzer Stadtteil Lerchenberg.

Die 2000-Jahr-Feier (basierend auf einem historisch nicht mehr haltbaren Gründungsdatum) läutete einen rasanten kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Mainz ein, der unter Jockel Fuchs 1975 mit dem (ebenfalls auf einer zweifelhaften Überlieferung basierenden) 1000-jährigen Domjubiläum eine Art krönenden Abschluss fand.

Viele kriegsbedingte Baulöcher, Trümmerfelder und Ruinen wurden endlich beseitigt – zeittypisch wurde damals allerdings auch die „autogerechte Stadt“ angestrebt und eine Reihe von Hochhaussiedlungen rund um Mainz angelegt.

Franz Stein wurde am 8. April 1965 auf Initiative der Mainzer Sozialdemokraten durch den SPD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Jockel Fuchs abgelöst; er wurde dann Mitglied des Deutschen Bundestages.

Privates

Bei einer Veranstaltung der Mainzer Kleppergarde im Jahre 1965 sagte er, dass die Mainzer Kinder ja gar nicht mehr richtig kleppern könnten. Dies griff der damalige Bürgermeister Karl Delorme als Anregung auf und rief den ersten Mainzer Klepperwettbewerb ins Leben.

Auf seinem täglichen Weg von seiner Wohnung in der Oberstadt zum Rathaus passierte er den Stadtpark und hatte so immer die bedeutendste Mainzer Grünanlage in Augenschein.

Franz Stein war der bislang letzte Mainzer Oberbürgermeister, der auch in Mainz geboren wurde.

Anekdote aus Familienkreisen: Als Franz Stein anlässlich der Einweihung der Universitätsbibliothek zum ersten Mal in seinem Leben ein derartiges Gebäude von innen sah, soll er verwundert ausgerufen haben: „Was Bücher, was Bücher!“

Literatur

Einzelnachweise

  1. Mainz - Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte; Verlag Bonewitz, 30. Jahrgang, Mai 2010, ISSN 07205945

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