Götz Decker

Götz Decker
Götz Decker im Sommer 2001 vor der Tatausführung

Götz Eduard Johannes Decker (* 28. Januar 1959 in Köln), deutscher Staatsbürger, sorgte im Dezember 2005 deutschlandweit für Schlagzeilen und Gesprächsstoff durch die umfassenden Berichte in der Bild-Zeitung sowie durch zahlreiche Ausstrahlungen im deutschen Fernsehen[1] bezüglich seines luxuriösen Lebens in Südafrika. Götz Decker befand sich zu diesem Zeitpunkt seit über vier Jahren auf der Flucht vor der deutschen Justiz.

Inhaltsverzeichnis

Taten

Blick auf den Eingangsbereich des Kentucky Fried Chicken-Restaurants in Würselen, von dem aus Decker seine Tat startete, indem er mit dem Werttransporter wegfuhr, während sich sein Kollege innerhalb des Restaurants zwecks Abholung der Tageseinnahmen aufhielt.

Am frühen Abend des 19. September 2001 stahl er gemeinsam mit seinem Komplizen in Würselen (Städteregion Aachen, Nordrhein-Westfalen) einen Werttransporter der Essener Sicherheitsfirma Arnolds Sicherheit GmbH. Anschließend flüchtete Decker alleine mit einem Großteil des erbeuteten Bargeldes in Höhe von über 1,35 Millionen DM über Holland und Belgien nach Südafrika. Götz Decker war zu dem Zeitpunkt bei der Firma Arnolds als Werttransportfahrer angestellt und erst wenige Wochen dort beschäftigt. Er bewarb sich im August 2001 unter Vorlage einer gefälschten SCHUFA-Selbstauskunft sowie einem sauberen polizeilichen Führungszeugnis als Mitarbeiter mit dem Vorsatz, die Sicherheitsfirma ohne jegliche Anwendung von Gewalt um einen größeren Geldbetrag zu „erleichtern“. Er erhoffte sich, kurz vor der Einführung des Euro am 1. Januar 2002 einen erheblichen Bargeldtransport von alten DM-Scheinen und neuen Euro-Banknoten. Zudem war ihm bekannt, dass in der Vorweihnachtszeit zusätzliche hohe Bargeldsummen durch die Sicherheitsfirmen bei den Einzelhändlern im gesamten Bundesgebiet „entsorgt“ (Branchenüblicher Fachbegriff für das Abholen von Bargeld beim Kunden) werden mussten. Aufgrund gewisser Umstände sahen sich Decker und sein Komplize genötigt, den Coup bereits im September durchzuführen. Dadurch gelangte er nicht an die erhofften Euro-Banknoten und musste sich mit den alten DM-Scheinen begnügen. Dies machte ihm die Sache während seiner Flucht nicht einfach, da er im Laufe der folgenden Monate die DM-Bestände gegen Euro-Banknoten und andere Fremdwährungen eintauschen musste.

Sein Mittäter stellte sich kurze Zeit nach der Tatausführung der Polizei, da mittlerweile seine Mittäterschaft an der Unterschlagung feststand und der Fahndungsdruck zu groß war. Gegen Auflagen blieb er nach zwei Tagen Untersuchungshaft bis zur Hauptverhandlung am 25. April 2002 vor dem Aachener Amtsgericht auf freiem Fuß. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung. Ein weiterer Angeklagter wurde freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft Aachen legte gegen das Urteil Berufung ein. Einige Monate später fand vor dem Landgericht Aachen die Berufungsverhandlung statt. Der Angeklagte wurde in zweiter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls verurteilt, da das Gericht zur Überzeugung gelangte, dass es sich bei der begangenen Tat nicht um eine Unterschlagung gehandelt hat. Der Freispruch gegen den zweiten Angeklagten wurde vom Landgericht bestätigt. Der Komplize blieb bis zum Haftantritt auf freiem Fuß. Mittlerweile hat er seine Haftstrafe abgesessen und befindet sich wieder in Freiheit.

Deckers Flucht aus Europa

In der Planungsphase seiner Tat kaufte sich Decker in der Kölner Südstadt den Reisepass und internationalen Führerschein eines ihm ähnlich aussehenden Obdachlosen, da er wusste, dass er unmittelbar nach der Tatbegehung unter seinem richtigen Namen gesucht werden würde. Ausgestattet mit dieser neuen Identität kaufte sich Decker eine Passage auf dem Containerschiff Grey Fox der Reederei MACS und setzte sich von Antwerpen (Belgien) aus Europa ab. Nach etwa drei Wochen mit Zwischenstopps in Lissabon (Portugal) und Walvis Bay (Namibia) kam er noch vor Weihnachten 2001 im Hafen von Kapstadt (Südafrika) an. Während seiner dreiwöchigen Überfahrt bezog er auf dem Schiff eine geräumige Kabine. Da Decker aber das Nichtstun hasste, machte er sich trotz seines Status als zahlender Passagier nützlich. Er verstand sich sehr gut mit dem Kapitän und vor allem mit dem Großteil der polnischen Besatzung, da er in der Vergangenheit längere Zeit in Polen gelebt hatte und somit der polnischen Sprache mächtig war. Besonders trinkfest und großzügig zeigte sich Decker, der einen Großteil seiner Beute in seinem Reisegepäck mitführte, bei den zahlreichen Kameradschaftsabenden an Bord der Grey Fox. Der Kapitän gestand Decker am Ende der Reise, dass das Schiff erstmals mit leerem Spirituosenlager in den Zielhafen eingelaufen ist. [2]

Bei seiner Ankunft im Hafen der südafrikanischen Metropole hatte Decker Glück, dass er ohne jegliche Kontrolle das Hafengebiet verlassen konnte. Dieser Umstand beruhte u. a. auf das nachlässige Verhalten der Zollbeamten, die sich nicht sonderlich für die Papiere und das Reisegepäck von Decker interessierten.

Während Decker sich am Kap der Guten Hoffnung befand, vermuteten die Zielfahnder des LKA Nordrhein-Westfalen ihn zunächst in Montevideo (Uruguay), wo Decker bereits in den Jahren 1999 und 2000 längere Zeit lebte und arbeitete. Auch wussten die Ermittlungsbehörden von Deckers früheren Aufenthalten in Polen, wo er eine Polin heiratete, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. (Decker heiratete nach gescheiterter erster Ehe in Deutschland ein zweites Mal in Polen. Diese Ehe wurde aber später auch annulliert.) Die Spur nach Südafrika war zu dem Zeitpunkt unbekannt und auch sein verurteilter Mittäter konnte oder wollte den Ermittlungsbehörden keine Auskunft über den Aufenthaltsort Deckers geben.

Deckers Leben unter neuer Legende

Schnell knüpfte Decker unter seiner neuen Identität Kontakte in Südafrika und wählte die Provinz Western Cape als seinen neuen Lebensmittelpunkt. Er lebte sich schnell ein und vertiefte seine Kontakte zu den Einheimischen und zahlreichen deutschen Auswanderern. Er musste sich eine neue Legende aufbauen und erzählte seinem Umfeld immer die Geschichte von seinen beträchtlichen Gewinnen in mehreren Quizshows (in denen er tatsächlich war), wodurch er sich nun einen ruhigen Lebensabend leisten konnte. Auch pflegte er gute Kontakte zur örtlichen Polizei und zum Sedgefield Fire Department, dem er auch hin und wieder eine kleine Geldspende zukommen ließ (z. B. für die Anschaffung von neuem Rettungsgerät).

Seine alte Leidenschaft, das Glücksspiel (Bereits im Alter von 17 Jahren gelang es Decker mit Hilfe eines fremden Personalausweises, sich Zugang zur Spielbank in Aachen zu verschaffen), konnte Decker auch in Südafrika ausgiebig genießen. Er war ein gern gesehener Stammgast in den Spielcasinos von Mossel Bay, Kapstadt und Sun City. Decker ist ein passionierter Spieler und verlor im Laufe der Jahre seiner Flucht einen Großteil seiner Beute am Roulette-Tisch.

Decker war aber auch großzügig gegenüber Benachteiligten. So unterstützte er u. a. auch Flüchtlingskinder aus dem Kongo und spendete des Öfteren Geldbeträge an die örtlichen Kirchenvertreter für wohltätige Zwecke. Auch hielt er über verschiedene Wege Kontakt nach Polen zu seiner früheren Frau und der jüngsten Tochter sowie zu seiner ältesten Tochter aus erster Ehe, die er mehrmals auf seine Kosten zum Urlaub einfliegen ließ.

Das Ende einer vierjährigen Flucht

Im Herbst des Jahres 2005 knüpfte ein Foto-Reporter der Bild-Zeitung über Umwege Kontakt zu Decker mit dem Ziel, eine große Story über dessen Dolce Vita zu bringen. Decker willigte ein und der Reporter flog Anfang Dezember nach Kapstadt. Es folgten einige Tage mit Foto- und Filmaufnahmen an verschiedenen bekannten Orten der Millionenstadt und ausführlichen Interviews mit dem flüchtigen Straftäter. Nach der Rückkehr des Foto-Reporters veröffentlichte die Bild-Zeitung ab dem 12. Dezember 2005 eine Woche lang täglich neue Details und Fotos von Deckers Luxusleben in Südafrika. Für die Story ließ sich Decker extra zuvor seine Haare blond färben und entfernte seinen Bart, damit er möglichst unerkannt blieb.

Die Ermittlungsbehörden in Aachen, die in den Jahren zuvor keine heiße Spur von Decker hatten, wurden durch die Medienberichte aufmerksam und nahmen ihre Ermittlungen umgehend wieder auf. Bereits am Tag nach dem ersten Zeitungsbericht wurde ein neuer internationaler Haftbefehl gegen Götz Decker beim Amtsgericht Aachen erlassen.

Ein glücklicher Umstand verhalf den Ermittlern schließlich zum Fahndungserfolg. Die älteste Tochter Deckers aus erster Ehe wollte am 26. Dezember 2005 ihren Vater in Südafrika besuchen und dort einen dreiwöchigen Urlaub verbringen. Die Zielfahnder des LKA erfuhren von der Sache und hängten sich an die Fährte der Tochter, indem sie einfach den selben LTU-Flug nahmen und die Tochter bis zur Landung in Kapstadt unbemerkt begleiteten. Zwischenzeitlich waren auch die südafrikanischen Behörden informiert und so war die Festnahme Deckers am Flughafen nur noch Formsache. In dem Augenblick, in dem Decker seine Tochter in der Ankunftshalle des Flughafens begrüßte und in den Arm nahm, griffen die Fahnder zu und verhafteten Götz Decker nach 1559 Tagen auf der Flucht. Decker leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand. Bei seiner Verhaftung stellten die Fahnder 15.000 Euro in bar sicher, die Decker seiner Tochter überreichen wollte. Die Bild-Zeitung berichtete bereits am 28. Dezember 2005 bundesweit über die Festnahme Deckers mit folgender Schlagzeile: „Als er seine Tochter umarmte, klickten die Handschellen.

Bereits am Tag nach seiner Festnahme konnte Decker per Flugzeug und in Begleitung zweier Kriminalbeamter nach Deutschland zurückgeführt werden. Am frühen Morgen des 28. Dezember 2005 landete die Maschine der Lufthansa auf dem Flughafen in Frankfurt am Main und nach über vier Jahren der Abwesenheit betrat Decker erstmals wieder deutschen Boden. Nach Eröffnung des Haftbefehls wurde er umgehend in Untersuchungshaft genommen und in die Justizvollzugsanstalt Aachen überstellt.

Das Urteil und das Leben hinter Gittern

Götz Decker verbüßte seine gesamte Haftstrafe in der JVA Aachen.

Mit seiner Einlieferung in die Justizvollzugsanstalt Aachen begann für Götz Decker ein neuer (ihm aber nicht fremder) Lebensabschnitt. Bereits in den 1990er Jahren verbüßte Decker eine mehrjährige Haftstrafe wegen vorsätzlicher schwerer Brandstiftung (StA Köln 90 VRS 551/88). Im Juli 1995 wurde Decker nach Verbüßung der Strafe aus dem Gefängnis entlassen. Nach vier Jahren des Lebens in Saus und Braus werden nun einige Jahre der Bescheidenheit folgen. Durch seine gute Führung in der Haft erhielt Decker in kürzester Zeit eine Anstellung als Hausarbeiter auf seiner Abteilung und gleichzeitig eine Einzelzelle. Am 12. Juni 2006 fand vor dem Landgericht Aachen unter großem Medieninteresse die Hauptverhandlung gegen Götz Decker statt. Der Vorsitzende Richter Harald Brandt verurteilte Decker nach einem teilweise amüsanten und zum Schmunzeln anregenden Prozess zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls. Damit kam das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die exakt dieses Strafmaß gefordert hatte. In seinem letzten Wort erklärte Decker, dass er für sein Fehlverhalten zu bestrafen sei und er eine Strafe von zwei Jahren für angemessen hielt. Das Urteil fiel deshalb so milde aus, weil Decker sich vom Zeitpunkt seiner Festnahme kooperativ gegenüber den Ermittlungsbehörden verhielt und ein volles Geständnis ablegte. Straferschwerend wirkten sich die Tatsachen aus, dass der überwiegende Teil der Beute ausgegeben war und die mehreren Vorstrafen Deckers aus früheren Jahren. Das Urteil wurde wenige Wochen später rechtskräftig und Decker befindet sich mittlerweile in Strafhaft. Im Juli 2007 wurde Decker in die Justizvollzugsanstalt Hagen überführt, wo im Rahmen des Einweisungsverfahrens für das Land Nordrhein-Westfalen ein Vollzugsplan bezüglich seiner restlichen Haftzeit erstellt wurde.[3] Die Einweisungskommission sprach sich gegen eine Verlegung in den offenen Vollzug aus und so wurde Decker Ende September 2007 wieder in die JVA Aachen überstellt. Die erlittene Untersuchungshaft wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet. Ein Antrag auf vorzeitige Entlassung nach 2/3 der verbüßten Strafe wurde von der Strafvollstreckungskammer beim LG Aachen abgelehnt. Gegen die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer wurde beim OLG Köln Beschwerde eingelegt. Nach einem Gefährlichkeitsgutachten wurde Decker am 25. Juni 2009 aus der Strafhaft in die Freiheit entlassen. Die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Deckers Vorlieben und Leidenschaften

Götz Decker war schon in jungen Jahren fasziniert vom Glücksspiel. Es war für ihn eine sportliche Herausforderung, sich mit den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit auseinanderzusetzen, und daher spielte er leidenschaftlich gerne Roulette und Lotto. Der frühere Busfahrer und LKW-Fahrer für die Ford-Werke in Köln besitzt ein gutes Zahlengedächtnis und kann sehr gut mit Zahlen "jonglieren". Er liebt die Werke von Goethe, hört die Musik von Mozart, Beethoven und Bach. Daneben erfreut er sich an zünftiger Marsch- und Militärmusik sowie an Nationalhymnen. Auf seiner Flucht befand sich übrigens eine Bibel im Reisegepäck. Anfang der 1980er Jahre war Decker in Besitz einer Privatpilotenlizenz (PPL).

Im Jahre 2000 nahm Decker als Kandidat an mehreren Quizshows im deutschen Fernsehen teil. In der Sendung „Das Millionen-Quiz“ (Sat.1) gewann er am 26. September 2000 zusammen mit einem Freund 200.000 DM. Weitere Solo-Auftritte bei „Ca$h - Das Eine-Million-Mark-Quiz“ im ZDF und „Der Schwächste fliegt!“ (RTL) folgten.

In der RTL-Show „Der große IQ-Test“ mit Günther Jauch erreichte Decker im Jahre 2001 einen Intelligenzquotienten von 132. Die Bild am Sonntag veröffentlichte Pfingsten 2002 einen doppelseitigen Bericht mit der Schlagzeile: Jauchs Superhirn auf der Flucht.

Einzelnachweise

  1. In der 50. KW 2005 berichteten u. a. die Magazine „Explosiv – Das Magazin“, „Punkt 12“ (beide RTL), „taff“ (ProSieben) und „hallo Deutschland“ (ZDF) sowie die Hauptnachrichten-Sendung „RTL aktuell“ (RTL) ausführlich über Deckers Luxusleben in Südafrika.
  2. Vgl. Bild-Zeitung vom 13. Dezember 2005
  3. Konzeption und Ausgestaltung des Einweisungsverfahrens

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