Runenstein

Runenstein
Runenstein von Sandavágur (Färöer) auf einer Briefmarke
Björketorpsstenen bei Björketorp (Ronneby)
Der Runenstein von Seby ist mit 3 m der höchste auf Öland

Runensteine sind meist hohe aufrechtstehende Steine, die mit Runeninschriften versehen sind. Aufgerichtet wurden diese Steine ab der Völkerwanderungszeit, in Vendelzeit, sowie in der Wikingerzeit; primär zur Erinnerung an Verstorbene oder Gefallene, aber auch als Denkmäler eigener Leistungen.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Verbreitung von Runensteinen (pro qkm) in Schweden

Deutschlands vier, im Umkreis von Haithabu gefundene Runensteine stehen im Wikinger-Museum Haithabu in Haddeby bei Schleswig. In Skandinavien sind zwischen 5000 und 6000 Runensteine gefunden worden, davon über 2500 in Schweden (knapp 400 auf Gotland). Sie sind in Norwegen und Schweden seit dem 4. Jahrhundert, in England seit dem 7. Jahrhundert und in Dänemark (37 in der Literatur als bedeutend angesehene) und Deutschland und auf den Färöern seit dem 9. Jahrhundert zu finden. Ein Stein, der Runenstein von Berezan' stammt aus der Ukraine. Einiges spricht dafür, dass Runensteine zuerst im Bohuslän oder im norwegischen Østfold aufkamen. Die Gegend hat nicht nur eine uralte Bildertradition; auch einer der wenigen mit einem Bild geschmückten eisenzeitlichen Bautasteine steht auf dem Gräberfeld von Greby. In Tune wurde ein Stein gefunden, der zu den ältesten gehört, die man entdeckt hat. Vereinzelte Steine finden sich im Baltikum, auf Grönland und auf den britischen Inseln außerhalb Englands.

Der in den USA gefundene Runenstein von Kensington, Minnesota und der 1971 gefundene, vermeintliche Runenstein von Rathjensdorf, Schleswig-Holstein[1] sind Fälschungen.

Form und Aussehen

Die in Runensteine eingemeißelten Inschriften und Bilder waren mittels Farbe (rot, schwarz, weiß) hervorgehoben, die heute verblichen ist, bzw. nachgemalt wurde. Es gibt sowohl Runensteine mit Bildern oder Symbolen als auch Bild- und Maskensteine mit Runen. Als Maskensteine bezeichnete Bildsteine kennt man nur aus Dänemark (Århus, Sjellebro), hier sind Bilder in Findlinge geritzt, die nicht immer eine Runeninschrift tragen.

Die Runenstein sind überwiegend von einfacher Art (Runenstein von Ådala). In Schweden sind sie auch verziert (Schlangenband, Drache). Einige zeigen Motive aus der germanischen Mythologie. Der aufwendigste unter den verzierten norwegischen Runensteinen stammt aus Dynna. Er ist aus rotem Sandstein voller Bildmotive im Ringerike-Stil und trägt eine Inschrift. Der Runenstein mit der längsten bekannten Inschrift steht in Dänemark. Es ist der Bugstein der Schiffssetzung von Glavendrup auf Fünen. In Schweden trägt der Runenstein von Rök die längste Inschrift.

Runensteine mit älteren Runen

Aus der Völkerwanderungszeit und der älteren Vendelzeit liegen in Schweden mehr Inschriften mit älteren Runen vor als aus anderen Zeiten. Die meisten Inschriften treten auf Goldbrakteaten auf, doch viele auch auf Runensteinen, deren Anzahl aber nicht mit der gewaltigen Menge der wikingischen Runensteine zu vergleichen ist. Aus der Völkerwanderungszeit und der Vendelzeit sind etwa 20 Steine mit den älteren Runen in Schweden bekannt, zu denen auch der Stein aus der Grabkiste von Kylver auf Gotland zählt. Norwegen hat etwa 30 Runenritzungen auf einzelnen Steinen, Steinen von Grabkisten und Felsen, während Dänemark keine Steine mit älteren Runen aufzuweisen hat. Die Inschriften haben zuweilen berichtenden Charakter. Eine lange urnordische Runeninschrift findet sich auf einem Stein, der 1919 bei Rö, Otterö/Tanum in Bohuslän, entdeckt wurde. Die Inschrift soll lauten : "Svavar ist heimtückisch getötet. Ich Stenar ritzte die Runen. Ich Hrarar stellte den Stein auf." Ein ähnlicher Text ist auf einem Stein von Möjbroj'Hagby in Uppland eingeritzt. Der Stein zeigt Runen und eine bildliche Darstellung. Zuoberst auf dem flachen, etwa 2,5 m hohen Block ist die Inschrift in zwei parallelen Reihen angebracht, unterhalb ist die Darstellung, die zu den besten ihrer Art gehört. Sie zeigt einen Reiter mit angehobenem, rundem Schild am linken Arm und mit einer hochgehaltenen Waffe in der rechten Hand. Das Bild eines triumphierenden Kriegers erinnert an Reiterbilder auf römischen Grabsteinen.

Gattungen und Bedeutung

Runensteine erscheinen in zwei Grundtypen

  • der Schriftstein ist der ältere Typ und mit senkrechten, gelegentlich aber auch waagerechten Runenzeilen bedeckt. Berühmte Exemplare dieses Typs sind die Steine von Busdorf, Glavendrup, Karlevi, oder Rök. Der Typ ist in Norwegen, Westschweden und Dänemark vorherrschend.
  • der Schlangenbandstein, dessen Runenschrift sich vom Kopf eines Drachens oder einer Schlange über den gewundenen und verschlungenen Körper bis zum Schwanzende hinzieht, ist jünger. Er entwickelte sich mit dem Ringerike- und Urnes-Stil (ca. 980-1100 n. Chr.). Prachtexemplare standen in Tullstorp, Frösö, Nasta, Hansta und Simris. Der Schlangenbandstein hat sein Zentrum in Ost- und Mittelschweden, von wo der Typ ausstrahlt, jedoch außerhalb Schwedens so gut wie nicht vorkommt.

Runensteine bieten - ähnlich den römischen Grabstelen - einen Einblick in das Selbstverständnis, die Werte und Leistungen einzelner Personen, die aufgrund ihres Standes die Möglichkeit hatten, eine zumindest lokale Rolle in der überlieferten Geschichte zu spielen. Der älteste Runenstein, der noch an seinem ursprünglichen Platz steht, ist der Einangsteinen in Norwegen.

Man kann verschiedene Arten von Runensteinen unterscheiden:

  • Die Gedenksteine, die von Angehörigen oder Verehrern gesetzt worden sind,
  • die Selbstdarstellungssteine, die Leistungen dessen rühmen, der den Stein gesetzt hat,
  • ähnlich, aber von etwas unterschiedlichem Charakter die endzeitlichen Steine, die religiöse Leistungen von erst vor kurzem zum Christentum übergewechselten Gläubigen ansprechen, auf ihnen ist neben den Runen das christliche Kreuz zu sehen
  • Bemerkenswert ist auch die nicht geringe Anzahl von Steinen, die für und von Frauen für sich selbst oder ihre Töchter gesetzt sind.

Ein interessantes Beispiel eines Selbstdarstellungssteines steht bei Stockholm. Dort schreibt ein schwedischer Wikinger über sich: "in ulfr hafir onklati * Þru kialtakat Þit uas fursta Þis tursti * Þa ---Þurktil * Þa kalt knutr" Übersetzt: Ulf hat in England dreimal Tributgeld erhalten. Das erste war mit Toste (Skagul Toste einem Wikinger aus der Provinz West Götaland), das zweite mit Thorkel (Torkel der Hohe, ein dänischer Jarl, der 1011 englischen Tribut erhielt) und das dritte mit Knut dem Großen.

Etwa 80 Runensteine aus vielen Teilen des Landes und auch in Russland (Runenstein von Berezan') berichten über Fahrten schwedischer Wikinger. Sie stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert. 14 Steine berichten über Fahrten nach „dem Osten“. Der Kälvesten von Västra Stenby in Östergötland stammt aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Er ist der vermutlich älteste und berichtet, dass Stig das Denkmal für seinen Sohn Öyvind, der im Osten gefallen ist, errichtete. Andere Steine berichten von Fahrten nach:

  • Estland: speziell Eysyssla (Saaremaa/Ösel) und Wirland,
  • Lettland: speziell Domesnäs/Kolguragas), an die Düna nach Windau/Ventspils/) Semgallen und Livland.
  • Finnland: speziell Tavastland (Häme

Einige Steine berichten von Gardarike (Russland). Vier davon befassen sich mit Serkland (am Kaspischen Meer). Über 20 Steine berichten von einem Heerzug eines Ingvar, der sich offenbar an der georgisch-byzantinischen Schlacht von Sasireti gegen Persien beteiligte und 1041 gefallen sein soll. Über 30 Steine berichten über Fahrten nach Griechenland, Italien, Jursalir (Jerusalem) und Rumänien.

Runensteine

Runensteine von Jelling

Eine einzigartige Gruppe von Runensteinen mit hohem Bildanteil auf Findlingen sind die Steine von Jelling. Die Runensteine (von Jelling) für den dänischen König Gorm (den Alten), mit dem die Liste der Könige beginnt, da er als Reichseiniger gilt, wurden vermutlich von dessen Sohn Harald Blauzahn in Auftrag gegeben. Sie stehen an der Kirche von Jelling (Dänemark) zwischen den beiden noch heidnischen Grabhügeln Gorms und seiner Frau Thyra. Gorm selbst ließ einen kleinen Runenstein setzen, auf dem steht: König Gorm erstellte diese Erinnerung für Thyra seine Frau, die Zierde Dänmarks. Der Stein, auf dem Harald Blauzahn die Christianisierung Dänemarks als sein Werk darstellt, zeigt auf zwei Seiten Motive und auf der Vorderseite Runenzeichen.

Bildsteine auf Gotland

Hauptartikel: Gotländische Bildsteine
Phallischer Bildstein 700 n. Chr., Höhe drei Meter im Museum von Bunge (Gotland)

Die wahrscheinlich farbigen (schwarz-weiß-rot) gotländischen Bildsteine sind eine Besonderheit der Wikingerzeit; sie sind primär auf der schwedischen Insel Gotland und vereinzelt an den benachbarten Küsten und auf Öland anzutreffen. Sie zeigen menschliche Gestalten (Götter), mehrere Tierarten, magische Symbole, Wirbelräder, Ruderboote und Segelschiffe, Spiralen, mythologische Szenen und Runenbänder und sind auch ein Abbild der Religionsgeschichte. Am Ende erscheinen Steine mit dem christlichen Kreuz.

Daneben gibt es reich verzierte Kistensteine. Die Steine von Ardre sind in Stockholms, Statens Historiska Museum ausgestellt.

Andere Bildsteine

In Europa gibt es noch eine zweite Gruppe von Bildsteinen, deren Bildanteil Symbole zeigt, sich aber auch aus dem Bereich der symbolhaften Darstellungen, wie sie etwa irische Kreuz- oder Pillarsteine zeigen, heraushebt, das sind die Piktensteine in Schottland.

Siehe auch

Literatur

  • Erik Nylén, Jan Peder Lamm: Bildsteine auf Gotland. Wachholtz, Neumünster 1981, 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-529-01823-6.
  • Karsten Kjer Michaelsen: Politikens bog om Danmarks oldtid. Politiken, Kopenhagen 2002, ISBN 87-567-6458-8 (Politikens håndbøger).
  • Mårten Stenberger: Vorgeschichte Schwedens. In: Nordische Vorzeit. Bd. 4, Wachholtz, Neumünster 1977, ISBN 3-529-01805-8, S. 366

Weblinks

 Commons: Runenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bildsteine auf Gotland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Runenstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Meldung der Kieler Nachrichten vom 12. Oktober 2008, nach [1]

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