Harald Blauzahn

Harald Blauzahn

Harald Blauzahn (auch: Harald I. Gormson; dänisch Harald Blåtand; * um 910 in Dänemark; † 1. November 987 in Jomsburg)[1] war König von Dänemark (958–987) und von Norwegen (970–987).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gedenkstein in Wolin

Harald − ein Sohn Gorms des Alten und seiner Frau Thyra Danebod − fiel als junger Wikingerführer mehrmals in die Normandie ein, wo er 945 Richard den Furchtlosen unterstützte, indem er Ludwig IV. gefangen nahm und ihn zwang, Richards Herrschaft anzuerkennen. Harald erkannte 948 die deutsche Hoheit an und gründete die Bistümer Aarhus, Ripen und Schleswig, wodurch die Christianisierung Skandinaviens begann. 950 gründete er Jomsburg (auch bekannt unter Julin, Jumne, Wollin) im späteren Pommern. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 958 folgte Harald als König von Dänemark.

Nach einer gescheiterten Rebellion gegen das Heilige Römische Reich unter Otto I. ließ sich Harald um 960 am Poppostein taufen. Harald gelang es, die dänische Südgrenze bis zur Eider-Schlei-Zone vorzuschieben. Dadurch konnte er das Stammeskönigtum Dänemark zum Süden − in das spätere Herzogtum Schleswig hinein − erweitern.[2]

Harald verbündete sich mit den Söhnen des von Håkon dem Guten vertriebenen Erik Blodøks. Nach dem Tode Håkons des Guten besetzte er Süd-Norwegen und wurde König von Norwegen.[3] Unter seiner Herrschaft setzte er die Söhne von Erik Blodøks zu Jarlen ein, unter anderem Harald Gråfell. Diese töteten Sigurd Ladejarl, den ehemaligen Verbündeten von Håkon dem Guten. Damit begann die lange Feindschaft zwischen dem Geschlecht Harald Hårfagres und den Ladejarlen. Als sie aber zu selbstherrlich wurden, wechselte Harald Blauzahn die Partner und verbündete sich mit Håkon Sigurdsson, Sohn des ermordeten Sigurd Ladejarl, und dieser wurde sein Vasall.

Grab von Harald Blauzahn im Dom von Roskilde

Er verlor 974 nach erneuter Rebellion Schleswig an Kaiser Otto II. Im Jahre 983 unterstützte Harald den großen Slawenaufstand. Harald hatte Dänemark erstmals unter einer Krone geeint. Für diesen Einigungsprozeß nahm er als Christ die Hilfe der Kirche in Anspruch. Dennoch kam es zu Konflikten mit seinem Sohn Sven I. Gabelbart, der sich weiterhin als ein Wikinger sah. Eine auf der Ostsee geführte Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn endete ohne Entscheidung. Nach dem Landgang traf ein Pfeil aus dem Hinterhalt den König, der am Allerheiligen 987 in Jomsburg starb.[4] Sein Sohn trat als König von Dänemark die Nachfolge an.[5] Haralds Leichnam wurde nach Roskilde in die von ihm erbaute Kirche überführt.

Der Namenszusatz "Blauzahn" kann auf die altnordische Farbbezeichnung "blá", die für Blau und Schwarz steht, zurückgeführt werden. Einige Historiker vermuten, dass er die ursprüngliche Bedeutung von Blåtand "dunkler Than" (Than = Häuptling, vgl. engl. thane und chieftain) hatte. Andere gehen von einer Deutung von blá im Sinne von groß aus, also Großzahn aus.

Siehe auch

Liste der Ehefrauen und Kinder

Ehefrauen:

  • Gunhild
  • Tove von Mecklenburg (Tochter des Obodritenfürsten Mistiwoj)
  • Gyrthe von Schweden (Gyrid)

Kinder:

Runensteine von Jelling

Der kleinere Stein wurde in der ersten Hälfte der 900er Jahre von König Gorm errichtet. Die Inschrift lautet, in unserem Alphabet wiedergegeben, wie folgt: König Gorm machte seiner Frau Thyre, Dänemarks Zierde, dieses Denkmal.

Der große Runenstein, in der zweiten Hälfte der 900er Jahre von König Harald Blåtand errichtet, hat folgenden Text: König Harald gebot, dass dieses Denkmal seinem Vater Gorm und seiner Mutter Tyra gemacht wurde, der Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und die Dänen zu Christen machte.[6]

Die Runensteine von Jelling gehören zum Weltkulturerbe.

Sonstiges

Der Funkstandard Bluetooth, welcher in modernen Mobiltelefonen weit verbreitet ist, wurde nach Harald Blauzahn benannt.[7]

Literatur

  • Julius Eduard von Cölln: König Harald Blauzahn. Eine Mär des zehnten Jahrhunderts. Verlag des literarischen Deutschlands, Berlin 1888.

Weblinks

 Commons: Harald Blåtand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Harald I. Abgerufen am 11. Oktober 2010.
  2. Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 12.
  3. Palle Lauring: Geschichte Dänemarks. Wachholtz, Neumünster 1964, S. 47f.
  4. Palle Lauring: Geschichte Dänemarks. Wachholtz, Neumünster 1964, S. 48.
  5. Robert Bohn: Dänische Geschichte. Beck, München 2010, S. 10f.
  6. Hinweistafel in Jelling.
  7. http://www.bluetooth.com/Pages/Fast-Facts.aspx
Vorgänger Amt Nachfolger
Gorm der Alte König von Dänemark
958–986
Sven Gabelbart
Harald II. König von Norwegen
970–987

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