Schwedische Kirche

Schwedische Kirche
Wappen der Schwedischen Kirche

Die Schwedische Kirche (schwedisch Svenska kyrkan) ist die evangelisch-lutherische Kirche und ehemalige Staatskirche Schwedens. Sie zählt 6.589.769 Mitglieder (Stand 2010).[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ansgar, ein französischer Benediktinermönch, kam nachweislich im Jahre 829 erstmals als Missionar auf schwedisches Gebiet. Aber auch schon vorher kamen Wikinger durch ihre Züge mit der christlichen Lehre in Berührung. Etwa um 1000 ließ sich König Olof Skötkonung taufen. Uppsala wurde 1164 Sitz eines Erzbischofs. 1210 wurde mit Erik Knutsson erstmals ein König von einem Bischof gekrönt, dies führte zur Verbindung von Kirche und Staat.

König Christian II., die nordischen Länder waren in der Kalmarer Union zusammengeschlossen, ließ 1520 in Stockholm unter anderem auch zwei Bischöfe im Zuge des Stockholmer Blutbades hinrichten. Dies führte zum Aufruhr und schließlich zur Unabhängigkeit Schwedens 1523.

Beeinflusst durch Martin Luther führten Olaus Petri und sein Bruder Laurentius Petri, der 1531 erster evangelischer Erzbischof von Uppsala wurde, die Reformation ein, diese wurde auch 1527 vom Reichstag von Västerås bestätigt. Auf diesem Reichstag wurde auch Gustav I. Wasa - anstelle des Papstes - zum Oberhaupt der schwedischen Kirche bestimmt.

1530 erfolgte der definitive Bruch mit Rom, allerdings wurden viele alte Ordnungen beibehalten. Der König war zwar Kirchenoberhaupt, hatte aber nie solche Macht wie die deutschen Landesfürsten. 1541 war die gesamte Bibel ins Schwedische übersetzt, bereits seit 1531 wurden Gottesdienste in der Landessprache gehalten. Lange Zeit waren andere Glaubensrichtungen verboten. König Johann III. neigte zu einem erneuerten katholischen Glauben, Karl IX. zum Calvinismus.

Erst 1784 wurde in Stockholm wieder ein öffentlicher katholischer Gottesdienst abgehalten. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es auch in der schwedischen Kirche Erweckungsbewegungen, es waren der Laestadianismus, Rosenianismus und Schartauanismus. Infolge von Spannungen kam es zur Gründung freier Gemeinden. Die Zeit brachte eine größere Religionsfreiheit, aber erst 1951 wurde sie vom Gesetz vollständig garantiert. Im 20. Jahrhundert entstand die Junge-Kirche-Bewegung (ungkyrkorörelsen).

Heutige Situation

Palast des Erzbischofs in Uppsala

Die Trennung von Kirche und Staat trat am 1. Januar 2000 in Kraft; seitdem ist die Schwedische Kirche nicht mehr Staatskirche. Verbliebene staatliche Forderungen, die aus dem Gesetz über die Schwedische Kirche hervorgehen, sind etwa, dass diese evangelisch-lutherisch und demokratisch bleibt sowie dass sie ihre Tätigkeit schwedenweit betreibt. Heute wird man erst durch Taufe in dieser Kirche Mitglied, doch hat sie auch heute noch verschiedene Aufgaben und Privilegien, wie die Verwaltung der Friedhöfe und diverse Fördermittel.

Die Regierung von Schweden legte der Kirche erstmals 1957 nahe, die Gleichberechtigung im Pfarramt einzuführen, die leitende Synode lehnte das jedoch noch ab. Ein Jahr später, 1958, gab es eine Mehrheit für die Frauenordination. Damit begann ein fortwährender Liberalisierungsprozess innerhalb der schwedischen Kirche, der nicht zuletzt auch in der Einführung eines gesonderten Ritus zur Segnung homosexueller Paare Ausdruck fand. Bis 1983 galt eine Übergangsregelung für die Gegner der Frauenordination. Die Einstellung sollte für die Ordination oder die Bischofsweihe keine Rolle spielen. 1983 fiel diese so genannte Gewissensklausel weg (samvetsklausulen). 1997 beschloss die leitende Synode, dass jeder Kandidat/jede Kandidatin schriftlich versichern muss, mit allen Ordinierten (also Diakonen, Pfarrern und Bischöfen) unabhängig von deren Geschlecht zusammenzuarbeiten. Diese Liberalisierung führte zur Ausgrenzung konservativer Vertreter, was 2003 in der Gründung der Schwedischen Missionsprovinz gipfelte. Die Missionsprovinz wird vom pensionierten Pastor und jetzigen Bischof Arne Olsson geleitet. Sie bezeichnet sich als Diözese innerhalb der schwedischen Kirche, wird allerdings von der Amtskirche als schismatische Gruppe bezeichnet.

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare führt zu Spannungen mit anderen Kirchen. Die orthodoxen Kirchen haben die Kontakte zur Schwedischen Kirche abgebrochen. Die drei lutherischen Bischöfe des Baltikums sehen die Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft ernsthaft gefährdet, wohingegen andere evangelisch-lutherische Bischöfe in Deutschland (EKD) und den Niederlanden diesen Schritt begrüßten. [2] Im Oktober 2009 ermöglicht die Schwedische Kirche die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. [3]

Die Schwedische Kirche ist Mitglied der Porvoo-Gemeinschaft und hat mit diesen Kirchen volle Kirchengemeinschaft vereinbart.

Verwaltungsgliederung

Diözesen der Schwedischen Kirche (Stand 2010)

Die Verwaltungsgliederung der Schwedischen Kirche mit einer Erzdiözese (ärkestift) in Uppsala und 13 Diözesen (stift), die jeweils von einem Bischof (biskop) geführt werden, geht noch auf die vorreformatorische Zeit zurück. Der Erzbischof von Uppsala ist damit auch der höchste Repräsentant der Schwedischen Kirche. Den Stiften untergeordnet sind die sogenannten Kontrakte (kontrakt), von denen es insgesamt 174 gibt. Sie werden von einem Propst (kontraktsprost) geführt und unterteilen sich in jeweils mehrere Pastorate (pastorat). Diese wiederum bestehen je aus einer oder mehreren Kirchengemeinden (församlingar).

Auslandsgemeinden

Die schwedische Kirche ist auf allen fünf Kontinenten mit Auslandsgemeinden vertreten.[4] In der Schweiz ist die Schwedische Kirche mit den Gemeinden Bern, Genf, Lausanne und Zürich–Basel vertreten.[5] In Deutschland gibt es schwedische Kirchengemeinden in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg und München.[6] In Hamburg befindet sich die 1907 geweihte Gustaf Adolfskyrkan. Die Wurzeln der schwedischen Kirche in Wien reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1982 wurde die schwedische Pfarrgemeinde in Wien gegründet.[7]

Bistümer, mit Sitz, Kathedralen und Bischöfen

Bistum Sitz Dom Bischof Gegenwärtiger Bischof
Bistum Uppsala Uppsala Dom zu Uppsala Liste der Erzbischöfe von Uppsala Anders Wejryd (Erzbischof),
Ragnar Persenius (Bischof)
Bistum Göteborg Göteborg Dom zu Göteborg Liste der Bischöfe von Göteborg Per Eckerdal
Bistum Härnösand Härnösand Dom zu Härnösand Liste der Bischöfe von Härnösand Tuulikki Koivunen Bylund
Bistum Kalmar Kalmar Kalmarer Dom Liste der Bischöfe von Kalmar Existierte 1678–1915; ging im Bistum Växjö auf
Bistum Karlstad Karlstad Dom zu Karlstad Liste der Bischöfe von Karlstad Esbjörn Hagberg
Bistum Linköping Linköping Dom zu Linköping Liste der Bischöfe von Linköping Martin Modéus
Bistum Luleå Luleå Dom zu Luleå Liste der Bischöfe von Luleå Hans Stiglund
Bistum Lund Lund Dom zu Lund Liste der Bischöfe von Lund Antje Jackelén
Bistum Mariestad Mariestad Dom zu Mariestad Liste der Superintendenten von Mariestad Existierte als Superintendenz 1580–1646; ging im Bistum Karlstad auf
Bistum Skara Skara Dom zu Skara Liste der Bischöfe von Skara Erik Aurelius
Bistum Stockholm Stockholm St. Nicolai Liste der Bischöfe von Stockholm Eva Brunne
Bistum Strängnäs Strängnäs Dom zu Strängnäs Liste der Bischöfe von Strängnäs Hans-Erik Nordin
Bistum Visby Visby Dom zu Visby Liste der Bischöfe von Visby Sven-Bernhard Fast
Bistum Västerås Västerås Dom zu Västerås Liste der Bischöfe von Västerås Thomas Söderberg
Bistum Växjö Växjö Dom zu Växjö Liste der Bischöfe von Växjö Jan-Olof Johansson

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mitgliederzahl der Schwedischen Kirche 1972-2010
  2. Queer:Schwedische Kirche unterstützt Ehe-Öffnung
  3. Queer:Schwedische Kirche traut Schwule und Lesben
  4. Hitta kyrkan utomlands. Website der Schwedischen Kirche. Abgerufen am 1. Januar 2011.
  5. Svenska kyrkan – Schweiz. Website der Schwedischen Kirche. Abgerufen am 1. Januar 2011.
  6. Europa – Svenska kyrkan – Utlandskyrkorna. Website der Schwedischen Kirche. Abgerufen am 1. Januar 2011.
  7. Historien om Svenska Kyrkan i Wien. Website der Schwedischen Kirche. Abgerufen am 1. Januar 2011.

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