Bahnhof Radebeul West

Bahnhof Radebeul West
Radebeul West
BahnhofRadebeul-West.JPG
Daten
Kategorie 4
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 4
Abkürzung DRBW
Eröffnung 1840
Lage
Stadt Radebeul
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 6′ 26″ N, 13° 37′ 45″ O51.10722222222213.629166666667Koordinaten: 51° 6′ 26″ N, 13° 37′ 45″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Sachsen

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Der Bahnhof Radebeul West ist der ehemalige Bahnhof Kötzschenbroda. Die Gebäude liegen im Stadtteil Kötzschenbroda des sächsischen Radebeul in der Bahnhofstraße 10.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Um den bereits 1840 eröffneten Bahnhof Kötzschenbroda zu modernisieren, begann die Königlich Sächsische Staatseisenbahn am 11. März 1895, in der Lößnitzgemeinde Kötzschenbroda neue Bahnhofsgebäude zu errichten. Der neue Bahnhof, bestehend aus einem Empfangs- und Abfertigungsgebäude, einer Wartehalle, Bahnsteigüberdachungen und einem Eisenbahnerwohnhaus, wurde am 15. Februar 1896 fertig und am 16. Juni 1896 eingeweiht. Das aus dem Jahr 1872 stammende ehemalige Bahnhofsgebäude im Hof der Meißner Straße 281 wurde ab 1896 als Wohngebäude genutzt.

Das repräsentative Empfangs- und Abfertigungsgebäude in der „Architektur der 3. Bauperiode der so genannten Dresdner Schule[1] steht südlich der Hochgleise. Es besteht aus zwei ähnlichen, etwa quadratischen, villenartigen Gebäuden im Stil der Neorenaissance mit Pyramidenstumpfdächern, die in einigem Abstand stehend durch einen parallel zu den Gleisen laufenden Verbindungsbau zusammengeschlossen sind. Von der Straße aus ist das Gebäude dreistöckig, von den Hochgleisen sind davon zwei Stockwerke zu erkennen. Die Fassade wird durch Mittelrisalite betont und durch Lisenen und Gesimse gegliedert. Die Fenster sind geschossweise stichbogig, rundbogig und rechteckig.

Im Inneren befindet sich die Empfangshalle, ein Vestibül, ein Treppenaufgang und Durchgänge zu den Bahnsteigen, die alle annähernd unverändert sind. Außerdem befand sich darin ehemals eine Bahnhofswirtschaft.

Der heute denkmalgeschützte Bahnhof ist eine der wenigen „im weitgehenden Originalzustand vollständig erhaltenen und in ihren ursprünglichen Zweckbestimmungen genutzten historischen Anlagen in Sachsen.“[2][3]

Geschichte

Der Bau der von 1837 bis 1839 eingerichteten Ferneisenbahnverbindung Leipzig–Dresden wurde von beiden Seiten gleichzeitig begonnen. Das Teilstück von Dresden bis Weintraube wurde am 19. Juli 1838 eröffnet, gleichzeitig wurde auf Höhe des heutigen Bahnhofs Radebeul-Weintraube der erste Haltepunkt auf dem heutigen Stadtgebiet von Radebeul eingeweiht.

Am 3. November[1] (oder 16. September)[4] 1838 wurde das Teilstück Weintraube über Coswig bis Oberau vor dem damaligen Tunnel eröffnet. Nach Eröffnung der Gesamtstrecke Leipzig–Dresden 1839 wurde bis 1840 auf ganzer Strecke die Zweigleisigkeit hergestellt und ebenfalls 1840 der Haltepunkt in Kötzschenbroda eröffnet.

In Kötzschenbroda wie auch in Weintraube hielten die Züge in den ersten Jahren nur an bestimmten Tagen.

1868 erhielt der Haltepunkt Kötzschenbroda eine Wartehalle, 1871 entstand eine Güterverkehrsanlage an der dazu neu angelegten Güterhofstraße südlich der Gleisanlagen und westlich des Haltepunkts. Dieser wurde dafür durch den Einbau von Weichen zu einem Bahnhof erweitert. 1872 entstand im Garten des Bahnhotels „Victoria“ nördlich der Gleise das erste Empfangsgebäude.

Der Kötzschenbrodaer Fahrplan von 1876[1] weist aus, dass inzwischen täglich 37 Reisezüge in Kötzschenbroda hielten.[1]

Im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Strecke erhielt die Bahnhofstraße statt der Schrankenanlage eine Brücke für die Gleise, auf der zuerst zwei neue Gleise auf einem Damm in den 1896 neu gebauten Bahnhof geführt wurden. Nachdem der Zugverkehr auf diese neuen Gleise umgeleitet war, wurden auch die alten, ebenerdigen Gleise auf den entsprechend verbreiterten Damm gesetzt und in den Bahnhof geführt. 1900 konnte der viergleisige Verkehr aufgenommen werden.

Ab dem 12. Oktober 1899 hielt, wenige Meter vom Bahnhof entfernt, an der Ecke Meißner Straße/ Moritzburger Straße eine schmalspurige Überlandstraßenbahn, die Lößnitzbahn oder im Volksmund auch „Lößnitzschaukel“. Diese meterspurige Strecke führte nach Dresden zum Straßenbahn-Umsteigepunkt Mickten.

Mit der Eingemeindung von Kötzschenbroda nach Radebeul 1935 erhielt der Bahnhof den Namen Radebeul-Kötzschenbroda, 1941 den Namen Radebeul West.

1945 wurden im Zuge von Reparationsleistungen viele Gleise demontiert. Im Bahnhof Radebeul West betraf dies die beiden mittleren Gleise, um mit dem nördlichen verbliebenen Gleis den Abzweig bei Zitzschewig bedienen zu können und mit dem südlichen die Strecke nach Coswig.

Anfang der 1960er Jahre wurden der Bahnhof zur Herstellung einer künftigen Dreigleisigkeit mit entsprechend großer Lichtraumumgrenzung für sowjetische Breitspurwagen (Spurweite 1520 mm) im Bahnhof Radebeul West umgebaut. Es wurden wieder vier Gleise verlegt und ein Gleisbildstellwerk von WSSB am 27. März 1969 (das erste Spurplanstellwerk der DR) in Betrieb genommen.

Das dritte Gleis nach Radebeul Ost ging Anfang der 80er Jahre in Betrieb.

Seit 1996 ist Radebeul West ein Haltepunkt der S-Bahn-Linie S1 im Verkehrsverbund Oberelbe. Die Güterverkehrsanlage am Bahnhof Radebeul West wurde zwischenzeitlich abgerissen.

Seit Oktober 2009 ist der überdachte Teil von Gleis 1 wegen der Einsturzgefahr des Bahnsteigdaches gesperrt.

Regionalverkehr

Linie Strecke Taktfrequenz
S 1 Meißen-Triebischtal – Radebeul – Dresden-Neustadt – Dresden Hbf – Heidenau – Pirna – Bad Schandau – Schöna 30-Minutentakt

Aufbau

Der Bahnhof Radebeul West ist ein reiner Durchgangsbahnhof mit zwei Bahnsteigen und einem Inselbahnsteig in der Mitte. Der Durchgangs-Fernverkehr verläuft derzeit ohne Halt in der Mitte der vier Gleise, der S-Bahnverkehr außen.

Es ist geplant, den Bahnhof so umzubauen, dass das südliche Gleispaar den Durchgangs-Fernverkehr aufnimmt und das nördliche Gleispaar den S-Bahn-Verkehr mit einem Inselbahnsteig statt des heute nördlichen Bahnsteigs. [1]

Trivia

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Kötzschenbroda den einzigen betriebsbereiten Bahnhof im Großraum Dresden. Deshalb mussten Bahnreisende von außerhalb nach Dresden den „Zug nach Kötzschenbroda“ nehmen, ein Ort, der wohl nicht überall gleich bekannt war. Und da die Bahnfahrt nicht immer bequem war, machte der Sänger Bully Buhlan 1946 mit der deutschen Version von Glenn Millers Musiktitel Chattanooga Choo Choo, dem Nachkriegsschlager Kötzschenbroda-Express (Verzeihn Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda), den Namen des Bahnhofs in ganz Deutschland bekannt. Später nahm Udo Lindenberg dieses Lied als Vorlage zu seinem Sonderzug nach Pankow.

Literatur

  • Frank Andert (Redaktion); Große Kreisstadt Radebeul. Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9. 
  • Volker Helas (Bearb.); Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen: Stadt Radebeul. SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3. 
  • verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): Beiträge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul (1997 ff.)
    - insbesondere der Beitrag Radebeuler Eisenbahngeschichte, von Heinz Hoffmann, ebd., 2006.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): Beiträge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul (1997 ff.)
    - insbesondere der Beitrag Radebeuler Eisenbahngeschichte, von Heinz Hoffmann, ebd., 2006.
  2. Denkmalliste Radebeul
  3. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen, SAX-Verlag, Beucha 2007
  4. Bahnstrecke Leipzig–Dresden

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