Bruno Henze

Bruno Henze
Berliner Gedenktafel für Bruno Henze

Bruno Karl Ludwig Henze (* 12. Mai 1900 in Berlin; † 10. Februar 1978 ebenda) war ein bedeutender deutscher Gitarrist, Harfenist, Komponist und Musikpädagoge. Er gilt als Begründer der Berliner Gitarrenschule.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Henze wurde 1900 als Sohn des Gitarristen Carl Henze (1872–1946) und einer Mandolinistin in Berlin geboren. Von 1912 bis 1916 lernte er Gitarre bei seinem Vater und Komposition bei B. Schreider, einem Schüler von Franz Liszt. Im Jahr 1926 beendete er sein Studium in Harfe und Komposition an der Hochschule für Musik Berlin-Charlottenburg.

Seit 1913 spielte er im Duo mit seinem Vater. Er gründete 1920 das Henze-Quartett und zusammen mit dem Geiger August Heinrich Bruinier das Altdeutsche Kammerquartett. In der Weimarer Republik war er als Harfenist und Gitarrist bei den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Sergiu Celibidache, an der Staatsoper Unter den Linden und am Deutschen Theater Berlin bei Max Reinhardt beschäftigt. Ab 1930 bildete er (Quintbassgitarre) zusammen mit Erich Bürger (Primgitarre), Willi Schlinske (1. Terzgitarre) und Gerhard Tucholski (2. Terzgitarre) das Berliner Gitarrenquartett. Von 1949 bis 1953 dann das Berliner Gitarrentrio, ohne Tucholski. Sie führten 1930 unter anderem Paul Hindemiths Triosatz für 3 Gitarren urauf.[1] Henze spielte auf einer Gélas-Gitarre von Heinrich Albert.

Er bildete die Gitarrenklasse seines Vaters während des Ersten Weltkrieges aus. Später lehrte er am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin. Ab 1953 war er Leiter des Staatlichen Volkskunstensembles der DDR. Von 1954 bis 1978 unterrichtete er Gitarre an der Musikschule Berlin-Wedding und gründete 1955 den Gitarrenchor Wedding. Mit diesem aus Prim-, Terz-, Quintbass- und Oktavgitarren bestehenden Chor, führte er 1965 Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgisches Konzert auf.

Als Juror war er 1957 bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Moskau tätig (Einladung von Alexander Iwanow-Kramskoi).

1953 komponierte er als Auftragswerk seiner Heimatstadt Berliner Bilder, welches im Berliner Rundfunk ausgestrahlt wurde. Außerdem schuf er mehr als 180 Kompositionen, insbesondere für Sologitarre. Er arrangierte ca. 1000 Stücke, darunter die Lautenwerke von Johann Sebastian Bach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er leitender Herausgeber für Gitarrenmusik beim Friedrich Hofmeister Musikverlag, darunter alle neuen Werke von Hermann Ambrosius und Anton Stingl. 1950 veröffentlichte er daselbst das siebzehnbändige Lehrbuch Das Gitarrenspiel, welches zum Standardwerk in der DDR wurde. Es wurde zudem in West- und Osteuropa sowie den USA verlegt.

Tonaufnahmen

  • Mit Laute und Fiedel [Marsch- und Wanderlieder-Potpourri] - Zusammenstellung: Willi Lautenschläger / Bearbeitung: Bruno Henze
    Berliner Kammer-Mandolinenorchester / Dirigent: Bruno Henze
    1933 / Ort: Berlin / Matrizen-Nr: 5376 BD 8 und 5377-BD-8 / Bestell-Nr: Grammophon C 1366
  • Hawaiian-Sextett, Bruno Henze
    Telefunken Musikus M6034

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Bekannte Schüler

Ehrungen

  • 1953: Großes Ehrendiplom der Unione Chitarristica Internazionale (unter dem Vorsitz von Romolo Ferrari) und der Società Musicale „Ivano Ferrari“
  • 1991: Berliner Gedenktafel (an seinem Wohnort von 1959 bis 1978 in der Yorckstraße 63)

Literatur

  • Hannu Annala, Heiki Matlik: Handbook of Guitar and Lute Composers. Mel Bay Publications, Pacific 2007, ISBN 0-7866-5844-4, S. 83.
  • Jürgen Libbert: Die Gitarre im Aufbruch. Musikverlag Ricordi. München 1994, ISBN 3-9803090-2-9, S. 299 ff.
  • Alexander Schmitz: Das Gitarrenbuch. S. Fischer Verlag. Frankfurt/Main 1982, ISBN 3-8105-1805-0, S. 383.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stephen Luttmann: Paul Hindemith. A Guide to Research. Routledge, New York 2004, ISBN 0-415-93703-5, S. 352.

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