Casino (Film)

Casino (Film)
Filmdaten
Deutscher Titel Casino
Produktionsland USA, Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 178 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Martin Scorsese
Drehbuch Nicholas Pileggi,
Martin Scorsese
Produktion Barbara De Fina
Kamera Robert Richardson
Schnitt Thelma Schoonmaker
Besetzung

Casino ist ein Kriminalfilm-Drama aus dem Jahr 1995 von Regisseur Martin Scorsese, der zusammen mit Nicholas Pileggi auch das Drehbuch schrieb. Als Vorlage diente das gleichnamige Buch von Nicholas Pileggi.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Film beginnt mit einer Szene im Jahr 1983, als Sam Rothstein - genannt „Ace“ - gerade in seinen Wagen einsteigt. Beim Drehen des Zündschlüssels explodiert ein Sprengsatz im Wagen - Nun wird 10 Jahre zurückgeblendet, in das Las Vegas der 1970er Jahre: Wegen seiner einzigartigen Erfolge als Berufsspieler wird Ace von der Chicagoer Mafia damit beauftragt, das neue Tangiers Casino in der Glücksspielmetropole zu leiten - obwohl er nicht Italoamerikaner, sondern jüdischer Herkunft ist. Um Schwierigkeiten mit den Behörden wegen seiner Vorstrafen aus dem Weg zu gehen, soll Ace dazu nur eine Lizenz als Restaurantmanager beantragen. Um zu verschleiern, dass Ace das Kommando hat, wird der unauffällige Kleinkriminelle Philip Green als Strohmann und Casinomanager eingesetzt. Er zeichnet ab, was ihm vorgelegt wird. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als Glücksspieler und Buchmacher und durch seinen perfektionistischen Führungsstil kann Ace den Umsatz verdoppeln und das Tangiers erlebt eine Blütezeit. Was seine Lizenz betrifft, sehen die Behörden durch die Finger; Polizei und Behörden sind anfangs gut "geschmiert".

Damit die Gelder auch ungestört fließen können, wird Aces Jugendfreund Nicky Santoro, ein skrupelloser „enforcer“ (deutsch: Durchsetzer) der La Cosa Nostra, zur Unterstützung und Kontrolle nach Las Vegas geschickt. Nicky hat aber gar nicht vor, nur den Beschützer für Ace zu spielen. Er beginnt sofort, im großen Stil und auf eigene Rechnung Geschäfte und kriminelle Aktitivitäten zu entfalten. Mit brutaler Gewalt erwirbt sich Nicky den Ruf des gefürchtetsten Gangsters in Vegas. Da sich seine Bande an keinerlei Regeln hält und er ganz offen in den Casinos falsch spielt, erhält Nicky bald einen Eintrag ins Black Book und damit ein generelles Casinoverbot für Las Vegas.

Aces einzige Schwäche ist Ginger, eine erfolgreiche Edelprostituierte, die er nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes heiratet, obwohl er weiß, dass sie ihn nicht liebt. Ginger unterhält außerdem eine geradezu hörige Beziehung zu ihrem Jugendfreund und ehemaligen Zuhälter Lester Diamond, einem heruntergekommenen Typen, der sich immer an sie wendet, wenn er Geld benötigt.

Ace zeigt seine Liebe zu Ginger, indem er ihr die Verfügungsgewalt über sein Bankschließfach mit 2 Mio. US-Dollar übergibt. Der Sicherheitsfanatiker hat es nur dafür vorgesehen, um im Notfall - etwa bei einer Entführung seiner Tochter - genug Kapital zu haben. Vom Leben in Reichtum, Untätigkeit und Luxus gelangweilt, immer unzufriedener und unglücklicher, vernachlässigt Ginger ihre Tochter. Ihre glänzende Fassade bröckelt zunehmend, sie verfällt dem Alkohol und Drogen und die Ehe der Rothsteins zerbricht. Das geht sogar soweit, dass Ginger mit Nicky eine Affäre eingeht und ihn auffordert, ihr neuer Beschützer zu werden. Nicky willigt aber nur zum Schein ein, um mit Ginger ein Verhältnis zu unterhalten. Sie fordert den Mafiagangster schließlich auf, Ace umzubringen. Das lehnt Nicky zwar ab, er ist inzwischen aber selbst vom Lotterleben angeschlagen und die Unternehmen seiner Bande laufen immer schlechter. Zudem ist Nickys Verhältnis zu Ginger ein Verstoß gegen den Ehrenkodex der "Familie", auf den der Tod steht.

Das Tangiers und Ace geraten unter Druck, weil er sich mit den Behörden anlegt. Ins Rollen kommt das Ganze, als Ace einem unfähigen Casinomitarbeiter kündigt, der seinen Job nur bekommen hat, weil er der Schwager eines Lokalpolitikers ist. Pat Webb, county commissioner von Clark County, besucht daraufhin Ace persönlich. Er will ihn überreden, dass er seinem gekündigten Schwager nochmal eine Chance geben soll. Ace lehnt dies kategorisch ab. Darauf verlässt Webb den Raum mit der antisemitisch gefärbten Drohung, Ace sei hier "nicht zu Hause". Webb drängt nun die Behörden, sofort die Berufslizenz von Ace zu überprüfen. In einem Interview mit einer Journalistin lässt sich Ace auch dazu hinreißen, zu erklären, dass er im Casino der Boss sei, worauf „Manager“ Philip Green als Strohmann entlarvt wird. Nachdem herauskommt, dass Ace bislang lediglich einen Lizenzantrag gestellt hat, über den immer noch nicht entschieden worden ist, drängt Webb auf eine schnelle Anhörung. Über seine Kontakte arrangiert er später, dass der Lizenantrag von Ace, ohne dass Ace Gelegenheit bekommt sich zu äußern, abgelehnt wird.

Das Umfeld der leitenden Mafiafamilie wird vom FBI abgehört, letztendlich mit Erfolg, als ein etwas beschränktes „Familienmitglied“ seinem Ärger in seinem verwanzten Laden allzu deutlich Luft macht. Eine Reihe von „Ehrenmännern“ wird verhaftet und angeklagt. Aus der Haft ordnen sie „Hits“ an, um den Schaden zu begrenzen. Nach einer Mordserie sind viele Zeugen, Mitwisser und am Rande Involvierte beseitigt. Den auf ihn verübten Autobombenanschlag überlebte Ace mit leichten Verletzungen, da er einen 1981er Cadillac Eldorado fuhr, bei dem wegen Problemen mit der Ausbalancierung unter dem Fahrersitz eine schwere Metallplatte montiert war. Diese schirmte den größten Teil der Sprengkraft der unter dem Beifahrersitz platzierten Bombe ab.

Nicky und sein Bruder werden wegen Nickys Eskapaden in einem Maisfeld mit Baseballschlägern brutal zusammengeschlagen und bei lebendigem Leibe begraben. Ginger trennt sich von Ace und räumt das Bankschließfach leer, allerdings wird sie dabei von Ermittlern des FBI beobachtet und kurz nach dem Verlassen der Bank festgenommen.

Wegen ihrer Drogensucht verliert sie innerhalb kurzer Zeit das gesamte Geld und stirbt schließlich an einer Überdosis. Das Tangiers wird wie viele andere Casinos abgerissen und an deren Stelle entstehen neue Spielcasinos, die nun von großen Konzernen geleitet werden und deren Bau über Junk-Bonds finanziert wurde. Ace verlässt Las Vegas und verbringt sein weiteres Leben zurückgezogen mit seiner Tochter als erfolgreicher Buchmacher.

Hintergrund

  • Die Hauptcharaktere Sam Rothstein (Robert De Niro) und Nicky Santoro (Joe Pesci) erzählen und erläutern aus der Retrospektive entweder als Voice-over oder Off camera das Geschehen im Film. Lediglich in einer Szene hört man auch ein Voice-over der Nebenfigur Frank Marino (Frank Vincent).
  • Die Produktionskosten wurden auf rund 52 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos weltweit rund 116 Millionen US-Dollar ein, davon rund 42 Millionen US-Dollar in den Kinos der USA.
  • Kinostart in den USA war am 22. November 1995, in Deutschland am 14. März 1996.
  • Obwohl es sich um einen fiktiven Spielfilm handelt, basiert die Geschichte in vielen Bereichen auf tatsächlichen Begebenheiten und Charakteren. Das dargestellte Tangiers-Casino entspricht dem ehemaligen Stardust-Casino. Die zeitliche Einordnung der Geschehnisse im Film stimmt grob überein: Das Attentat auf Frank Rosenthal fand am 4. Oktober 1982 statt, der Film datiert es auf 1983. Trotz der zahlreichen Parallelen des Films zur Realität nahm man sich einige künstlerische Freiheiten: So hatte z.B. Geraldine McGee (im Film als Ginger dargestellt) insgesamt drei Kinder, zwei mit Frank Rosenthal und eines mit ihrem langjährigen Freund Lenny Marmor.
Schauspieler Rolle basiert auf
Robert De Niro Sam "Ace" Rothstein Frank "Lefty" Rosenthal
Joe Pesci Nicholas "Nicky" Santoro Tony "The Ant" Spilotro
Sharon Stone Ginger McKenna Rothstein Geraldine McGee Rosenthal
Frank Vincent Frankie Marino Frank Cullotta
Don Rickles Billy Sherbert Murray Ehrenberg
Pasquale Cajano Remo Gaggi Joseph Aiuppa
James Woods Lester Diamond Leonard "Lenny" Marmor
Kevin Pollak Philip Green Allen Glick
Alan King Andy Stone Allen Dorfman
Bill Allison John Nance George Vandermark
Philip Suriano Dominick Santoro Michael Spilotro
Vinny Vella Artie Piscano Carl "Tuffy" DeLuna
Nobu Matsuhisa K. K. Ichikawa Akio Kashiwagi
Richard Riehle Charlie "Clean Face" Clark Morris Shenker
Dick Smothers Nevada State Senator Harrison Roberts US Senator Harry Reid
Oscar Goodman Oscar Goodman Oscar Goodman

Trivia

  • Der Film wurde fast komplett in Las Vegas und Umgebung gedreht. Die Casino- und Büroszenen entstanden im Riviera Las Vegas.
  • Obwohl im Vorspann des Films angegeben wird, dass er auf dem gleichnamigen Buch von Nicholas Pileggi basiert, erklärte Pileggi im Audio-Kommentar zum Film, dass er aufgrund seiner gleichzeitigen Arbeit als Buchautor und Drehbuchautor, das Drehbuch zum Film früher abgeschlossen hatte, als das Buch.
  • Laut einer Zählung von Family Media Guide wurde der Begriff "Fuck" (inklusive Abwandlungen wie "fucking", "fucked", etc.) im Film 398 mal verwendet, womit er im Jahr der Veröffentlichung der Spielfilm mit der höchsten Anzahl war.[1] Dies gilt jedoch nur für die englische Originalversion, da in der deutschen Synchronisation meistens andere Ausdrücke verwendet wurden.
  • Die Mutter von Artie Piscano wird im Film von Catherine Scorsese gespielt, der Mutter des Regisseurs, deren gleichnamige Enkelin und Tochter des Regisseurs wiederum als Tochter von Piscano auftritt.
  • Schauspieler Joe Pesci brach sich bei seiner Tötungsszene bei einer Aufnahme beim Sturz in das ausgehobene Grab dieselbe Rippe, die er sich schon fünfzehn Jahre zuvor beim Dreh von Scorseses Film Wie ein wilder Stier gebrochen hatte.
  • Die Musik während des Vorspanns ist der abschließende Chor der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach („Wir setzen uns mit Tränen nieder“). Der Vorspann wurde gestaltet von Saul Bass und seiner Frau Elaine. Der Abspann wurde mit dem „Thème de Camille“ des französischen Filmkomponisten Georges Delerue musikalisch unterlegt, das auch in einigen Szenen des Films zu hören war. Dieses Stück stammt ursprünglich aus dem Film „Die Verachtung (Le Mépris)“ aus dem Jahr 1963.
  • Das Trio De Niro, Woods und Pesci spielten ebenfalls im Sergio Leone-Film Es war einmal in Amerika, der vom Aufstieg einiger Mobster der Kosher Nostra in New York City handelt.
  • Der Film ist die achte Zusammenarbeit zwischen Robert De Niro und Martin Scorsese und gleichzeitig der dritte von bislang vier Mafiafilmen von Scorsese.
  • Regisseur Martin Scorsese erklärte in einem Interview, dass er für den Film einen ehemaligen Berufs-Killer als Berater engagiert hatte.[2]
  • Auf der Special Edition DVD Hülle sind zwei falsche Würfel abgebildet. Normalerweise ergibt die Augensumme zweier gegenüberliegender Seiten gleich sieben. Auf der Hülle ist dies nicht der Fall. Das ist eine Metapher, welche den Betrug im Film darstellen soll.

Kritiken

  • Lexikon des Internationalen Films: Eine ebenso minutiöse Analyse der Spielerstadt wie eine Beschreibung von Macht, Geld und Stolz versuchter Menschen. Die hinter virtuosen filmischen Einfällen verborgene unmelodramatische Genauigkeit dieses Porträts verweigert sich rein emotionalem Zugang und macht den Film für das Publikum schwerer konsumierbar. Ein komplexer und in einigen schwer erträglichen Gewaltszenen sicher auch kontroverser Abschluß der mit Hexenkessel" und "Good Fellas" begonnenen moralischen Gangstergeschichten Martin Scorseses.[3]
  • Rüdiger Suchsland schrieb auf artechock.de: Wenn es die Mafia nicht gäbe, dann müßte man sie erfinden. Kaum eine zweite Institution zeigt die Schattenseiten des Kapitalismus in ähnlicher Deutlichkeit. Die Mafia hat das freie Unternehmertum auf seine Ursprünge zurückgestoßen: unter der romantischen Oberfläche des Händlers als Helden verbergen sich Macht und Gewaltverhältnisse. Kein Wunder, daß dieser Wirtschaftszweig eine Filmindustrie immer schon interessiert hat. [..] Und kaum ein Regisseur hat den schönen Schein der Mafia ähnlich entmythologisiert wie Martin Scorsese. [..] Und in keinem Film gelingt ihm das besser, als in Casino, das in den Filmhelden die spießigen Händler entlarvt. Fast wie in einem Dokumentarfilm zeigt Scorsese, wie die Spielhöllen von Las Vegas funktionieren, und wie die Mafia ihre Gewinne sichert.[4]
  • Hellmuth Karasek schrieb in Der Spiegel 11/1996: Scorseses Las-Vegas-Entwurf ist zweifellos der kühnste, der größte. Dabei scheut der Altmeister des italo-amerikanischen Kinos [..] keineswegs die hymnische Vergrößerung und Verklärung, wie sie das Hollywood-Kino der amerikanischen Geschichte angedeihen ließ und läßt. Aber, und das ist das Wunder, Scorsese kann die Vergangenheit vergrößern und verklären, ohne seinen erbarmungslos genauen Realismus aufgeben, ohne die (meist brutale) Wahrheit der Glücksspielstadt verschweigen zu müssen. Und hier sind wir bei der Gewalt. Die Geschichte von Las Vegas ist die Geschichte vom ganz großen Geld, das rund um die Uhr mit enormem Geschick und kühler Routine aus den Besuchern gemolken wurde. [..] Also erzählt der Film, der auf einer authentischen Reportage beruht, vom Schmieren der Politiker mit Geld, Komfort und Sex, vom Kaufen der Gewerkschaften - und vom Abschrecken der Konkurrenten, vom Bestrafen der Verräter und Betrügen der Betrüger. Scorsese weiß, wie es da zugeht; er zeigt, wie Killer Killer mit dem Baseballschläger totschlagen, wie Trickfalschspielern die Hände mit dem Hammer zertrümmert werden, wie Gegnern Geständnisse buchstäblich aus dem Kopf gepreßt werden. Und er zeigt, ähnlich wie in seinem anderen Mafia-Film, "GoodFellas", daß notwendige Gewalt, Gewalt zum Erhalt des Mafia-Geschäfts, zwangsläufig von jähzornig überschüssiger Gewalt begleitet ist, daß die scheinbar "vernünftige" Mordlust zur Selbsterhaltung in die "unvernünftige" Mordlust der Selbstzerstörung mündet. [..] "Las Vegas, das war für Spieler das, was Lourdes für Gebrechliche und Verkrüppelte war", sagt De Niro einmal. Genauso hat der Katholik Scorsese die Stadt mit inbrünstiger Wahrheit dargestellt.[5]

Auszeichnungen

Oscarverleihung 1996

Golden Globe 1996

Weitere

American Cinema Editors 1996

Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani 1996

MTV Movie Awards 1996 Nominiert in den Kategorien

  • Beste Darstellerin (Sharon Stone)
  • Bester Bösewicht (Joe Pesci)

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://web.archive.org/web/20070506055732/http://www.familymediaguide.com/media/onDVD/media-396959.html
  2. http://www.sueddeutsche.de/kultur/martin-scorsese-und-der-profi-killer-moerderisch-gut-beraten-1.296687
  3. http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=67365
  4. http://www.artechock.de/film/text/kritik/c/casino.htm
  5. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8892699.html

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