Karakulschaf

Karakulschaf
Karakullamm schwarz
Karakullamm weiß

Das Karakul ist eine Steppenschafrasse, die ursprünglich in Usbekistan beheimatet war. Neben Russland und Afghanistan ist heute auch Namibia eines der Hauptzuchtländer dieser Schafe.

Genutzt wird vor allem das Fleisch, das Fell vor allem des jungen Lamms (Persianer), die Wolle und bei Arabern und Juden das Schwanzfett. Der Geschmack des Fleisches wird als wildähnlich und sehr fettarm beschrieben.[1]

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Kennzeichen

Das Karakulschaf ist ein schlankes Steppenschaf mittlerer Größe. Es kommen mehrere Farbschläge vor, am häufigsten Schwarz; graue und braune Tiere sind relativ selten. Die Beine sind vom Vorderknie bzw. dem Tarsalgelenk abwärts schwarz. Die Lämmer kommen schwarz, grau, braun oder goldfarben zur Welt. Der Kopf ist länglich, schmal und etwas ramsnasig mit zumeist breiten, langen Hängeohren. Die Böcke sind gehörnt, die weiblichen Tiere sind hornlos oder mit Hornstummeln. Das Gewicht der Böcke beträgt 60 bis 70 kg, der Muttertiere 40 bis 50 kg.

Die langlebige Rasse ist anspruchslos und widerstandsfähig, gut an die Gegebenheiten trockener Steppen- und Halbwüstengebiete angepasst und deshalb weniger für Gegenden mit feuchtem Klima geeignet. Die Wollqualität ist mäßig (nach der Norm bei D und E bis EE). Der Wollertrag eines Muttertieres beträgt 2,5 bis 3 kg, vom männlichen Tier etwa 4 kg Schweißwolle. In der Regel wirft das Muttertier pro Saison nur ein Lamm.[1]

Geschichte

Fettschwanzschafe speichern in ihrem langen und breiten Schwanz Fettreserven bis zu einem Gewicht von 10 kg. Damit sind sie in der Lage, in den Trockengebieten Asiens, ihrer Urheimat, die häufigen Dürreperioden zu überstehen.

Die ursprüngliche Heimat ist vermutlich Arabien. Die Rasse, deren Jugendkleid mehr oder weniger ausgeprägte Locken aufweist, wird, wie archäologische Funde zeigen, mindestens schon seit 4.600 Jahren gezüchtet, etwa seit 2650 v. Chr. Statuen aus der Hethiterzeit zeigen Könige mit Kopfbedeckungen, die auf Persianer hindeuten. Vor 3000 v. Chr. wurden keine Abbildungen von Fettschwanzschafen gefunden. Das könnte darauf hinweisen, dass sich diese Rasse erst später gebildet hat. In den Steppen und Halbsteppen Klein- und Vorderasiens wechseln Zeiten des Überflusses mit Hungerperioden. Die Schafe, die ein Fettdepot angelegt hatten, hatten bessere Überlebenschancen (Fettschwanz). Hinzu kam später die künstliche Zuchtwahl. Die Schafzüchter fanden in dem butterähnlichen Fett des Fettschwanzes ein wohlschmeckendes Nahrungsmittel und züchteten vor allem Tiere, die das Fettdepot am besten entwickelt hatten.

Die ersten Fettschwanzschafe dürften um 2000 v. Chr. nach Syrien-Israel gekommen sein und wurden bald danach in Ägypten eingeführt. Erst im 8. Jahrhundert n. Chr. gelangten diese Schafe mit arabischen Hirtenvölkern nach Usbekistan, wo in den Emiraten Buchara und Chiwa die Zucht aufgebaut wurde.

1835 erwähnt der Engländer Alexander Burnes erstmals den Ort Karakul: „...die Karawanen sammeln sich... sie waren mit kostbaren Fellen aus dem kleinen Bezirk von Karakool beladen, wo wir fast einen Monat mit Torkmanen und Schäfern verbracht hatten, die von nichts als Vliesen und Märkten sprechen...“. Es spricht einiges dafür, dass die Schafe nach diesem Ort (im Norden von Buchara) dann Karakulschafe genannt wurden. Eine andere Auslegung sagt, dass es ursprünglich von assyrisch „kara-gjull“ bzw. türkisch „kara gül“, übersetzt „Schwarze Rose“ stammt. Eine weiter verbreitete Deutung ist die Herkunft aus „kara kul“, bzw. türkisch „kara göl“ für „schwarzer See“ (das Haarbild des Lamms beschreibend, „Wellen“ und „Spiegel“).

Der Name „Persianer“ für das gelockte Lammfell ist kein Ursprungsbegriff, er dürfte auf die persischen Händler hinweisen, über die die Felle auf den Weltmarkt gelangten. Seit etwa 1.000 Jahren weiß man, das Lockenschafe hauptsächlich in den Emiraten Buchara und Chiwa gezüchtet werden, die 1917 in die Sowjetunion eingegliedert wurden.

Um 1850 setzte dann die Nachfrage der Neuzeit nach den Lammfellen mit der einzigartigen Lockenzeichnung ein (damals als „Astrachan“, nach dem ursprünglichen Haupthandelsplatz, bezeichnet, heute als „Persianer“ oder „Karakul“ im Handel).

1962 betrug der Anteil von Persianer an der Pelzfell-Weltproduktion fast 20 Prozent (Nerzfell 70 Prozent).[2]

Deutschland und Österreich

Die Karakulzucht wurde jahrhundertelang nur in Zentralasien, hauptsächlich in Buchara und Chiwa, betrieben. Die Stammesgemeinschaften hüteten die Zucht als Familiengeheimnis. Sie verbreiteten die Ansicht, dass die Qualität der Lockenbildung von den örtlichen Gegebenheiten abhinge.

1904 brachten Leopold Adametz und sein Mitarbeiter Dr. Duré erstmals reinrassige Karakulschafe aus dem Emirat Buchara nach Österreich. Nach 1920 entstanden in Österreich neue Herden, die meisten wurden jedoch durch den Zweiten Weltkrieg vernichtet. 1963 bestanden Zuchten im Flachland um Wien und in den Alpen, insgesamt wurden 30 Herden mit insgesamt 3000 Tieren angegeben, vornehmlich mit grauem Fell.

Von Julius Kühn wurden im Jahr 1903 erstmals reinrassige Karakulschafe nach Halle importiert. Der Rauchwarenveredler und -händler Thorer aus Leipzig veranlasste 1907 den ersten Transport reinrassiger Tiere in die damalige deutsche Kolonie Südwest-Afrika (heute Namibia), aus der sich dann die bedeutende dortige Karakulzucht entwickelte (Swakara). Der Erfolg der Zuchtversuche in Halle ermutigte von Lindequist, Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas, die Einfuhr zu fördern, da die Wollschafzucht schlechter vorankam als erwartet. Aus einem für Österreich bestimmten Transport von Karakulschafen aus Buchara erwarb er zehn Mutterschafe sowie zwei bereits in Groß-Enzersdorf gezüchtete Karakulrammen zur Ansiedlung für dieses aride Land geeigneten Tieren. 1924 kamen dann die ersten Felle von Leipzig aus auf den Weltmarkt.[3]

Seit der Einfuhr der Karakuls von 1903 bis 1913 und 1928 hat es Zuchten in Deutschland gegeben, die jedoch für die Pelzwirtschaft keine größere Bedeutung erlangten. Sie gehen ausschließlich auf die damaligen Importe aus Buchara zurück. Zum Einkreuzen wurden das Ostfriesische Milchschaf, das Rhön-, Leine- und Rauwollige Landschaf sowie die Heidschnucke verwendet.[2] 1936 gab es etwa 10 Tausend Karakulschafe in Deutschland.[4]

1976 berichtet eine Rauchwaren-Fachzeitschrift, dass Armin Götz, Frankfurt/Main die letzten zwölf weiblichen Tiere und einen Bock aus Halle (damals DDR) erworben habe um damit in Süddeutschland (BRD) den Bestand durch Aufzucht weiter wachsen zu lassen.[5] Der derzeitige Bestand in Deutschland wird auf etwa 100 Tiere geschätzt. Das Karakulschaf steht in der Kategorie „Rassen aus anderen Ländern“ laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.[1]

Russisches Karakul

Hamburger Bürgermeister-Tracht aus russischem Persianer, 1905

Russland ist das Ursprungs- und Hauptproduktionsgebiet des Persianers. Von hier kommen die Lammfelle mit der typischen kleinen Locke, deren wertvollste Felle eine röhrenförmige Lockenbildung mit schöner Zeichnung aufweisen. Die Zuchtgebiete liegen vor allem in Zentralasien: in Usbekistan (Buchara), Turkmenistan, Kasachstan, in Teilen von Tadschikistan, aber auch in Europa: in der Ukraine und in Moldawien. Um 1974 kamen 96 Prozent der damaligen Produktion aus den drei erstgenannten Gebieten, der Bestand von reinrassigen Tieren betrug zu der Zeit über 14 Millionen, die größte Kollektivfarm „Leninchy Charvodar“ in Usbekistan hatte allein über 100.000 Tiere. 1974 kamen 8.300.000 Persianerfelle in den Welthandel (einschließlich UdSSR).

Traditionell ziehen die Hirten mit ihren Herden ständig umher und suchen bestimmte Weidegründe auf. Gräser und Kräuter bilden die Hauptnahrung der Schafe im Frühjahr und Sommer, Laub und Zweige im Herbst und Winter. Inzwischen wird neben dem Herdenumtrieb auch die Stallhaltung praktiziert.

An Fellfarben werden unterschieden:

  • Die Hauptfarben schwarz, grau und sur (goldbraun)
  • braun in den drei Hauptnuancen: rot- und hellbraun, braun und dunkelbraun
  • halali (chalili), zweifarbige, das sind braune Karakul mit schwarzen Seiten und Pumpf. Die Felle haben meist sehr glänzende, schöne, feste Locken
  • kombar, gleichmäßig grau-blau-bräunliche Felle
  • sedinoi, dunkel und schwarzgraue Karakul mit schmalem, grauen Rückenmittelstrich
  • gulgas (guligas), braune und weiße Härchen verschiedener Farbabstufungen ergeben eine schöne helle oder dunkle beige/rosa Schattierung

Die Felle der russischen Persianer kommen als BUKHARA®-Karakul in den Handel.

Afghanisches Karakul

Bis zum ersten Weltkrieg war die Karakalschafzucht in Afghanistan nur schwach entwickelt (700.000 bis 750.000 Schafe, Ausfuhr 300.000 Felle). Nach 1919 flüchteten der Emir von Buchara und seine Beis aus der damaligen Sowjetunion nach Afghanistan, zusammen mit ihren Karakulschafen (vor allem aus Buchara und Chiwa), die sich zu Herden von mehreren Millionen Tieren entwickelten.[2]

Im Gegensatz zu Russland diente die afghanische Schafzucht zuerst der Fleischgewinnung und nur sekundär der Pelzgewinnung. 1968 gab die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Rom den afghanischen Karakulschafbestand mit 5,5 Millionen an, wovon rund 1,8 Millionen Felle auf den Markt kamen (im Vergleich: Südwestafrika, heute Namibia etwa 5,5 Millionen Felle bei einem Bestand von 6,5 Millionen Tieren). Die Karakulschafzucht war für Afghanistan von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der Export von Fellen (Farben grau (70 Prozent, inkl. der beigegrauen Farbe guligaz), Sur (natur goldbraun)) sowie Wolle stellten die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar. Für die nach dem Zweiten Weltkrieg so beliebten grauen Persianer, die sogenannten Naturpersianer, war Afghanistan der Hauptlieferant.[6] Durch den Modewandel, vor allem auch durch die jahrelangen kriegerischen Unruhen, war der Fellexport praktisch zum Erliegen gekommen; 2007 berichtet Kopenhagen Fur nach der Dezemberauktion wieder von einem „großen Angebot“.[7]

Die Zucht ist vor allem verbreitet in den Provinzen Anhoi, Masar-i-Scherif, Maimene, Schiberghan, Achtscha, Taschkurghan, Kundus und Herat.

Die Art und Größe der Locken entspricht etwa der des turkmenischen Karakullamms (russische Karakulrasse), doch sind die Locken öfter unregelmäßig und von kleinen Haarspitzen bedeckt oder überwachsen, wodurch die Wirkung des Glanzes beeinträchtigt wird. Die Locken laufen meist weniger in die Bauchpartie hinein als bei den Turkmenen. Etwa 90 % der Felle sind schönfarbig grau.[7]

1969 hatte man mit Erfolg begonnen, in die herkömmlichen Karakuls die Rasse Arrabic einzukreuzen. Vier Jahre später kreuzte man deshalb weiter mit Hazaguri-Böcken, die in den großen Höhen des Hindukusch und Pamir weiden und deshalb widerstandsfähiger sind, beides ebenfalls Fettsteißschafe mit grauem Fell.[7]

Pelzfelle werden für den Handel sehr differenziert sortiert. Beim Karakul kommt zu den verschiedenen Farben noch die Lockenart und die Fellstruktur hinzu. Die Auktion in Helsinki am 2. Dezember 1997 unterschied für afghanische Persianer folgende Sorten:[8]

  • Black: Nazucha, Nazucha Parni, Parni, Argul Parni, Argul, Argul Kalangul, Chaqmaqi, Chaqmaqi Kalangul, Duch Parni, Flora, Figurney, Jaketny, Karakulcha, Qamar, Defective, II Black, III Black
  • Grey: Light, Sky, Dark, Light Chaqmaqi, Sky Chaqmaqi, Dark Chaqmaqi, Light Kalangul, Sky Kalangul, Dark Kalangul, Light Chaqmaqi Kalangul, Sky Chaqmaqi Kalangul, Dark Chacmaqi Kalangul, Light Medium Curl, Sky Medium Curl, Dark Medium Curl, Light Peek, Sky Peek, Dark Peek , White, Extra Dark, Light Karakulcha, Sky Karakulcha, Light Guligaz, Sky Guligaz, Guligaz, II Light, II Sky, II Dark
  • Brown: Light, Light Chaqmaqi, Natural Brown, Light Sur, Sur, Sur Chaqmaqi, II Sur
  • Broadtail Black: Makhmali, Muidar, II Makhmali, II Muidar, III Makhmali, III Muidar
  • Broadtail Grey: Sky Makhmali, Dark Makhmali, Sky Muidar, Dark Muidar, II Sky Makhmali, II Dark Makhmali, II Sky Muidar, II Dark Muidar, III Sky Makhmali, III Dark Makhmali, III Sky Muidar, III Dark Muidar
  • Broadtail Brown: Sur, II Natural Brown

Aus den Lammfellen wird unter anderem die Karakulmütze für den asiatischen Markt gefertigt.

Südwestafrikanisches Karakul

In Namibia ist die Karakulzucht und -haltung ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft, sie hat ihren Ursprung in der deutschen Kolonialzeit. Im Frühjahr 1903 veranlasste Prof. Julius Kühn, Leiter des Tierzucht-Institutes Halle/Saale zusammen mit dem deutschen Pelz-Großhändler, -Zurichter und -Veredler Paul Thorer die Einfuhr von vier Böcken und 28 Muttertieren aus der Bucharei/Zentralasien nach Deutschland, um hier eine Ansiedlung zu versuchen. Am 24. September 1907 trafen die ersten Zuchttiere in Swakopmund ein. Sie akklimatierten sich außerordentlich gut und schnell und der Aufbau der Zucht auf verschiedenen Privatfarmen ging zügig voran. Und so wurden dank der guten Beziehungen des deutschen Kaisers zum russischen Zaren nach und nach 820 Karakuls aus Usbekistan nach Deutsch-Südwestafrika nachgeliefert. Sie bildeten den Grundstock der südwestafrikanischen Karakulzucht, obwohl es noch 25 Jahre dauern sollte, bis sich die hier gezüchtete Schafsrasse Swakara (= Südwestafrikanisches Karakul) durchsetzte und – noch wichtiger – sich die schwarzen, feingelockten Swakara-Fellchen am Weltmarkt in Konkurrenz zu den etablierten Persianer-Fellen aus Buchara behaupten konnten.

Die guten Absatzchancen veranlassten viele Farmer in Südwest-Afrika zur Umstellung auf die Karakul-Schafhaltung. Während das Zuchtziel anfangs die bei Persianer übliche Röhrenlocke war, begann man etwa 1948 mit der Umzüchtung auf den heutigen flachen, leichten breitschwanzähnlichen Typ, der von Anfang an zu 95 Prozent auf schwarzen Tieren beruhte.[9] 1969 erreichte die namibische Produktion mit 3,5 Millionen = 40 Prozent der Weltproduktion ihren Höhepunkt; die Zahl der Farmen mit Karakulschafzucht wurde mit etwa 2.500 angegeben. Laut „Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch 1988/89“ lag der Anfall an Fellen in einigen Jahren sogar über 5 Millionen Stück, 1986 nur noch bei knapp einer Million.[3] 2005 wurde der Bestand vom Statistikbüro des Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forstwirtschaft mit nur noch 181.410 Tieren angegeben, als jährliche Gesamtproduktion werden 2010 auf der Homepage von Agra, der dortigen landwirtschaftlichen Genossenschaft, etwa 140.000 Felle und 40.000 Zentner Wolle genannt.[10]

1931 wurde als durchschnittliche benötigte Weidefläche pro Schaf zwei Hektar angegeben, nach Pflanzenbestand der Weiden natürlich sehr unterschiedlich.[11]

Der Modewechsel hin zum Nerzpelz, etwa um 1970, und später ein allgemeiner Rückgang der Nachfrage nach Pelzen führte 1991 zeitweilig zum Zusammenbruch der Karakulzucht in Namibia. Es gelang zwar, nicht zuletzt auch mit deutscher Entwicklungshilfe, neben der Fellproduktion auch die Fleisch- und Wollproduktion auszubauen und damit die Stammherden für Zuchtzwecke zu erhalten; dennoch hat die Produktion der seit 1966 Swakara® genannten Persianerfelle (anfangs SWAPL (South West Afrikan Persian Lamb), zwischenzeitlich S.W.A.-Persianer)[12] zumindest mengenmäßig noch nicht an die Erfolge der 1960er Jahre anknüpfen können. 2005/2006 erzielten Swakara-Persianer jedoch infolge der Renaissance des Pelzes allgemein, der verstärkten Nachfrage nach diesem Artikel und nicht zuletzt wegen der so stark zurückgegangenen Produktion neue Höchstpreise auf den Auktionen in Kopenhagen, derzeitige Auktionsgesellschaft (2006) „Kopenhagen Fur“. Durch die mit dem Rückgang der Herden einhergegangene Zuchtauslese hat sich die Qualität der Felle inzwischen noch einmal erheblich verbessert. Die für den ursprünglichen Erfolg maßgebliche Anpassung an die Marktnachfrage war die Zucht eines neuen moirierten Felltyps gegenüber dem klassischen russischen Persianer mit der Röhrenlocke.

Sonstige Zuchtgebiete

Durch die im 20. Jahrhundert hohen Preise für Persianerfelle motiviert, versuchte man in vielen Ländern Karakulschafe zu züchten oder in einheimische Schafrassen einzukreuzen. Nachdem zum Ende des Jahrhunderts sich die Mode anderen Fellarten zugewandt hatte, war die Zucht für Pelzzwecke uninteressant geworden. Etwa nach 2000 ist der Fellpreis wieder erheblich angestiegen, von einer Wiederbelebung der Karakulzucht zu Pelzzwecken ist in diesen, neu hinzugekommenen Ländern (außer Namibia) nichts bekannt. Ohnehin ist die Zucht nur in Gebieten mit sehr karger Vegetation interessant, der Fellpreis dürfte kaum je eine Höhe erreichen, in denen in besseren Lagen nicht die Fleischproduktion wirtschaftlicher ist.[9]

  • Iran: 1963 wurden auf einer Leipziger Auktion erstmalig fast 2000 iranische Karakulfelle angeboten, schwarze und graue.
  • Irak: Hier dürfte es Karakulschafe geben, nachdem 1945 Karakulböcke aus Frankreich eingeführt wurden.
  • Israel: 1953 wurden von Halle aus Karakulschafe nach Israel exportiert.
  • China: China erhielt 1952 Karakuls aus der damaligen UdSSR. Von 1956 an wurden über 1000 Schafe der Kuchar-Rasse gedeckt (in Tian-Schan und einigen Distrikten von Sinkiang.)
  • Mongolei: 1964 kamen von hier erstmalig 2100 Felle der ersten bis dritten Generation von Kreuzungen mit mongolischen Landschafen auf die Leipziger Auktion.


  • Rumänien: Die rumänische Karakulzucht ist bedeutend. 1884 wurden in das damals zu Russland gehörende Land die ersten Karakuls eingeführt. Zum Einkreuzen wurde das „Tzurkanaschaf“, eine Zackelschafrasse, verwendet.1940 betrug der Bestand an Karakulschafen einschließlich der Kreuzungen in Rumänien zusammen mit Bessarabien 523.000 Tiere. Die Felle sind, zusammen mit ähnlichen Lockentypen anderer Provenienzen, als „Halbpersianer“ im Handel.
  • Bulgarien: Nach Bulgarien kamen die Karakuls bereits 1889, doch gelangen hier keine Fortschritte. 1945 wurden aus Usbekistan noch einmal 161 Tiere importiert; 1965 lagen Kreuzungsergebnisse von über 60.000 Fellen vor.
  • Jugoslawien: Nach der Einfuhr der ersten Karakuls aus Bessarabien im Jahr 1895 bestand wenig Interesse an einer Zucht, nach 1945 wurden aus der der DDR und der Bundesrepublik insgesamt 25 Karakulschafe eingeführt, die mit Zackelschafen eingekreuzt wurden.
  • Norwegen, Schweden und Finnland: In den drei nördlichen europäischen Ländern fand man ebenfalls ein gewisses Interesse an der Karakulzucht. Die Deutsche Schäfereizeitung berichtete 1955 von einem Schweden, dem es gelungen sei, aus der Paarung schwedischer Schafe mit reinrassigen Karakulschafen Felle mit so einem wunderschönen Glanz zu erhalten, wie man ihn noch in keiner Züchtung erzielen konnte.[2]
  • Spanien: Nach Spanien kamen Tiere aus polnischen und rumänischen Zuchten. 1956 zählte man 799 reinrassige und 17.275 Kreuzungsschafe, weiter ansteigend.
  • Afrika: Nach Namibia, damals noch Deutsch-Südwestafrika sowie Südafrika dürfte Portugiesisch-Angola das erste afrikanische Land gewesen sein, dass eine Karakulzucht aufbaute. Neben einer staatlichen Karakulfarm bestanden 1957 dreißig private Zuchten. 1959 wurden erstmals 2000 Persianerfelle versteigert. 1963 wurde der Bestand auf 25.000 bis 30.000 Tiere geschätzt.
Französisch-Westafrika: 1958 wurden von hier 1648 Felle auf einer Londoner Auktion angeboten.
  • Amerika: In die USA kamen die ersten Karakuls im Jahr 1908. Auf dem südamerikanischen Kontinent gab es 1965 kleine Bestände in Kolumbien, Peru, Bolivien, Chile, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Nicht unbedeutend ist die 1911 mit Schafen aus Österreich begonnene Karakulzucht Argentiniens. 1961 umfasste der argentinische Karakulbestand 350.000 Tiere, von denen 300.000 als Pelzschafe angesehen wurden. Für die Einkreuzung haben sich die dortigen Criollaschafe als hervorragend geeignet gezeigt.

Breitschwanz

Sur Breitschwanz (Ärmel)

Als Persianer-Breitschwanz wird das Fell der Frühgeburt oder Totgeburt des russischen Karakulschafs (Handelsbezeichnung "Bukhara®"-Breitschwanz) bezeichnet. Das Karakul ist zwar ein Fettschwanz- oder Breitschwanzschaf, wieso der Name Breitschwanz als Allgemeinbezeichnung für das Fell verwendet wird ist unklar. Erstmals taucht er gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Prospekten großer internationaler Rauchwarenfirmen auf.[13] Breitschwanz-Persianer dagegen ist das Fell des normal geborenen Lamms aus Namibia (Handelsbezeichnung "Swakara®").

Zwischen Tierschützern und Züchtern umstritten ist die, seit Entstehen der Breitschwanzmode zum Ende des 19. Jahrhundert immer wieder publizierte Behauptung, dass diese Frühgeburten nicht nur durch die widrigen Lebensumstände bedingt sind, sondern auch durch äußere Einwirkungen auf die Muttertiere provoziert würden. So äußert der Deutsche Tierschutzbund: "Der Breitschwanz stammt von zu früh geborenen Lämmern. Aufgrund der extremen Witterungsbedingungen treten in Russland und in Afghanistan zwar u.a. vermehrt Frühgeburten auf, es gibt aber leider auch massive Hinweise darauf, dass Frühgeburten künstlich ausgelöst oder hochtragenden Schafen die Bäuche aufgeschnitten werden und den Muttertieren das Junge entrissen wird, um an die begehrten Felle zu kommen. Das Muttertier verendet dabei elendig." [14]

Auch die Stiftung für das Tier im Recht kritisiert die Umstände der Pelzerzeugung: "Für Persianer werden nur Felle zwei bis fünf Tage alter Jungtiere verwendet, für "Swakara-Softpersianer" sogar lediglich die Pelze von Lämmern, die bereits am ersten Lebenstag getötet werden. Je nach lokalen Gegebenheiten werden dafür insgesamt siebzig bis achtzig Prozent der Jungtiere geschlachtet. Breitschwanzfelle stammen dagegen von rund zwanzig bis dreißig Tage zu früh bzw. tot geborenen Lämmern, wobei die Frühgeburt durch extreme Witterungsbedingungen verursacht oder künstlich ausgelöst wird. Bei hoch trächtigen Schafen wird ein Abort in der Regel provoziert, indem man sie in eisiges Wasser setzt oder festbindet und misshandelt. Beispielsweise in Afghanistan werden aber auch ungeborene Karakullämmer aus dem Mutterleib geschnitten und bei lebendigem Leib gehäutet, wofür man den Tieren häufig an der Vorderpfote eine Kanüle anbringt, durch die Luft geblasen wird, um das Fell vom Fleisch zu lösen." [15]

Bereits vor dem 1. Weltkrieg brachte der Turkestaner Courir einen Artikel von A. Lesnewski mit einer sehr emotionalen Schilderung über die „Barbarei“ der Breitschwanzgewinnung, der anschließend auch von Zeitschriften der Großstädte übernommen wurde. In einem Aufsatz der Tierbörse nahm Mir-Chidor Chodsche, Sachverständiger aus dem Karakulhaltungsgebiet Buchara, Usbekistan (damalige UdSSR) detailliert dazu Stellung, er bezeichnete den Bericht als ein „sehr phrasenhaftes, legendenhaftes Märchen, welches ich in den Jahren meiner Kindheit, Anfang der 1870er Jahre in Orenburg bereits gehört habe.“ - Mitglieder der Pelzbranche betrachten diese seitdem immer wiederkehrenden Behauptungen als widerlegt.[13]

Ein Zentrum der Breitschwanzverabeitung ist Israel. 1959 wurde der erste Breitschwanzmantel an einen Schweizer Kürschner geliefert. Obwohl in den Betrieben alles Fachleute aus Leningrad, Leipzig und London waren, war der Pelzkonfektion kein sonderlicher Exporterfolg beschieden. Man verlegte sich daraufhin auf die Herstellung handgenähter, sogenannter Bodies, Halbfabrikate für einen Mantel oder eine Jacke, und wurde in dieser Sparte weltweiter Marktführer im Rauchwarengroßhandel. [16]

Quellen

  1. a b c http://www.g-e-h.de/geh-raku/schafe/schakarakul.htm Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)
  2. a b c d Wolf Eberhard Trauer: Karakulschafe in aller Welt, in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XVI, Neue Folge, 1965 Nr. 2, S. 59-66
  3. a b Franke/Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. Rifra-Verlag
  4. In: Der deutsche Pelztierzüchter. 14. Jahrgang, Heft 21/22, München 1./15. November 1939, S. 443: 10.000 Karakulschafe in Großdeutschland. (lt. „Statistik des Deutschen Reiches“ für 1935 bis 1936 = 9758 Tiere, ohne Ostmark und Sudeten)
  5. Winckelmann Pelzmarkt, nach einer Mitteilung von Erwin Götz: Letzte Karakul-Zuchttiere aus Halle kommen in die Bundesrepublik, Winckelmann Verlag, Frankfurt/Main, Ausgabe 354, 17. September 1976, S. 4
  6. Francis Weiss: Die Schaf-Aristokratie. In: Rund um den Pelz, Heft 9, Rhenania-Fachverlag, Koblenz September 1978, S. 74-77
  7. a b c W. L.: Afghan Karakul wieder unter der Leitung von Abdul Ghafour Redja, Winckelmann Pelzmarkt, Frankfurt/Main, Ausgabe 272, 14. Februar 1975
  8. Winckelmann International, Fur Bulletin 2437, Sales Report 568, Winckelmann Communication Frankfurt am Main, 23. Dezember 1997, S. 2-3 (engl.)
  9. a b Hans Jürgen von Hase: Entwicklung und Zukunft der Swakara-Produktion. Referat vom 12./13. Februar 1976. In Rund um den Pelz, Heft 4, Rhenania-Verlag, Koblenz April 1976
  10. Karakul Information, Agra, Namibia, abgerufen am 14. April 2010
  11. Prof. Dr. G. Frölich: Das Karakulschaf und seine Zucht. 3. Aufl., F. C. Mayer Verlag, München 1942 S. 34 (nach Lossen)
  12. Karakul Board (Hsgbr.): swakara®. Karakul - Gift from the Arid Land - Namibia 1907-2007, S. 164-165
  13. a b Dr. H. E. Matter, Dr. Paul Schöps, Richard Maria Franke: Breitschwanz-Karakul - Legende und Wirklichkeit, Rifra-Verlag Murrhardt, 1973, S. 13, 15-16
  14. Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbundes, S. 15
  15. Stiftung für das Tier im Recht
  16. Walter Langenberger: Ist der Frieden eine Illusion? Israel während und nach dem Jom-Kippur-Krieg. In: Rund um den Pelz; Heft 3, Rhenania Verlag, Koblenz 1974, S. 86-88

Literatur

  • Breitschwanz-Karakul. Legende und Wirklichkeit, Matter/Schöps/Franke, 1973, 72 Seiten
  • Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch, Christian Franke/Johanna Kroll, Rifra-Verlag Murrhardt, 1988
  • Karakul Atlas, Dr. Ing. Agr. Eduard Pfeifer, Verlag Cape Times LTD, erschienen 1953, Kapstadt. Ein Handbuch für Pelz- und Schafhändler/-züchter. Jeweils Fotos das lebende Lamm, das abgezogene Fell und das zugerichtete (=gegerbte) Fell für alle Arten der Lockenbildung.
  • 300 Jahre Familie Thorer, 1912; "325 Jahre Familie Thorer", 1937; 350 Jahre Thorer, 1962, jeweils Leipzig, Eigenverlag
  • Grundlagen der Karakul-Pelzschafzucht, G. Frölich (Hsgr.), Paul Parey Berlin, 1938
  • Die Karakulzucht Südwestafrikas und ihre Herdbuchorganisation aus Das Pelzgewerbe, Hermelin-Verlag Dr.Paul Schöps, 1967 Nr. 3, von Dr. Otfried Villinger, Windhoek.
  • Das Karakulschaf; Ein Lehr- und Handbuch für Züchter und Pelzhändler, Josef Zettl, Wilhelm Frick Verlag, Wien, 1950.

Weblinks


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  • Karakulschaf — Ka|ra|kụl|schaf 〈n. 11; Zool.〉 Fettschwanzschaf, dessen 3 8 Tage alte Lämmer den Persianerpelz liefern [nach dem Bergsee Karakul („schwarzer See“) im Pamir] * * * Ka|ra|kụl|schaf, das [russ. karakul, nach einem See im Hochland von Pamir]:… …   Universal-Lexikon

  • Karakulschaf — Ka|ra|kụl|schaf 〈n.; Gen.: (e)s, Pl.: e; Zool.〉 Schafrasse, deren 3 8 Tage alte Lämmer den Persianerpelz liefern [Etym.: nach dem Bergsee Karakul (»schwarzer See») im Pamir] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Karakulschaf — Ka|ra|kul|schaf das; s, e <nach einem See im Hochland von Pamir> Fettschwanzschaf, dessen Lämmer den wertvollen Persianerpelz liefern …   Das große Fremdwörterbuch

  • Karakulschaf — Ka|ra|kụl|schaf <nach dem See im Hochland von Pamir> (Fettschwanzschaf, dessen Lämmer den Persianerpelz liefern) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Fellarten — Als Pelz bezeichnet man das Fell von Säugetieren mit dicht stehenden Haaren sowie das daraus gearbeitete Kleidungsstück. Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete, das heißt zu Pelzen veredelte Tierfelle. Pelztiere sind… …   Deutsch Wikipedia

  • Katzenfell — Als Pelz bezeichnet man das Fell von Säugetieren mit dicht stehenden Haaren sowie das daraus gearbeitete Kleidungsstück. Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete, das heißt zu Pelzen veredelte Tierfelle. Pelztiere sind… …   Deutsch Wikipedia

  • Pelztier — Als Pelz bezeichnet man das Fell von Säugetieren mit dicht stehenden Haaren sowie das daraus gearbeitete Kleidungsstück. Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete, das heißt zu Pelzen veredelte Tierfelle. Pelztiere sind… …   Deutsch Wikipedia

  • Pelztierarten — Als Pelz bezeichnet man das Fell von Säugetieren mit dicht stehenden Haaren sowie das daraus gearbeitete Kleidungsstück. Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete, das heißt zu Pelzen veredelte Tierfelle. Pelztiere sind… …   Deutsch Wikipedia

  • Karakulfell — Karakullamm Persianer, seit einiger Zeit oft auch als Karakul im Handel, nennt man das Fell des wenige Stunden bis zu einige Tage alten Karakulschafs (eine ausführliche Beschreibung siehe dort). Felle von zu früh geborenen Karakullämmern werden… …   Deutsch Wikipedia

  • Ovis aries — Hausschaf Zwei Hausschafe (Ovis orientalis aries) auf Bergweide in den Stubaier Alpen ( typische Pose , eines mit Glocke, eines mit Ohr Marke) …   Deutsch Wikipedia

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