Markgrafschaft Meißen

Markgrafschaft Meißen

Die Markgrafschaft Meißen war ein mittelalterliches Fürstentum im Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen, dem eigentlichen Obersachsen bzw. dem Meißnischen Kreis.

Wappen der Markgrafschaft Meißen im Ingeram-Codex

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Albrechtsburg und Dom in Meißen
Die Mark Meißen um 1600.
Oben ist hier Osten.

Während eines Feldzugs gegen die slawischen Daleminzier ließ König Heinrich I. 928/929 auf einem Hügel an der Elbe eine Burg erbauen, die ihren Namen nach dem unterhalb fließenden Bach Meisa erhielt. Zu Füßen der Burg entwickelte sich noch im gleichen Jahrhundert die Stadt gleichen Namens (Meißen). Bis 965 Bestandteil der Sächsischen Ostmark unter dem Markgrafen Gero ist erst ab 968 ein hier eingesetzter Markgraf von Meißen bezeugt. Der Burgberg wurde noch im selben Jahr Sitz für den Bischof des neuen Bistums Meißen. Seit 1068 ist außerdem ein Burggraf nachweisbar. Mit der Zeit entwickelte sich eine Burggrafschaft Meißen, die die Familie der Meinheringer weiter ausbauen konnte.

Der Herrschaftsbereich der Markgrafen von Meißen dagegen dehnte sich im Laufe des 11. Jahrhunderts bis an die Neiße aus, später auch in südlicher Richtung bis ins Erzgebirge. Für das Jahr 983 ist ein gewisser Rikdag als Markgraf belegt, seit 985 die Familie der Ekkehardinger. Durch den Frieden von Bautzen kam es jedoch schon von 1018 bis 1031 zur ersten vorübergehenden, später endgültigen Trennung des Milzenerlandes, der späteren Oberlausitz, von der Markgrafschaft.

1046 kam die Markgrafschaft an die Familie der Weimar-Orlamünder Grafen, 1067 an die Brunonen, deren Vertreter Ekbert II. im Investiturstreit 1089 abgesetzt wurde. Ihm folgte im gleichen Jahr Heinrich I. von Eilenburg (1089–1103) aus der Familie der Wettiner, unter deren Herrschaft die Markgrafschaft von nun an verbleiben sollte. Vor allem unter den Markgrafen Konrad (1123–1156), Otto (1156–1191) und Dietrich (1190/1197–1221) wurde die Markgrafschaft erweitert und ausgebaut.

Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, dargestellt im Codex Manesse, 13. Jahrhundert.

1264 konnte sich Heinrich der Erlauchte (1221–1288) im Erbstreit um die Landgrafschaft Thüringen durchsetzen, wo sein Onkel Heinrich Raspe 1247 kinderlos verstorben war. 1243/1255 erwarb Heinrich der Erlauchte zunächst pfandweise das Pleißenland um Altenburg. Ein Versuch des Königs, die Markgrafschaft Meißen als Lehen wieder an sich zu ziehen, scheiterte 1307 mit der Schlacht bei Lucka.

In der Folgezeit kam es zu gemeinsamen Regentschaften mehrerer männlicher Verwandter der Wettiner, in den Jahren 1382 und 1445 sogar zur Teilung der Gebiete die der Markgrafschaft Meißen, der Landgrafschaft Thüringen und dem Pleißenland angehörten. Nach Aussterben einzelner Familienlinien fielen diese Gebiete aber immer wieder zusammen. Gleichzeitig konnte das Territorium durch Heirat, Geldzahlungen oder militärische Gewalt erweitert werden (z. B. in der Dohnaischen Fehde), 1426 auch wieder die Rechte an der Burggrafschaft Meißen. Ende des 15. Jahrhunderts erstreckte sich das Herrschaftsgebiet der Wettiner über mehr oder weniger zusammenhängende Gebiete zwischen Werra und Oder.

1423 wurde dem Markgrafen von Meißen Friedrich, dem Streitbaren das Herzogtum Sachsen-Wittenberg übertragen. Damit ging die Markgrafschaft Meißen im Kurfürstentum Sachsen auf und verlor ihre Eigenschaft als selbständiges Fürstentum. Die Leipziger Teilung 1485 zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht begründete zudem die dauerhafte Trennung zwischen Sachsen und Thüringen.

Umfang

Ursprünglich umfasste die Markgrafschaft Meißen nur das das Altsiedelland der Burggrafschaft (etwa vergleichbar mit dem späteren Landkreis Meißen). Im 12. und 13. Jahrhundert kamen weitere Teile hinzu, so dass sich die Markgrafschaft Meißen schließlich bis ins Erzgebirge und das Leipziger Land erstreckte. 1547 gliederte Kurfürst Moritz sein Herrschaftsgebiet in fünf Kreise: den Kurkreis, den Thüringer Kreis, den Leipziger Kreis, den Meißnischen Kreis und den Erzgebirgischen Kreis. Der Leipziger Kreis, der Meißnische Kreis und der Erzgebirgische Kreis gingen aus der alten Markgrafschaft Meißen hervor.

Siehe auch

Literatur

  • Matthias Donath: Sächsisches Elbland, Reihe Kulturlandschaften Sachsens Band 1, Edition Leipzig, Leipzig 2009
  • Otto Eduard Schmidt: Aus der alten Mark Meißen. Reihe Kursächsische Streifzüge Band 3, Dresden 1924
  • Heinz Weise (Hrsg.): Mark Meissen: von Meissens Macht zu Sachsens Pracht. Brockhaus, Leipzig 1989, ISBN 3-325-00188-2

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Markgrafschaft — Markgraf war der Titel für einen Grafen als königlicher bzw. kaiserlicher Amtsträger, der eine Grenzmark, also ein Gebiet, das direkt an der Reichsgrenze des Fränkischen Reichs bzw. Ostfrankenreichs gelegen und zur Verteidigung dieser Grenze… …   Deutsch Wikipedia

  • Meißen — Mei|ßen: Stadt an der Elbe. * * * I Meißen,   1) Große Kreisstadt des Landkreises Meißen Radebeul, Sachsen, 105 m über dem Meeresspiegel, beiderseits der Elbe, 31 100 Einwohner; Fachhochs …   Universal-Lexikon

  • Markgrafschaft Landsberg — Die Mark Landsberg, auch Markgrafschaft Landsberg, ging im 13. Jahrhundert durch Erbteilung aus dem westlichsten Teil der Mark Lausitz, die bis 965 ein Teil der Sächsischen Ostmark war, hervor. Sie gilt neben der Markgrafschaft Meißen als… …   Deutsch Wikipedia

  • Meißen (Begriffsklärung) — Der Name Meißen bezeichnet: eine Stadt im Freistaat Sachsen, siehe Meißen eine Gemarkung im Zentrum dieser Stadt, siehe Meißen (Gemarkung) einen Landkreis in Sachsen seit der Kreisreform 2008, siehe Landkreis Meißen einen Landkreis in Sachsen von …   Deutsch Wikipedia

  • Meißen — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Meißen [1] — Meißen. Die Mark M. wurde von Heinrich I. zum Schutze der Deutschen gegen die Sorben errichtet; nachdem er deren Hauptfestung Grona erobert u. zerstört hatte, gründete er 928 die Stadt u. Burg M.; die nachmaligen Markgrafen erhielten die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Meißen [1] — Meißen, ehemalige deutsche Markgrafschaft, entstand durch die Zerteilung der großen Sorbenmark an der Mittelelbe nach Markgraf Geros Tod 965 und umfaßte ursprünglich die beiden Gaue Dateminzi und Nisani. Als erster Markgraf von M. erscheint… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Meißen — Meißen, sächs. Stadt an der Elbe, im Kreisdirectionsbezirk Dresden mit 9200 E., gothischer Domkirche, berühmter Porzellanfabrik, Obst u. Weinbau. M. wurde 928 von König Heinrich I. angelegt, war der Sitz eines Markgrafen, eines Burggrafen u.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Markgrafschaft Lausitz — Die Mark Lausitz gut zwei Jahrhunderte später in der Zeit zwischen 1150 und 1250, deutlich ist ein territoriales Wegbrechen (besonders durch die Grafschaft Brene, die Grafschaft Anhalt und das Herzogtum Sachsen Wittenberg an ihrer westlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Markgrafschaft Niederlausitz — Die Mark Lausitz gut zwei Jahrhunderte später in der Zeit zwischen 1150 und 1250, deutlich ist ein territoriales Wegbrechen (besonders durch die Grafschaft Brene, die Grafschaft Anhalt und das Herzogtum Sachsen Wittenberg an ihrer westlichen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”