Burschenschaft Germania Königsberg zu Hamburg

Burschenschaft Germania Königsberg zu Hamburg
Wappen
Basisdaten
Hochschulort: Hamburg, Deutschland
Gründung: 8. September 1843 in Königsberg
Verband: Deutsche Burschenschaft (DB)
Farben: schwarz-weiß-rot (von unten)
Adresse: Heimhuder Straße 34
Webseite: www.germania-koenigsberg.de

Die Burschenschaft Germania Königsberg zu Hamburg (vor 1950: Königsberger Burschenschaft Germania) ist eine schlagende Studentenverbindung. 1843 gegründet, ist sie sowohl die älteste Königsberger Burschenschaft als auch die älteste Burschenschaft der „weißen Richtung“, seit 1950 zudem die älteste Studentenverbindung in Hamburg. Sie ist Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft und im Ring Weißer Burschenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Farben, Wappen und Wahlspruch

Die Farben der Germania Königsberg: schwarz-weiß-rot (von unten)
  • Farben: schwarz-weiß-weinrot (Leserichtung von unten nach oben) in silberner Einfassung. Schwarz und Weiß sind die Farben Preußens, das Rot entstammt dem Königsberger Stadtwappen.
  • Mütze: weinrote Samtmütze mit weinrot-weiß-schwarzem Mützensteg und silberner Perkussion. An der linken Seite wird seit der Rekonstituierung in Hamburg 1950 ein silberner Albertus getragen.
  • Wappen: Der Wappenschild ist viergeteilt und enthält zusätzlich einen Herzschild. Das linke obere Feld zeigt auf rotem Grund einen silbernen Albertus, das rechte obere Feld auf weißem Grund einen Schild in den Bundesfarben, der von einem Lorbeerkranz umringt wird. Rechts unten finden sich auf schwarzem Grund zwei gekreuzte Schläger, darunter zwei sich einander reichende Hände in einem Eichenlaubkranz; links unten eine Ruine vor einer aufgehenden Sonne. Der Herzschild ist silbern umrandet und zeigt auf rotem Grund in schwarz den Zirkel der Verbindung.
  • Zirkel: CvG! als Abkürzung von „Corona vivat Germania“ (Es lebe das Kränzchen Germania).

Besonderes

Durch die periphere Lage Königsbergs innerhalb Deutschlands und die große Entfernung zu anderen deutschen Universitätsstädten − die nächsten waren Breslau und Greifswald − haben sich bei der Germania Königsberg eine ganze Reihe Besonderheiten entwickeln und halten können, die sie noch heute von der großen Mehrheit der Studentenverbindungen unterscheiden:

  • Anders als die meisten anderen Studentenverbindungen kennt Germania Königsberg kein Fuchsenband. Die Füchse tragen das gleiche Couleur wie Burschen und Alte Herren.
  • Auch das Amt des Fuchsmajors gibt es nicht. Für die Ausbildung der jüngsten Mitglieder ist der sogenannte Fuchskränzchenführer zuständig.
  • Die bei den meisten anderen Studentenverbindungen Convente genannten Mitgliederversammlungen heißen bei Germania schlicht „Versammlungen“.
  • Chargiert wurde bis bis 1950 ausschließlich im Frack. Heute ist dies nur noch bei großen Festlichkeiten wie „runden“ Stiftungsfesten üblich.
  • Der Zirkel der Germania (CvG!) besteht anders als bei fast allen anderen Studentenverbindungen nicht aus einer verschlungenen Buchstabenkombination basierend auf den Anfangsbuchstaben EFV (Ehre, Freiheit, Vaterland) oder VCF (Vivat, Crescat, Floreat). Die drei Buchstaben C, v und G sind stattdessen hintereinander angeordnet. Eine ähnliche Gestaltung des Zirkels kennen bzw. kannten viele Königsberger Korporationen, beispielsweise das Corps Masovia oder die Burschenschaften Hochhemia und Palmburgia.
  • Im Studentenroman Dunkelrot-Weiß-Rosenrot verarbeitete der Schriftsteller Hans Parlow 1907 seine Aktivenzeit bei Germania.

Ausrichtung in der Deutschen Burschenschaft

Die Burschenschaft Germania Königsberg ist seit 1885 mit zwei Unterbrechungen Mitglied der Deutschen Burschenschaft (DB) (bzw. deren Vorgänger Allgemeiner Deputierten Convent): 1934 trat sie kurz vor der völligen Gleichschaltung und Auflösung der DB im Nationalsozialismus aus dieser aus und der Alten Burschenschaft bei und beteiligte sich 1950 an der Wiederbegründung der DB. Von 1981 bis 1983 war sie zudem kurze Zeit wegen der Aufnahme von Wehrdienstverweigerern aus der DB ausgeschlossen.

Germania ist mit vier Pflichtmensuren pflichtschlagend. Als älteste Burschenschaft der „weißen Richtung“ legt sie besonderes Augenmerk auf ihr korporatives Zusammenleben und gesellschaftliche Umgangsformen.

Germania ist Mitglied im Ring Weißer Burschenschaften (RWB), dem daneben noch die Burschenschaften Frankonia Bonn, Obotritia Rostock, Normannia Leipzig und Normannia Leipzig zu Marburg angehören. Seit 2006 besteht zwischen den Burschenschaften Frankonia Bonn und Germania Königsberg zu Hamburg ein offizielles Freundschaftsverhältnis.

Geschichte

Revolutionäre 1848 mit schwarz-rot-goldenen Fahnen

Gründungszeit

Die Burschenschaft Germania Königsberg wird am 8. September 1843 in Königsberg durch acht Studenten als burschenschaftliches Kränzchen Germania innerhalb der Allgemeinen Burschenverbindung Albertina gegründet. Wahlspruch und Zirkel der Germania sind bis heute unverändert geblieben.

Am 9. Februar 1845 scheidet Germania aus der Albertina aus, nimmt am 23. Februar eigene Statuten an und konstituiert sich als selbständige Burschenschaft.

In der Zeit zwischen Frühjahr 1848 und Sommer 1851 werden aus Solidarität mit der Deutschen Revolution die urburschenschaftlichen Farben schwarz-rot-gold geführt.

Acht ausgetretene Germanen gründen am 22. November 1854 die Burschenschaft Gothia (heute in Göttingen).

Etablierung

Universität „Albertina“ um 1900

Am 12. November 1874 beteiligt sich Germania an der Gründung des Eisenacher Deputierten-Convents, tritt aber schon im Juni 1880 aufgrund der dauernden verbandsinternen Streitigkeiten wieder aus.

Im Sommersemester 1885 tritt Germania dem vier Jahre zuvor gegründeten Allgemeinen Deputierten-Convent (ab 1902: Deutsche Burschenschaft) als vollberechtigtes Mitglied ohne Probezeit bei. Sie vertritt im Verband einen streng korporativen, konservativen Standpunkt.

Im Jahr 1908 ist Germania Mitbegründerin der „Weißen Richtung“ in der DB, aus der 1919 der Weiße Kreis hervorgeht.

Im April 1909 erwirbt Germania ihr erstes Verbindungshaus in der III. Fließstraße 32. Am 2. Juli 1928 zieht Germania in das zweite Verbindungshaus in der Herzog-Albrecht-Allee 15 im Königsberger Stadtteil Maraunenhof um.

Am 2. März 1929 erfolgt die Aufnahme in das Altweiße Kartell (AWK); Mitglieder sind außer Germania Königsberg die Burschenschaften Frankonia Bonn, Dresdensia Leipzig, Rugia Greifswald, Alemannia Gießen und später Germania Straßburg (damals zu Frankfurt, heute in Tübingen).

Zeit des „Dritten Reichs“

Im Wintersemester 1934/35 tritt Germania aus Protest gegen die von den Nationalsozialisten vereinnahmte Verbandspolitik aus der Deutschen Burschenschaft aus und der Alten Burschenschaft bei, die sich aber schon am 15. Oktober 1935 unter dem Druck der politischen Verhältnisse auflösen muß.

Am 30. Oktober 1936 suspendiert Germania aufgrund der politischen Umstände. Germania hatte es stets abgelehnt, sich in eine Kameradschaft des NS-Studentenbundes umzuwandeln bzw. eine solche Kameradschaft zu unterstützen.

Im Oktober 1938 wird auch das Verbindungshaus in Maraunenhof verkauft, um einer Enteignung auf Initiative des NSDStB zu entgehen. Der Altherrenverband mietet eine Wohnung in der Münzstraße 10 an, in der sich die Germanen bis zur Zerstörung des Hauses im August 1944 durch britische Luftangriffe regelmäßig treffen. Bei diesem Bombenangriff geht das Mobiliar und das Archiv der Germania verloren. Das alte Verbindungshaus übersteht den Krieg weitgehend unbeschädigt und beherbergt heute einen Kindergarten.

Neubeginn in Hamburg

Hauptgebäude der Universität Hamburg

Nach der Zerstörung Königsbergs rekonstituiert sich Germania Königsberg am 8. März 1950 in Hamburg und tritt dem Hamburger Waffenring (HWR) bei. Am 15. Juni beteiligt sie sich an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft und übernimmt am 4. November die Altherrenschaft der vertagten Burschenschaft Askania Hamburg (gegründet 1920 als Wehrschaft). Die ehemaligen Askanen tragen ihr Band zusätzlich zum Germanencouleur.

Im Februar 1954 kauft Germania ihr heutiges Verbindungshaus in der Heimhuder Straße 34 im Stadtteil Rotherbaum.

1961 zerfällt der Weiße Kreis über der Frage der Aufnahme österreichischer Burschenschaften in die Deutsche Burschenschaft. Am 15. Februar 1963 löst sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in Mensurfragen auch das Altweiße Kartell auf. Das AWK bildet sich auf dem Burschentag 1963 ohne Beteiligung Germanias neu, löst sich aber kurze Zeit später erneut auf.

Im Juni 1965 ist Germania Gründungsmitglied des „Ringes Weißer Burschenschaften“ (RWB). Der RWB entsteht auf dem Burschentag in Berlin durch acht ehemalige Mitgliedsburschenschaften des Weißen Kreises: Germania Königsberg zu Hamburg, Germania Berlin, Cimbria Berlin (beide später fusioniert zu Brandenburgia Dortmund), Frankonia Bonn, Alemannia Göttingen, Cimbria Würzburg, Alemannia Marburg und Franconia Freiburg. Der RWB besteht heute (2007) neben Germania aus den Burschenschaften Frankonia Bonn, Normannia Leipzig (seit 1994), Normannia Leipzig zu Marburg (seit 1973) und Obotritia Rostock (seit 2004).

Am 9. September 1972 vertagt die Aktivitas aufgrund von Mangel an geeignetem Nachwuchs infolge des Wertewandels in der Studentenschaft der 60er Jahre, kann aber schon zum WS 1978/79 wiedereröffnet werden.

Seit der Wiedereröffnung der Aktivitas werden neben Studenten der Universität Hamburg auch Studenten der zwischenzeitlich gegründeten Technischen Universität Harburg und der Universität der Bundeswehr als Mitglieder aufgenommen.

Im Oktober 1981 wird Germania wegen der Aufnahme von Wehrdienstverweigerern aus der DB ausgeschlossen, bereits zum Burschentag 1983 aber wieder aufgenommen, nachdem alle betroffenen Bundesbrüder ihre Verweigerung widerrufen oder die Burschenschaft verlassen hatten.

2006 wird ein Freundschaftsvertrag mit der Bonner Burschenschaft Frankonia geschlossen.

Bedeutende Mitglieder

Arnold Sommerfeld 1889 im Couleur der Germania Königsberg

Prof. Dr. Oskar Minkowski,

geboren am 13. Januar 1858 bei Kaunas/Litauen, gestorben am 18. Juni 1931 in Fürstenberg/Havel, aktiv bei Germania im Wintersemester 1875/76.
Arzt (Internist), Professor für Medizin in Straßburg, Köln, Greifswald und Breslau.
Bewies unter anderem experimentell den Zusammenhang zwischen Diabetes und der Bauchspeicheldrüse. Weitere bedeutende Arbeiten über die Leber und die Gicht.

Prof. Dr. Arnold Sommerfeld,

geboren am 5. Dezember 1868 in Königsberg, gestorben am 26. April 1951 in München, aktiv bei Germania im Sommersemester 1887.
Theoretischer Physiker, Professor für Physik in Clausthal, Aachen und München.
Erweiterte das Bohrsche Atommodell zur Bohr-Sommerfeldschen Atomtheorie. Autor der Standardwerke Atombau und Spektrallinien und Über die Theorie des Kreisels. Inhaber zahlreicher wissenschaftlicher Auszeichnungen. Zu seinen Schülern gehören Peter Debye, Paul Peter Ewald, Werner Heisenberg, Wolfgang Pauli und Hans Bethe.

Kritik

Von Seiten linker Gruppierungen wird der Germania Königsberg überwiegend im Rahmen sogenannter Burschi-Reader die fehlende Abgrenzung zu rechtsextremen Tendenzen verdächtigter Studentenverbindungen vorgeworfen: „Die Germania Königsberg hat offensichtlich gute Kontakte zur [Hamburger Burschenschaft] Germania. Zumindest fechtet [sic!] man gerne gemeinsam (z.B. im Juni 2002).“ [1]

Darüber hinaus lässt allein der Name einige Kritiker auf Revisionismus schließen: „Ansonsten ist bei der Germania Königsberg schon allein der Name problematisch, weil Königsberg zwar tatsächlich einst zu Preußen gehörte (und somit “germanisch” war), seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aber Teil Russlands ist und inzwischen den Namen Kaliningrad trägt. Die Bezeichnung “Germania Königsberg” lässt vermuten, dass sich die Mitglieder dieser Burschenschaft nicht mit dem Anschluss von Königsberg an Russland abgefunden haben oder sogar eine Wiedereingliederung an Deutschland fordern.“ [2]

Literatur

  • Emil Popp: Erinnerungen - Aus der Geschichte der Burschenschaft Germania Königsberg, herausgegeben 1993 durch die Burschenschaft Germania Königsberg zu Hamburg
  • Emil Popp: Zur Geschichte des Königsberger Studententums, Holzner, Würzburg 1955 (Neuausgabe: WJK, Hilden 2004, ISBN 3-933892-52-X)
  • Stefan Baumeister: „Bin an gut erhaltenen Wappenalben interessiert“. Der Studentica-Sammler Ewald Lutz (1909–2000) in: Jan Carstensen und Gefion Apel (Hrsg.): Schlagfertig! Studentenverbindungen im Kaiserreich – Reader zu einem studentischen Ausstellungsprojekt, Westfälisches Freilichtmuseum Detmold, Detmold, 2006, ISBN 3-926160-39-X. Dieser Reader als pdf

Quellen

  1. Öfter nach dem Rechten schauen. Der Asta-Reader zum Hamburger Verbindungswesen, Hamburg, 2002, S. 20. Dieser Reader als pdf
  2. Öfter nach dem Rechten schauen. Der Asta-Reader zum Hamburger Verbindungswesen, Hamburg, 2002, S. 20.

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