Johann Hilchen

Johann Hilchen


Johann Hilchen (* 1484; † 15. März 1548) war ein Ritter und kaiserlicher Feldmarschall.

Inhaltsverzeichnis

Familie Hilchen

Die Familie Hilchen hatten ihren Stammsitz in Lorch (Rheingau) sie war reich begütert und belehnt. Bis 1316 kann man den Namen Hilchen zurückverfolgen. In einer Urkunde wird nämlich der Lorcher Schultheiß Herman Helkin (Hilchen) als Zeuge erwähnt. Die Hilchen hatten Besitz in Kirchheimbolanden, Utzenhain, Patersberg, St. Goarshausen und Urbar. Sie besaßen unter anderem Lehen von den Erzbischöfen von Trier und Mainz. Außerdem von den Grafen von Nassau, Katzenelnbogen, Isenburg und Grenzau.

Lebenslauf

Epitaph Johann Hilchen (Senior) und seiner Ehefrau Elsgin von Walderdorff in der Pfarrkirche in Lorch Rheingau

Johann Hilchen wurde als Sohn des Schultheiß von Lorch, Ritter Johann Hilchen und seiner Ehefrau Elsgin von Walderdorff (Adelsgeschlecht), geboren. 23-jährig heiratete er am 25. November 1507 Dorothea, die Tochter des Ritters Melchiors von Rüdesheim. Sie nahmen ihren Wohnsitz auf Burg Martinstein, die in dieser Zeit, zu den Lehnsgütern der Hilchen gehörte. Bereits fünf Jahre später starb 1512 seine junge Frau und hinterließ eine gemeinsame Tochter Namens Maria. Maria war das einzige Kind von Johann Hilchen, sie heiratete 1530 Adam Vogt von Hunolstein (Adelsgeschlecht). 1512, am Freitag nach Jakobi, starb Hilchens Vater und Dienstags darauf seine Mutter.

Fehde mit dem Wild- und Rheingrafen

1510 hatte Hilchen eine Fehde mit dem 18-jährigen Wild- und Rheingrafen Philipp von Dhaun (*1492 +1521). Wegen Streitigkeiten der Dörfer Simmern unter Dhaun (wild-,/rheingräflicher Besitz) und Horbach (bei Simmertal) (hilchenscher Besitz) tötete Hilchen in der Kirche von Simmern unter Dhaun (seit 1971 Simmertal) den Schultheiß und verwundete den Priester durch zwei Pfeilschüßen. Der Rheingraf besetzte zur Vergeltung Horbach. Hilchen brannte darauf einige Dörfer des Rheingrafen nieder.

Auf Klage des Rheingrafen verhängte der Kaiser über den 26- jährigen Hilchen die Reichsacht. Er musste fliehen und zog nach Bingen am Rhein, das ihm Schutz gewährte. Erst 1515, nachdem die Reichsacht aufgehoben war, kehrte Hilchen zu seinen Besitzungen zurück.

Die Zeit mit Reichsrittern Franz von Sickingen

1518 unterstützte Hilchen seinen Freund den Reichsritter Franz von Sickingen in der Fehde gegen den Landgraf von Hessen Philipp I. (Hessen). Auf der Seite Sickingens kämpfte u. a. auch der berühmte Götz von Berlichingen. Zwölf Dörfer wurden niedergebrannt, Zwingenberg und Umstadt gebranntschatzt. Hilchen soll sich hierbei mit seinen Mannen besonders hervorgetan haben. 1522 schloss sich Hilchen wieder Franz von Sickingen, den er wahrscheinlich schon im Krieg gegen Frankreich 1521 begleitet hatte, im Ritteraufstand gegen den Kurfürst von Trier, Richard von Greiffenklau zu Vollrads an. Die Belagerung Triers misslang. Die Streitmacht der Verbündeten von Kurtrier zu denen u. a. der Kurpfälzer Ludwig der Friedfertige und der Landgraf von Hessen Philipp der Großmütige gehörte, holten im Frühjahr 1523 zum Gegenschlag aus und besiegten die Sickingische Streitmacht. Sickingen und seine Vasallen über die, die Reichsacht erhoben wurde, zogen sich nach Landstuhl auf die Burg Nanstein zurück. Sickingen fiel am 7. Mai 1523 bei der Eroberung der Burg. Hilchen wurde gefangen genommen und in Germersheim inhaftiert. Man wollte sein Eigentum einziehen aber durch einen klugen Schachzug hatte er rechtzeitig seine Besitz auf seine Tochter umschreiben lassen. 1525 wurde Hilchen aus der Haft entlassen und kehrte zu "seinen Besitzungen" nach Lorch zurück. Schlechter erging es den Erben des Franz von Sickingen, die zunächst sämtlichen Güter verloren und erst 20 Jahre später wieder erhielten, als Hilchen zum kaiserlichen Feldmarschall aufgestiegen war und sich mit aller Kraft dafür eingesetzt hatte.

Sein Aufstieg

Epitah des Feldmarschalls Johann Hilchen in der Pfarrkirche St. Martin in Lorch

Der unglückliche Ausgang der Trierer Fehde bewirkte wohl ein Umdenken bei Hilchen. Ab 1527 stand er hauptsächlich in Diensten des Kaisers und des Reiches. Hilchen gehörte zum Gefolge des Erzherzogs Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand I. (HRR), beim Feldzug gegen den unrechtmäßig gekrönten Johann Zápolya. Nach errungenem Sieg gehörte Hilchen zu den ausgewählten Rittern, die den feierlichen Einzug in Stuhlweißenburg mitmachen durften. Dort wird Ferdinand zum König gekrönt. 1529 beschaffte Hilchen dem Kaiser 400 Reisige für den Krieg gegen die Türken und nahm als Oberstwachtmeister an dem Feldzug teil. 1533 trat Hilchen in den Dienst des Grafen von Nassau-Dillenburg (Wilhelm der Reiche) und wurde vom Kurfürsten der Pfalz zum Rat ernannt. Im Türkenkrieg 1542 war Hilchen der Nachfolger des glücklosen Kurfürsten Joachim II. Hektor von Brandenburg und führte als oberster Feldmarschall das Reichsheer. Am 7. August 1543 während des Krieges gegen Frankreich besichtigte Kaiser Karl V. (HRR) in Bonn sein 35000 Mann starkes Heer. Hier überreichte er, Hilchen als dem "obersten Feldmarschall im Krieg gegen Frankreich", die Reichsrennfahne.

Lebensende

1546 ließ Hilchen sich ein repräsentatives Wohnhaus, das Hilchenhaus, in Lorch errichten, dessen Fertigstellung er aber nicht mehr erlebte. Das Gebäude gilt heute als bedeutendster Renaissance-Bau im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal. Im Gefolge des Grafen von Nassau-Dillenburg nahm Hilchen noch am Reichstag in Augsburg teil, kam aber von Krankheit gezeichnet zurück und starb am 15.3.1548 in Lorch.

Inschrift auf dem Grabmal Johann Hilchens (Pfarrkirche Lorch)

HIE LIGT DER EDEL UND GESTRENG HER JOHAN HIELCHEN VON LORCH/ RITTER BEI RETEN (ZEITEN) SEINES LEBENS RÖ(MISCH)KAISER(LICHER) MAJ(ESTÄ)T UND DES HEI/LIGEN RÖMISCHEN REICHS IN DEN ZÜGEN GEGEN DEN ERB/FEINDT DEN DÜRCKEN UND DEM KÖNIG ZU FRANCREICH IN DEN JAHREN MDXXXXII UND IIII OBERSTER VELTMARSCHALCK GE/WESEN SONST NOCH VII ZUG HELFEN DUN SEINES ALTERS LXIIII JAR UFF DEN XV APRILIS IM JAR MDXXXXVIII ZU LORCH IN SEINER BEHAUSUNG IN GOTT CHRISTLICH VERSTROBEN DES SELEN GOT GNEDIG UND BARMHERZIGK SEIN WOLLE AMEN 1550

Literatur

  • Franz Carl Altenkirch; Stadtverwaltung Lorch (Hrsg.): Lorch im Rheingau. Die Geschichte d. Stadt vom Ursprung bis zur Gegenwart. Stadtverwaltung Lorch, Lorch 1926, DNB 579083640.
  • Robert Struppmann; Maria-Kaufmann-Stiftung (Hrsg.): Chronik der Stadt Lorch im Rheingau. Maria-Kaufmann-Stiftung, Lorch 1981, DNB 871422794.
  • Winfried Dotzauer: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2001, ISBN 3-51507878-9.

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