Paul Temple und der Fall Conrad

Paul Temple und der Fall Conrad

Paul Temple und der Fall Conrad ist ein achtteiliges Hörspiel von Francis Durbridge, das der WDR im Jahre 1960 produzierte und in der Zeit vom 13. Januar bis 3. März 1961 erstmals ausstrahlte. Die gesamte Spieldauer beträgt 328 Minuten.

Inhaltsverzeichnis

Folgentitel

Die einzelnen Folgen der früheren Mehrteiler waren noch mit separaten Untertiteln versehen. Ab dem Lawrence-Fall hat man, mit Ausnahme des Genf-Falles, beim WDR offensichtlich darauf verzichtet.

Handlung

Als der Schriftsteller und Privatdetektiv Paul Temple und seine Frau Steve von einem Wohltätigkeitsball nach Hause kommen, werden sie bereits von Sir Graham Forbes von Scotland Yard und seinem Münchner Kollegen Inspektor Heinz Ullersberg erwartet. Sie berichten von dem Verschwinden eines jungen Mädchen namens Betty Conrad aus einem bayerischen Mädchenpensionat im Unterwies, das von der Engländerin Elizabeth Weldon geleitet wird. An dem fraglichen Tag sagte sie zu ihrer Zimmergenossin June Jackson, dass sie von dem Schriftsteller Elliot France eingeladen sei, der sich bei der Gräfin Decker auf ihrem Schloss zu Besuch aufhalte. Dort ist sie aber nie angekommen. Weder die Gräfin noch Elliot France wussten von der Einladung. Betty war mit dem englischen Bankangestellten Denis Harper befreundet, der zur selben Zeit verschwand, dann aber wieder auftauchte. Von Bettys Verschwinden hatte er angeblich keine Ahnung. Ullersberg fand im Zimmer des Mädchens ein Cocktailstäbchen, das mit dem Kopf eines Wolfshundes verziert war. Solche Stäbchen werden nur für ein ganz bestimmtes Hotel in Oberammergau hergestellt.

Temple ist zunächst an einer Mitarbeit in dieser Angelegenheit nicht sonderlich interessiert. Doch am nächsten Tag fahren die Temples in die Nähe von Maidenhead, um sich mit einem Mann zu treffen, der sich am Telefon fälschlicherweise als Elliot France ausgegeben hat. Doch im angegebenen Hotel erhält Paul nur ein Brief des Mannes, in dem er einen anderen Treffpunkt nennt und außerdem zwei Cocktailstäbchen von der Art, wie sie Ullersberg beschrieben hat. Bei dem neuen Treffpunkt handelt es sich um ein Cottage, das dem Vater von Betty Conrad, einem bekannten Londoner Neurologen und Psychiater gehört. Im Haus, das wie das gesamte Grundstück einen heruntergekommenen Eindruck macht, entdecken die Temples die Leiche eines Mannes, der offenbar erstochen worden ist. In der Post finden sie eine Karte an Mrs. Ruth Conrad von einer Schneiderei, in der mitgeteilt wird, dass ein bestimmter blauer Mantel am übernächsten Freitag, den 18. abgeholt werden kann. Forbes findet heraus, dass es sich bei dem Toten um den Mann handelt, der sich als France ausgegeben hat. Das Ehepaar Conrad kann der Polizei keine sachdienlichen Hinweise geben.

Am folgenden Tag fliegen die Temples zusammen mit Ullersberg nach München. In Unterwies entdeckt Steve in Bettys Zimmer eine Postkarte von dem Modeatelier Brenner in Garmisch-Partenkirchen, die genau den gleichen Text enthält, wie die Karte aus dem Cottage von Dr. Conrad. Das amerikanische Mädchen June Jackson erzählt, dass sich Betty mit ihrer Stiefmutter und dem Vater nicht besonders gut verstanden hat.

Auf dem Weg zu Gräfin Decker und Elliot France wird das Auto der Temples von einem Sportwagen in einen Seitengraben abgedrängt. Denis Harper, der zufällig vorbei kommt, hilft den Temples beim bergen des Wagens. Kurze Zeit später beobachtet Steve Harper und eine Frau Klein, die sie am Morgen beim Kauf einer Bluse im Modesalon Brenner kennengelernt hat, in einer Konditorei. Elliot France erzählt Paul, dass er früher mal ein Patient von Dr. Conrad gewesen sei. Conrad, der nach Garmisch gekommen ist, berichtet Temple, dass France eine Zeit lang an einem schweren Fall von Verfolgungswahn litt, wobei seine Angst vor jungen Frauen fast schon eine aggressive Form annahm.

Als die Bluse vom Modesalon geliefert wird, findet Paul in dem Päckchen erneut ein Cocktailstäbchen des Oberammergauer Hotels Römer. Steve äußert die Vermutung, dass die Verkäuferin Gerda Hollmann das Stäbchen dort hinein gelegt haben könnte. Im Römer werden die Temples bereits erwartet, obwohl sie sich gar nicht angemeldet haben. Von dem Besitzer des Hotels Fritz Günther, einem ehemaligen Schauspieler, erfahren sie von dem Anruf einer Frau, die mit amerikanischem Akzent sprach. Sie bat den Temples auszurichten, sie möchten unbedingt nach Innsbruck, Dammelstadel 37 kommen. June Jackson, die auffallend nervös ist, bestreitet den Temples gegenüber, die Anruferin gewesen zu sein.

Am Tag vor dem auf der Abholkarte angegebenen Freitag befürchtet Paul Temple, das man die Leiche von Betty Conrad, bekleidet mit einem blauen Mantel auffinden könnte. Am selben Tag verschwindet auch June Jackson spurlos aus dem Pensionat. Wie sich jedoch herausstellt, war es Temple selbst, der das Mädchen mit Hilfe eines amerikanischen Freundes in Sicherheit gebracht hat.

In Innsbruck angekommen, begegnen die Temples wie zufällig Denis Harper. Als sie dann vor dem Florianhaus in Dammelstadel angekommen sind, werden sie aus einem fahrenden Auto heraus beschossen, wie sich aber erweist, glücklicherweise nur mit Platzpatronen.

Am Folgetag, dem bewussten 18. fahren die Temples nochmals nach Oberammergau, da sich Paul für eine bestimmte Fotografie von einem englischen Filmstudio interessiert, die an der Wand des kleinen Salons im Römer hängt. Doch das Foto ist verschwunden. Am späteren Nachmittag berichtet Ullersberg, dass man die Leiche von Betty Conrad in der Nähe von Schreidenstein, dem Gut der Gräfin Decker, mit einem blauen Mantel bekleidet, gefunden hat. Kurz darauf ruft Sir Graham Forbes aus London an und teilt dem verdutzten Detektiv mit, dass man Betty gesund und munter im Hyde Park aufgegriffen hat. Allerdings macht sie keinerlei Angaben über das, was seit ihrem Verschwinden aus Unterwies geschehen ist. Auf Grund eines Hinweises von Frau Klein aus dem Modeatelier Brenner kann die Tote von Schreidenstein als die Verkäuferin Gerda Hollmann identifiziert werden. In der Handtasche des Mädchens findet Ullersberg, eine Mitgliedskarte des Albatros-Klubs in Soho. Fritz Günthers Ehefrau Joyce warnt Paul Temple vor einem Mann, der sich Captain Smith nennt. Dieser soll in London versuchen mit dem Ehepaar Kontakt aufzunehmen, um sie dann aus dem Weg zu räumen.

Als sich die Temples am nächsten Tag bereits auf dem Rückflug nach London befinden, muss die Maschine wegen einer schriftlichen Bombenwarnung, die Steve erhalten hat, wieder nach Riem zurückkehren. Bei der Durchsuchung der Maschine wird zwar keine Bombe gefunden, dennoch ist sich Paul sicher, dass die Warnung Ernst gemeint war.

Kaum wieder zu Hause, meldet sich Elsa Decker telefonisch bei Temple. Sie ist ebenfalls nach London gekommen und will ihm alles berichten was sie über den Fall weiß. Im Hotel angekommen, erfahren die Temples das auf die Gräfin geschossen worden ist. Bevor sie ohnmächtig wird, weist sie Temple auf den Albatros-Klub und auf Captain Smith hin. Im Albatros trifft das Ehepaar auf Denis Harper, der von seiner Bank wieder nach London zurückbeordert worden ist. Paul befragt ihn und einen Mann, der sich Paddy nennt nach Betty Conrad, nachdem ihr Vater die Vermutung geäußert hat, dass sie dort Mitglied sein könnte, was von beiden aber nicht bestätigt wird. Als die Temples bemerken, dass die Reifen ihres Autos zerschnitten worden sind, Bietet Paddy an, die beiden nach Hause zu fahren. Nachdem er beiläufig erwähnt, dass er auch als Captain Smith bekannt ist, verlässt er unter einem Vorwand den Wagen. Paul fällt auf, dass irgendetwas nicht stimmt und steigt mit Steve ebenfalls aus. Kurz darauf explodiert das Fahrzeug.

Temple gelingt es Betty zu überreden, in seine Wohnung zu kommen, um über alles zu reden. Dort betäubt er das Mädchen und lässt sie von Steve und dem Diener Charlie zu einer Bekannten seiner Frau in Sicherheit bringen. Ullersberg, der ebenso wie Elliot France und Elizabeth Weldon nach London gekommen ist, berichtet, dass Gerda Hollmann rauschgiftsüchtig war. Anscheinend treibt ein Rauschgiftring seit einiger Zeit in Bayern sein Unwesen. Temple erwähnt das June Jackson, die inzwischen zu Hause bei ihren Eltern ist, ebenfalls regelmäßig Heroin genommen hat.

Sir Graham geht davon aus, dass Smith für den Mord an seinem Komplizen Dale Black, dem falschen Eliot France verantwortlich ist. Während sich Denis Harper bei den Temples aufhält, ruft ein Mann an, der behauptet eben dieser Harper zu sein und dem es dabei gelingt, dessen Stimme täuschend echt nachzuahmen. Er verabredet sich mit Temple in einer alten abgelegenen Lagerhalle am Nordufer der Themse. In der Halle finden Temple und die Polizei den sterbenden Captain Smith, der brutal zusammengeschlagen worden ist. Dann bricht ein Feuer aus. Temple und Ullersberg können sich nur durch einen Sprung in die Themse retten.

Temple hat heraus bekommen, dass Fritz Günther vor seiner Schauspielerkarriere als Stimmenimitator aufgetreten war und sich jetzt als Erpresser und Agent einer Rauschgiftorganisation betätigt. Außerdem ist er der Mörder von Gerda Hollmann. Das kann Ullersberg bestätigen, da er einen dahin gehenden Bericht von Frau Klein, einer Interpol-Agentin erhalten hat. Joyce Günther scheint nicht in die Sache verwickelt zu sein.

Dr. Conrad trifft Elliot France in einem Hotelzimmer in Maidenhead, weil er diesen in Verdacht hat, seine Tochter erneut entführt zu haben. Zu spät entdeckt er die für ihn aufgebaute Falle. Temple und die Polizei, die das ganze Gespräch mithören, erfahren, das Conrad France mit seiner Krankenakte erpresste und versuchte ihn für seine Organisation zu gewinnen. Durch die scheinbare Entführung von Betty konnten Elliot und die Gräfin Decker Conrad zur Herausgabe der Akte zwingen. Conrad versucht zu fliehen, landet aber mit seinem Wagen in der Themse. Etwas später wird auch Fritz Günther in London verhaftet.

Conrad ließ Gerda töten, weil sie bereit war alles was sie über die Organisation wusste, an Frau Klein weiter zu geben. Er selbst war es, der Captain Smith tötete, da er den Anschlag auf die Temples vermasselte.

Besetzung

Weitere deutsche Produktion

Bereits ein Jahr zuvor produzierte der Bayerische Rundfunk diese Durbridge-Vorlage unter dem leicht abgewandelten Titel Paul Temple und der Conrad-Fall. Mit einer Spieldauer von knapp 304 Minuten fiel es um ca. 24 Minuten kürzer als die spätere WDR-Produktion aus. Das achtteilige Hörspiel wurde erstmals in der Zeit vom 26. November 1959 bis 21. Januar 1960 ausgestrahlt. Die einzelnen Folgen waren mit zusätzlichen Untertiteln versehen.

  • 1. Ein Herr kommt aus München
  • 2. Ein merkwürdiger Patient
  • 3. Später Besuch
  • 4. Fahrt nach Innsbruck
  • 5. Cocktail im Hotel Römer
  • 6. Captain Smith
  • 7. Kaffee für Miss Conrad
  • 8. Bild in der Zeitung

Die Musik schrieb Joachim Faber. Für die Übersetzung zeichnete auch hier Marianne de Barde verantwortlich. Regie führte Willy Purucker. Die Aufnahme ist beim BR noch vollständig erhalten, wurde aber nicht auf CD veröffentlicht.

Paul Temple wurde von Karl John und seine Frau Steve von Rosemarie Fendel gesprochen. Zu den weiteren Sprechern gehörten unter anderen Fritz Straßner, Adolf Ziegler, Jürgen Goslar, Horst Tappert, Ernst Ginsberg, Elinor von Wallerstein, Heidi Brühl, Wolfgang Büttner, Hans Cossy, Eleonore Noelle, Inge Schulz, Eric Jelde, Leo Bardischewski, Inge Birkmann, Eva Vaitl, John Pauls-Harding, Renate Grosser, Erwin Faber und Klaus W. Krause.

Anmerkungen

Das Hörspiel wurde von der BBC 1959 bereits unter dem Titel Paul Temple and the Conrad Case erstmals produziert. Das Ehepaar Temple wurde von Peter Coke und Marjorie Westbury gesprochen.

Nach Paul Temple und die Affäre Gregory aus dem Jahre 1949 ist dies wahrscheinlich der neunte Mehrteiler, den der WDR, bzw. sein Vorgänger der NWDR Köln in seiner Paul-Temple-Reihe produzierte. Das ARD-Hörspielarchiv verzeichnet allerdings noch einen weiteren Mehrteiler mit dem Titel Ein Fall für Paul Temple aus dem Jahr 1950, bei dem es sich um den Fall Valentin handeln soll. Der WDR in Köln konnte diese Angaben auf Anfrage aber nicht bestätigen.

Peter René Körner hatte hier seinen letzten Auftritt in der Paul-Temple-Reihe. Er war seit 1949 bei allen Mehrteilern in wechselnden Rollen dabei.

Jürgen Goslar war der einzige Sprecher, der sowohl in der WDR- als auch in der BR-Produktion mitwirkte. Ernst Ginsberg, der bereits im Gilbert-Fall beim WDR eine größere Rolle hatte, übernahm diesmal einen Part beim Münchner Sender.

Veröffentlichungen

Siehe auch

Für allgemeine Informationen zu Filmen und Hörspielen, die nach Vorlagen von Francis Durbridge entstanden sind, siehe:

Quellenangaben

  • DasHörspiel (Handlung)
  • Die Internet-Datenbank des ARD-Hörspielarchivs, abgerufen am 19. Februar 2011 (alle Angaben über die Produktionen).

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