Straßenbahn Nantes

Straßenbahn Nantes
Eine Incentro-Straßenbahn im Zentrum von Nantes

Die Straßenbahn Nantes (frz. Tramway de Nantes) ist die erste Neuanlage eines Straßenbahnnetzes in Frankreich, nachdem in der Nachkriegszeit alle Straßenbahnen bis auf einzelne Linien in Marseille, Saint-Étienne und Lille stillgelegt worden waren.

27 Jahre nach der Stilllegung der alten Straßenbahn in Nantes wurde die moderne Straßenbahn am 7. Januar 1985 zwischen den Haltestellen Haluchère (im Osten) und Bellevue (im Westen) eröffnet.[1] Sie wird betrieben von der Société d'économie mixte des transports en commun de l'agglomération nantaise (SEMITAN).

Die Straßenbahn Nantes besaß im September 2010 das viertgrößte Netz Frankreichs. Die Fahrgastzahlen stehen mit 266.300 Fahrgästen pro Tag an dritter Stelle in Frankreich (2008). (An erster Stelle stehen die Straßenbahnen in der Île de France mit 338.400 Fahrgästen täglich (2009) vor Straßburg mit 280.000 Fahrgästen (2007).[2]

Inhaltsverzeichnis

Die Straßenbahn von 1879 bis 1958

Die erste Straßenbahn in Nantes nahm am 13. Dezember 1879[3] ihren Fahrgastbetrieb mit druckluftbetriebenen Wagen auf. Sie bediente die Strecke von Doulon im Osten zum Gare Maritime im Westen. Das Netz wurde in den Jahren von 1911 bis 1917[1] elektrifiziert. Im Jahr 1932 erreichte das Netz der Straßenbahn Nantes seine größte Ausdehnung mit 20 Linien, die 14 verschiedene Strecken bedienten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Gleisanlagen und des Wagenparks zerstört. 1946 scheute sich die Stadt, eine Reihe von Strecken wieder aufzubauen, die seitdem mit dem Bus bedient wurden. 1949 wurde die Entscheidung getroffen, das gesamte Straßenbahnnetz stillzulegen. Am 25. Januar 1958 verkehrte die Straßenbahn zum letzten Mal auf der Linie Pont de Cens - Saint-Joseph.

Der Weg zur Wiedereinführung der Straßenbahn

Ende der 70er Jahre brachte in Nantes der Bürgermeister Alain Chénard (gewählt 1977 bei einem Wechsel der politischen Mehrheiten) die Idee einer modernen Straßenbahn auf. Dies geschah auch in Reaktion auf die Initiative des Staatssekretärs im Verkehrsministerium, Marcel Cavaillé, der 1975 in einem Brief die großen Städte des Landes aufforderte, Konzepte für ihren Stadtverkehr zu entwickeln.

Im Jahre 1975 wird das Syndicat intercommunal des transports publics de l'agglomération nantaise, SITPAN gegründet, das Organisation und Finanzierung des schon sehr dichten Busnetzes in den 19 Mitgliedsgemeinden übernimmt,[4] das durch das Unternehmen Société des Transports de l'Agglomération Nantaise, STAN (zwei Jahre später: Semitan) bedient wurde.

Das SITPAN unterzeichnet im Jahre 1978 einen Marktstudie mit dem Planungsbüro SOFRETU, einer Tochtergesellschaft der RATP, um Verbesserungsmaßnahmen im ÖPNV vorzuschlagen. Die Studie befürwortet die Schaffung eines neuen Netzes, das durch zwei mit zahlreichen Buslinien verknüpfte Straßenbahnlinien strukturiert würde. Die Straßenbahnlinien könnten auf zwei Achsen eingerichtet werden:

  • eine Nord-Süd-Achse, die die beiden Arme der Loire überquert sowie die Sèvre Nantaise, und
  • eine Ost-West-Achse, die den Park Beaujoire und die Großwohnsiedlung Bellevue verbindet, mit einer Gemeinschaftsstrecke mit der Nord-Süd-Achse in ihrem zentralen Teil.

Alain Chenard erinnert daran, dass „die Straßenbahn überall damit in Zusammenhang stand, die Straßen gänzlich umzubauen, um das Problem der anderen Verkehrsmittel zu lösen. Es war das intelligenteste, aber war es vernünftig? Politisch war es ein Selbstmord!“[5]

Die Stadt zieht im August 1978 die Verwirklichung der Ost-West-Linie Bellevue ↔ Haluchère in Betracht - um „das Zentrum zu bedienen, aber tangential, ohne es zu durchbohren. Es ist außerdem die Trasse, die die geringste Beeinträchtigung verursachte, man konnte eine Fläche auf altem Bahngelände wieder verwerten."[5] Damit wurden die detaillierten Planungen und die adminstrativen Verfahren eingefädelt. Die Kosten für das Projekt wurden im Jahre 1980 auf 400 Millionen Francs (ungefähr 60 Millionen Euro) geschätzt. Im Jahre 1981 erhielt das Projekt die "Feststellung des öffentlichen Nutzens" (DUP).[6]

Im Jahre 1979 vertraut das SITPAN der Semitan, die damals von dem Verkehrsexperten Michel Bigey geleitet wurde,[6] die delegierte Bauträgerschaft des Projekts an, um das Straßenbahnprojekt zu bauen und zu koordinieren. Obwohl die Gesamtheit der Beteiligten den Willen haben, diese Linie schnell zu verwirklichen, indem in Deutschland bewährte Techniken verwendet werden,[7] kommt es zu Verzögerungen, insbesondere wegen der Kosten des Rollmaterials. Bei der Gemeinderatswahl 1983, deren Wahlkampf durch die Haltung zur Straßenbahn bestimmt war, kommt es zu einem Wechsel der politische Mehrheit: Michel Chauty wird zum Bürgermeister gewählt. Seine Mannschaft, entschiedene Gegner der Straßenbahn, war insbesondere der Ansicht, dass das Projekt seines Vorgängers die Stadt zerschneidet, und ließ die Arbeiten unterbrechen. Sie mussten aber feststellen, dass das Projekt zu weit fortgeschritten war, um angehalten werden zu können. Die Bauarbeiten kamen also wieder in Gang und dauerten damit insgesamt 33 Monate zwischen den ersten Vorbereitungsarbeiten im November 1981 und der Eröffnung für Probefahrten im August 1984.[6][8]

Im Jahre 1983 schätzte man, dass die Straßenbahn 70.000 Einwohner und 37.000 Arbeitsplätze erschließen wird, die sich in Umkreis von weniger als 800 Metern von der Linie befinden, zu denen man die Arbeitsplätze der Stadtmitte hinzufügen muss, das heißt insgesamt 90.000 Arbeitsplätze, was zu den folgenden Verkehrsprognosen für die Linie 1 führte (wenn man die Verlegung der Buslinien zu den Endstellen der Straßenbahn berücksichtigt, um die Verbindung zu den Industriegebieten und dem Einkaufszentrum Carquefou über die Haltestelle Haluchère und zu den Vierteln Bellevue und Saint-Herblain-Village am anderen Ende zu verbessern):

  • maximale Auslastung in der Hauptverkehrszeit: 2.500 Fahrgäste pro Stunde;
  • durchschnittliche tägliche Auslastung an Werktagen: 8.000;

das heißt ein erwarteter jährlicher Verkehr von 17 Millionen Fahrgästen, ungefähr mit einer Reisegeschwindigkeit von 25 km/h und einer Bedienungshäufigkeit von einer Straßenbahn alle vier Minuten in der Hauptverkehrszeit und alle 15 Minuten in den Schwachverkehrszeiten.[4]

Finanziell war die Verwirklichung der Linie 1 mit 403 Millionen Francs, davon 214 Millionen für die Infrastruktur und 93,8 Millionen für die Fahrzeuge, anspruchsvoll. Die Finanzierung wurde durch einen Zuschuss des Staates in Höhe von 50% der reinen Infrastrukturinvestitionen (ohne Rollmaterial) ermöglicht, plus zehn Millionen, die durch die Nationale Agentur zur Nutzung der Forschungsergebnisse ANVAR in Anbetracht des innovativen Charakters des Projekts aufgebracht wurden. Die vom SITPAN aufgenommene Summe wird dank einer Erhöhung der von den Unternehmen gezahlten Transportsteuer (fr. versement transport), die von 1% der Gehälter auf 1,5% stieg, zurückgezahlt werden.[4]

Der Publikumserfolg der Straßenbahn, insbesondere bei der außergewöhnlichen Inbetriebnahme am 20., 21. und 22. Dezember 1984, in deren Verlauf 50.000 Personen die Linie benutzten, gab den Gegnern der Straßenbahn Unrecht. Die Straßenbahn wird von nun an Gegenstand eines breiteren Konsenses in der Kommunalpolitik sein.[8]

Der erste moderne Straßenbahnwagen, bestellt im April 1982, wurde am 2. April 1984 geliefert. Die Linie 1 wurde bei Schnee zwischen Commerce und Haluchère in Betrieb genommen, mit einem Erfolg, der durch die winterliche Blockade des Straßenverkehrs verstärkt wurde.[9] In Anbetracht der Widerstandes der damaligen Gemeindeverwaltung wäre dieser erste Teil der Linie nie eröffnet worden…

Ende 1984 wurde die Linie 1 von 42.000 Reisenden/Tag benutzt, womit sie in den Hauptverkehrszeiten ihre Kapazitätsgrenze erreicht.[6]

Im Jahre 1989 wird die Verlängerung der Linie 1 von Haluchère nach Beaujoire in Betrieb genommen. Es finden neue Kommunalwahlen finden statt, die zur Rückkehr der Linke an die Macht führen, jedoch nicht unter der Führung von Alain Chenard, sondern von Jean-Marc Ayrault. Seine Mannschaft wird den Impuls zur Einführung der Linie 2 der Straßenbahn von Nantes geben.[6]

Das heutige Netz

Die Straßenbahn bedient 83 Haltestellen[10] auf drei Linien. 43,5 km Gleise durchziehen den Großraum Nantes und die Bahnen befördern täglich 266.300 Fahrgäste, das sind 65,65 Millionen pro Jahr (2008)[11]. 60 % der Beförderungsleistung des öffentlichen Nahverkehrs werden von der Straßenbahn erbracht.[11]

Entwicklung

Geschichtlich

Am 7. Januar 1985 startet der Fahrgastbetrieb der ersten Linie der neuen Straßenbahn zwischen den Haltestellen Commerce und Haluchère. Die Züge werden im neuen Straßenbahnbetriebshof in Dalby abgestellt und gewartet. Aufgrund von Verzögerungen im Bauablauf wird der Abschnitt Commerce - Bellevue erst am 18. Februar desselben Jahres in Betrieb genommen. Am 22. April 1989, das sind vier Jahre nach der Rückkehr der Straßenbahn nach Nantes, wird die Linie von Haluchère nach Beaujoire verlängert.

Am 26. September 1992 wird eine zweite Linie eröffnet. Diese verbindet Trocardière in der Gemeinde Rezé mit dem Zentrum von Nantes, am nördlichen Ende des Cours des 50 Otages. Für die Züge der Linie 2 wurde an der Endstelle Trocardière ein eigener Betriebshof gebaut. Am 3. September 1993 wird die Linie 2 von 50 Otages nach Facultés verlängert und erreicht damit die Universität.

1994 wird die Linie 2 am 14. März um zwei weitere Haltestellen bis nach Recteur Schmitt verlängert und erreicht am 29. August die Gemeinde Orvault mit der Endstelle Orvault Grand Val neben dem gleichnamigen Einkaufszentrum.

Am 17. April 2000 wird ein neuer Linienweg für die Linie 1 in Betrieb genommen: die neue Trassenführung bedient die Haltestellen Jean Moulin, Lauriers und Romain Rolland anstelle der Haltestelle Jamet.

Am 28. August 2000 wird eine dritte Linie in Betrieb genommen. Sie führt von Plaisance nach Hôtel-Dieu und besitzt einen gemeinsamen Abschnitt mit der Linie 2 im Stadtzentrum. Am gleichen Tag wird die Linie 1 von Bellevue zur neuen Endstelle François Mitterrand verlängert.

Am 5. April 2004 wird die Linie 3 in nördlicher Richtung um 5 Haltestellen bis nach Sillon de Bretagne verlängert und erreicht damit die Gemeinde Saint-Herblain.

Am 29. August 2005 wird die Linie 2 um drei Stationen nach Süden zur neuen Endstelle Neustrie in der Gemeinde Bouguenais verlängert.

Am 27. August 2007 tauschen die Linien 2 und 3 ihre Endstellen südlich der Loire, damit fährt jetzt die Linie 3 nach Neustrie. Außerdem wird eine neue Endstation für die Linie 2 am Gare de Pont-Rousseau in Betrieb genommen, so dass der gemeinsame Abschnitt beider Linien jetzt sieben Haltestellen umfasst.[12]

Am 5. Januar 2009 wird die Linie 3 noch einmal um 600 m in nördlicher Richtung bis nach Marcel Paul verlängert und erreicht damit den Bus-Betriebshof, der um einen Straßenbahnteil erweitert wurde und nun alle Züge der Linie 3 aufnimmt.

Die Phasen des Netzausbaus (Netzpläne)

Das Netz seit 2009 (schematisch)

Liniennetz 2009

Linien

Haltestelle Néruda (Linie 1, Incentro-Bahn) in 2008
Haltestelle Pirmil (Linien 2 und 3) in 2001.
Verknüpfungspunkt zu Buslinien und Park&Ride-Platz
Standardausrüstung einer Haltestelle 2001, hier in Plaisance (Linie 3)
Ein Bahnsteig der Haltestelle Poitou ist wie eine Pergola gestaltet worden. Dieses Bild wurde im Jahr 2001 kurz nach der Inbetriebnahme aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Pflanzen die Struktur noch nicht begrünt.
In engen Straßen teilen sich Straßenbahn und Autos die Fahrbahn.
Haltestelle Poitou (Linie 3, TFS-Bahn) 2001

Linie 1

Beaujoire ↔ François Mitterrand (Verstärkerfahrten zwischen: Hôpital Bellier ↔ Jamet)

  • Eröffnung: 1985
  • Streckenlänge: 17,6 km
  • Haltestellen: 33
  • Fahrgastzahl: 111.700 täglich (2009)[13],[14]
  • jährliche Fahrgastzahl: 28,75 Millionen.

Die Linie 1 der Straßenbahn Nantes hat die dritthöchste Fahrgastzahl aller französischen Straßenbahnlinien (nach der Linie 1 der Straßenbahn Montpellier und der Linie 1 der Straßenbahn Paris). Sie wurde am 7. Januar 1985 als erste Linie in Betrieb genommen. Sie verband damals den Stadtteil Bellevue (im Westen) mit dem Stadtteil Haluchère (im Osten) über das Stadtzentrum, wo sie insbesondere die zentrale Mediathek, den Place du Commerce und den Nordbahnhof erschließt.

Seit September 2007 sind die Verstärkerfahrten der Linie 1 (die zuvor die Verbindung Hôpital Bellier ↔ Gare Maritime bedienten) verlängert bis zur Haltestelle Jamet (wiedereröffnet nach ihrer Schließung 2000 - Die Trasse zwischen Croix Bonneau und Jamet wurde seit der Verlängerung der Linie 1 nach François Mitterrand nicht mehr im Linienverkehr bedient)[12]. Ungefähr jede zweite Bahn endet an dieser Haltestelle mit Fahrtrichtungswechsel und verdichtet so den Takt auf dem zentralen Abschnitt der Linie.

Linie 2

Gare de Pont Rousseau ↔ Orvault Grand Val (Verstärkerfahrten zwischen: École Centrale - Audencia ↔ Hôtel Dieu)

  • Eröffnung: 1994
  • Streckenlänge: 11,7 km
  • Haltestellen: 25
  • Fahrgastzahl: 84.500 täglich
  • jährliche Fahrgastzahl: 24,1 Millionen

Diese Linie wurde seit 1985 untersucht. In Anbetracht des Erfolgs der Linie 1 mit ihren 65.000 Fahrgästen täglich schlug die SEMITAN den Bau der zweiten Line 1989 vor, die insbesondere die Überbrückung der zwei Arme der Loire umfasste, um die Staus auf den Brücken der Stadt zu begrenzen. Außerdem hatten sich die Busse trotz ihrer Busspuren als ungenügend erwiesen, um den Verkehr zu bewältigen. Der Vorentwurf wurde 1990 genehmigt und die Arbeiten dauerten zwei Jahre.

Die Linie 2 wurde in mehreren Phasen in Betrieb genommen. Die erste, eröffnet am 7. September 1992, verbindet auf 6 km Cinquante-Otages im Zentrum von Nantes mit Trocardière in der Gemeinde Rezé.[15]

Im Jahre 1994 verbindet sie Trocardière südlich der Loire mit den Fakultäten und bedient die Mediathek von Rezé (Espace Diderot) und die Ausstellungshalle Trocardière.

Verlängert nach Orvault, später nach Bouguenais, wurde ihr Linienverlauf im Jahre 2007 geändert. Die alte Strecke im Süden (zwischen Pirmil und Neustrie) wird seitdem stattdessen von der Linie 3 bedient.

Ungefähr jede zweite Bahn verkehrt zur Verstärkung der Linie nur auf der Teilstrecke zwischen den Haltestellen Ecole centrale-Audencia und Hôtel-Dieu, insbesondere während der Hauptverkehrszeit. Dies ermöglicht eine größere Kapazität zwischen den Universitätsfakultäten und dem Stadtzentrum.

Linie 3

Neustrie ↔ Marcel Paul

  • Eröffnung: 2000
  • Streckenlänge: 14,1 km
  • Haltestellen: 32
  • Fahrgastzahl: 71.200 täglich
  • jährliche Fahrgastzahl: 11,8 Millionen

Sie wurde am 28. August 2000 zwischen Hôtel-Dieu und Plaisance in Betrieb genommen. Im Jahre 2004 wurde sie bis zum Hochhaus Sillon de Bretagne in Saint-Herblain verlängert, um die östlichen Viertel dieser Stadt verkehrlich zu erschließen.

Im Jahre 2007 wurde sie im Süden von Hôtel-Dieu nach Neustrie verlängert, indem sie den südlichen Ast der Linie 2 übernahm.

Am 5. Januar 2009 wurden 600 Meter Gleis nördlich des Sillon de Bretagne in Betrieb genommen, um den Betriebshof der Semitan zu erreichen, der sich am Boulevard Marcel Paul in Saint-Herblain befindet. Eine neue Endhaltestelle und ein Park and Ride-Platz wurden gebaut. Der Betriebshof ist umgebaut worden, um alle Adtranz Incentro-Wagen dieser Linie aufzunehmen.

Technische Daten

Das Straßenbahnnetz von Nantes ist normalspurig und mit 750 V Gleichspannung elektrifiziert.

Es besitzt drei Betriebshöfe:

  • Dalby befindet sich an der Rue Bellier (neben dem Geschäftssitz der SEMITAN) und beheimatet die Straßenbahnwagen für die Linie 1 sowie Busse. Der Betriebshof Dalby, der in der Nähe der Haltestelle Hôpital Bellier und teilweise auf dem Gelände des ehemaligen Lokomotivherstellers Brissonneau et Lotz angesiedelt ist, umfasst auch die zentrale Leitstelle des Netzes, die in Echtzeit den Betrieb der Busse und Straßenbahnen überwacht.
  • Trocardière befindet sich an der rue de la Trocardière in Rezé und ist ein reiner Straßenbahnbetriebshof, der die Triebwagen der Linie 2 beheimatet.
  • Saint-Herblain, Avenue des Lions, ist der Linie 3 der Straßenbahn gewidmet und gewährleistet auch das Abstellen und die Wartung von Bussen.[16][17]

Betrieb

Fahrzeuge

Die Semitan bedient das Netz mit zwei Fahrzeugtypen. Die Triebwagen sind auf drei Betriebshöfe verteilt und bilden einen Fahrzeugpark von 79 Straßenbahnen.

Acht weitere Bahnen werden 2012 hinzukommen. Außerdem ist eine historische Bahn aus dem Jahr 1913 als Museumsfahrzeug erhalten geblieben.

Alstom Tramway français standard
Triebwagen Tramway français standard am Espace Diderot.

Die Bahnen vom Typ Tramway français standard waren die ersten Straßenbahnen, die die Semitan für die Linie 1 bestellte. Sie verkehren auf den Linien 1 und 2.

Bei ihrer Inbetriebnahme bestanden sie aus 2 hochflurigen Wagenkästen. Seit 1992 wurde zwischen die beiden Wagenkästen ein dritter Niederflurkasten eingefügt, um die Kapazität der Bahnen zu erhöhen und um Barrierefreiheit zu erreichen.

Seit 2005 tragen die Bahnen die neue Lackierung der TAN.

Ihre Erneuerung wurde im Jahr 2010 in Auftrag gegegen, gleichzeitig die Instandhaltung der Strecken und der Kauf von acht neuen Bahnen vom Typ CAF. Die Gesamtmaßnahme umfasst ein Budget von 150 Millionen Euro.[13]

Technische Daten
  • Anzahl: 46
  • Länge: 39,15 m
  • Breite: 2,30 m
  • Höhe: 3,25 m
  • Masse: 51,96 t
  • Kapazität: 353 Plätze (68 Sitzplätze, 285 Stehplätze)
  • Wagenkästen: 2 hochflurige (62 cm Fußbodenhöhe, was einen Einstieg über drei Stufen erfordert, davon eine beweglich). Zwischen die beiden Wagenkästen wurde ein dritter Niederflurkasten eingefügt, um die Kapazität der Bahnen zu erhöhen, die nur 168 Plätze betrug. Bei dieser Gelegenheit wurde durch die Installation der Scharfenbergkupplung die Möglichkeit geschaffen, zwei Triebwagen zusammenzukuppeln.[15]
  • Drehgestelle: 4 (2 Triebdrehgestelle und 2 Laufdrehgestelle)
  • Türen: 2 x 6 Doppelschiebetüren + 2 x 2 Einfachschiebetüren.
Adtranz Incentro
Triebwagen Adtranz Incentro an der Haltestelle Moutonnerie.

Die Bahnen vom Typ Adtranz Incentro stammen vom deutschen Hersteller Adtranz (inzwischen übernommen durch den kanadischen Hersteller Bombardier). Sie verkehren auf den Linien 1 und 3 und ähneln den 15 Straßenbahnen von Nottingham.

Technische Daten
  • Anzahl: 33
  • Länge: 36,42 m
  • Breite: 2,40 m
  • Höhe: 3,28 m
  • Masse: 38,7 t
  • Kapazität: 322 Plätze (72 Sitzplätze, 250 Stehplätze)
  • Wagenkästen: 5 niederflurige Module (35 cm Fußbodenhöhe, abgesenkt auf 28,5 cm vor den Türen, womit sie vollständig barrierefrei sind)
  • Drehgestelle: 3 (2 Triebdrehgestelle und 1 Laufdrehgestell)
  • Bremsen: elektrische Rekuperationsbremse für die angetriebenen Räder, mechanische Scheibenbremse mit elektro-hydraulischer Steuerung für alle Räder und Magnetschienenbremse für Notbremsungen
  • Türen: 6 Doppelschiebetüren je Seite mit 1,30 m Türbreite[15]
Straßenbahnwagen CAF
Modell eines Triebwagens CAF für Nantes

Um den Ausbau des Netzes und eine Taktverdichtung auf den verschiedenen Linien zu flankieren, hat der Aufgabenträger Nantes Metropole im Jahre 2010 acht neue Straßenbahnwagen ausgeschrieben. Im Oktober 2010 wurde der spanische Hersteller Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CIF) ausgewählt.[18][19]

Diese acht Wagen, die 22 Millionen Euro kosten, sind für die Linie 1 bestimmt und werden ihre geplante Verlängerung nach Ranzay im Jahre 2012 begleiten, erste Etappe zur Verbindung der Linien 1 und 2 der Straßenbahn, um dazu beizutragen, eine Taktfrequenz von 3 Minuten zur Hauptverkehrszeit auf dem zentralen Abschnitt der Linie zu garantieren. Diese Wagen wurden aufgrund ihres relativ günstigen Kaufpreises gewählt. Sie sollen im Laufe des zweiten Halbjahres 2012 geliefert werden und können durch vier zusätzliche Bahnen ergänzt werden, die Gegenstand einer Option im Umfang von ungefähr 10 Millionen Euro sind.[13] Diese Wagen ähneln den vorher erworbenen Incentros bezüglich ihrer technischen und gestalterischen Merkmale.[20]

Technische Daten
  • Anzahl der bestellten Bahnen: 8
  • Länge: 37 m
  • Kapazität: 249 Plätze
  • Barrierefreiheit: 100% Niederflur[13]
Triebwagen 144

Der Triebwagen Jeumont Nr. 144 ist ein Museumsstück der Straßenbahn Nantes. Dieser Triebwagen, der aus der Zeit des ersten Straßenbahnnetzes (1913) stammt, verkehrt noch bei Veranstaltungen oder einmaligen Ereignissen wie Museumstagen, Mobilitätswochen oder an speziellen Terminen.

Planungen

Verbindung der Linien 1 und 2

Künftiges Liniennetz, nach Realisierung der Verbindung

Mit dem Endziel, einen Straßenbahn-Ring zu schaffen, plant der Aufgabenträger des Stadtverkehrs Nantes Metropole, die Linien 1 und 2 im Norden zu verbinden. In der Tat setzen sich das Straßenbahnnetz von Nantes sowie der Großteil des Busnetzes aus Radiallinien zusammen, das heißt ausgehend von der Stadtmitte in Richtung Vororte. Diese Form zwingt die Fahrgäste, die von einer Straßenbahnlinie in eine andere umsteigen wollen, über das Stadtzentrum zu fahren (es sei denn, sei benutzen den Bus). Die Haltestelle Commerce ist der Umsteigepunkt aller drei Straßenbahnlinien und zahlreicher Buslinien.

Dank der neuen Verbindung wird man so im Norden von der Linie 2 zur Linie 1 durchfahren können, was Fahrtbeziehungen in diesem Bereich vereinfachen würde, insbesondere die Verbindung zwischen den Universitätsfakultäten und dem Bahnhof von Nantes.

Der neue Abschnitt mit einer Länge von 2,75 km sieht die Schaffung von drei neuen Haltestellen vor, darunter Babinière-Süd, wo eine direkte Verbindung zum zukünftigen Tram-Train Nantes - Châteaubriant bestehen wird. Dieser Abschnitt wird von den Linien 1 und 2 genutzt werden. Auf der Linie 1 wird jede zweite Fahrt auf der anderen Seite des Flusses Erdre an der Haltestelle Facultés enden, während auf der Linie 2 jede zweite Fahrt am Umsteigepunkt Haluchère am rechten Ufer enden wird. Diese Haltestelle soll mit Inbetriebnahme des Tram-Trains etwas verschoben werden, um einen zweckmäßigen Umsteigepunkt zu schaffen.

Die Planungen waren gut vorangeschritten, mussten aber im Jahre 2008 wegen der wirtschaftlichen Lage und neuer politischer Prioritäten im Bereich des Verkehrs gestoppt werden.[21]

In der Tat beabsichtigte der Stadt-Umland-Verband im Jahr 2008, einen neuen Stadtverkehrsplan (fr: Plan de déplacements urbains) aufzustellen, der zunächst die Optimierung des Busnetzes bevorzugte, um andere Linien erneut zu beurteilen und daraus Korridore zu bilden. Auch wenn die Verbindung der Linien 1 und 2 nicht zu diesem Stadtverkehrsplan gehören werde, hat der Präsident von Nantes Metropole und Bürgermeister von Nantes Jean-Marc Ayrault trotzdem den Wunsch geäußert, die Linie 1 nach Ranzay zu verlängern (um eine Haltestelle), um so einen ersten Schritt zu dieser Verbindung zu garantieren.

Am 23. Oktober 2009 verabschiedete[22] der Rat des Stadt-Umland-Verbandes die Verwirklichung dieses ersten Bauabschnitts, dessen Inbetriebnahme für Ende 2012 geplant ist.[23] Die Kosten wurden auf 49.500.000 € (Arbeiten, Planung und Vergütung des Auftragnehmers, Risiken…) im Wert Juli 2009 veranschlagt, darunter 20.500.000 € für den Bau des Verknüpfungspunkts Haluchère sowie vier Millionen für den Grunderwerb, das heißt ein Gesamtbudget von 55.280.000 € wovon 53,5 Millionen auf die Legislaturperiode 2008-2014 entfallen.[22]

Der Bau des ersten Abschnitts hat tatsächlich im Januar 2011 begonnen und müsste Ende 2012 vollendet werden. Die Arbeiten umfassen im Augenblick den Verknüpfungspunkt Haluchère, die Verlängerung der Linie 1 mit dem Bau einer neuen Station in Ranzay und die Erweiterung der Jonelière-Brücke, die ebenfalls dem Tram-Train Nantes - Châteaubriant dienen wird.[24]

Andere Projekte

Nördliche Verlängerung der Linie 1 bis nach Saint-Joseph-de-Porterie.

Die Idee zu dieser Verlängerung gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten und sie hatte die Gemeinden von Carquefou und Nantes (Viertel von Saint-Joseph-de-Porterie) dazu veranlasst, bei der Errichtung ihrer neuen Viertel eine Trasse für die Straßenbahn zu reservieren. Aus der Vogelperspektive kann man die mögliche Trasse dieser Verlängerung deutlich erkennen, da sich sich von Halvêque im Norden von Saint-Joseph-de-Porterie durch breite Straßen erstreckt, wo der derzeitige Rasen den künftigen Gleise Platz ließe. Die Baukosten wären also deutlich vermindert, da das Gelände in gewisser Weise schon vorbereitet und freigehalten ist.

Bau einer Linie 5.

Zuerst in Betracht gezogen als eine Straßenbahn, dann als Busspur, wurde das Projekt im Mai 2011 erneut als klassische Straßenbahnlinie vorgelegt. Diese neue Linie würde die Loire-Insel von Nantes aus Richtung Osten erreichen, dabei die Loire auf Pont Éric Tabarly überqueren, mit einer ersten Endstation in der Nähe des heutigen MIN (Großmarkt, um 2020 ersetzt durch das CHU Universitätsklinikum). Diese Linie würde an der Haltestelle Mangin eine Verküpfung mit den Linien 2 und 3 besitzen.

Diese Linie würde jedoch nicht vor 2020 in Betrieb genommen.[25]

Die Straßenbahn als Mittel der Stadtentwicklung

Im Laufe der Entwicklung des neuen Straßenbahnnetzes ist dieses Verkehrsmittel ein wesentlicher Faktor der Stadtentwicklung Nantes' geworden.

Die Straßenbahn erlaubt es, den öffentlichen Raum zu revitalisieren, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Fußgänger auf Kosten des Autoverkehrs zu bevorzugen, zum Beispiel auf dem Cours des 50 otages.

Die Straßenbahn wird auch genutzt, um die Schaffung neuer Viertel zu strukturieren, wie im Rahmen der Verlängerung der Linie 3 in Richtung Sillon de Bretagne oder der Linie 1 nach Atlantis (Schaffung des Wohnviertels Solvardière) und auf klassischere Art, um städtische Verdichtungskorridore zu schaffen, wie entlang der Linie 3.

Schließlich wird die Straßenbahn als ein Werkzeug der Stadtpolitik genutzt, um die Verkehrsverbindungen in Problemviertel zu verbessern. In diesem Zusammenhang bedient die Straßenbahn Sillon de Bretagne, Bellevue, Plaisance, Chateau-Rezé und Bottière. Das ist bei Bellevue besonders deutlich: die Strecke der Straßenbahn ist umgeleitet worden (die Streckenführung bildet jetzt ein "U"), um das Viertel vollständig zu durchqueren.

Literatur

  • Christoph Groneck: Französische Planungsleitbilder für Straßenbahnsysteme im Vergleich zu Deutschland. Dissertation, Universität Wuppertal 2007 (PDF:).
  • Harald A. Jahn: Die Zukunft der Städte. Phoibos Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85161-039-0.
  • André Vigarié: "Le tramway de Nantes: un exemple d'utilisation des transports en commun pour contrôler et orienter l'urbanisation", in: Revue de géographie de Lyon, Bd. 58, Nr. 1, 1983, S. 41-50, ISSN 0035-113x online:
  • Pierre-Yves Lange: "Tramway: la voie du retour", in: Nantes Passion, Nr. 205, Juni 2010, S. 54-55 ISSN 1164-4125 PDF:

Weblinks

 Commons: Trams in Nantes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Geschichte der neuen Straßenbahn von Nantes auf der Seite des Musée des transports urbains, interurbains et ruraux, in französischer Sprache
  2. Zeitschrift Villes et Transports, Nr. 417, 12. Dezember 2007
  3. Geschichte der Straßenbahn von Nantes auf der Seite des Musée des transports urbains, interurbains et ruraux, in französischer Sprache
  4. a b c André Vigarié, zitiert in der Bibliographie, Seiten 45-46
  5. a b Alain Chenard, zitiert nach P.-Y. Lange zitiert in der Bibliographie
  6. a b c d e P.-Y. Lange art. cit. en bibliographie
  7. Jean Tricoire: Le tramway en France, Seite 103
  8. a b Jean Tricoire: Le tramway en France, Seite 104
  9. Jean Tricoire: Le tramway en France, Seite 106
  10. Offizieller Liniennetzplan der SEMITAN
  11. a b Pressemitteilung der SEMITAN vom 3. Februar 2009.
  12. a b Jean Tricoire, Le tramway en France, La Vie du Rail, 2007, Seite 111
  13. a b c d Hubert Heulot: Nantes achète des rames CAF, in: Ville, Rail & transports, Nr. 505, 20. Oktober 2010, Seite 12, ISSN 2104-0028
  14. ville-rail-transports.com - Nantes kauft Straßenbahnzüge beim spanischen Hersteller CAF, in französischer Sprache
  15. a b c Jean Tricoire: Le tramway en France, La Vie du Rail, 2007, Seite 110
  16. Des dépôts sur toute l'agglomération
  17. Jean Tricoire, Le tramway en France, Seite 109
  18. Nantes bestellt spanische Straßenbahnen (fr.)
  19. Ville et Transports vom 4.10.2010 "Nantes achète des rames de tramway CAF"
  20. Nantes métropole commande de nouvelles rames de tram à la société espagnole CAF
  21. Lignes 1 et 2 du tramway: la connexion reportée à plus tard
  22. a b Délibération du conseil communautaire de Nantes Métropole approuvant le programme et l'enveloppe financière prévisionnelle de la première phase du projet de connexion entre les lignes 1 et 2 de tramway
  23. Artikel in: 20 Minutes vom 26.10.2009
  24. TAN - Connexion des lignes 1 et 2 du tramway
  25. Nantes ma Ville vom 17.05.2011

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