Informationswissenschaft

Informationswissenschaft

Die Informationswissenschaft untersucht Information und Wissen. Für das Verständnis der Informationswissenschaft relevant ist die Bedeutung von Information als ein dynamischer Prozess (aktiv: informieren; passiv: informiert werden) und von Wissen als etwas Statischem, das in Dokumenten, als persönliches Wissen in den Köpfen von Menschen oder anderswo fixiert ist.

Informationswissenschaft untersucht das Auswerten/Selektieren, Erschließen, Bereitstellen/Wiederverwerten, Suchen, Vermitteln und Finden von relevantem (vorwiegend digital vorliegendem) Wissen, durch Informations- und Kommunikationsprozesse.“[1] Als relevant werden die Informationen bezeichnet, bei der die Suchanfrage (Query) durch den betreffenden Treffer objektiv befriedigt wird. Ob der Treffer jedoch für den Suchenden von Nutzen, also „pertinent“, ist, spielt beim Relevanzmaß keine Rolle.

Der 2006 verstorbene Berliner Informationswissenschaftler Gernot Wersig beschreibt Informationswissenschaft unter Betonung des interdisziplinären Ansatzes als Triade von Wissen, Mensch und Informationstechnik: Informationswissenschaft ist demnach „[…] die Wissenschaft von der Wissensnutzung unter den Bedingungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf allen Ebenen – individuell, organisatorisch, kulturell, gesellschaftlich“ (Fokus Mensch, 1993).

Der Informationswissenschaft kommt durch ihre relativ „neutrale“ Betrachtungsweise des Wissenstransfers eine Brückenfunktion zu. Informationswissenschaft ist sowohl systematisch und thematisch als auch methodisch eng verbunden mit der Publizistik-, Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Kognitionspsychologie, der Computerlinguistik, der Informatik (Wissenschaft der Verarbeitung von Information) und entsprechenden spezielleren Ausprägungen der Wirtschafts- oder der Rechtsinformatik. Aus informationswissenschaftlicher Sicht steht stets der Nutzer im Mittelpunkt bei der Betrachtung der Schnittstelle von Mensch und System.

Inhaltsverzeichnis

Auswertung

Informationsverdichtung (Abstract/Kurzbeschreibung)
Informationsfilter (Sieb)
Bereitstellen
Bearbeitung der Dokumente, so dass der Informationsinhalt (Content) optimal strukturiert, leicht auffindbar und gut lesbar im Dokumentenspeicher (verwaltet) abgelegt ist.
Dies geschieht durch thematische Informationsfilter wie die Inhaltserschließung (Indexing), die mit verschiedenen Dokumentationssmethoden wie Schlagwortmethode, Thesauri und Klassifikationen zur Einspeisung der Dokumente in die Dokumentspeicher arbeitet. Zu den textsprachlichen Methoden gehören die Titelindexierung, Textwortmethode und Zitationsindexierung und die Erfassung als Volltext (ASCII).
Suchen
Beobachtung der User beim Abarbeiten Ihrer Informationsbedürfnisse („Nutzerforschung“)
Finden − Recherche
  • Information Retrieval/Informationswiedergewinnung. Klassische Retrievalansätze sind das Vektorraummodell sowie das probabilistische Modell. Im Web-Information-Retrieval kommen linktopologische Modelle (wie PageRank oder der Kleinberg-Algorithmus) hinzu.
  • Boolesche Systeme oder natürlichsprachige Systeme
  • klassische Datenbanken (wie Dialog, Questel-Orbit, GBI-Genios oder LexisNexis) und Suchmaschinen (wie Google oder Yahoo)
  • Informationswissenschaft ist als theoretische, empirische und angewandte Wissenschaft sowie ihre praktischen Methoden Grundlagendisziplin von Internetwirtschaft und innerbetrieblicher Informationswissenschaft und damit das Fundament der Informationsgesellschaft.

Teilbereiche und Forschungsschwerpunkte

Die Informationswissenschaft ist sehr breit aufgestellt und besitzt je nach Lehrmeinung unterschiedliche Schwerpunkte und Ausrichtungen. Dies erklärt auch die unterschiedliche Verortung in den Wissenschaften an den verschiedenen Hochschulen. So findet man die Informationswissenschaft an manchen Universitäten in der Philosophischen Fakultät bei den Sprach- und Literaturwissenschaften, (bspw. an der Universität Regensburg), bei der Linguistik/angewandter Sprachwissenschaft (bspw. an der Universität Hildesheim), an anderen Hochschulen im Fachbereich der Informatik (bspw. an der Universität Konstanz) oder im Bereich der Bibliothekswissenschaft (bspw. an der HdM Stuttgart). An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist die Informationswissenschaft stark mit der Informatik und mit der Computerlinguistik verbunden. Entsprechend breit ist auch das Beschäftigungsfeld eines Informationswissenschaftlers. Anstellungen in traditionellen Einrichtungen wie Bibliotheken, Archiven oder Dokumentationsstellen sind ebenso üblich, wie der Werdegang in einem Industrieunternehmen bspw. mit dem Schwerpunkt der Dialoggestaltung von Anwendersystemen, in Unternehmensberatungen in der Informationsvermittlung oder im Wissensmanagement.

Teilgebiete der Informationswissenschaft sind unter anderem:

  • Information und Dokumentation, IuD,
  • Museumsforschung (Museologie)

Dokumentationswissenschaft, Archivwissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Informationsmanagement und Medienwirtschaft sind Teilbereiche der Informationswissenschaft.[2]

Benachbarte Disziplinen sind:

Die praktische Anwendung von informationswissenschaftlichen Techniken wird nicht nur im BID-Bereich (Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationswissenschaft) umgesetzt, sondern auch in den Massenmedien, den Bereichen Consulting und Beratung, im Finanzwesen sowie auch im Kulturgüterbereich bspw. in Museen umgesetzt.

Studium und Lehre

Informationswissenschaft wird an einigen deutschsprachigen Universitäten und Fachhochschulen als eigenständiges Fach gelehrt; die jeweilige Ausprägung des Lehrinhalts unterscheidet sich jedoch je nach Hochschule. Ähnliche Inhalte finden sich teilweise auch in angrenzenden Studiengängen wie beispielsweise der Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationswissenschaft sowie der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Stock, Wolfgang G.(2007):Information Retrieval. Informationen suchen und finden. München: Oldenbourg.
  2. Studieninhalte

Weblinks

Studiengang an Hoch-/Fachhochschulen


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