Kampfhubschrauber

Kampfhubschrauber

Kampfhubschrauber sind Militärhubschrauber, welche auf die Bekämpfung von weichen und harten Bodenzielen spezialisiert sind. Die typische Bewaffnung eines Kampfhubschraubers umfasst eine Maschinenkanone, Maschinengewehre sowie gelenkte und ungelenkte Luft-Boden-Raketen wie die AGM-114 Hellfire. Viele Kampfhubschrauber sind zudem in der Lage, Luft-Luft-Raketen zur Selbstverteidigung mitzuführen. Die zwei vorrangigen Aufgaben von Kampfhubschraubern sind die Luftnahunterstützung und die Panzerabwehr. Zudem unterstützen und ergänzen sie leichtere Hubschrauber bei der militärischen Aufklärung. Aufgrund ihrer vorwiegend bodengebundenen Aufgaben sind Kampfhubschrauber zumeist dem Heer und nicht den Luftstreitkräften zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen der OSZE

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „Kampfhubschrauber“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt:[1]

  • „Kampfhubschrauber“ bezeichnet ein Drehflügelluftfahrzeug, das zur Bekämpfung von Zielen bewaffnet und ausgerüstet ist oder das zur Wahrnehmung anderer militärischer Aufgaben ausgerüstet ist. Der Begriff „Kampfhubschrauber“ schließt Angriffshubschrauber und Kampfunterstützungshubschrauber ein. Der Begriff „Kampfhubschrauber“ schließt unbewaffnete Transporthubschrauber nicht ein.
  • Der Begriff „Angriffshubschrauber“ bezeichnet einen Kampfhubschrauber, der für den Einsatz von panzerbrechenden Lenkwaffen, Luft-Boden-Lenkwaffen oder Luft-Luft-Lenkwaffen sowie mit einem integrierten Feuerleit- und Zielsystem für diese Waffen ausgerüstet ist. Der Begriff „Angriffshubschrauber“ schließt Spezial-Angriffshubschrauber und Mehrzweck-Angriffshubschrauber ein.
    • Der Begriff „Spezial-Angriffshubschrauber“ bezeichnet einen Angriffshubschrauber, der in erster Linie für den Einsatz von Lenkwaffen konzipiert ist.
    • Der Begriff „Mehrzweck-Angriffshubschrauber“ bezeichnet einen Angriffshubschrauber, der für die Wahrnehmung mehrerer militärischer Aufgaben konzipiert und für den Einsatz von Lenkwaffen ausgerüstet ist.
  • Der Begriff „Kampfunterstützungshubschrauber“ bezeichnet einen Kampfhubschrauber, der nicht die Kriterien für Angriffshubschrauber erfüllt, aber der mit einer Reihe von Selbstverteidigungs- und Streuwaffen, wie z. B. Bordmaschinengewehren, Bordkanonen und ungelenkten Raketen, Bomben oder Streubomben, ausgerüstet sein kann oder der für die Wahrnehmung anderer militärischer Aufgaben ausgerüstet sein kann.

Geschichte

Prototyp des AH-56 Cheyenne

Mitte der 1960er Jahre erkannte die United States Army, das ein speziell entwickelter Hubschrauber mit höheren Fluggeschwindigkeit und Feuerkraft erforderlich sei, um die zunehmende Bedrohung durch bodengestützte Flugabwehr mittels schwerer Maschinengewehre und reaktiver Panzerbüchsen von Vietcong und der Vietnamesischen Volksarmee zu erwidern. Auf dieser Grundlage und vor dem Hintergrund des zunehmenden US-amerikanischen militärischen Engagements in Südostasien, entwickelte die US Army die Anforderungen für einen geeigneten Kampfhubschrauber, dem Advanced Aerial Fire Support System (AAFSS). Aus der Ausschreibung ging 1965 der Lockheed AH-56 Cheyenne als Sieger hervor.

Vietnamkrieg

Prototyp des AH-1, dem ersten Kampfhubschrauber der Welt

Als die US Army mit der Akquise eines expliziten Kampfhubschraubers begann, erwog man auch Möglichkeiten, bereits bestehende Hubschrauber (wie den Transporthubschrauber Bell UH-1B/C) durch Kampfwertsteigerung übergangsweise zu nutzen. 1965 wurde ein Gremium hochrangiger Offiziere ausgewählt und beauftragt, verschiedene Prototypen bewaffneter und Kampfhubschrauber dahingehend zu untersuchen, welche den größten Gefechtsmehrwert im Vergleich zur UH-1B haben. Die drei besten Hubschrauber waren die Sikorsky S-61, die Kaman H-2 Tomahawk und die Bell AH-1 Huey Cobra, welche ausgewählt wurden, um gegeneinander in Flugversuchen anzutreten. Nach Beendigung der Flugversuche empfahl das Army Aviation Test Activity, die Huey Cobra bis zur Indienststellung der Lockheed AH-56 Cheyenne als bewaffneter Kampfhubschrauber übergangsweise zu nutzen. Am 13. April 1966 unterzeichnete die US Army einen Kaufvertrag über 110 Bell AH-1G Cobras. Im Vergleich zur UH-1 hat die Cobra ein Tandemcockpit, welches die Silhouette bei Frontalangriffen verringert, eine verstärkte Panzerung und eine höhere Fluggeschwindigkeit.

1967 wurde die ersten AH-1G in Vietnam aufgestellt, ungefähr zu der Zeit, als die Cheyenne erfolgreich ihren Erstflug und erste Flugerprobungen absolvierte. Und während das Entwicklungsprogramm der Cheyenne über die Jahre wiederholt Rückschläge erlitt, etablierten sich die Cobras als eine effektive luftgestützte Waffenplattform, trotz ihrer im Vergleich zur AH-56 vorhandenen Defizite. 1972 wurde schlussendlich der Cheyenne zugunsten des überarbeiteten Entwicklungsprogramms Advanced Attack Helicopter eingestellt.

Nach dem Vietnamkrieg wurden raketenbestückte Kampfhubschrauber primär für die Panzerbekämpfung weiterentwickelt. Mit der Fähigkeit zur raschen Bewegung auf dem Schlachtfeld und schnell ausgeführten Angriffen stellten die Hubschrauber eine entscheidende Bedrohung selbst bei gut organisierter Flugabwehr dar. Sowohl bei den Streitkräften der NATO als auch des Warschauer Pakts wurden Kampfhubschrauber zunehmend für die Panzerbekämpfung optimiert. Das United States Marine Corps (USMC) und United States Air Force (USAF) sahen die Rolle weiterhin in der Luftnahunterstützung von Bodentruppen, auch wenn die Marines sich für diese Rolle für die AH-1 Cobra und Super Cobra entschieden. Im Gegensatz zu den westlichen Kampfhubschrauber mit nur zwei Mann Besatzung behielten die sowjetischen ihre Möglichkeit zum Truppentransport bei.

Während Kampfflugzeuge effektive Panzerbekämpfer in den Konflikten des Mittleren Ostens waren, werden Kampfhubschrauber mehr in einer Mehrzweckrolle gesehen. Taktiken wie das im Irakkrieg angewandte Tank plinking bewiesen, das auch Kampfflugzeuge effektiv zur Panzerbekämpfung eingesetzt werden können, doch Hubschrauber bleiben einzigartig in ihrer Fähigkeit, bei niedriger Geschwindigkeit und geringer Flughöhe Luftnahunterstützung zu geben. Andere Drehtragflügler wie der leichte Mehrzweck-Hubschrauber Hughes MH-6 wurden speziell für den Transport und die Unterstützung von luftlandefähigen Sondereinsatzkommandos weiterentwickelt.

Moderne Kampfhubschrauber

Während der späten 1970er erkannte die United States Army den Bedarf nach allwettertauglichen Kampfhubschrauber und startete das Programm Advanced Attack Helicopter. Aus diesem Programm ging der schwer bewaffnete Kampfhubschrauber Hughes YAH-64 als Sieger hervor. Die sowjetischen Streitkräfte sahen ebenfalls den Bedarf nach einem weiterentwickelten Hubschrauber. Mehrere Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24 wurden in den 1980er Jahre während des Sowjetisch-Afghanischen Krieges eingesetzt. Das Militär forderten die Konstruktionsbüros Kamow und Michail Leontjewitsch Mil auf, entsprechende Entwürfe vorzulegen. Offiziell gewann die Kamow Ka-50, doch Mil entschied sich, die Entwicklung an ihrer Mil Mi-28 fortzuführen.

In den 1990er konnten Kampfhubschrauber erstmalig ihre Effektivität zeigen. AH-64 Apache wurden umfangreich und mit großem Erfolg während der Operation Desert Storm eingesetzt. Apache gaben die ersten Schüsse des Krieges ab, zerstörten mit ihren zielgelenkten Luft-Boden-Raketen vom Typ AGM-114 Hellfire feindliche Radaranlagen und Abschussvorrichtungen für Boden-Luft-Raketen. Im späteren Verlauf des Krieges wurden sie erfolgreich in ihren beiden vorrangigen Operationsrollen eingesetzt, dem direkten Angriff feindlicher Verbände sowie der Luftnahunterstützung eigener Bodentruppen.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kampfhubschrauber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. http://www.osce.org/documents/doclib/1990/11/13752_de.pdf

Literatur

  • Kampfhubschrauber. Dörfler, Juni 2002, ISBN 3895550612
  • R. A. Duke: Helicopter Operations in Algeria. Department of the Army, 1959
  • Operations Research Group: Report of the Operations Research Mission on H-21 Helicopter. 1957
  • Pierre Leuliette: St. Michael and the Dragon: Memoirs of a Paratrooper. New York, Houghton Mifflin, 1964
  • David Riley: French Helicopter Operations in Algeria. Marine Corps Gazette, February 1958, Seiten 21-26
  • Charles R. Shrader: The First Helicopter War: Logistics and Mobility in Algeria, 1954-1962. Westport, CT: Praeger Publishers, 1999, ISBN 0-27596388-8
  • Jay P. Spenser: Whirlybirds: A History of the U.S. Helicopter Pioneers. Seattle, WA: University of Washington Press, 1998

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