Mindener Straßenbahn

Mindener Straßenbahn

Die Mindener Straßenbahn GmbH war ein Nahverkehrsunternehmen in der ostwestfälischen Stadt Minden in Nordrhein-Westfalen. Eine erste Mindener Dampf-Straßenbahngesellschaft entstand bereits 1893. Im März 1914 gründeten die Gesellschafter Stadt Minden, Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg GmbH (EMR) und die Provinz Westfalen die Straßenbahn Minden GmbH. Ab 1928 war die EMR alleiniger Gesellschafter, später entstand daraus die „EMR Kraftverkehrsabteilung“. Die erste Dampfstraßenbahn (Kleinbahn) wurde am 7. September 1893 eröffnet, ein elektrischer Betrieb konnte jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg am 8. Dezember 1920 aufgenommen werden. Zwischen 1956 und 1959 wurden alle Straßenbahnlinien in Minden stillgelegt. Die Überlegung, Straßenbahnen durch Oberleitungsbuslinien zu ersetzen, führte zum Bau einer O-Bus-Linie (in Betrieb vom 19. Dezember 1953 bis 20. Juli 1965), die aber keine der Straßenbahnlinien ersetzte.

Die Spurweite der Straßenbahn betrug 1000 mm (Meterspur), die elektrische Straßenbahn wurde mit 600 Volt betrieben.

Inhaltsverzeichnis

Dampfstraßenbahn (Kleinbahn)

Ab dem Jahr 1892 sollten der Staatsbahnhof und die Innenstadt von Minden mittels einer Pferdebahn verbunden werden. Da die Aufsichtsbehörde dem Vorhaben der Stadt aufgrund der engen Straßen nicht zustimmte, wurde am 1. Dezember 1892 eine Pferdeomnibuslinie eröffnet. Als 1889 der Landtag der Provinz Westfalen beschloss, dem 1888 verstorbenen Wilhelm I. an der Porta Westfalica ein Denkmal zu errichten und dessen Bau 1892 begann, rief die Stadt Minden am 8. Juli 1892 eine Bürgerversammlung ein, um den schon seit einiger Zeit geplanten Bau einer Bahnverbindung zwischen Minden und Porta Westfalica umzusetzen. Am 8. Oktober 1882 wurde mit einem Kapital von 48 Aktionären und einer Summe von 150.000 Mark die Mindener Dampf-Straßenbahn Gesellschaft gegründet. Diese erhielt am 15. Mai 1893 die Konzession für den Bau und den Betrieb einer Kleinbahn und begann Ende Juli desselben Jahres mit dem Bau der Strecke.

Die Bahn wurde am 31. August 1893 bautechnisch abgenommen und am 7. September feierlich mit zwei Sonderzügen eröffnet. Sie führte von der damaligen Tonhalle über die Portastraße und Bad Minden zur Fährstraße in Porta. [1] Als sich der Anschluss der Staatsbahn in Minden mithilfe einer Pferdebahn Anfang des 20. Jahrhunderts wieder nicht umsetzen ließ wurde die Gesellschaft 1914 an die Stadt Minden verkauft. Daraufhin wurde die "Straßenbahn Minden GmbH" als Tochtergesellschaft des Elektrizitätswerks Minden-Ravensberg gegründet [2] und begann man mit der Planung von weiteren Linien ins Umland von Minden. Folgende Linien waren geplant:

Strecke Geplante Länge
Minden – EickhorstLübbecke 23 Kilometer
GehlenbeckFrotheimHille – Minden 30,5 Kilometer
Minden – Stemmer – Friedewalde - Uchte 17 Kilometer
NordhemmernLavelslohEssernRahden 25 Kilometer

Auch eine Verlängerung der bestehenden Kleinbahn nach Bad Oeynhausen wurde diskutiert. Allerdings kam die Verwaltung des Landkreises Minden der Umsetzung dieser Planungen mit dem Bau eigener Linien zuvor, die dann von den Mindener Kreisbahnen betrieben wurden: Minden–Uchte (1898), KutenhausenWegholm (1915), Minden–Lübbecke (1903–1907) und Minden–Kleinenbremen (1918–1921).

Straßenbahn

Hinweis auf die historische Haltestelle Kaak

Die für 1907 geplante elektrische Straßenbahn zwischen der Innenstadt von Minden und dem Staatsbahnhof wurde auf die Zeit nach dem Bau der neuen Weserbrücke zwischen 1911 und 1915 verschoben, da die alte Brücke von 1874 nicht tragfähig genug war. Im Zuge dieser Baumaßnahme wurden schon zwei Gleise für die Straßenbahn vorgesehen, aber noch nicht eingebaut. Der elektrische Betrieb wurde wegen des Ersten Weltkrieges erst im Dezember 1920 aufgenommen.

Am 26. März 1914 wurde die Straßenbahn Minden GmbH gegründet. Anteilseigner waren neben Stadt und Provinz (sowie zeitweise der Landkreis Minden) auch das Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg. Die neue GmbH erwarb die Mindener Dampf-Straßenbahn GmbH und begann mit der Elektrifizierung der Strecke. Zudem wurden neue Strecken in der Stadt trassiert. Zwischen dem 1. Februar und dem 17. März 1923 wurde die Bahn aufgrund der hohen Inflation eingestellt. Daraufhin pachtete der Bauunternehmer Weber aus Porta Westfalica die Bahn und führte den Betrieb auf eigene Rechnung weiter. Am 1. April 1924 wurde der Pachtvertrag gekündigt und die GmbH konnte die Fahrten wieder unter eigener Regie durchführen.

1926 gaben der Kreis, 1928 die Stadt und die Provinz Westfalen ihre Anteile an der Bahn an das Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (EMR Kraftverkehrsabteilung) ab, das daraufhin seit dem 6. Juni 1928 alleiniger Eigentümer war. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Verkehr zwischen dem 3. April 1945 und 1. Juni 1945 vollständig eingestellt.

Eröffnungsdatum Strecke Stilllegungsdatum
7. September 1893 Dampfstraßenbahn Minden–Porta, Kaiserhof (elektrisch 1920) 29. Dezember 1959
Fertigstellung 1917/19 Markt–Staatsbahnhof (Eröffnung elektrischer Betrieb 8. Dezember 1920) Mai 1957
21. November 1925 Solbad Minden (Portastraße)–Dützen Mai 1959
15. Oktober 1928 Poos–Nordfriedhof 29. Dezember 1959
15. Dezember 1929 Bahnhof–Notthorn 1. November 1956
13. Dezember 1930 Meißen-Notthorn–Meißen (Nutzung Strecke Mindener Kreisbahnen) 1. November 1956

Der Betriebshof befand sich an der Portastraße (Abriss 1977, heute Straßenverkehrsamt Minden).

Linien-Netzplan der Straßenbahn Minden GmbH

Nach dem Krieg betrieb die EMR GmbH Kraftverkehr vier Linien mit einer Länge von 16,2 km. Am Poos (Scharn, Ecke Bäckerstraße) gab es ein Gleisdreieck. Aus allen Richtungen fuhren Bahnen über die Bäckerstraße, so dass zu den Hauptbetriebszeiten ein 10-Minuten-Takt zum Bahnhof bestand. Da abseits der Strecken neue Siedlungen entstanden und der Individualverkehr die auf langen Abschnitten noch eingleisige Strecke stark beeinträchtigte, beschloss man die Straßenbahn einzustellen. Zwischen 1956 und 1959 wurden alle Linien der Mindener Straßenbahn stillgelegt. Die Gleisanlagen und Gebäude wurden abgerissen, als einzige Erinnerung blieb die Wartehalle (damals mit Verkaufsstand und Cafe) an der Endhaltestelle Porta, Kaiserhof erhalten. Die Fahrzeuge wurden verschrottet, nur ein einziger Beiwagen (Nr. 115) blieb erhalten und steht heute im Stadtmuseum Herford.

Oberleitungsbus

Als am 19. Dezember 1953 eine O-Bus-Strecke zwischen dem Markt in Minden und Holzhausen-Hitzepohl über Lerbeck und Hausberge fertiggestellt wurde, war noch eine Umstellung der Straßenbahnlinien auf einen Oberleitungsbusbetrieb geplant. Die Strecke ersetzte eine von der Mindener Straßenbahngesellschaft bereits seit 1928 betriebene Buslinie, die über Holzhausen weiter bis Vlotho führte. Sie wurde am 24. Mai 1954 und im Herbst 1954 zweimal ergänzt – über die Weserbrücke nach Barkhausen und durch eine Ortsbedienung in Lerbeck (Lerbecker Kirchweg – Zur Porta).

Am 20. Juli 1965 wurde das knapp 14 Kilometer lange O-Bus-Netz eingestellt, vier der fünf O-Busse vom Typ ÜHIIIs wurden anschließend nach Solingen verkauft. Der Obus hat keine einzige Straßenbahnstrecke je befahren. Aus der EMR GmbH Kraftverkehr wurde später die Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg GmbH (VMR).

Literatur

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.), Fred Kaspar, Peter Barthold (Bearb.): Stadt Minden, Teil V: Minden ausserhalb der Stadtmauern, Teilband 2. (= Bau und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50.) Klartext Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-635-9, S. 1713–1720.
  • Ingrid und Werner Schütte: Minden und seine Straßenbahn", Uhle und Kleimann Verlag, Lübbecke 1986, ISBN 3-922657-47-8

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.mt-online.de/lokales/minden/3308251_Und_manchmal_schoben_auch_die_Fahrgaeste_mit.html?em_index_page=3 Minderner Tageblatt vom 29.Dezember 2009]
  2. http://www.mt-online.de/lokales/minden/3308251_Und_manchmal_schoben_auch_die_Fahrgaeste_mit.html?em_index_page=3 Minderner Tageblatt vom 29.Dezember 2009]
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