Dreirad

Dreirad
Dreirad für zwei Personen
Benz-Dreirad

Ein Dreirad ist üblicherweise ein Fahrzeug mit drei Rädern. Zulassungsrechtlich werden in Deutschland jedoch auch vierrädrige Fahrzeuge als Dreiräder bezeichnet, wenn ein Räderpaar als Zwillingsrad ausgeführt oder der Abstand zwischen der Mitte der beiden Reifenaufstandsflächen nicht größer als 465 Millimeter ist.[1]

Inhaltsverzeichnis

Kinderdreirad

Kinderdreirad aus Kunststoff

Bei einem Kinderdreirad wird meist das einzelne Vorderrad sowohl gelenkt als auch mit Pedalen direkt, also ohne Kette angetrieben. Zudem haben viele Kinderdreiräder hinten eine Haltestange für eine Begleitperson. Bei einigen Modellen können die Kinder außerdem angeschnallt werden.

Fahrrad

Bei Fahrrädern sind Dreiräder durchaus gebräuchlich, Fahrradrikschas werden in Großstädten gern als Taxiersatz benutzt. Lastenfahrräder sind manchmal als Dreirad ausgebildet, Fahrräder für Behinderte mit motorischen Störungen ebenfalls. Viele Dreiräder werden als Liegedreiräder gebaut.

Dreiräder bieten eine höhere Kippstabilität, je tiefer der Schwerpunkt des Fahrers liegt. Daher sind Dreiräder häufig als Sitz- oder Liegedreirad konstruiert. Dabei gibt es die Varianten Tadpole (engl. für Kaulquappe) mit zwei Rädern vorne, Delta mit zwei Rädern hinten sowie Beiwagengespanne mit einer asymmetrischen Anordnung.

Eine Alternative zu den in der Stadt unpraktischen Liegedreirädern sind Dreiräder, die sich in die Kurve neigen. Neben einer japanischen Konstruktion gibt es ein Einkaufsrad von feetz und einen österreichischen Prototyp.

Für motorisch eingeschränkte bzw. querschnittsgelähmte Menschen gibt es das BerkelBike (Markenname). Es ist ein Mittelding zwischen Liegefahrrad und Handbike. Bei Paraplegie wird mittels funktioneller Elektrostimulation (FES) die Beinmuskulatur aktiviert und die dabei entstehende Kraft zum Vortrieb auf das Vorderrad übertragen.

Motorrad

Die Gespanne unter den Motorrädern sind ebenfalls Dreiräder, jedoch von asymmetrischer Bauart. Ihre Fahreigenschaften differieren zwischen Rechts- und Linkskurven, je nach der Lage des Seitenwagen-Anbaus. Bei Rechtsverkehr ist der Rechtsanbau des Seitenwagens üblich, bei Linksverkehr entsprechend der Anbau links, jeweils um dem Fahrer eine bessere Sicht für Überholvorgänge zu gestatten.

Es existieren allerdings auch motorradbasierte Dreiräder symmetrischer Bauart. Das bekannteste ist das Harley-Davidson-ServiCar, bei dem das einzelne Hinterrad gegen eine Hinterachse mit Differenzial und einen Kofferaufbau ausgetauscht wurde. Diese ServiCars kamen in den 1930er-Jahren auf und wurden bis 1973 gebaut, um Handwerkerleistungen mit einer kleinen Lastmitnahme zu ermöglichen. Außerdem wurden Polizei-ServiCars gebaut. Vor allem bei Senioren und Gehbehinderten sind Harley-Davidson-ServiCars in den Vereinigten Staaten seit langen Jahren beliebt und mittlerweile sehr teuer.

Das Duo ist ein dreirädriges Krankenfahrzeug für Personen mit Gehbehinderung, das im Anhängerbau Brandis, Fahrzeugbau Robur (ab 1981) oder der Firma Krause in Leipzig weitgehend aus (zum Teil modifizierten) Bauteilen der sogenannten Simson-Vogelserie, hauptsächlich solchen der Schwalbe, konstruiert war. Etwa 1000 bis 1100 Stück wurden davon pro Jahr gebaut.

Dreirad-Motorroller

Piaggio MP3 mit Dach

Mit dem Roller Piaggio MP3 stellte Piaggio im Jahr 2006 ein neues, dreirädriges Fahrzeugkonzept vor. Der Scooter verfügt über ein einzelnes, herkömmlich angetriebenes Hinterrad und über zwei Vorderräder, die im Abstand von 42 Zentimetern zueinander stehen und durch eine komplexe Parallelogrammaufhängung verbunden sind. Der Fahrer sitzt wie auf einem üblichen Motorroller, dem auch die Fahrdynamik – mit Schräglage in den Kurven – weitgehend entspricht. Der Motorroller darf bei geringfügiger Verbreiterung der vorderen Spur mit der EU-Fahrerlaubnis der Klasse B, also mit PKW-Führerschein gefahren werden.

Trike

Rewaco RF1-GT

Abgesehen von den oben erwähnten dreirädrigen Fahrrädern, die ebenfalls oft kurz als „Trikes“ bezeichnet werden, ist ein Trike ein offenes, motorisiertes Straßenfahrzeug mit einem Vorderrad und zwei Hinterrädern. Das Vorderrad wird von einer Gabel ähnlich einem Chopper geführt. Die Hinterachskonstruktion stammte ursprünglich, inklusive Motor, vom VW Käfer. Heute setzen sich mehr und mehr Eigenkonstruktionen der jeweiligen Hersteller durch. Bekannte Marken sind Fecht, WK, CCS-Trike, TRIKetec, Rassler, Rewaco, Easy Trike und Boom.

Im Jahre 1979 brachte Dietrich Fecht von einer Amerika-Reise das erste Trike nach Deutschland. Nach langem Kampf mit den Behörden gelang 1980 die erste Zulassung. Damals waren lt. TÜV mehr als 34 PS nicht beherrschbar!

Um ein Trike in Deutschland oder Österreich fahren zu dürfen, benötigt man einen Führerschein Klasse B. Jugendliche ab 16 Jahren haben mit dem Führerschein Klasse S die Möglichkeit, Trikes bis 50 cm³ und maximal 45 km/h Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Das Trike kann als Motorrad oder als offener PKW versichert werden. Für Fahrer und Beifahrer besteht Helmpflicht, wenn keine amtl. zugelassenen Gurte vorhanden sind. Die Mitnahme von Kindern bei bestehender Helmpflicht ist verkehrsrechtlich gesehen in jedem Alter möglich, sofern in der Zulassung diesbezüglich nichts anderes vermerkt ist. Es muss die Rückhalteeinrichtungen benutzen können (Fußraster, Haltegriffe). Wenn keine Helmpflicht besteht, muss das Kind mindestens 12 Jahre alt bzw. mindestens 1,50 m groß sein und der Sitz muss mit einem geeigneten Rückhaltesystem ausgerüstet sein[2].

Neben den Chopper-Trikes wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren auch Offroad-Trikes (z. B. Yamaha Tri-Z, Kawasaki Tecate oder Honda ATC) gebaut. Diese entsprachen weitestgehend einem Geländemotorrad mit einer Hinterachse anstelle eines einzelnen Rades. Wegen hoher Unfallzahlen in den Vereinigten Staaten wurden diese All Terrain Vehicles dort verboten. Hierzulande existieren noch einige Modelle, die sogar mit Straßenzulassung gefahren werden können.

Motorwagen

Carl Benz baute das erste Auto mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung, ein dreirädriges Fahrzeug mit nur einem Vorderrad, das 1886 erstmals in Mannheim fuhr. Es hatte 0,8 PS (0,6 kW), die Höchstgeschwindigkeit betrug 16 km/h. Der Motor war im Heck beziehungsweise über der Hinterachse eingebaut.

Am 29. Januar 1886 schrieb Carl Benz Industriegeschichte, indem er beim Reichspatentamt unter der Nummer 37435 dieses Fahrzeug zum Patent anmeldete. (Siehe auch Benz Patent-Motorwagen Nummer 1).

Threewheeler und Kabinenroller

Der zerlegbare Kleinwagen: Zaschka-Threewheeler von Engelbert Zaschka, 1929
Präsentation eines elektrischen Dreirads mit Passagierkabine

Threewheeler sind meist offene Fahrzeuge mit zwei Vorderrädern und nur einem Hinterrad wie der Morgan Threewheeler, bei dem ein Motorradmotor das einzelne Hinterrad über eine Kette antreibt, und der Lomax 223. 1986 zeigte VW den Prototyp „Scooter“ mit drei Rädern, der jedoch nicht in Serie ging. Die Karosserie des Scooter war 3175 mm lang, 1235 mm hoch und 1498 mm breit, Luftwiderstandsbeiwert cw 0,25; Leergewicht 550 kg. Reifengröße: Vorderräder 175/60 VR 13, Hinterrad 235/55 VR 15. Mit einem 90-PS-Vierzylindermotor (vorn quer eingebaut) und Frontantrieb erreichte das zweisitzige Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h[3].

Dreiräder waren vor allem in Großbritannien seit den 1930er-Jahren beliebt, weil sie dort bis in die 1970er-Jahre steuerlich als Motorräder behandelt wurden – zum Teil sogar ohne Führerschein gefahren werden konnten – und dadurch verhältnismäßig günstig im Unterhalt waren. Außerdem ermöglichte die Leichtbauweise gute Fahrleistungen und den erfolgreichen Einsatz im Motorsport.[4]

Die Anfänge der deutschen Threewheeler-Herstellung in den 1920er Jahren liegen bei der Diabolo Kleinauto AG in Bruchsal, die das Modell Diabolo produzierte, und dem Zaschka-Threewheeler, der zerlegbar bzw. faltbar war und von Engelbert Zaschka 1929 in Berlin erfunden wurde.

In der ehemaligen Tschechoslowakei wurden von 1945 bis 1973 vom Morgan Threewheeler inspirierte Dreiräder unter dem Namen Oskar bzw. Velorex hergestellt.

Auch die BMW Isetta und die HEINKEL Kabine gelten zulassungtechnisch grundsätzlich als Dreirad wie der Messerschmitt-Kabinenroller, obwohl zwei Hinterräder vorhanden sind, jedoch eng beieinander und (ohne Differenzial) auf fester Antriebswelle montiert. Um den Zulassungsbestimmungen mancher Exportländer gerecht zu werden, baute BMW die Isetta allerdings auch als „echtes“ Dreirad.

Heute werden solche Fahrzeuge von Kleinserienherstellern angeboten, z. B. von JZR, Triking oder TWR, die Bausätze und Fertigfahrzeuge vertreiben.

Morgan Jap, Baujahr 1932, in der Südkehre des Nürburgrings
Morgan Threewheeler Super Sport
BMW Isetta (Drei- und Vierrad-Versionen)

Kleintransporter

Kleintransporter 1946

Von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre war das Motorlastendreirad sehr beliebt. Bei diesen Fahrzeugen war das einzelne Rad meist vorn. Der Antrieb war unterschiedlich. Beim Tempo Hanseat zum Beispiel trieb eine Kette das einzelne Vorderrad an, die Goliath-Dreiräder hatten Kardanantrieb auf die Hinterräder mit Differenzial. Neben diesen bekannten Marken bauten die Agria-Werke in Möckmühl in den 1950er-Jahren den „Triro“.

Während in Deutschland die Herstellung der Dreiradlieferwagen Anfang der 1960er-Jahre auslief (Goliath Goli war 1961 der letzte), blieben Fahrzeuge des englischen Herstellers Reliant infolge spezieller Regelungen in Großbritannien bis in die 1980er-Jahre in Produktion.

Nicht nur in Italien gehören Lastendreiräder des Herstellers Piaggio noch immer zum Straßenbild. Während die Vespa Ape weiterhin gebaut wird, sind die Dreiräder der ehemaligen Konkurrenten Moto Guzzi oder Lambretta heute gesuchte Raritäten.

In Griechenland sind nach wie vor vielfältige Ausführungen von Lastendreirädern im Gebrauch. Die langsamen, meist im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzten Dreiräder sind führerschein- und zulassungsfrei. Die Palette der Typen reicht vom kompletten Eigenbau bis zu griechischer Kleinserienproduktion oder in den 1950er-Jahren importierten Moto Guzzi Ercole. Bekannte griechische Hersteller sind unter anderem Alta oder MEBEA. Angetrieben werden die technisch einfachen, aber robusten Fahrzeuge meist von einem Einzylinder-Diesel- oder -Benzinmotor. In schwerere Modelle wurden auch BMW-Motorrad-Boxermotoren eingebaut. Die in der Vergangenheit ungewöhnlich hohe Besteuerung neuerworbener Vierradfahrzeuge (Luxussteuer) führte in den 1960er- bis 1980er-Jahren zu einer sehr hohen Zahl von Dreiradfahrzeugen aller Art im griechischen Straßenbild.

PKW

Eine weitere Klasse von Dreiradfahrzeugen stellen die auf PKW-Chassis basierenden Personkraftwagen mit zwei angetriebenen Hinterrädern und einem gelenkten Vorderrad dar (im Gegensatz zum Kabinenroller, s. o.). Dieses Konzept wurde weniger durch technische als durch gesetzgeberische Anforderungen geprägt: In vielen Ländern waren Dreiradfahrzeuge steuerbegünstigt und dadurch wesentlich kostengünstiger im Unterhalt. Der Typ Robin des britischen Herstellers Reliant ist ein Musterbeispiel für dieses Fahrzeugkonzept. Er wurde als PKW und Kombi hergestellt und auch in anderen Ländern in Lizenz gebaut und vertrieben. Als Fahrzeug in verschiedenen "Mr.-Bean"-Episoden (Rowan Atkinson) erlangte der Regal, ein anderer Reliant-Dreirad-PKW, weltweite Aufmerksamkeit.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Dreirad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „Dreirad“ Street-Ray mit vier Rädern (auf street-ray.de am 8. Mai 2007)
  2. Trike Einleitung
  3. auto, motor und sport, Heft 19/1986
  4. Threewheeler-Historie (bei maxworks.de)

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