Gernot Erler

Gernot Erler

Gernot Erler (* 3. Mai 1944 in Meißen) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er ist seit 1987 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2005 bis 2009 Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Abitur 1963 in Berlin absolvierte Erler ein Studium der Geschichte, der Slawischen Sprachen und der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, das er 1967 mit dem Staatsexamen für das Lehramt beendete. Von 1968 bis 1969 arbeitete er als Verlagsredakteur und war anschließend bis 1979 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Osteuropäische Geschichte der Universität Freiburg tätig. Von 1980 bis 1987 arbeitete er dann als Verlagsleiter in Freiburg.

Gernot Erler ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Partei

Seit 1970 ist er Mitglied der SPD. Hier engagierte er sich zunächst auf kommunaler Ebene und war von 1973 bis 1977 SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Freiburg-Tiengen. Anschließend war er von 1977 bis 1987 Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Freiburg. Von 1983 bis 1997 gehörte er außerdem dem SPD-Landesvorstand und von 1985 bis 1997 auch dem SPD-Präsidium in Baden-Württemberg an. Gernot Erler ist ferner Vorsitzender der Historischen Kommission der SPD Baden-Württemberg.[1]

Abgeordneter

Seit 1987 ist Erler Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 1994 gehört er hier dem SPD-Fraktionsvorstand an und war von 1998 bis 2005 Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion mit der Zuständigkeit für Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik sowie für Menschenrechte.

Gernot Erler ist 1987, 1990 und 1994 über die Landesliste Baden-Württemberg und seit 1998 stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Freiburg in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er 45,1 % der Erststimmen und bei der Bundestagswahl 2009, bei der er als einziger Kandidat der SPD ein Direktmandat in Baden-Württemberg erringen konnte, 33,0 %.

Seit 22. Oktober 2009 ist er wieder einer von neun stellvertretenden Vorsitzenden im Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion und hier zuständig für Außenpolitik, Entwicklungspolitik, Menschenrechte und Verteidigung.[2]

Öffentliche Ämter

Am 22. November 2005 wurde Erler als Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung (Kabinett Merkel I) berufen. Dieses Amt hatte er bis zum Regierungswechsel im Oktober 2009 inne.

Gesellschaftliches Engagement

Erler ist Vorsitzender des Deutsch-Bulgarischen Forums, Präsident der Südosteuropa-Gesellschaft, Vorsitzender der West-Ost Gesellschaft Südbaden e. V. und im Vorstand der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft.

Ehrungen

1998 wurde Erler mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Im November 2007 wurde Erler der höchste bulgarische Orden für Ausländer „Stara Planina“ verliehen. Außerdem wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Universität für Weltwirtschaft in Sofia geehrt.

Schriften

  • Die russischen Wahlen und die Verantwortung des Westens. In: Dieter Weirich (Hrsg.): Russland vor den Wahlen. Berlin 1995, S. 80–85
  • Das Unbehagen an den politischen Eliten. Fünf Thesen zu einem Problem. In: Wer führt morgen? Aufgaben und Inhalte von Elitenbildung. Karlsruhe 1995, S. 44–47
  • Globalisierung und die Zukunft der Dritten Welt. In: Wolfgang Thierse (Hrsg.): Ist die Politik noch zu retten? Standpunkte am Ende des 20. Jahrhunderts. Berlin 1996, S. 300–310
  • Gernot Erler, Johanna Deimel (Hrsg.): Bulgarien – Ein Jahr nach dem Regierungswechsel. Südosteuropa aktuell 27, München 1998
  • Global Monopoly. Weltpolitik nach dem Ende der Sowjetunion. Berlin 1998, ISBN 3-7466-8518-4.
  • Geopolitisches Denken in Russland nach der NATO-Osterweiterung. In: Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze (Hrsg.): Auf der Suche nach einer neuen Identität. Russland an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Bremen 1998, S. 32–45
  • Experience with Mechanisms of Crisis Management and Conflict Resolution: The Eastern European Case. In: Mark A. Heller (Hrsg.): Europe and the Middle East. New Tracks to Peace? Herzliya, Israel 1999, S. 41–45.
  • Krisenregion Balkan: Herausforderung an das neue Europa. In: Südosteuropa Mitteilungen 1, 1999, S. 9–16
  • Oil and Gas in the Caspian Sea Region. In: Dieter Dettke (Hrsg.): A Great Game no more: Oil, Gas and Stability in the Caspian Sea Region. Washington 1999, S. 1–6
  • Region of the Future: The Caspian Sea. German Interests and European Politics in the Trans-Caucasian and Central Asian Republics. In: Dieter Dettke (Hrsg.): A Great Game no more: Oil, Gas and Stability in the Caspian Sea Region. Washington 1999, S. 90–104.
  • Globalisierung oder die Hoffnung auf die Inseln der Mündigkeit. In: Johannes Roser (Hrsg.): Mehr Himmel wagen. Spurensuche in Gesellschaft, Kultur, Kirche. Freiburg, Basel, Wien 1999, S. 214–216
  • Russia's Role in Europe and the Russian Security Concerns. In: Susan Eisenhower (Ed.): NATO at Fifty: Perspectives on the Future of the Atlantic Alliance. Washington 1999, S. 205–210
  • „Mit der Bombe leben“. Marie Marcks' Zeichnungen zu Rüstung, Abrüstung und Friedensbewegung. In: Marie Marcks. Karikaturen der letzten 50 Jahre. Hrsg. Thomas Werner. Heidelberg 2000, S. 94–100.
  • „Was nützt Philosophie im politischen Alltagsgeschäft?“ In: Hans-Otto Mühleisen (Hrsg.): Vom Nutzen der Philosophie für die Politik. Frankfurt am Main, 2000, S. 144–150
  • Der präventive Imperativ und die Lautlosigkeit nachhaltiger Politik. In: Politik und Verantwortung. Festgabe für Wolfgang Jäger zum 60. Geburtstag. Hrsg. Ingeborg Villinger, Gisela Riescher, Jürgen Rüland. Freiburg 2000, S. 31–34.
  • Osterweiterung: Stolpersteine auf Europas Weg in die Zukunft. In: Südosteuropa Mitteilungen. 2, 2000, S. 99–103.
  • Die Russland-Politik des IWF oder das organisierte Verhängnis. In Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze (Hrsg.): Russlands Weg zur Zivilgesellschaft. Bremen o.J. (2000), S. 67–77.
  • Der Kosovo-Krieg ein Jahr danach: Rückblick, Bilanz, Lehren. In: Europa nach dem Kosovo-Krieg. Loccumer Protokolle 17/00. Loccum 2001, S. 123–127.
  • Das bessere Morgen – Wege in die Zukunft Südosteuropas. In: Europa 2030. Eine futuristische Spurensuche in 14 Ländern Südosteuropas. Südosteuropa Mitteilungen 1/ 2002 (Sonderausgabe), S. 13–17.
  • Internationale Politik 1998–2002: Das erzwungene Umdenken. In: Gernot Erler, Michael Müller, Andrea Nahles, Ludwig Stiegler: Mehrheiten mit Links. Bonn 2002, ISBN 3-8012-0322-0, S. 31–72.
  • Warum der Irak-Krieg nicht sein darf: Drei Gründe. In: Karl-Heinz Harenberg, Marc Fritzler (Hrsg.): No War – Krieg ist nicht die Lösung, Mr. Bush! Droemer-Knaur, München 2003, ISBN 3-426-77711-8
  • Der Fall Chodorkowskij. Zur Tomographie eines politischen Konflikts. Beitrag für Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze (Hrsg.): Wohin steuert Russland unter Putin? – Der autoritäre Weg in die Demokratie. Campus, Frankfurt am Main, New York 2004, ISBN 3-593-37585-0.
  • Russland kommt. Putins Staat – Der Kampf um Macht und Modernisierung. Herder, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05566-X
  • Mission Weltfrieden - Deutschlands neue Rolle in der Weltpolitik, Verlag Herder 1. Aufl. 2009,. 260 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-451-30110-0
  • Das Versagen nach 9/11: mit besseren Strategien gegen den Terror. Hamburg, Körber Stiftung, Mai 2011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. SPD Baden-Württemberg
  2. Pressemitteilung der SPD-Bundestagsfraktion vom 22. Oktober 2009

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gernot Erler (Walsrode) — Gernot Erler (* 1935 in Münster (Westfalen)) ist ein deutscher Pädagoge und Autor. Er lebt und arbeitet in Krelingen (Stadt Walsrode, Landkreis Soltau Fallingbostel, Niedersachsen). Inhaltsverzeichnis 1 Biografie 2 Wirken 3 Veröffentlichun …   Deutsch Wikipedia

  • Gernot Erler (Autor) — Gernot Erler (* 27. Januar 1935 in Münster (Westfalen); † 7. Juni 2011 in Krelingen) war ein deutscher Pädagoge, Kunsthistoriker und Autor. Er lebte und arbeitete in Krelingen (Stadt Walsrode, Landkreis Heidekreis, Niedersachsen).… …   Deutsch Wikipedia

  • Erler — ist der Familienname folgender Personen: Adalbert Erler (1904–1992), deutscher Rechtshistoriker und Mitherausgeber des Handwörterbuchs zur deutschen Rechtsgeschichte Brigitte Erler (* 1943), deutsche Politikerin (SPD) Dieter Erler (1939–1998),… …   Deutsch Wikipedia

  • Gernot — ist ein männlicher Vorname aus dem Althochdeutschen. Seine Bedeutung setzt sich aus den Elementen ger ( Speer ) und khnoton ( schwingen , im Sinne von kämpfen ) zusammen. Gernot ist der Name eines der Burgundenkönige (Gunther, Gernot und… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Er — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Landkreis Soltau-Fallingbostel — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Soltau-Fallingbostel — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • NEGP Company — Nord Stream AG Unternehmensform Aktiengesellschaft Gründung 2. Dezember 2005 Unternehmenssitz Zug, Schweiz Unternehmensleitung …   Deutsch Wikipedia

  • Nordeuropäische Gasleitungs-Gesellschaft — Nord Stream AG Unternehmensform Aktiengesellschaft Gründung 2. Dezember 2005 Unternehmenssitz Zug, Schweiz Unternehmensleitung …   Deutsch Wikipedia

  • Walsrode — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”