Karlsplatz (Wien)

Karlsplatz (Wien)
Karlsplatz
Wien Wappen.svg
Platz in Wien
Karlsplatz
Resselpark und Karlskirche
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Wieden
Einmündende Straßen Kärntner Straße, Friedrichstraße, Operngasse
Bauwerke Karlskirche, Technische Universität, Künstlerhaus, Wien Museum, Musikverein, Secessionsgebäude
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Platzgestaltung Denkmäler, Wasserbecken, Grünflächen
Die Karlskirche am unverbauten Wienfluss, von Johann Friedrich Wizani 1822
DIe Regulierung der Wien, 1898

Der Karlsplatz liegt an der Grenze zwischen den Wiener Gemeindebezirken Innere Stadt und Wieden. Der Platz wird mehrfach von stark frequentierten Straßenzügen durchquert und ist somit in verschiedene mehr oder minder stark voneinander getrennte Areale aufgetrennt. Durch die 1894 bis 1900 durchgeführte Regulierung und Überplattung des Wienflusses entstanden, wurde er im Jahr 1899 nach Kaiser Karl VI. benannt. Dieser hatte während der Pest-Epidemie der Jahre 1713/14 ein Gelübde abgelegt, eine Kirche errichten zu lassen, die von 1716 bis 1737 gebaute Karlskirche.

Inhaltsverzeichnis

Architektur

Die größte Fläche des Platzes nimmt an der Südseite der nach dem Erfinder Josef Ressel benannte Resselpark ein. Im Osten bilden die Karlskirche, mit einem davor befindlichen Wasserbecken mit einer Plastik von Henry Moore, sowie das Gebäude des Wien Museums (früher Historisches Museum der Stadt Wien) und Bürogebäude die Begrenzung des Parks. An der Westseite wird er vom Hauptgebäude der Technischen Universität (TU Wien) und der Evangelischen Schule begrenzt. Im Resselpark finden sich Denkmäler und Büsten unter anderem der Erfinder Siegfried Marcus und Josef Madersperger, wie auch des Komponisten Johannes Brahms, an der Nordseite die von Otto Wagner im Jugendstil errichteten Aufnahmegebäude der ehemaligen Station Karlsplatz der Wiener Stadtbahn.

Durch eine sechsspurige Fahrbahn vom Rest des Platzes getrennt schließen im Norden das Gebäude des Wiener Musikvereins, das Künstlerhaus, die Vienna Business School und eine Reihe von Gründerzeit-Bürgerhäusern den Karlsplatz ab. An der Ecke zu Operngasse befindet sich dort das Café Museum.

Im Westen begrenzen das Secessionsgebäude und das Novomatic Forum (das ehemalige Verkehrsbüro-Gebäude) den Platz, der hier in das Areal des Naschmarktes übergeht. Nahe dem Bibliotheksgebäude der TU besteht im Rosa-Mayreder-Park mit dem project space Karlsplatz eine Außenstelle der Kunsthalle Wien.

Verkehr

Der Karlsplatz ist verkehrstechnisch einer der wichtigsten Punkte der Stadt, fünf verschiedene Verkehrsflüsse bilden hier einen Knoten:

  • über die Wienzeile (B1), die sogenannte „Westausfahrt“ bzw. „Westeinfahrt“ zur am westlichen Stadtrand beginnenden Westautobahn,
  • über den Getreidemarkt, die sogenannte „2-er Linie“, in den Norden und Nordwesten,
  • über Operngasse und Kärntner Straße zur Ringstraße im Bereich der Staatsoper als Verbindung in den Nordosten,
  • über die Lothringerstraße (B1) zum Schwarzenbergplatz und weiter bis zum Donaukanal im Bereich der Urania als Verbindung in den Osten,
  • über Operngasse und Margaretenstraße in den Süden der Stadt und zur am südlichen Stadtrand beginnenden Südautobahn.

Drei der fünf U-Bahn-Linien (U1, U2 und U4) kreuzen sich in der Station Karlsplatz. Sie verbinden sich hier mit den Straßenbahnlinien 1 und 62, mit den Autobuslinien 4A und 59A und der Badner Bahn. Beim Aufgang „Kärntner Ring“ halten weiters die Straßenbahnlinien 2 und D sowie die Autobuslinie 3A.

Unterhalb der Kärntner Straße bildet die Opernpassage eine belebte Fußgängerverbindung vom Resselpark zum Ring mit Abgängen in die U-Bahn-Stationen.

Die „2-er Linie“

Im Straßenbahnliniennetz von 1907 war die Linie 2 als Verbindung von Lothringerstraße und Getreidemarkt über den Karlsplatz vorgesehen. Die ursprünglich „Lastenstraßenlinie“ genannte Verbindung zwischen Währinger Straße und Praterstern wurde später von zahlreichen Durchgangslinien abgelöst, von denen bis zur Eröffnung der U-Bahn-Linie U2 die Linien E2, G2 und H2 fuhren. Im Volksmund etablierte sich die Bezeichnung „2-er Linie“ für diese gemeinsam geführte Straßenbahnstrecke, die vom Straflandesgericht über Gertreidemarkt, Karlsplatz, Lothringerstraße und Heumarkt zur Hinteren Zollamtstraße führte. Im Jahr 1966 wurde der Abschnitt zwischen Straflandesgericht und Karlsplatz in den Untergrund verlegt, um an der Oberfläche den Autoverkehr und die zahlreichen kreuzenden Straßenbahnlinien zu entlasten. Die Tunneleinfahrt am südlichen Ende befand sich neben der Secession. Seit der Eröffnung der U2 im Jahr 1980 und der Einstellung dieser Straßenbahn-Durchgangslinien wird die „2-er Linie“ nur mehr mit dem von der U-Bahn abgedeckten Abschnitt, vom Straflandesgericht bis zum Karlsplatz, assoziiert. Die Schleife am Karlsplatz mit ihrer Verbindung zum Schwarzenbergplatz bleibt weiterhin als Betriebsgleis bestehen und wird für verkehrsbedingte Kurzführungen auf der Ringstraße sowie als Ausgangspunkt für Nostalgie-Straßenbahnfahrten genützt. Die Straßenbahnlinie 2 verkehrte bis Oktober 2008 als Rundlinie auf der Ringstraße und dem Kai und wird seither als Durchgangslinie geführt.

Planungsgeschichte

Elisabethbrücke um 1895
Otto Wagners Entwurf für die Neugestaltung des Karlsplatzes und der Errichtung eines Kaiser Franz Josef-Stadtmuseum, heute Ort des Wien Museums (1909)

Bevor der Karlsplatz noch zum Platz wurde, gab es hier die dekorative Elisabethbrücke, 1854 errichtet und nach der jungen Braut des Kaisers ("Sisi") benannt. Die Brücke wurde 1867 mit Standbildern ausgestattet, die heute vor dem Wiener Rathaus stehen. Am 20.April 1897 wurde sie gesperrt und danach abgerissen.

Immer wieder gab es in der Folge Versuche, den durch die Einwölbung des Wienflusses entstandenen langgestreckten Platz umzuplanen und mit neuen wahrzeichenhaften Gebäuden zu versehen. Etwa ein Jahrzehnt zog sich etwa vor 1914 die Kontroverse um Otto Wagners Stadtmuseum hin. Der Architekt präsentierte 1900 ein so genanntes „Agitationsprojekt“, das in der Sezession ausgestellt wurde. Am 7. Mai 1901 schrieb daraufhin der Wiener Gemeinderat einen Architekturwettbewerb aus - es kam im Spätherbst 1901 zu einer Vorkonkurrenz, und im Frühjahr 1902 zu einem engeren Wettbewerb. Bei diesem wurde das konventionell historistische Projekt Friedrich Schachners prämiert. Daraufhin begann ein Tauziehen „hie Wagner - hie Schachner“ unter reger Beteiligung der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Im Frühjahr 1903 wurden zwei plastische Modelle angefertigt und öffentlich zur Schau gestellt, was aber nichts zur Entschärfung der Gegensätze beitrug. Der an sich Otto Wagner wohlgesinnte aber auf seine Popularität bedachte Bürgermeister Karl Lueger lavierte und hielt sich bedeckt. In einer Pressekonferenz vom 3. November 1907 lobte er zwar beispielsweise Wagners Projekt, sprach sich aber gegen eine Fassade nach Art des Postsparkassenamtes aus. Daraufhin mobilisierte Fürstin Pauline Metternich konservative Mitglieder des Hochadels gegen das Projekt, deren Petition binnen kurzem 6000 Unterstützungsunterschriften erhielt. Am 22. Oktober 1909 erklärte Lueger, er persönlich trete für die Schmelz als Bauplatz des Kaiser Franz Josef-Stadtmuseums ein. Im Jänner 1910 kam es am Karlsplatz allerdings noch zur Aufstellung eines Wagner'schen Fassadensegments in Originalgröße. Nach dem Tod Luegers beschloss der Gemeinderat am 14. Juli 1911 die Errichtung des Stadtmuseums auf der Schmelz – aber auch diese kam letztlich nicht zustande. [1]

In der Zwischenkriegszeit entstanden am Karlsplatz vornehmlich temporäre Gebäude (etwa ein Einkaufszentrum an der Stelle des heutigen Wien-Museums), nach 1945 dominierten die Überlegungen der Verkehrsplanung (allerdings kam es nicht zu den von Georg Lippert und anderen vorgeschlagenen Hochstraßenlösungen). Den Karlsplatz betreffende Architektenwettbewerbe wurden 1946, 1966, 1969 (betreffend U-Bahnbau), 1971 (betreffend die Gartengestaltung) durchgeführt [2]. Die realisierte Planung mit dem vom schwedischen Gartenarchitekten Sven Ingvar Anderson konzipierten ovalen Teich begegnete 1976–77 schärfster Kritik – Clemens Holzmeister zeigte sich etwa „erschüttert“ über die Wasserfläche vor der Karlskirche,[3] die Medien sprachen vom „Chaosplatz“.[4] Ungeachtet dieses sehr negativen Presseechos erscheint die Akzeptanz der erheblich vergrößerten Grünanlage Resselpark (und ihres Teichs) heute relativ hoch. Im Zuge der 2006 von Jakob Fina neu gestalteten Bepflanzung aller Grünanlagen des Karlsplatzes wurden der Esperantopark und Girardipark geschaffen.

Kunst und Kultur am Karlsplatz

Kunstzone Karlsplatz 2008: Ernst Molden & Band
Ein factoid des Kunstprojekts Pi in den unterirdischen Passagen

2004 wurde von Vertretern der Gemeinde Wien das Projekt Kunstplatz Karlsplatz vorgestellt[5]. Als Ziele wurden unter anderem eine Neugestaltung der Parkanlagen in Hinsicht auf Garten-, Licht- und Raumkonzept sowie Wegführung, eine Verbesserung der Verkehrssituation für Fußgänger und Radfahrer und die Förderung von Kunstprojekten auf dem Karlsplatz genannt.

Im Anschluss an die Neugestaltung der Parkanlagen und die Eröffnung von Rosa-Mayreder-, Girardi- und Esperantopark im Jahr 2006 wurde die Wien Holding, ein 100%-iges Tochterunternehmen der Stadt Wien, mit der Fortführung des Projektes beauftragt. Am 1. August 2006 wurde die Projektgruppe karlsplatz.org, bestehend aus Gabriela Hegedüs und Christoph Möderndorfer, die bereits seit 2004 für die Organisation des Literaturfestivals O-Töne im MuseumsQuartier verantwortlich zeichnen, sowie Peter Melichar, mit der Umsetzung betraut[6]. Es soll durch Vernetzung der verschiedenen rund um den Platz angesiedelten Institutionen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung (unter anderem Künstlerhaus, project space der Kunsthalle, Wien Museum, Technische Universität) der Platz zu einem Raum des kulturellen Austauschs und somit trotz der verkehrstechnisch schwierigen Lage neu belebt werden.

Im Sommer 2008, parallel zur Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz, wurde von karlsplatz.org die Kunstzone Karlsplatz ausgerichtet. Auf einer „Seebühne“ im Teich vor der Karlskirche fanden dabei täglich mehrere Konzerte vor allem österreichischer Musiker aus dem Bereich der Liedermacher-, der experimentelleren Pop- und der zeitgenössischen Wienerlied-Szene statt; auf einer „Baumbühne“ Darbietungen von Performancekünstlern. Seit 2010 findet auf dem Karlsplatz und in Räumlichkeiten einiger umliegender Institutionen zu Beginn der Sommer-Open-Air-Saison das mehrtägige Popfest statt.

2009 übersiedelte das Kino unter Sternen vom Augarten auf den Karlsplatz.

siehe auch: Pi (Kunstprojekt)

Drogenszene

In Österreich selbst ist das Wort „Karlsplatz“ zu einem Synonym für eine offene Drogenszene geworden. Aus diesem Grund wurde dort die erste polizeilich überwachte Schutzzone nach dem Sicherheitspolizeigesetz (SPG) geschaffen, welche Belästigungen der Schüler der Evangelischen Schule durch Drogenkonsumenten und Drogendealer vermeiden soll.

Einzelnachweise

  1. Quelle: Fred Hennings: Solange er lebt, Bd 3 (Nehmt meine Herrlichkeit und Würde hin) Wien 1969, S 7ff
  2. vgl.Profil Nr 8,1972
  3. Wochenpresse spezial 27. April 1977
  4. Vgl Anton Bina: „Verplant in alle Ewigkeit“ Kurier, 29. Mai 1977
  5. Konzept für den „Kunstplatz Karlsplatz“, Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 2. Dezember 2004
  6. karlsplatz.org

Literatur

  • Elke Doppler, Christian Rapp, Sándor Békési (Hrsg.): Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums). Czernin Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7076-0266-1

Weblinks

 Commons: Karlsplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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