SRFW

SRFW
Die Rega setzt Sanitäter mit einem Seil auf einem steilen Hang ab. Die Verunfallten sind in der unteren rechten Ecke zu sehen.
Rega-Logo auf einem Rettungshelikopter Agusta 109K2
Rega-Helikopter des Typs EC 145 vom Stützpunkt Dübendorf
Rega EC-145 beim Start am Flughafen Bern-Belp

Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega), (Schweizerische REttungsflugwacht / Garde Aérienne / Guardia Aerea), ist eine selbständige und gemeinnützige private Stiftung für Luftrettung in der Schweiz, die 1952 von Mitgliedern der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft gegründet wurde und ihren Sitz am Flughafen Zürich-Kloten hat. In der Schweiz kann die Hilfe der Rega über die Alarmnummer 1414 oder über Funk angefordert werden. Die Rega bildet ein Glied der Rettungskette Schweiz (Swiss Rescue).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 27. April 1952 waren die Mitglieder der SLRG im «Bären» in Twann am Bielersee zur Jahresversammlung zusammengekommen. Der Mediziner Dr. Rudolf Bucher setzte sich dafür ein, dass von der Lebensrettungs-Gesellschaft ein Zweig abgetrennt werden sollte, der sich auf die Rettung aus der Luft spezialisieren sollte. Mit der Zustimmung der Versammlung war die Schweizerische Rettungsflugwacht (SRFW) gegründet und damit das moderne, organisierte Flugrettungswesen geboren.[1]

1940er-Jahre

  • 1946 retten die Schweizer Militärpiloten Victor Hug und Pista Hitz mit Flugzeugen des Typs Fieseler Storch die Passagiere und Besatzung einer auf einem im Berner Oberland gelegenen Gletscher (Gauligletscher) abgestürzten amerikanischen Dakota-Maschine.

1950er-Jahre

  • 1951–1952 Der St. Moritzer Hotelier Fredy Wissel und der Walliser Pilot Hermann Geiger beginnen mit der Erprobung der Gletscherlandetechnik mit Skiflugzeugen.
  • Am 27. April 1952 gründet der Arzt Dr. Rudolf Bucher mit einer handvoll Pionieren innerhalb des SLRG die Rega. Die ersten Retter wurden in Abingdon England von der Royal Air Force als Rettungs-Fallschirmspringer ausgebildet. Diese sprangen mit Rettungsmaterial und wenn nötig mit Lawinenhunden zu den Verletzten in unwegsames Gelände.
  • Im Oktober 1952 landet Hermann Geiger das mit einziehbaren Metallskis ausgerüsteten Gletscherflugzeug Piper Super Cub auf dem Blüemlisalpgletscher.
  • Im Dezember 1952 fliegt der Pilot Sepp Bauer in Davos mit einer Hiller 360 den ersten Helikopter-Rettungseinsatz. Der Helikopter wird mittels darunter montiertem Ballonkorb zum Transporter der Verletzten. Es waren weltweit die ersten Transporte mit Unterlast.
  • Im Februar 1957 schenkt der Schweizerische Konsumverein der SLRG/SRFW einen Helikopter vom Typ Bell 47 J.

1960er-Jahre

  • 1960 wurde die Rega unter Dr. Fritz Bühler neu organisiert und von der SLRG (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft) losgelöst. Ab 1960 begannen ebenfalls die ersten Repatriierungsflüge für im Ausland erkrankte Schweizer mit einer Piaggio 166.
  • Am 1. März 1965 wird die Rega gemäss Bundesratsbeschluss zur Hilfsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes ernannt.
  • Im September 1966 findet das erste internationale Helikopter-Symposium der Rettungsflugwacht auf dem Eigergletscher statt. Das Rettungs-Tau und das Horizontalnetz zur Bergung von Verletzten in Geländen ohne Landungsmöglichkeit wird eingeführt.
  • 1968 nimmt die Rega ihren ersten Helikopter in Betrieb, der von einer Turbine angetriebenen wird: Es handelt sich um einen Bell 206 A Jet Ranger.

1970er-Jahre

  • 1970 kauft die Rega eine Cessna 414 mit Druckkabine für die Repatriierungsflüge. Ebenfalls in diesem Jahr werden anlässlich des 2. internationalen Helikopter-Symposiums in der Eiger-Nordwand Retter mittels einer Seilwinde vom schwebenden Hubschrauber in der Wand abgesetzt.
  • 1971 erhält die Rega den ersten ausschliesslich aus Gönnergeldern finanzierten Helikopter, eine SE 316 Alouette III. Im gleichen Jahr werden zum erstenmal zwei deutsche Alpinisten mit der Seilwinde direkt aus der Eigernordwand gerettet.
  • 1972 Der „Babyhelikopter“ eine Bölkow Bo 105 C, wird auf dem Dach des Zürcher Kinderspitals stationiert. Der Helikopter erhält diesen Namen, weil er häufig für den Transport von Risiko-Neugeborenen eingesetzt wird.
  • 1973 wird der erste zivile Ambulanzjet, ein Learjet 24 D, gekauft. Er wird auf den Namen Henri Dunant getauft.
  • Die Rega erteilt 1976 den Auftrag zur Erstellung des ersten privaten gesamtschweizerischen Funknetzes.
  • 1977 wird erstmals eine westliche Rettungsorganisation im Ostblock tätig. Die Rega fliegt im März nach Bukarest, um Erdbebenopfer zu retten. Im selben Jahr feiert die Rega ihr 25jähriges Bestehen. Ebenfalls 1977 gelang die erste Direktrettung von zwei Alpinisten aus der „Rampe“ der Eigernordwand. Dieses Unternehmen galt bislang als unmöglich.
  • 1979 wird die Stiftung „Schweizerische Rettungsflugwacht“ eingerichtet. Diese übernimmt die Aktiven und Passiven des bisherigen Vereins.

1980er-Jahre

  • 1980 spielt sich über dem Flugplatz Yverdon die wohl spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte der Rega ab. Der Fallschirm eines Fallschirmspringers hatte sich im Heckrad des Absprungflugzeuges verfangen. Die Crew eines Rega- Helikopters befreit ihn während des Fluges. Der Fallschirmspringer kann mit dem Notfallschirm sicher landen.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz nimmt die Rettungsflugwacht 1981 als „Korporativmitglied“ auf. Ebenfalls in diesem Jahr beschliessen das Schweizerische Katastrophenhilfskorps, der Schweizer Verein für Katastrophenhunde, das Bundesamt für Luftschutztruppen und die Rega, bei Erdbebenkatastrophen künftig gemeinsam als Rettungskette Schweiz Soforthilfe zu leisten.
  • Die oben erwähnte Rettungskette kommt nach einem Erdbeben in Nordjemen 1982 erstmals zum Einsatz.
  • Der Rega wird 1984 in Neu-Delhi das Lindbergh-Diplom verliehen.
  • Rega-Direktor Dr. Bühler wird 1985 in Glasgow der „Order of St. John“ verliehen.
  • Die Rega kann im selben Jahr den 1'000'000. Gönnerausweis ausstellen.
  • Die Rega rüstet 1987 als erste zivile Organisation der Welt alle Helikopterbasen mit dem Nachtsichtgerät ANVIS aus.

1990er-Jahre

  • Der Stiftungsrat der Rega beschliesst 1993, das Rega-Center auf dem Flughafenareal in Zürich-Kloten zu bauen.
  • 1994: Fredy Wissel stirbt fast 90 jährig in St. Moritz
  • 1996 führt ein Rega-Einsatz das Rettungs-Team erstmals rund um die Welt. Der Flug dauert 43 Stunden. Zwischenlandungen erfolgen in Maskat, Bangkok, Chabarovsk, Anchorage, Reading, Faro und Valencia.
  • 1997 zieht die Rega in das Rega-Center nach Kloten um.

2000er-Jahre

Rega EC-145 im Einsatz
  • 2002 die Leitstelle SAR (Search and Rescue) wird von der Rega vom Bundesamt für Zivilluftfahrt übernommen.
  • 50 Jahrfeier im Rega-Center Kloten
  • Die Flotte wird mit der Beschaffung von drei Ambulanzjets Bombardier Challenger 604 sowie fünf Eurocopter EC145 grundlegend erneuert.

Einsatz in der Schweiz

Ein Rega-Rettungshelikopter befindet sich fünf Minuten nach Alarm in der Luft. Innerhalb von 15 Minuten befindet sich der Rega-Helikopter am Unfallort, mit der Ausnahme des Kantons Wallis. Zur Standard-Besatzung gehört ein Pilot, ein Arzt sowie ein diplomierter Rettungssanitäter. Die Kosten der Rega werden je nach Einsatz von den Unfall- oder Krankenversicherungen getragen. Für ihre Gönner übernimmt die Rega jene Kosten, die nicht durch eine Versicherung gedeckt sind.

Die Rega transportiert nicht nur verletzte Menschen, sondern im Rahmen der Hilfe für Bergbauern häufig auch verletzte oder tote Kühe und auch Tiere, die beispielsweise infolge Schneefall ihre Alpweiden nicht mehr selbst verlassen können.

Seit den Anfängen der Rega hat sich die Flotte ständig dem neusten Stand der Technik angepasst: Ab 1955 stand eine Hiller 12, ab 1957 eine Bell 47 J für die Rega im Einsatz; abgelöst später durch Bell Jet Ranger. Ab den 70er Jahren bildeten über lange Zeit drei Bölkow Bo 105 auf Flachlandbasen und 12 Alouette III auf Gebirgsbasen die Helikopterflotte der Rega. Ab 1992 wurden beide Typen durch die Agusta A109 K2, einer speziellen Weiterentwicklung der Agusta A109 für den Rettungseinsatz, abgelöst. Auf den Flachlandbasen Lausanne, Bern, Basel und Zürich wurden die A109 K2 Ende 2003 durch neuere Helikopter des Typs Eurocopter EC 145 ersetzt, die auf den Basen im Alpenraum eingesetzten Agusta A109 K2 werden zwischen 2008 und 2009 durch das Nachfolgemodell vom Typ Agusta Grand abgelöst.

Einsatz International

Bei medizinischen Problemen im Ausland kann jede Privatperson die Rega um Hilfe bitten. In der Einsatzzentrale der Rega macht sich dann ein Arzt aufgrund der Angaben vor Ort ein möglichst genaues Bild und entscheidet dann, ob und wie der Patient in die Schweiz zurück geflogen wird. Schlechte medizinische Versorgung vor Ort oder ein voraussichtlich längerer Krankenhausaufenthalt sind dabei wichtige Entscheidungskriterien.

Die so genannte Repatriierung findet dann je nach Entscheidung mit einem Ambulanzflugzeug der Rega oder mit einem Linienflug statt.

Anfänglich wurden für Repatriierungen Ambulanzflugzeuge des Typs Lear Jet 24D eingesetzt. Wie die Helikopterflotte wurde auch die Flugzeugflotte laufend modernisiert: Es folgten Bombardier Challenger CL-600, CL-601 und British Aerospace BAe 125-800B (Raytheon Hawker 800). Heute besteht die Flotte der Ambulanzflugzeuge aus drei modernen Challenger 604 aus dem Hause Bombardier.

Rega in Zahlen

2007 führte die Rega insgesamt 11'189 Einsätze durch. 736 davon betrafen Bergunfälle, 1513 Wintersportunfälle, 1107 Verkehrsunfälle, 45 Lawinenunfälle, 851 Repatriierungen und 362 Rückführungen mit Linienflügen. Die Anzahl der Gönner stieg um 1.4% auf 2.022 Mio.

Standorte der Rega

Rega-Center

Am nordöstlichen Rand des Zürcher Flughafens befindet sich das so genannte Rega-Center, der Hauptsitz der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Der Hauptsitz umfasst unter anderem den Hangar für die Challenger-Ambulanzflugzeuge der Rega, die Unterhaltswerkstätte, die Einsatzzentrale, Verwaltungsräumlichkeiten und die Infrastruktur für die Ausbildung; am Hauptsitz sind rund 150 Rega-Mitarbeiter beschäftigt. Die Einsatzbasis von Zürich ist aber nicht in Zürich-Kloten, sondern in Dübendorf. Vom Klotener Flughafen werden keine Hubschraubereinsätze geflogen.

Helikopter-Basen der Rega

Basel (Rega 2)

Seit 1975 betreibt die Rega auf dem Flughafen Basel-Mülhausen-Freiburg eine Basis. Mehr als die Hälfte der Einsätze betreffen Südbaden (Deutschland), rund fünf Prozent das Elsass. In der Schweiz deckt die Basler Basis die Nordwestschweiz, den Jurasüdfuss und den Kanton Jura ab.

Bern (Rega 3)

In Bern ist die Rega seit 1976 auf dem Flughafen Bern-Belpmoos stationiert. Bern ist eine so genannte Flachlandbasis; ihre Aktivitäten bestehen primär in Einsätzen bei Verkehrsunfällen sowie sekundär Verlegungen von Spital zu Spital.

Erstfeld (Rega 8)

Die Rega ist seit 1966 im Kanton Uri tätig, seit 1978 mit einer eigenen Basis in Erstfeld. Erstfeld ist eine so genannte Gebirgsbasis; im Sommer stehen Bergunfälle im Vordergrund, im Winter Einsätze für verunfallte Wintersportler. Hinzu kommt die Tierrettung im Rahmen der sommerlichen Alpbewirtschaftung.

Wilderswil / Interlaken (Rega 10)

Im Berner Oberland ist die Rega seit 1971 aktiv, ursprünglich am Flugplatz Interlaken und seit 1982 mit einer eigenen Basis auf dem Heliport Gsteigwiler. Rega 10 ist eine Gebirgsbasis und unter anderem auf anspruchsvolle Rettungseinsätze im Hochgebirge spezialisiert. Anfangs Mai 2008 erfolgt der Umzug vom Standort Gsteigwiler zum neuen Basenstandort Wilderswil. Hier bezieht die Rega-Basis EBBO Ihre neuen Räume und startet den Flugbetrieb ab dem neuen Standort am 10. Mai 2008.

Lausanne (Rega 4)

Seit 1981 fliegt die Rega ihre Einsätze im Genferseegebiet von einer Basis in Lausanne aus. Pro Jahr finden ab Lausanne rund 1000 Einsätze statt, davon etwa ein Drittel mindestens teilweise in der Nacht.

Locarno (Rega 6)

In der Magadinoebene im Zentrum des Kantons Tessin ist die Rega seit 1980 präsent. Das Einsatzgebiet umfasst den ganzen Kanton Tessin sowie Teile des Kantons Graubünden und das Misox. Hinzu kommen immer wieder auch Einsätze im benachbarten Italien.

Samedan (Rega 9)

Im Engadin fliegt die Rega seit 1957 Einsätze, seit 1977 mit einer eigenen Infrastruktur auf dem Flugplatz Samedan. Rega 9 ist eine Hochlandbasis mit einem grossen Spektrum an Einsätzen, wobei es sich hauptsächlich um so genannte Primäreinsätze handelt, bei denen Notarzt und Rettungssanitäter zur Erstversorgung an eine Unfallstelle geflogen werden.[1]

Der schweizerdeutsche Spielfilm Heldin der Lüfte wurde mit Unterstützung der Rega in Samedan gedreht, feierte am 3. Dezember 2008 im Rega-Center Kloten seine Premiere und wurde erstmals am 14. Dezember 2008 auf SF 1 ausgestrahlt.[2]

St. Gallen (Rega 7)

Für Einsätze im Kanton St. Gallen, im Kanton Thurgau sowie in den beiden Appenzeller Kantonen und im Fürstentum Liechtenstein verfügt die Rega seit 1984 über eine Basis in Winkeln zwischen Gossau und St. Gallen. Häufig finden auch Einsätze in Deutschland und Österreich statt. Anfangs "hauste" die Crew der Basis St.Gallen in einem Wohnwagen unter einer Autobahnbrücke.

Untervaz (Rega 5)

In Untervaz im Norden des Kantons Graubünden befindet sich seit 1992 eine der jüngeren Rega-Basen, nachdem die Rega vorher ab 1976 den Flugplatz Bad Ragaz genutzt hatte. Ab Untervaz fliegt die Rega pro Jahr etwa 900 Einsätze, davon rund 300 für Wintersportunfälle.

Dübendorf (Rega 1)

In Dübendorf befindet sich Rega 1, die älteste Basis der Rega. Ab 1968 flog die Rega Einsätze von einer Basis auf dem Flughafen Zürich, ab 1972 provisorisch vom Standort auf dem Kinderspital in der Stadt Zürich. Seit Frühling 2003 verfügt Rega 1 über eine moderne Basis auf dem Gelände des Militärflugplatzes Dübendorf. Pro Jahr fliegt die Zürcher Basis rund 1000 Einsätze.

Helikopter-Basen von Partnern der Rega

  • Genf (Rega 15): Universitätsspital Genf
  • Mollis (Rega 12): Heli-Linth AG
  • Zweisimmen (Rega 14): BOHAG

Im Kanton Wallis sind nicht die Rega, sondern Air Glaciers und Air Zermatt für die Luftrettung zuständig.

Einzelnachweise

  1. Rega 9: „Hochlandbasis“ im Engadin, abgerufen am 15. Dezember 2008
  2. Tages-Anzeiger online (3. Dezember 2008): Melanie Winiger rettet Leben im Bündnerland, abgerufen am 4. Dezember 2008

Weblinks


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