Unter den Brücken

Unter den Brücken
Filmdaten
Originaltitel Unter den Brücken
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Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1946
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Helmut Käutner,
Walter Ulbrich
Produktion Kurt-Fritz Quassowski
Musik Bernhard Eichhorn
Kamera Igor Oberberg
Schnitt Wolfgang Wehrum
Besetzung

Unter den Brücken ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1944/1945. Er wurde vom 8. Mai 1944 bis Oktober 1944 in der Umgebung von Berlin und Potsdam in Schwarzweiß gedreht. Die Uraufführung fand im Juli 1946 in Locarno statt.

Inhaltsverzeichnis

Zu Handlung und Interpretation

Auf der Oberfläche ist der Film eine zeitlose Liebesgeschichte, bei dem das Symbol eines Lastkahns als einer schwimmenden Insel (unter den Brücken) im Zentrum steht. Er gehört Hendrik und Willy, zwei jungen Partikulieren. Sie wohnen darauf und sind ständig auf den Kanälen und Flüssen zwischen Oder und Nordsee unterwegs. Die beiden haben zwar hin und wieder eine Affäre an Land, träumen aber von einer festen Bindung.

In einer Sommernacht fällt ihnen auf der Glienicker Brücke vor Berlin ein weinende junge Frau auf, die sich offenbar in die Havel stürzen will. Sie springt dann doch nicht und wirft nur einen Zehnmarkschein ins Wasser. Weil der letzte Bus schon weg ist, überreden die beiden Freunde die Frau – sie heißt Anna –, auf den Kahn zu kommen und nach Berlin mitzufahren, wo sie eine kleine Wohnung hat.

Schon bald verlieben sich Hendrik und Willy beide in sie, und da sie sehr unterschiedlich sind – der eine eher versonnen, der andere jovial-listig – jeder auf seine Weise. Durch eine taktlose Äußerung Willys gekränkt, verlässt Anna das Schiff.

Danach schließen die beiden Männer ein Abkommen: Wer Anna für sich gewinnen kann, muss auf seinen Anteil am Kahn verzichten. Willy geht an Land und heuert als Kranführer im Binnenhafen Berlin an, während Hendrik weiter auf dem Schiff Lasten fährt. Er kommt einmal bis in die Rheinmündung und steuert dort auf einen überwältigenden Abendhimmel überm Meer zu, wo die Kameraführung verrät, dass dort in der Ferne eine andere, glücklichere Welt liegen könnte. Dies gehört in die von der Filmzensur unbeanstandete Zeichensprache eines scheinbar ganz unpolitischen Käutner-Films, der es dennoch deutlich vermeidet, Nazideutschland für die beste aller Welten zu erklären.

Willy wirbt derweil um Anna. Sie erzählt ihm, warum sie den Geldschein von der Brücke warf: Sie wollte eine schlechte Erinnerung loswerden. Ursprünglich aus Schlesien stammend, fühlte sie sich sehr einsam in Berlin. Um unter Leute zu kommen, hatte sie einen Ausflug zum Wannsee gemacht, dort einen Maler kennengelernt und sich in ihn verliebt. Als er sie bat, für ihn Modell zu stehen, kam sie in der Hoffnung, er würde ihre Neigung erwidern, in sein Atelier. Doch nach einer Sitzung als Aktmodell erhielt sie lediglich 10 Mark für ihre Mühe.

Willy merkt, dass er für Anna nur ein guter Freund ist. Er spürt, dass Anna in Hendrik verliebt ist und so arrangiert er ein unerwartetes Stelldichein für die beiden. Auch wenn es Willy nicht leicht fällt, verzichtet er schließlich auf die Erfüllung des Abkommens und fährt mit Anna und Hendrik künftig gemeinsam unter den Brücken.

Hintergrund

Gedreht wurde unter anderem an der Glienicker Brücke, in Werder (Havel) und Potsdam sowie im Berliner Tiergarten.

Der Film lag im März 1945 der Zensurbehörde vor, gelangte aber nicht mehr in die deutschen Kinos. Die deutsche Erstaufführung fand erst am 15. Mai 1950 in Göttingen statt.

Wirkung

Die besonderen künstlerischen Qualitäten dieses sehr ruhig angelegten, Bild und Musik klug einsetzenden Käutner-Werks haben ihm einen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Das Lexikon des deutschen Films nennt es 1995 ein Meisterwerk und bescheinigt ihm „Momente poetischer Klarheit […] fernab von den Heroismus- und Durchhalteparolen seiner Entstehungszeit, […] einfühlsame Musik (Bernhard Eichhorn) und Darsteller, die den optischen Realismus in Ausdruck und Habitus kongenial umsetzten.“

Kritiken

„Eine kleine alltägliche Geschichte mit Poesie, Realismus, viel Atmosphäre und einem Schuß Humor, unprätentiös und präzise inszeniert.“

Lexikons des Internationalen Films[1]

„Makellos ist die Kameraarbeit, die den Film zu einer einzigen Etüde in Licht und Schatten macht, von den Bildern des Vorspanns, die in gewagten Schrägen himmelwärts die Fahrt unter Brücken zeigen, bis zur Szene einer großen Aussprache im Ruderboot. Nur in Teilen sichtbar ist zu Beginn Annas Gesicht, in den Schatten der Nacht gehüllt, aus dem in fast natürlich wirkender Künstlichkeit die beleuchteten Partien stechen. Man kann das auch "poetischen Realismus" nennen. Und Helmut Käutner damit - darf ich es aussprechen? - durchaus auch neben Jean Renoir oder Marcel Carné stellen.“

filmzentrale[2]

„"Wir lebten verträumt neben der Zeit und lenkten uns durch die Arbeit von all dem Schrecken ab", erzählte Käutner später und schuf 1944 diese unglaublich dichte, atmosphärische Romanze voller filmischer Einfälle und vor allem voller Leichtigkeit, Zartheit und Poesie.“

kino-zeit.de[3]

Literatur

  • Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms 1930–1960 (Goldmann Magnum). München 1980, Seite 151-152.
  • Hans-Jürgen Tast: Helmut Käutner – Unter den Brücken. 1944/45 (Schellerten 2007) ISBN 978-3-88842-033-7

Einzelnachweise

  1. Unter den Brücken im Lexikon des Internationalen Films
  2. Ekkehard Knörer in filmzentrale.com: [1]
  3. Stefan Otto in kino-zeit.de: [2]

Weblinks


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