Hugo Simon (Bankier)

Hugo Simon (Bankier)

Hugo Simon (* 1. September 1880 in Usch, Provinz Posen; † 1. Juli 1950 in São Paulo, Brasilien) war ein deutscher Bankier und Politiker. Nach der Novemberrevolution 1918 war er als Mitglied der USPD kurzzeitig im Rat der Volksbeauftragten preußischer Finanzminister. Diese kurze Zeit als Politiker verarbeitete Alfred Döblin in seinem Roman "November 1918".

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hugo Simon stammte aus einer jüdischen Familie und wuchs auf dem Hof seines Vaters in Kahlstädt im Landkreis Kolmar (Provinz Posen) auf. Er absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung und in Marburg eine Banklehre. Nach dem Tod des Vaters und dem Verkauf des Gutes lebte Simon mit seiner Frau Gertrud und den Töchtern Anette und Ursula in Berlin-Zehlendorf. Er war Mitinhaber des Berliner Bankhauses Bett, Simon & Co., das er gemeinsam mit Kasimir Bett führte. Ursprünglich hatte er es mit seinem Partner Carsch unter dem Namen Carsch, Simon & Co. gegründet.

Er galt als engagierter Kunstmäzen und nahm als Mitglied der Ankaufskomission Einfluss auf die Erwerbspolitik der Nationalgalerie Berlin. Er war Aufsichtsratsmitglied bei dem S. Fischer Verlag und dem Ullstein Verlag und Bankier des Verlegers Paul Cassirer. In seinem Haus trafen sich wöchentlich Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Gelehrte. Dazu gehörten u.a. Bertolt Brecht, Erich Maria Remarque, Alfred Döblin, Arnold Zweig, Heinrich Mann, Stefan Zweig und Carl Zuckmayer, auch bildende Künstler wie Max Pechstein, Oskar Kokoschka und George Grosz, des Weiteren die Schauspielerin Tilla Durieux, die Verleger Samuel Fischer, Ernst Rowohlt und die Ullsteinbrüder sowie Politiker wie der preußische Ministerpräsident Otto Braun. Darüber hinaus war Hugo Simon befreundet u.a. mit Albert Einstein, Karl Kautsky und Thomas Mann; die Dichterin Else Lasker-Schüler widmete 1920 "Hugo Simon dem Boas" ihr Gedicht "Gott hör …".

1921 kaufte Hugo Simon das ehemalige Ausflugslokal "Schweizerhaus" in Seelow (Mark Brandenburg) und errichtete hier ein landwirtschaftliches Mustergut mit Vieh- und Geflügelzucht, Obst- und Gemüseanbau. 1923/24 ließ er auf dem Gelände einen Nachbau von Goethes Gartenhaus in Weimar bauen. Erbauer war der Architekt Ernst Rossius-Rhyn. Hinzu kam eine kleine Parkanlage mit Volièren für verschiedene Arten von Sittichen und Fasanen und einem von dem Keramiker Emil Pottner entworfenen Vogelbrunnen. Er war Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und arbeitete u.a. zusammen mit Prof. Erwin Baur, Direktor an dem von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft betriebenen Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Hugo Simon 1933 mit seiner Frau über die Schweiz nach Paris. Hier gründete er erneut ein Bankhaus, unterstützte die Flüchtlingshilfe und engagierte sich politisch u.a. als Gründungsmitglied der pazifistischen Organisation Bund Neues Vaterland. 1937 wurde Hugo Simon ausgebürgert. Kurz vor der Besetzung Paris´ durch die Wehrmacht gelang ihm und seiner Frau im Juni 1940 die Flucht nach Marseille. Schließlich konnten beide im Februar 1941 mit tschechischen Pässen unter den Decknamen "Hubert Studenic" und "Garina Studenic" über Spanien und Portugal nach Brasilien ausreisen.

Anfangs wohnte das Ehepaar in Rio de Janeiro, dann zogen sie nach Barbacena, wo sich Hugo Simon an einem staatlichen Institut der Seidenraupenzucht widmete. Er starb 1950 in São Paulo.

Kunstsammlung

Simons umfangreiche Kunstsammlung wurde durch Emigration, Enteignung und Notverkäufe zerstreut. Der Bestand lässt sich heute nicht mehr im Einzelnen rekonstruieren. 1933 konnte er noch mehrere Kunstwerke ausführen, darunter befanden sich insbesondere Werke des deutschen Expressionismus und Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert. Mehrere Werke bot er in der Schweiz und in Frankreich einzelnen Kunsthändlern sowie Museen, wie dem Kunsthaus Zürich und dem Kunstmuseum Basel, zum Verkauf an. Etliche Kunstwerke blieben aber auch in Deutschland zurück und wurden zusammen mit dem weiteren Besitz Simons am 9. Oktober 1933 von den Nationalsozialisten konfisziert.

Schweizerhaus

Das Schweizerhaus wurde 1936 durch das staatliche Versuchsinstitut in Landsberg/Warte übernommen und als "Staatliches Versuchsgut Oderbruch" fortgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gut zunächst durch die Rote Armee besetzt und diente zu deren Versorgung. 1950 wurde das Gut durch die Vereinigung Volkseigener Betriebe übernommen und fortan als VEB Gartenbau betrieben. Das Schweizerhaus beherbergte in dieser Zeit die Verwaltung und diente als Lehrlingswohnheim. Nach 1990 stellte eine Erbengemeinschaft einen Antrag auf Restitution.

Literatur

  • Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg (Hrsg.) (2001): Fluchtgut - Raubgut. Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933-1945 und die Frage der Restitution, Zürich.
  • Kestler, Izabela Maria Furtado (1992): "Die Exilliteratur und das Exil der deutschsprachigen Schriftsteller und Publizisten in Brasilien", Frankfurt/M.
  • Trapp, Frithjof: Die Autobiographie des Bankiers und Politikers Hugo Simon: politische Reflexion im Medium des deutschen Realismus, in: Exil <Frankfurt, M.>, Bd. 6 (1986), 2, S. 30-38.
  • Koch, Edita: Hugo Simon/Hubert Studenic, in: Exil <Frankfurt, M.>, Bd. 3 (1983), 1, S. 50f.

Film

Privatfilm für Hugo Simon, (1924), Regie und Produktion: Gertrud David.

Autobiographie

  • Simon, Hugo: "Seidenraupen", unveröffentlicht

Weblinks


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