Schienenbus

Schienenbus
Australischer AEC-Schienenbus

Als Schienenbus, Schienenomnibus (abgekürzt Schom) oder auch Leichtverbrennungstriebwagen (LVT) werden leichte Triebwagen bezeichnet, die hauptsächlich auf Nebenbahnen alleine oder im Verbund mit baugleichen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Sie basieren oft (aber nicht in allen Fällen) auf konstruktiven Elementen aus der Omnibus- und Lastkraftwagen-Industrie.

Schienenbusse haben in der Regel keine Kupplungen oder aber vereinfachte, zum Teil automatische Kupplungssysteme, die nur das Kuppeln gleichartiger Fahrzeuge unter sich ermöglichen. Der meistens geringen Leistung wegen sind sie, falls überhaupt, meistens nur für das Mitführen von einzelnen angehängten Personen- oder Steuerwagen in ähnlicher auf die Triebfahrzeuge abgestimmter Bauweise geeignet. Es gibt auch Schienenbusse mit normalen Zug- und Stoßeinrichtungen an den Fahrzeugenden. Sie ermöglichen neben dem Mitführen von auf die Triebfahrzeuge abgestimmte Personen- oder Steuerwagen auch das gelegentliche Mitführen von einzelnen oder mehreren normalen Personen- oder Güterwagen.

Die ersten Schienenbusse waren normale Omnibusse mit Eisenbahnrädern. Auch heute noch ist diese Konstruktionsart in lateinamerikanischen Staaten typisch. Erst später wurden ausgewählte oder konstruktiv angepasste Teile, wie beispielsweise Motoren, Getriebe und Karosserieelemente, aus der Nutzfahrzeugindustrie in der Kombination mit triebwagenspezifischen Bauteilen verwendet. In dieser Konstruktionsart liegen die Vorteile vor allem in kleineren Investitions- und Betriebskosten wie auch dem geringeren Gewicht bezogen auf einen Triebwagen klassischer Bauart.

In Skandinavien wurden in den 1950er-Jahren vierachsige Leichttriebwagen mit Diesel- oder Elektroantrieb gebaut, die ebenfalls als Schienenbusse («Rälsbussarna») bezeichnet wurden. Mit ihrem tief liegenden Wagenkasten und den automatischen Kupplungen hatten sie durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit den Uerdinger Schienenbussen.

International betrachtet ist ein Schienenbus ein normaler Omnibus mit Eisenbahnrädern oder aber ein Triebwagen (älterer zeitgenössischer deutschsprachiger Ausdruck: Motorwagen oder Verbrennungstriebwagen) in gewichtsoptimierter Bauweise (Leichtbauweise). Infolge der heutigen Sicherheitsvorschriften wird dieser Ausdruck jedoch heute für Neubaufahrzeuge, besonders bezüglich der Leichtbauweise dermaßen ausgereizt, dass die fremdsprachigen Begriffe, wie beispielsweise Railbus, Railcar,[1] Autorail (Michelin)[2] oder Ferrobús für den Schienenbus eher einem normalen Triebwagen gleichzusetzen sind.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele aus Deutschland und Österreich

Leichtverbrennungstriebwagen VT 2.09 der DR

In der Regel werden Dampftriebwagen, Verbrennungstriebwagen und Elektrotriebwagen normaler Bauart, selbst wenn es sich um Fahrzeuge in Leichtbauweise handelt, nicht zu den Schienenbussen gezählt.

Die Wismarer Schienenbusse der Waggonfabrik Wismar wurden bis 1941 produziert und erreichten eine größere Verbreitung. In der Nachkriegszeit fanden dann flächendeckend und in großer Anzahl die Uerdinger Schienenbusse der Deutschen Bundesbahn (DB) im Westen und die Leichtverbrennungstriebwagen VT 2.09 der Deutschen Reichsbahn (DR) im Osten Verbreitung. Diese Schienenomnibusse konnten mit Beiwagen oder Steuerwagen verstärkt werden.

In den 1990er-Jahren wurde die Idee des Schienenbusses wieder aufgegriffen, nachdem die Deutsche Bundesbahn zuvor als Nachfolger für die Uerdinger Schienenbusse die VT 627 und VT 628 hatte entwickeln lassen. Die Deutsche Bahn AG beschaffte für Nebenstrecken die als moderne oder Doppelstock-Schienenbusse bezeichneten zweiachsigen Doppelstock-Triebwagen der Baureihe 670 in einer kleinen Stückzahl, denen allerdings kein Erfolg beschieden war. Auch die Bombardier LVT/S können als Schienenbus-Nachfolger bezeichnet werden.

In Österreich wurden ebenfalls Uerdinger Schienenbusse eingesetzt. Man fand sie bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als Baureihe 5081 und bei der Graz-Köflacher Eisenbahn (GKB) als Baureihe VT 10. Außerdem bei der Montafonerbahn, bei den Steiermärkischen Landesbahnen (StLB) und bei der Südburgenländischen Regionalbahn (SRB).

Beispiele

Größere Serien

  • Wismarer Schienenbus
  • Einmotoriger Uerdinger Schienenbus VT 95.9 der Deutsche Bundesbahn, ab 1968: Baureihe 795,
  • Zweimotoriger Uerdinger Schienenbus VT 98.9 der Deutschen Bundesbahn, ab 1968: Baureihe 798, zuletzt auch 796, sowie einigen Nichtbundeseigene Eisenbahn
  • VT 2.09 der Deutschen Reichsbahn, ab 1970: Baureihe 171 und 172, ab 1994 Baureihe 771 und 772, bei der Deutsche Reichsbahn als Leichtverbrennungstriebwagen bezeichnet.
  • MAN-Schienenbus, bei vielen Nichtbundeseigene Eisenbahn im Einsatz

Prototypen, Einzelstücke und Kleinserien

Schienenbusse in der Schweiz

In der deutschsprachigen Schweiz gab es keine Fahrzeuge, die als Schienenbus bezeichnet wurden. Hingegen wurde der ähnliche französische Begriff «autorail» (der in Frankreich nur für Verbrennungstriebwagen verwendet wird) beispielsweise von der MOB für ihre Leichttriebwagen 3001–06 verwendet.

Internationale Beispiele

Baureihe 810 der tschechischen ČD im Originalzustand
Straßenbus mit Eisenbahnrädern: ein bolivianischer Ferrobús
Galloping Goose der Rio Grande Southern Railroad

Fahrzeuge Uerdinger Bauart wurden in Jugoslawien in Lizenz gebaut. Sie werden noch bei einigen Nachfolgebahnen der Jugoslovenske Železnice eingesetzt. Von der Waggon- und Maschinenbau GmbH Donauwörth wurden 1958 fünf Schienenbusse nach Großbritannien geliefert.

Tschechien, Slowakei und Ungarn

Heute werden Schienenbusse vor allem bei der tschechischen ČD, der slowakischen ŽSSK und der ungarischen MÁV eingesetzt. Diese Bahnen setzen den gleichen Grundtyp M 152 bzw. Bzmot ein, der seit 1973 von Vagonka Studénka produziert wurde und inzwischen in verschiedenen Varianten modernisiert wurde.

Frankophoner Raum

Der Autorail FUF war ein belgischer Regionalverkehrstriebwagen. Die Fahrzeuge waren bis 1963 im Einsatz. Weite Verbreitung fand in Frankreich und seinen Kolonien über Jahrzehnte die von der Reifenfirma Michelin in Zusammenarbeit mit mehreren Bahngesellschaften entwickelte gummibereifte Micheline.

Skandinavien

Die von Valmet nach schwedischer Lizenz erbauten Schienenbusse der Baureihe Dm7 waren vierachsig und wurden von 1955 bis 1988 durch die finnische Staatsbahn Valtionrautatiet im Nahverkehr eingesetzt.

Literatur

  • Diverse Autoren: 50 Jahre Uerdinger Schienenbusse. Eisenbahn Kurier-Special Nr. 56, EK-Verlag, Freiburg 2000.
  • Jürgen Krantz, Roland Meier: Alles über den Schienenbus. Transpress-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3613713130.
  • Christoph Riedel: Schienenbusse und Akkutriebwagen - Die letzten Einsatzjahre in Westdeutschland. Verlag Podszun, Brilon 2009, ISBN 978-3-86133-496-5

Einzelnachweise

  1. Deutsch: Schienenbus; Englisch: railbus (techn.) und railcar (Brit.); auf dem Online-Service der LEO GmbH (Zugriff am 22. Dezember 2010)
  2. Deutsch: der Schienenbus; Französisch: Micheline f (techn.); auf dem Online-Service der LEO GmbH (Zugriff am 22. Dezember 2010)
  3. www.carocar.com (Panier) Borgward Leichttriebwagen der Sylter_Inselbahn (Zugriff am 21. Dezember 2010)

Weblinks

 Commons: Railbuses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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