Wirtschaft der Niederlande

Wirtschaft der Niederlande
Niederlande
Flag of the Netherlands.svg
Weltwirtschaftsrang 16. (nominal) (2009)
Währung Euro (EUR)
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) $ 794 Mrd. (nominal) (2009)[1]
$ 658 Mrd. (PPP) (2009)[2]
BIP pro Kopf $ 48.222 (nominal) (2009)[3]
$ 39.938 (PPP) (2009)[4]
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 1,7 %
Industrie: 23,9 %
Dienstleistung: 74,4 %[5]
Wirtschaftswachstum -3,98 % (2009)[6]
Inflationsrate 1,0 % (2009)[7]
Erwerbstätige 8,65 Mio (2009)[8]
Erwerbsquote 77 % (2009)[9]
52,5 % (real) (2009)
Arbeitslose ca. 390.000
Arbeitslosenquote 4,5 % (August 2010)[10]
Außenhandel
Export € 356.9 Mrd. (2009)[11]
Exportgüter Maschinen,
Chemieprodukte,
Nahrungsmittel[12]
Exportpartner Deutschland: 24,1 %
Belgien: 11 %
Frankreich: 8,9 %[13]
Import € 317,7 Mrd. (2009)[14]
Importgüter Maschinen,
Chemieprodukte,
Fertigprodukte[15]
Importpartner Deutschland: 19,7 %
Belgien: 9,9 %
USA: 8,5 %[16]
Außenhandelsbilanz € 39,2 Mrd. (2009)[17]
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 60,9 % des BIP (2009)[18]
Staatseinnahmen 46,3 % des BIP (2009)[19]
Staatsausgaben 51,6 % des BIP (2009)[20]
Haushaltssaldo 5,3 % des BIP (2009)[21]

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Kernelemente der niederländischen Wirtschaft sind traditionell Handel und Distribution. Fischerei und Seefahrt bilden die historische Grundlage für die Entwicklung des Außenhandels und der Industrie. Entsprechend seiner Geschichte als Handelsnation, hat sich das Land zur Distributionsdrehscheibe Europas entwickelt. Die Niederlande sind seit 1952 Mitglied der Europäischen Union und gehören daneben der Benelux-Gemeinschaft, der NATO und den Vereinten Nationen an.

Die wirtschaftlichen Eckdaten aus 2009[22][23] sehen wie folgt aus:

Das niederländische Planungsamt (Centraal Planbureau, CPB) erwartet für 2010 ein leichtes Wachstum des BIP auf +1,5 Prozentpunkte. Die Arbeitslosigkeit lag im Februar 2010 bei 5,7 Prozent und laut Analysten steigt sie weiter auf 6,5 Prozent. Im März 2010 lag die Inflationsrate bei 1 Prozent, weist also eine geringfügige Verbesserung gegenüber 2009 mit 1,2 Prozent auf.

Wirtschaftsgeographie

Die Niederlande sind das am dichtesten besiedelte Land Europas. Die Bevölkerung konzentriert sich in der Randstad, dem Gebiet zwischen den westlichen Großstädten Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag. Die Voraussetzungen der Randstad als Motor für die niederländische Wirtschaft sind denkbar gut: Viele auf dem Seeweg angelieferte Waren werden über die beiden großen Häfen Rotterdam (Güterumschlag 2009: 385 Millionen Tonnen) und Amsterdam (Güterumschlag 2009: 73 Millionen Tonnen) in das europäische Hinterland transportiert. Gleichzeitig beheimatet die Hauptstadt Amsterdam mit dem Flughafen Schiphol auch einen der größten internationalen Flughäfen. 2009 war Schiphol mit einem Frachtaufkommen von ca. 1,3 Millionen. Tonnen und 44 Mio. Passagieren der fünftgrößte Frachtflughafen Europas. Neben großen Warenumschlagplätzen verfügen die Niederlande über eine leistungsfähige Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, unternehmerfreundliche Genehmigungsverfahren und günstige rechtliche Rahmenbedingungen.[24]

Bedeutung der einzelnen Branchen

Landwirtschaft

Der prozentuale Anteil der Landwirtschaft am BIP ist zwar relativ klein, dennoch ist sie ein wichtiger Faktor der niederländischen Wirtschaft. Aufgrund der kleinen Fläche der Niederlande ist die Landwirtschaft sehr intensiv. Massentierhaltung und Monokulturen sind die vorherrschenden Formen. Durch diese Intensivierung lässt sich bei möglichst geringem Aufwand der maximale Ertrag erzielen. Der Nachteil ist die hohe Belastung der Umwelt durch diese Wirtschaftsweise. Hohe Grundwasserbelastung und Überdüngung sind die Folgen. Auch leidet die Qualität vieler pflanzlichen Produkte durch die Auslaugung der Böden hinsichtlich Vitamin- und Nährstoffgehalt[25] In landwirtschaftlicher Hinsicht sind die Niederlande ein Exporteur. Die Lebensmittelexporte übertreffen die Importe (hauptsächlich Getreide und Früchte) deutlich. Das wichtigste Produkt ist Schweinefleisch. Die Niederlande sind einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Nach den USA sind die Niederlande der zweitwichtigste Exporteur landwirtschaftlicher Produkte. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in den Niederlanden teilt sich in folgende Bereiche auf: Fünfzig Prozent sind Weideland, auf vierzig Prozent wachsen Nutzpflanzen und circa 10 Prozent werden für Schnittblumen, ein typisches Produkt der Niederlande, genutzt. Es wird auch versuchsweise in den Städten ein Industriebauernhof betrieben, wegen Platzmangel ein mehrstöckiges Gebäude, wo Schweine und Hühner gehalten werden.

Forstwirtschaft und Fischerei

Während die Fischerei nach wie vor einen hohen Stellenwert in der niederländischen Wirtschaft hat ist Forstwirtschaft praktisch nicht vorhanden – mangels Wäldern.

Bergbau und Energie

Die Niederlande sind eigentlich ein rohstoffarmes Land, mit einer Ausnahme: Erdgas. Hiervon besitzt es große Vorkommen und könnte, nach deren Entdeckung in den 1950er Jahren, die Kohleproduktion einstellen. In den 1990er Jahren wurde die Windenergie im Energiesektor immer wichtiger.

Industrie

Die industrielle Produktion gewann in den Niederlanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Die Schwerindustrie erlangte in den Niederlanden nicht die wichtige Position, die sie in den Nachbarländern einnahm. Nach 1945 wuchs das produzierende Gewerbe rasant, besonders auf dem Gebiet der Chemie - und Elektronikindustrie. Weitere wichtige Sektoren waren Nahrungsmittel und Getränke, Tabakwaren, Baumaterialien, Schiffe, raffiniertes Erdöl, Gummi- und Kunststoffwaren und Druckereierzeugnisse.

Bankwesen

Das Bankwesen ist ein wichtiger Teil der niederländischen Wirtschaft. Vor allem Amsterdam ist ein internationales Bankenzentrum.

Tourismus

Die Niederlande sind ein attraktives Ausflugsziel. Hauptattraktionen sind die Windmühlen, die Blumenfelder, Museen und die Städte, besonders beliebt ist unter anderem Amsterdam. Jedes Jahr besuchen über drei Millionen Touristen die Niederlande.

Infrastruktur

Die Niederlande haben ein gut ausgebautes Straßennetz. So ist zum Beispiel das Autobahnnetz des Landes eines der dichtesten und am besten ausgebautesten der Welt. Das gilt auch für das Schienennetz, welches flächendeckend vorhanden ist. Vor allem jedoch für die Schifffahrt sind die Niederlande sehr günstig. So liegt das Land erstens an mehreren großen Flussmündungen (Rhein oder Waal, Maas, Lek, Schelde) und hat außerdem ein gut ausgebautes Kanalnetz, welches auch von größeren Schiffen befahren werden kann. Für Straßenbahnen, Busse und einige regionale Bahnverbindungen besteht ein landesweites Zonentarifsystem (Nationale vervoerbewijzen NVB). Beim Personentransport spielt das Fahrrad, fiets genannt, immer noch eine wichtige Rolle. Das flache Land kommt diesem Umstand zugute.

Außenhandel

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande. Ungefähr ein Viertel des gesamten niederländischen Exports (inklusive Wiederausfuhr) geht in die Bundesrepublik. Die vermeintlich kleinen Niederlande stehen mit einem Warenumsatz von 129 Mrd. Euro (2009) im bilateralen Außenhandel hinter Frankreich an zweiter Stelle der deutschen Partnerländer. Die Bundesrepublik gilt mit 54,4 Milliarden Euro als wichtigster Exporteur Richtung Niederlande. Die wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland haben dementsprechend einen großen Einfluss auf die Niederlande. Der niederländische Export reagiert schnell auf Konjunkturschwankungen im Nachbarland.[26]

Die Niederlande exportieren hauptsächlich Nahrungsmittel, Blumen, Maschinen, chemische Produkte und Erdgas. Importiert werden Obst und Getreide, Erdöl und Fahrzeuge. Die Niederlande haben eine leicht positive Handelsbilanz, das heißt der Export übersteigt den Wert der importierten Produkte.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1. Oktober 2010
  2. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1. Oktober 2010
  3. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1. Oktober 2010
  4. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1. Oktober 2010
  5. VGR Aggregate und Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftsbereichen - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  6. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1.Oktober 2010
  7. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  8. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Abgerufen am 1. Oktober 2010
  9. Eurostat bezieht sich lediglich auf Altersgruppe der 15-64-jährigen. Abgerufen am 1. Oktober 2010
  10. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  11. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  12. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  13. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  14. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  15. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  16. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  17. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  18. Öffentlicher Schuldenstand - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  19. Gesamteinnahmen des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  20. Gesamtausgaben des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  21. Defizit des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  22. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 6, Punkt 2.1 Wirtschaftliche Eckdaten und Entwicklung des BIP, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.
  23. [1], Kerndaten des Zentralen Statistikamts der Niederlande, Centraal Planbureau voor de Statistiek (CBS).
  24. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 5, Punkt 1.3 Wirtschaftsgeographie, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.
  25. http://diepresse.com/home/panorama/welt/380266/Niederlande_Dem-Gemuese-gehen-die-Vitamine-aus
  26. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 7-8, Punkt 2.3 Außenhandel, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.

Weblinks


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