Hans Steinacher

Hans Steinacher

Hans Steinacher (* 22. Mai 1892 in Bleiberg-Kreuth in Kärnten; † 10. Januar 1971 in Miklauzhof, Sittersdorf, slowenisch: Žitara vas) war ein deutschnationaler Volkstumspolitiker, der führend im Kärntner Abwehrkampf und als Protagonist des Kärntner Heimatdienstes sowie als geistiger Motor bei zahlreichen Grenzlandabstimmungen, im Deutschen Schulverein „Südmark“ sowie hauptsächlich an der Spitze des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland (VDA) mit Sitz in Berlin wirkte. Eigene Darstellungen ( „Ich bin in Österreich seit 1933 für die Partei angemeldet“[1]), seine bekannten Verbindungen in Berlin, von denen auch ein Friedrich Rainer profitierte,[2] und gegnerische Darstellungen (z.B. „Und noch ein Kriegsverbrecher in Freiheit“[3]) trugen ihm den Ruf als wichtiger und einflussreicher Nationalsozialist ein, er war jedoch möglicherweise in formal-rechtlicher Hinsicht nie ein Mitglied der NSDAP.[4] Er ist eine der kontroversiellsten Gestalten Österreichs im 20. Jahrhundert.

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Leben und Wirken

Der Sohn eines Bergarbeiters und späteren Hutmanns der BBU, der Bleiberger Bergwerks-Union, eines Zusammenschlusses von 6 Groß- und 80 Kleingewerken in Kärnten, wuchs in einer traditionell großdeutsch eingestellten Umgebung auf und erhielt ein Stipendium für den Besuch des 1867 gegründeten evangelischen Lehrerseminars in der zu über 80% deutschen Sprachinsel Bielitz im österreichischen Teil Schlesiens, wo Professor Karl Volkmar Stoy aus Heidelberg erstmals in Österreich die Herbartsche Pädagogik lehrte und wo Lehrer aus der ganzen österreichischen Monarchie von Kärnten bis zur Bukowina ausgebildet wurden. Als Mitglied der nicht zugelassenen alldeutsch ausgerichteten Burschenschaft „Gothia“,[5] deren Wahlspruch „Ohne Juda, ohne Rom wird gebaut Germanias Thron“ lautete,[6] gelangte er dort zur „Erkenntnis von der Eigenwertigkeit des deutschen Volkstums gegenüber anderen Völkern“, die auch in ihm ein „unverkennbares Überlegenheitsgefühl der Deutschen“[7] entstehen ließ und entwickelte sich „zum treuen und opferbereiten Patrioten seines deutschen Volkstums“.[8] Als Lehrer begann er sodann in Südtirol seinen Kampf gegen die „drohende Verwelschung“, denn Volkstumskampf bedeutete für ihn „Abwehr der ‚zerstörerischen’ Arbeiten der Slawen und der Romanen“.[9]

1914 meldete sich Steinacher als Freiwilliger zum k.u. k. Infanterieregiment Nr. 7 Graf von Khevenhüller, wurde bald zum Leutnant und 1917 zum Oberleutnant befördert und erhielt die "Goldene Tapferkeitsmedaille".[10] Nach Kriegsende widmete sich der Volktumskämpfer zunächst seiner Kärntner Heimat, der empfindliche Gebietsverluste drohten. Auf seine Initiative hin wurde 1919 die Landesagitationsleitung LAL gegründet, die dem Nationalpolitischen Ausschuss der Kärntner Landesversammlung angegliedert wurde.[11] Als einer der „führenden Kämpfer um Kärntens Freiheit“ sowie als „geistiger Motor“[12] für die Vorbereitung und Durchführung der Kärntner Volksabstimmung erwarb er sich den Ruhm als „großer Sohn Kärntens“, doch war sein Kampf weniger ein Kampf für Kärnten als ein Kampf für das Deutschtum:

“Es war mir stets eine unumstößliche Selbstverständlichkeit, den Abstimmungskampf nicht um den Anschluß an Österreich, sondern um die großdeutsche Zukunft zu führen.“ [13]

Nach dem Abstimmungserfolg in Kärnten engagierte sich Steinacher bei einer Reihe weiterer Abstimmungen im Gefolge der Friedensverträge über die künftige Gebietszugehörigkeit – Oberschlesien (1921), Tirols Anschluss ans Deutsche Reich (1921), Westungarn/Ödenburg (1921) - und agierte 1923 im Ruhrkampf gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung sowie gegen die Schaffung einer an Frankreich angelehnten Rheinischen Republik.

Ab 1922 war Steinacher neben seinen Grenzlandaktivitäten an der Universität Frankfurt am Main immatrikuliert und wurde 1925 nach einem damals nur sechssemestrigen staatswissenschaftlich-volkswirtschaftlichen Studiengang aufgrund seiner Dissertation zum Thema „Wirtschaft und Volksabstimmungen“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Nach kurzer Geschäftsführung des Deutschen Schulvereins „Südmark“ in Wien fungierte er bis 1930 in Frankfurt als Grenzlandreferent im Rang eines Ministerialrats des preußischen Innenministeriums, als Wirtschaftsberater deutscher Volksgruppen, als Kontaktmann zur österreichischen Anschlussbewegung, aber auch für eine halbamtliche Stiftung, die deutschen Volksgruppen im Ausland finanzielle und agitatorische Unterstützung bot.[14] 1930 wurde er ins Außenministerium überstellt und mit der Leitung der Zentralstelle für deutsche Auslandsbüchereien in Berlin betraut. 1931 wurde er das jüngste Vorstandsmitglied des VDA, des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, und im April 1933 formell dessen stellvertretender Vorsitzender, faktisch aber bereits der Leiter, als welcher er kurz danach auch öffentlich auftrat. „Vollständig illegal“ soll nach zeitgenössischen Quellen die Übernahme der Bundesleitung vor sich gegangen sein.[15]

Im Mai 1933 führte Steinacher, der sich bis 1934 als „Reichsführer“ bezeichnete, im VDA das Rassenprinzip ein, wonach nur „Deutschstämmigen “ eine Mitgliedschaft möglich war; im selben Sommer wurde der Hitlergruß zum offiziellen VDA-Gruß erklärt.[16]

Ab 1933 war VDA-Bundesleiter Hans Steinacher für die Koordinierung der Volksdeutschen verantwortlich [17]

Als einer der radikalsten „Deutschtumspolitiker“, der laut der bürgerlichen Vossischen Zeitung als politischer Extremist galt, von dem gemutmaßt wurde, er sei an der Ermordung rheinischer Separatisten nicht unbeteiligt gewesen,[18] erreichte er auch die Gründung der Nordostdeutschen Forschungsgemeinschaft und die Zusammenarbeit mit den drei bereits existierenden volkstumspolitischen Arbeitsgemeinschaften, der Alpenländischen, der Rheinischen und der Wiener Südostdeutschen. Sämtliche Gebiete, in denen Deutsche wohnten, vom Rheinland und der Westschweiz bis in tschechische, ungarische und kroatische Gebiete und bis ins Memelland sollten wissenschaftlich betreut werden.[19] Ein „Frontkrieg um Wesenserhaltung und Boden“ sei gefordert.[20]

Miklauzhof

In Kärnten unternahm Steinacher große Anstrengungen, um das dortige deutschnationale Lager des Landbundes, der Großdeutschen Volkspartei sowie der völkischen Vereine wie des Kärntner Heimatbundes oder der Wehrturner des Deutschen Turnerbundes, denen er auch seinen 1929 erworbenen Besitz Miklauzhof als „deutsche Bastion“ im Kärntner Unterland zur Verfügung stellte, auf die Linie der NS-Österreichpolitik einzuschwören. Österreich sei auf die Dauer nicht lebensfähig und müsse an Deutschland angegliedert werden. „Einheit im deutschen Volkstum ist unsere Bestimmung für die Zukunft.“[21] Bald vertraten weite Kreise die Meinung, Steinacher solle die Führung der NSDAP in Österreich übernehmen.[22]

Als Vorsitzender des VDA, der sich als parteiunabhängiger und nominell unpolitischer, allein für kulturelle und soziale Aufgaben gegründeter Verein verstand, geriet Steinacher allerdings immer öfter in Konflikt mit Spitzen der Partei und der SS , zunächst durch seine laut geäußerten Überlegungen, wie man Mussolini zur Abtretung Südtirols ans Deutsche Reich bewegen könnte und dann durch seine Ablehnung jedweder Aussiedlung, was die deutsche Italienpolitik Hitlers desavouierte.

Das Konzept des Volks, das Steinacher (wie etwa auch Max Hildebert Boehm, der Leiter des Instituts für Grenz- und Auslandsstudien, das dem VDA nahe stand) vertrat, setzte voraus, dass das Kernland nicht unbedingt identisch war mit den Grenzen des Raumes, in welchem deutsche Volksangehörige siedelten - im Gegenteil, es betonte geradezu einen föderalen Charakter des neu zu ordnenden Raumes von Mitteleuropa, womit sich diese Auffassung von „Volk“ und dessen Wirkungsraum jedoch in entscheidenden Punkten vom NS-Volksverständnis einer Volksgemeinschaft unterschied.[23]

Ob seiner völkischen „Weiterbetätigung“ in Südtirol soll Mussolini persönlich Steinachers Entfernung als „wünschenswert“ bezeichnet haben. [24] Zwar kooperierte der VDA unter Steinachers Führung immer wieder mit NS-Organisationen wie der Hitlerjugend, der Reichswehr oder dem NS-Lehrerbund, doch nach eigener Aussage erlebte Steinacher infolge seines Widerstandes gegen die Bevormundung oder gar eine Übernahme des VDA durch die Partei verschiedene Schikanen seitens der SS einschließlich Ausreiseverbots und Verhaftungen in Leipzig und Regensburg, wurde beispielsweise von Ernst Wilhelm Bohle, dem „Gauleiter“ der NSDAP-Auslandsorganisation, die als 43. Gau fungierte, während eines Parteitages als „Staatsfeind Nr. 1“ apostrophiert und fühlte sich in seiner Tätigkeit so sehr behindert und unter Druck, dass er schließlich „durch gesetzwidrigen Eingriff des Stellvertreters des Führers mit 21. Oktober 1937 und durch ultimative Bedrohung mit Konzentrationslager gezwungen wurde,“ [25] die Führung des VDA aufzugeben. Es war dies der Zeitpunkt, als sein militanter „Vorstoß ins Feindesland“, der jedoch stets „nur bis zur Volkstumsgrenze“[26] reichen sollte, durch die imperialistische Lebensraum-Konzeption Hitlers obsolet geworden war. Nun war kein Platz mehr für völkische Konservative wie Steinacher, für die „deutsch“ nicht automatisch auch „nationalsozialistisch“ bedeutete.

Steinacher wurde als Oberleutnant zum Gebirgsjägerregiment Nr. 137 einberufen, kam an die Eismeerfront und avancierte bis zum Oberstleutnant. 1945 geriet er in britische Gefangenschaft und wurde 1946 entlassen.[27]

Neubeginn

In einer Periode der Entnazifizierungen, Anklagen, Verurteilungen und Freisprüche, aber auch der Absorbierung so genannter „Ehemaliger“ durch fast alle demokratischen Parteien Österreichs kehrte Steinacher ins politische Leben zurück.

Der Gründung des Kärntner Landesverbandes des VdU („Verband der Unabhängigen“) als „drittes Lager“ neben „Rot“ und „Schwarz“ – „fast ein Hochverrat an Österreich und an der Freiheit“ nach einem Wiener ÖVP-Politiker[28] - waren Gespräche auch mit ehemaligen Kärntner Landbündlern vorangegangen, doch Steinacher, der sich möglicherweise hiebei übergangen fühlte,[29] hatte sich bereits als volkspolitischer Referent auf die Seite der ÖVP gestellt,[30] die bestrebt war, durch ihn die Mitglieder des „Bundes heimattreuer Südkärntner“ zu gewinnen, einer Organisation slowenischstämmiger Kärntner, die sich als „Windische“ besonders engagiert zum Deutschtum bekannten.[31]

1949 war von der Kärntner ÖVP mit dem eben formierten VdU (der als „WdU“ als eine vierte wahlwerbende Partei aufgetreten war), die zusammen im Kärntner Landtag eine „bürgerliche“ Mandatsmehrheit erreicht hatten, vereinbart, Steinacher zum Landeshauptmann zu wählen,[32] doch infolge umfassender Koalitionsabsprachen zwischen den beiden Großparteien ÖVP und SPÖ auf Bundesebene, die aufgrund der „Grundsätze des ‚Proporzes’ und der sich daraus ergebenden Zusammenarbeit der ÖVP und der SPÖ“ die Landeshauptmanns- und die Bürgermeisterpositionen in Gemeinden von mehr als 10 000 Einwohnern betrafen,[33] wurde schließlich der Sozialist Ferdinand Wedenig auch mit den meisten ÖVP-Stimmen zum Landeshauptmann gewählt.

Obgleich er in der Parteizeitung der ÖVP öffentlich erklärt hatte: „Ich bin nie schwarz gewesen, ich bin evangelischer Kärntner, seit Urzeiten her“,[34] d.h., er habe nie den klerikal ausgerichteten Christlichsozialen nahe gestanden, gelangte Steinacher im selben Jahr als Leitungsmitglied der im April 1949 in Salzburg gegründeten Jungen Front, die sich mit den „Heimkehrer-, Hilfs- und Betreuungsstellen“ des Ritterkreuzträgers Ernst „Graf“ Strachwitz[35] offiziell auf eine Zusammenarbeit mit der Volkspartei festgelegt hatte,[36] in die ÖVP, die sich doch als Nachfolgerin der Christlichsozialen Partei der 1. Republik verstand, und wurde 1952 sogar deren Kärntner Parteiobmannstellvertreter.[37] In ihren Wahlkämpfen von 1949 und 1953 verkündete er offen und deutlich weiterhin jene völkischen Inhalte, die er stets vertreten hatte, erklärte das Bauerntum zum „stärksten Wall gegen die drohende Gefahr im Osten“, warf der SPÖ ein „Nichtverstehen völkischer Schutzaufgaben“ vor und in der Schulfrage mit dem zweisprachigen Unterricht einen „Anschlag gegen das Elternrecht und das Naturrecht“ begangen zu haben.[38]

Einerseits verkörperte Steinacher, der 1953 als „Angebot an die Ehemaligen“[39] auf der ÖVP-Liste der Nationalratskandidaten Kärntens an vierter Stelle gereiht war, die Integrationspolitik der ÖVP gegenüber den „Ehemaligen“, da ihr im bürgerlichen Lager durch den FPÖ-Vorgänger ja eine ernste Konkurrenz erwachsen war, andererseits durfte man die christlich-soziale Wählerschaft nicht verlieren. Also wusch die ÖVP-Parteipresse den Abwehrkämpfer Steinacher von jeder „braunen“ Vergangenheit rein: „Daß seine Tätigkeit wirklich der Verständigung und dem Frieden diente, beweist am besten die Tatsache, dass Steinacher bereits zum Träger des Friedens-Nobelpreises genannt wurde, als ein Gewaltstreich der Machthaber des Dritten Reiches ihn fällte.“ [40] Verschwiegen wurden Steinacher-Sätze wie „Durch die geschichtliche Großtat des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vom 13. März 1938 ist Kärnten nun wieder im Deutschen Reich und als deutsches Südland sein untrennbarer Teil.“[41]

Die ÖVP erzielte in Kärnten nur drei Nationalratsmandate, worauf man Steinacher bis 1958 im Angestelltenverhältnis zum österreichischen Generalkonsul in Mailand machte, wobei die Südtiroler Volkspartei von ihm erwartete, dass er von dort „die volkliche Aufbauarbeit in Südtirol betreuen“ möge.[42]

Danach lebte er auf seinem Gut in Miklauzhof von einer aufgrund seiner kurzen österreichischen Arbeitszeit sehr bescheidenen Rente, ehe ihm kurz vor seinem Tod von der Kärntner Landesregierung eine Sonderpension gewährt wurde.

Nachwirken

Bei der Einweihung des Steinacher-Denkmals in Völkermarkt am 2. Mai 1976 sagte der Ortsgeistliche: „Hans Steinacher lebt in unserem Herzen weiter als der >Andreas Hofer< unserer Kärntner Heimat!“[43] Das Denkmal wurde Mitte Juni von unbekannten Tätern gesprengt, was als Nachwirkung des Ortstafelsturms vom Oktober 1972 eine heftige und polemische Auseinandersetzung zwischen dem ab 1974 amtierenden Landeshauptmann Leopold Wagner und den Sprechern der Slowenenorganisationen auslöste.[44] Anlässlich des Gedenkens zu Steinachers 100. Geburtstag bezeichnete Adam Wandruszka Steinacher als „hochverdienten Gegner Hitlers“.[45]

NSDAP-Mitgliedschaft

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Steinacher jemals formell ein Mitglied der NSDAP war.

  • Der österreichische Gesandte in der Schweiz leitete am 13. November 1935 ein Dossier an das Bundeskanzleramt weiter, in dem mitgeteilt wird, Steinacher sei 1925 Parteigenosse geworden, organisiere den Bombenschmuggel in Österreich, versorge seit 1935 die Partei mit Geldmitteln und durchsetze Jugend- und Sportvereine mit Nationalsozialisten.[46]
  • Am 24. Mai 1938 füllte Steinacher den „Personal-Fragebogen zum Antragschein auf Ausstellung einer vorläufigen Mitgliedskarte und zur Feststellung der Mitgliedschaft im Lande Österreich“ aus und brachte ihn bei der Ortsgruppe Miklauzhof, seinem Zweitwohnsitz, ein. Darin gab er zur Frage des erstmaligen Eintritts in die NSDAP an: „Mai 1933 Meldung durch Pg. Maier-Kaibitsch und König in Klagenfurt.“ Seine Mitgliedsbeiträge seien in Form „einer allgemeinen Leistung“ durch den Kärntner Heimatbund entrichtet worden.[47] In der Rubrik: „Bei welcher Gliederung der NSDAP machten Sie Dienst?“ schrieb er: „1934 gemeldet bei SS in Kärnten“[48] Der Sittersdorfer Ortsgruppenleiter meldete jedoch, dass Steinacher in Miklauzhof „keinen Wohnsitz“ habe und dass von „Arbeiten für die NSDAP nichts bekannt“ sei.
  • Im Februar 1939 füllte Steinacher bei der zuständigen Ortsgruppe Berlin-Zehlendorf nochmals einen „Personal-Fragebogen zum Antragschein auf Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ aus und gab wieder an, dass er bei der Partei in Kärnten seit 1933 gemeldet sei. Auch füllte er den „Antrag auf Ausstellung einer vorläufigen Mitgliedskarte“ aus [49] Bürokratische Pedanterie verschleppte die Erledigung über längere Zeit.
  • Unter der Mitgliedsnummer 7.753.917 erfolgte am 1. Mai 1940 seine Aufnahme in die NSDAP-Ortsgruppe Berlin-Zehlendorf. Die Mitteilung wurde ihm an die Front zugestellt.

Trotzdem wurde 1949 eine Betrugsanklage der Staatsanwalt Klagenfurt wegen Nicht-Anmeldung zur Registrierung der Nationalsozialisten aufgrund des Bescheides des Amtes der Kärntner Landesregierung Zl. 503/NS/49 fallengelassen: Steinacher habe sich nie um die Aufnahme in die NSDAP beworben, habe nie einen Antrag gestellt, sei nie in den Besitz einer Mitgliedskarte oder eines Parteibuchs gelangt, habe an der Murmanskfront die Mitteilung seiner Mitgliedschaft erhalten und bei der NSDAP-Reichsleitung schriftlich dagegen Einspruch erhoben.[50]

Publikationen

  • Sieg in deutscher Nacht: Ein Buch vom Kärntner Freiheitskampf. Wiener Verlag, Wien 1943
  • In Kärntens Freiheitskampf. Meine Erinnerungen an Kärntens Ringen um Freiheit und Einheit in den Abwehrkämpfen 1918/19 und um die Volksabstimmung 1920. Heyn, Klagenfurt 1970, 2. Aufl. 1976. 3-85366-220-X
  • Oberschlesien. (= Taschenbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums 19) Deutscher Schutzbundverlag E. Runge, Berlin-Lichterfelde 1927
  • Volksdeutscher Aktivismus. In: Deutsche Arbeit, Heft 7 (1932), S. 169-173
  • Neue Wege. In: Freie Stimme v. 7. Juli 1933
  • Ziele und Organisation der Deutschtumsbewegung 1918-1933. Kurzfassung der Referate von H. Steinacher und M.H. Boehme auf der Arbeitstagung des Volkstumsarchivs in Lüneburg vom 10. und 11. September 1959. Lüneburg 1960
  • Deutsches Volkstum, deutscher Lebensraum. Führerbriefe für politische Erziehung, 4. Brief, Hanseatische Verlags- Anstalt, Hamburg 1934
  • Rede zur Saarbrücker Pfingsttagung des VDA, gehalten in Mainz am 19. Mai 1934, VDA-Wirtschaftsunternehmen, Berlin 1934
  • Volkstum jenseits der Grenze. Staat und Volk, Staatsbürger und Volksgenosse. Reihe: Wir in unserer Zeit, Franckh, Stuttgart 1934
  • F. X. Holder (Pseudonym): Dass Kärnten eins und frei bleibe. Kollitsch,Kagenfurt 1960
  • Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg. ): Hans Steinacher, Bundesleiter des VDA 1933 - 1937 ; Erinnerungen und Dokumente. (= Schriften des Bundesarchivs Bd. 19) Boldt, Boppard am Rhein 1970 ISBN 3-7646-1545-1

Einzelnachweise

  1. Schreiben Steinacher „Zur Lage des VDA“, Ende Oktober 1936. aus dem Nachlaß von Karl Haushofer, abgedruckt bei: Hans-Adolf Jacobsen: Hans Steinacher, Bundesleiter des VDA 1933 - 1937. Boppard 1970, S. 372-379, hier S. 376. Jacobsen merkt dazu an: „Steinacher ist jedoch niemals Mitglied der NSDAP gewesen. Vgl. die Unterlagen im Document-center, Berlin“, ebd. S. 376, Anm. 2
  2. Maurice Williams: Gau, Volk und Reich. Friedrich Rainer und der österreichische Nationalsozialismus. Deutsche Bearbeitung von Ulrich Burz und Claudia Fräss-Ehrfeld (=Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie Bd. 90) Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 2005, S. 74
  3. Volksstimme, Organ der KPÖ Kärnten, v. 11. Juli 1947, zitiert nach August Walzl: Die Bewältigung. Nachkriegsjahre in Kärnten und Friaul. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt 1999, S. 228f., Anm. 81. und S. 236
  4. Alfred Elste: Kärntens braune Elite. 2. Aufl., Hermagoras, Klagenfurt-Wien 1997 ISBN 3-85013-476-8 S. 152 f., Anm. 657
  5. Karin Gradwohl-Schlacher: Josef Friedrich Perkonig und Hans Steinacher. Zwei Karrieren von der Kärntner Volksabstimmung bis in das Dritte Reich. S. 3, und Anm. 13
  6. Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der "Volkstumskampf" im Osten. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 143) Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2000, S. 150 f. ISBN 3-525-35942-X
  7. Hans-Adolf Jacobsen: Hans Steinacher. Bundesleiter des VDA 1933-1937. S. XIII, zitiert nach Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 157
  8. Wolfram Mallebrein: Hans Steinacher. Ein Kämpfer für Freiheit und Selbstbestimmung. Eine Biographie. Heyn, Klagenfurt 1980 S. 21 ISBN 3-85366-346-X
  9. Hans-Adolf Jacobsen: Hans Steinacher, Bundesleiter des VDA 1933 - 1937. Erinnerungen und Dokumente. Schriften des Bundesarchivs Bd. 19, Boldt, Boppard am Rhein 1970 S. XIV, zitiert nach Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 157
  10. Hans Steinacher: In Kärntens Freiheitskampf. Meine Erinnerungen an Kärntens Ringen um Freiheit und Einheit in den Abwehrkämpfen 1918/19 und um die Volksabstimmung 1920. Heyn, Klagenfurt 1970, S. 15
  11. In: Geschichtsverein für Kärnten (Hrsg): Carinthia I., Band 185, Johann Leon, Klagenfurt 1995 S. 511
  12. Siegmund Knaus: Ein großer Sohn Kärntens. Dr. Hans Steinacher. Eigenverlag Siegmund Knaus, Pörtschach 1962
  13. Hans Steinacher: Sieg in deutscher Nacht: Ein Buch vom Kärntner Freiheitskampf. Wiener Verlag, Wien 1943, S. 317
  14. Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 159
  15. Frank Elste: Kärntens braune Elite, S. 160, Anm. 702
  16. Frank Elste: Kärntens braune Elite, S. 162
  17. Wolfgang Freund: Volk, Reich und Westgrenze: Deutschtumswissenschaften und Politik in der Pfalz, im Saarland und im annektierten Lothringen 1925-1945. (= Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, hg. v. Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Band 39 SDV, Saarländische Druckerei und Verlag, 2006, S. 66, ISBN 978-3-939150-00-8
  18. Hugin: Kämpfer für deutsches Volkstum, Führer im Grenz- und Ausland: Peter Steinacher. In: Vossische Zeitung Nr. 150 v. 4. April 1933, nach Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der "Volkstumskampf" im Osten. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 143) Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35942-X S. 150, Anm. 2
  19. Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. S. 153
  20. Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die "Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften" von 1931 – 1945. Nomos, Baden-Baden 1999, S. 108 ISBN 3-7890-5770-3
  21. Karl Stuhlpfarrer: Deutsche Volkstumspolitik in Kärnten nach der Volksabstimmung. In: Helmut Rumpler (Hrsg.): Kärntens Volksabstimmung 1920. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt 1981, S. 333f. ISBN 3-85391-027-0
  22. Frank Elste: Kärntens braune Elite, S. 165
  23. Jürgen Evert: Mitteleuropa! S. 234
  24. Hans-Adolf Jacobsen: Hans Steinacher, Bundesleiter des VDA 1933 - 1937 ; S. 412, zitiert nach Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 167
  25. Hans Steinachers Bericht an die Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt vom 10. Mai 1948, zitiert nach August Walzl: »Als erster Gau...«. Entwicklungen und Strukturen des Nationalsozialismus in Kärnten. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt 1992, S. 215f. u. 352
  26. Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 161
  27. Michael Siegert: Die Randdeutschen. Am Beispiel Hans Steinachers, des Gründers des Kärntner Heimatdienstes. In: Neues Forum 12/1972, S. 36
  28. Lois Weinberger (Wiener Vizebürgermeister): Tatsachen, Begegnungen und Gespräche. Wien 1949, S. 274, zitiert nach Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983. Vom Verband der Unabhängigen (VdU) bis zum Aufstieg von Jörg Haider zum Landesparteiobmann. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt 1992, S. 40 und S.235, ISBN 3-85378-397-X.
  29. Lothar Höbelt: Von der vierten Partei zur dritten Kraft. Geschichte des VdU. Stocker, Graz 1999, S. 57 und 266, ISBN 3-7020-0866-7
  30. Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983. S. 44
  31. Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983. S. 55 und 242.
  32. Hellwig Valentin: Der Sonderfall. Kärntner Zeitgeschichte 1818—2004. Hermagoras, Klagenfurt 2005, S. 183. ISBN 3-7086-0108-4 sowie
    Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983. S.60
  33. Manfried Rauchensteiner: Die Zwei. Die große Koalition in Österreich 1945-1966. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1987 S. 541. ISBN 3-215-06433-2
  34. Volkszeitung Klagenfurt v. 4. Oktober 1949, zitiert nach Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983, S. 56 und 243
  35. Der Graf ist verboten. In: Der Spiegel, 36/1950 v. 6. September 1950
  36. Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983, S. 40
  37. Alfred Elste: Kärntens braune Elite. S. 169 ff.
  38. Alfred Elste: Kärntens braune Elite. S. 170
  39. Hellwig Valentin: Der Sonderfall. S. 170
  40. Volkszeitung Klagenfurt v. 13. Februar 1953, S. 3, zitiert nach Alfred Elste: Kärntens braune Elite. S. 171
  41. Hans Steinacher: Sieg in deutscher Nacht. S. 7, zitiert nach Frank Elste: Kärntens braune Elite, S. 150
  42. Hans-Adolf Jacobsen: Hans Steinacher, Bundesleiter des VDA 1933 - 1937 S. XXIX, zitiert nach Alfred Elste: Kärntens braune Elite. S. 171
  43. Personenlexikon.net
  44. Hellwig Valentin: Der Sonderfall. S. 211
  45. Neue Kronen Zeitung v. 21. Juli 1992, zitiert nach Frank Elste: Kärntens braune Elite, S. 151, Anm. 646
  46. Österr. Staatsarchiv-AdR, NPA, Kt. 449, Liasse Personalia, Zl. 39.772-13/35. Details bei Frank Elste: Kärntens braune Elite , S. 155
  47. Frank Elste: Kärntens braune Elite. S. 153 mit Anm. 659 - 663
  48. Frank Elste: Kärntens braune Elite S. 156
  49. BDC- Personalakte zitiert nach Frank Elste: Kärntens braune Elite. S. 154, und Anm.
  50. Elste: Kärntens braune Elite, S. 152 f., Anm. 657

Literatur

  • Alfred Elste: Kärntens braune Elite. 2. Aufl., Hermagoras, Klagenfurt-Wien 1997 ISBN 3-85013-476-8
  • Alfred Elste / Dirk Hänisch / Anton Pelinka: Auf dem Weg zur Macht. Beiträge zur NSDAP in Kärnten von 1918-1938. (= Vergleichende Gesellschaftsgeschichte und politische Ideengeschichte der Neuzeit Bd. 8 ) Braumüller, Wien 1997 ISBN 3-7003-1153-2
  • Jürgen Elvert: Mitteleuropa! Deutsche Pläne zur europäischen Neuordnung (1918 - 1945) (= Historische Mitteilungen: Beiheft 35.) Habil.-Schrift Univ. Kiel, 1996, Steiner, Stuttgart 1999 ISBN 3-515-07641-7
  • Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der "Volkstumskampf" im Osten. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 143) Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35942-X
  • Lothar Höbelt: Von der vierten Partei zur dritten Kraft. Geschichte des VdU. Stocker, Graz 1999, ISBN 3-7020-0866-7
  • Klub slovenskih študentov v Gradcu (Hrsg.): Dossier Kärnten : Nachdruck aus "Neues Forum",Okt. 1972. Inhalt: Michael Springer: Lokalaugenschein, Michael Siegert: Die Randdeutschen; Karl Stuhlpfarrer: Germanisierung in Kärnten; Hanns Haas: Kärntner Abwehrkampf – eine Geschichtsfälschung. Graz o.J. COBISS.SI-ID 512391820
  • Siegmund Knaus: Ein großer Sohn Kärntens: Dr. Hans Steinacher. Eigenverlag Siegmund Knaus, Pörtschach a. W. 1962
  • Knut Lehmann-Horn: Die Kärntner FPÖ 1955-1983. Vom Verband der Unabhängigen (VdU) bis zum Aufstieg von Jörg Haider zum Landesparteiobmann. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt 1992, ISBN 3-85378-397-X
  • Wolfram Mallebrein: Hans Steinacher. Ein Kämpfer für Freiheit und Selbstbestimmung. Eine Biographie. Heyn, Klagenfurt 1980 S. 21 ISBN 3-85366-346-X
  • Bruce F. Pauley: Der Weg in den Nationalsozialismus. Ursprünge und Entwicklung in Österreich. Österr. Bundesverlag, Wien 1988, ISBN 3-215-06875-3
  • Nikolaus Preradovich: Österreichs höhere SS-Führer. Vowinckel, Berg am See 1987 ISBN 3-921655-55-2
  • Manfried Rauchensteiner: Die Zwei. Die große Koalition in Österreich 1945-1966. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1987. ISBN 3-215-06433-2
  • Michael Siegert: Die Randdeutschen. Am Beispiel Hans Steinachers, des Gründers des Kärntner Heimatdienstes. In: Neues Forum 12/1972, S. 35-38
  • Hellwig Valentin: Der Sonderfall. Kärntner Zeitgeschichte 1818—2004. Hermagoras, Klagenfurt 2005, ISBN 3-7086-0108-4
  • August Walzl: »Als erster Gau...«. Entwicklungen und Strukturen des Nationalsozialismus in Kärnten. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt 1992 ISBN 3-85378-388-0
  • August Walzl: Die Bewältigung. Nachkriegsjahre in Kärnten und Friaul. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt 1999 ISBN 3-85391-161-7
  • Maurice Williams: Gau, Volk und Reich. Friedrich Rainer und der österreichische Nationalsozialismus. Deutsche Bearbeitung von Ulrich Burz und Claudia Fräss-Ehrfeld (= Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie Bd. 90) Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 2005, ISBN 3-85454-106-6

Weblinks

  • Karin Gradwohl-Schlacher: Josef Friedrich Perkonig und Hans Steinacher. Zwei Karrieren von der Kärntner Volksabstimmung bis in das Dritte Reich. PDF (abgerufen 12. Feber 2010)

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