Militärische Situation Islands

Militärische Situation Islands
Flag of Iceland.svg Militärische Situation Islands
Militärische Stärke nach Personen
Verfügbare wehrfähige Bevölkerung Männer im Alter 18–49: 69.038 (Schätzung 2005)[1]
Verfügbare wehrtaugliche Bevölkerung Insgesamt (Männer; Alter 18-49): 56.777 (2005; Schätzung)[1]
Wehretat
Ausgaben 0
Anteil am BSP 0 %
Das isländische Flaggschiff V/s Þór,
27. Oktober 2011, Reykyavik

Die militärische Situation Islands besteht im völligen Fehlen regulärer Streitkräfte seit 1869. Es unterhält einzelne Einheiten, die von der Kooperation und Interaktion mit verbündeten Streitkräften abhängig sind. Der Beitritt zur NATO erfolgte 1949 unter der Prämisse, dass Island keine eigenen Streitkräfte zu unterhalten brauche. Erst 1995 wurden auch die letzten gesetzlichen Regelungen zum Unterhalt einer Armee aus der Verfassung des Landes gestrichen.

Bis 2006 garantierten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit einem von ihnen eingesetzten und personell dominierten Verband, der Iceland Defense Force, die außenpolitische Sicherheit Islands. 2006 kündigten die USA jedoch einseitig das dem Verband zugrunde liegende Statut. Seitdem verhandeln die Regierungen der beiden Länder über Alternativen. Im Frühjahr 2007 wurden Verträge mit Norwegen und Dänemark zur Luftraum- und Küstenüberwachung unterzeichnet. Der dezidierte Aufgabenbereich der beiden Länder muss jedoch erst definiert werden. Aufgrund des Abzuges der US-amerikanischen Einheiten verstärkt die isländische Regierung die Zusammenarbeit mit den nordischen bzw. europäischen Staaten.

Inhaltsverzeichnis

Beitrag zur NATO

Islands Beitrag zum gemeinsamen Verteidigungsbündnis besteht darin, eindeutig eingegrenzte Teile des Staates zwecks militärischer Nutzung kostenlos zu verpachten. Die bedeutendste dieser Anlagen war bis 2006 die Marineluftwaffenbasis in Keflavík, die hauptsächlich von US-amerikanischem Personal, aber auch von Dänen und Norwegern betrieben wurde. Nach 2006 wurde die militärische Präsenz von NATO-Partnern auf ein Minimum reduziert.

In regelmäßigen Zyklen werden Einheiten aus allen NATO-Mitgliedsländern nach Keflavík entsandt, um in Island Manöver durchzuführen. Mit dem Abzug der Lockheed P-3-Überwachungsflugzeuge werden die vorwiegenden Anti-U-Boot-Übungen eingestellt.

Neben der günstigen Verpachtung bestimmter Territorien hat sich Island dazu bereit erklärt, allgemeine Auslagen der NATO mitzufinanzieren. In den letzten Jahren wurde Island mehr in Planung und Strategie der NATO mit einbezogen. Island war Ausrichter der NATO-Außenministerkonferenz in Reykjavík im Jahr 1987 und nimmt an den zweijährigen Übungen namens Northern Viking teil. 1997 richtete es das erste Manöver im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden namens Cooperative Safeguard (zu dt. ungefähr: „kooperative Sicherung“) aus. Dieses war das bisher einzige multilaterale Manöver der NATO, an dem Russische Streitkräfte beteiligt waren.

Stationierungsstatuten

Die USA und Island betrachten die seit dem Zweiten Weltkrieg bestehende Stationierung amerikanischer Truppen als Fundament der bilateralen Außen- und Verteidigungsbeziehungen. Das Abfangjäger der US Air Force verhindern konnte.

Im Laufe der Verhandlungen bot die isländische Seite den USA an, die Leitung des Stützpunkts Keflavík zu übernehmen und den Abzug der amerikanischen HH-60G Pave Hawk-Hubschrauber dadurch zu kompensieren, dass die Luftflotte der isländischen Küstenwache dort stationiert werde. Dafür sollte die Jägerstaffel weiterhin in Keflavik stationiert werden. Die US-Regierung verkündete einseitig am 15. März 2006 den Abzug der US-Streitkräfte bis Ende September des Jahres. Am 30. September 2006 verließen die letzten auf Island stationierten US-Soldaten das Land.

Waffengattungen

Krisenreaktionseinheit

Das Außenministerium Islands unterhält eine kleine militärische Expeditionseinheit namens Íslenska friðargæslan (,Krisenreaktionseinheit‘), die offizielle, englischsprachige Bezeichnung lautet Icelandic Crisis Response Unit. Sie wird von der norwegischen Armee ausgebildet und ausgerüstet und setzt sich aus fachlich geeigneten Zivilisten sowie Mitgliedern der isländischen Polizei und Küstenwache zusammen. Wesentliche Einsätze der Einheit bestanden z. B. im Rahmen von Friedensmissionen darin, die Flughäfen in den Hauptstädten Afghanistans und des Kosovo zu betreiben. Darüber hinaus hatte die Einheit Beobachter nach Sri Lanka und in den Norden Afghanistans entsandt.

Drei Angehörige der Einheit wurden bei einem Selbstmordanschlag in Kabul im Oktober 2004 verletzt. Infolge des Attentats sah sich der Kommandeur der Einheit, Oberst Halli Sigurðsson, schwerer Kritik an seinem Führungsstil ausgesetzt, da er u. a. zum Zeitpunkt des Attentats in einem unsicheren Teil der Stadt Einkaufen gegangen war. Für die innenpolitische Debatte war der unklare juristische Status der Einheit von größerer Bedeutung. Als nationale Zeitungen Bilder von schwer bewaffneten Mitgliedern der Einheit abdruckten und „Wenn dies kein Soldat ist, was ist es dann?“ titelten, beschuldigte die Opposition die Regierung, durch Sachzwänge eine Armee „durch die Hintertür“ ausheben zu wollen. Laut Davíð Oddson, dem damaligen Außenminister, waren die Friedenstruppen internationalem Recht und den Statuten der NATO zufolge Soldaten wie die anderer Nationen auch. Dennoch sei die faktische Bezeichnung hermaður (isl.: „Soldat“) aufgrund der unmilitärischen Ausbildung und Ausrüstung unangemessen.

Einsätze der Icelandic Crisis Response Unit

Luftüberwachungsbehörde

Die isländische Regierung betreibt eine Behörde, die mittels Radar den Luftraum überwacht. Íslenska Loftvarnarkerfið (,isländisches Luftverteidigungssystem‘, engl. Iceland Air Defense System) wurde 1987 gegründet und betreibt vier Radaranlagen nebst Software- und Versorgungseinrichtungen sowie einem Kommando- und Rapportzentrum. Wie Íslenska friðargæslan ist diese Behörde dem Verteidigungsressort des isländischen Außenministeriums zur Rechenschaft verpflichtet.

Küstenwache

Die Wurzeln der isländischen Küstenwache namens Landhelgisgæslan liegen in den 1920er Jahren. Seit dieser Zeit besteht ihre Aufgabe darin, die Kabeljau-Vorkommen in den Hoheitsgewässern der Insel zu schützen und allen in Seenot zu helfen.

Die mehrfache Erweiterung der isländischen Hoheitsgewässer auf bis zu 200 Seemeilen bis zum Jahr 1975 führte zu mehreren Auseinandersetzungen mit der britischen Royal Navy, den sogenannten Kabeljaukriegen. Auch wenn in diesem nur wenige Schüsse abgefeuert wurden, werden die an diesen Auseinandersetzungen Beteiligten, insbesondere die Schiffskapitäne, inoffiziell als Nationalhelden angesehen.

Spezialeinheit der Polizei

Die Sérsveit ríkislögreglustjóra (,Spezialeinheit des nationalen Polizeikommandeurs‘), informelle Bezeichnung Víkingasveitin (,Wikingereinheit‘), ist eine polizeiliche Spezialeinheit zur Bewältigung von Krisensituation. Die Einheit orientiert sich an der deutschen GSG9 und dem britischen Special Air Service und setzt sich aus speziell ausgebildeten Angehörigen der Polizei zusammen. Zum Aufgabenspektrum gehören die nationale Sicherheit, Antiterroreinsätze, die Sicherheit von Staatsgästen sowie die Unterstützung der Polizei, soweit letzteres erforderlich ist. Die „Wikinger“ gliedern sich in fünf Züge, die auf verschiedene Aufgaben spezialisiert sind:

  • Einsatz und Entschärfung von Sprengstoffen
  • Bootszug zum Einsatz auf und unter dem Wasser
  • ein Scharfschützenzug zur gezielten Ausschaltung von Feinden und zur Aufklärung
  • ein Team zum nachrichtendienstlichen Einsatz
  • eine Fallschirmjägereinheit zur Sicherung von Häfen, für Überraschungsangriffe und Geiselbefreiungen aus Flugzeugen

Mitglieder dieser Einheit waren im Rahmen der NATO bereits auf dem Balkan und in Afghanistan aktiv. Ursprünglich unterstand die Einheit dem Polizeichef von Reykjavík, im Jahr 2004 wurde der Oberbefehl jedoch per Gesetz auf den Nationalen Polizeikommandeur übertragen.

Quellen

  1. a b CIA World Factbook, Militärsektion aus dem Artikel zu Island. Funddatum: 4. Oktober 2006

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