Panzer-Division Müncheberg

Panzer-Division Müncheberg
Panzer-Division Müncheberg
Aufstellung 5. Dezember 1944
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Panzer
Typ Panzerdivision
Grobgliederung Gliederung
Garnison Berlin, Frankfurt / Oder und Potsdam
Zweiter Weltkrieg Schlacht um die Seelower Höhen, Schlacht um Berlin
Kommandeure
Liste Kommandeure

Die Panzer-Division Müncheberg war ein militärischer Großverband der Wehrmacht. Die Division nahm an der Weichselschlacht und später an der Verteidigung Berlins teil.

Inhaltsverzeichnis

Divisionsgeschichte

Einsatzgebiete:

  • Ostfront: Weichselschlacht: März 1945
  • Schlacht um Berlin: April 1945

Die PD Müncheberg wurde am 5. März 1945 im Wehrkreis III (Berlin, Frankfurt/Oder und Potsdam) aufgestellt. Sie setzte sich überwiegend aus der 103. Panzer-Brigade zusammen, die Anfang März 1945 aufgelöst wurde. Werner Mummert, hoch dekorierter Veteran und Kommandeur der 103. Panzer-Brigade erhielt den Oberbefehl über die neu aufgestellte PD Müncheberg. Obwohl die PD nicht die volle Sollstärke erreichte, wurde sie mit modernem Gerät ausgestattet, so erhielt sie Panther-Panzer Typ G mit Sperber IR-Systemen, sowie eine Kompanie Panzergrenadiere, die ebenfalls mit diesem Infrarotsystem ausgestattet waren. Darüber hinaus erhielt die Division überschwere Jagdtiger und Tiger-Panzer II, Ausführung B. Bis zum 12. März 1945 hatte die PD nur eine Stärke von 6.836 Mann. Am 18. März 1945 wurde ihr ein Infanterie-Bataillon der 1.SS-Panzer-Division „Leibstandarte Adolf Hitler“ unterstellt, um feldverwendungsfähig zu werden. Als sich die Rote Armee auf ihrem Vormarsch nach Westen der Stadt Müncheberg in Brandenburg näherte, wurde die PD Müncheberg der mobilen Reserve der 9. Armee unter General Theodor Busse angegliedert und stellte damit einen Teil der Heeresgruppe Weichsel unter Generaloberst Gotthard Heinrici dar. Ihren ersten Fronteinsatz erfuhr sie am 22. März 1945 in Cottbus und wenig später mit dem XXXIX.Panzerkorps unter General der Panzertruppen Karl Decker im Küstenkorridor von Küstrin. Vom 22. bis 25. März 1945 zerstörte die PD Müncheberg zusammen mit der 25. Panzergrenadier-Division 200 sowjetische Panzer. Am 25. März schloss die Rote Armee die Einschließung der dt. Truppen bei Küstrin ab, die am 27. März mit einer letzten dt. Gegenoffensive nochmals abgewendet werden sollte. Dabei kam es zu schweren Verlusten durch den Beschuss der sowjetischen Artillerie. Die PD Müncheberg war stark abgenutzt und musste wieder aufgefrischt werden. Die Ostfront stand bereits kurz vor dem Zusammenbruch.

Schlacht um die Seelower Höhen

Am 7. April 1945 grub sich die PD Müncheberg in der Hardenberg Position auf den Seelower Höhen ein. Die mit IR-ausgerüsteten Einheiten wie der I. Abteilung/29.Panzer-Regiment unter Oberleutnant Rasim sowie ebenfalls mit IR-Nachtsichtgeräten ausgestatteten Panzergrenadiere eröffneten einen Nachtangriff auf Sowjetverbände, die sich entlang der Reitwein Spur[1] eingegraben hatten. Dies war der erstmalige Einsatz von IR-Geräten in der Kriegsgeschichte. Marschall Schukow befahl seiner Armee in der Dämmerung starke Scheinwerfer zu verwenden, um die eingegrabenen Deutschen zu lokalisieren, als Gegeneffekt zeichneten sich die Silhouetten der sowjetischen Panzer ab, die somit leicht vernichtet werden konnten. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass sich die Wehrmacht einige Tage ihren Stellungen auf den Seelower Höhen halten konnte. Die PD Müncheberg zerstörte mithilfe ihrer selbst angetriebenen 8,8 und 12,8cm PAK-Kanonen eine große Zahl von Kampfpanzern der Roten Armee. Am 19. April 1945 brach der Widerstand der 9. Fallschirmjäger-Division auf der rechten Seite der PD Müncheberg zusammen und die Verteidigungslinie der Wehrmacht kollabierte. Ab dem 16. April 1945 war die PD Müncheberg nach der verlorenen Schlacht um die Seelower Höhen und dem Zurückweichen mit der 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division Nordland auf Berlin in fortgesetzte Kampfhandlungen verwickelt.

Schlacht um Berlin

Bei Nachhutgefechten um die Stadt Müncheberg erlitt die PD Müncheberg schwere Verluste. Die Überreste der Division sollten eine Verteidigungsstellung im nordöstlichen Sektor von Berlin in der Nähe der Spree halten. Während dieser Phase verfügte die Einheit nur noch über 12 Panzer und 30 Halbkettenfahrzeuge. Am 25. April 1945 erteilte der mit der Verteidigung Berlins beauftragte General der Artillerie Helmuth Weidling Mummert das Oberkommando über das LVI Panzerkorps, im Gegenzug sollte der Artilleriekommandeur Generaloberst Hans-Oskar Wöhlermann die PD Müncheberg übernehmen. Am 26. April 1945 bewegte sich die PD Müncheberg zusammen mit der 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division Nordland in den Bereich zwischen Flughafen Tempelhof und Neukölln, um den Vormarsch der Roten Armee dort aufzuhalten. Mit den letzten zehn Panzern konnte die Division anfangs Geländegewinne verzeichnen, musste dann aber aufgrund der Übermacht der Roten Armee weichen. Am Nachmittag des 26. April 1945 wurde Wöhlermann seines Kommandos enthoben und Mummert erneut eingesetzt.

In den Kriegstagebüchern der PD Müncheberg wird der Abend des 26. Aprils 1945 wie folgt beschrieben:

Feuerrote Nacht. Schweres Artilleriefeuer. Unheimliche Stille. Wir werden von mehreren Häusern aus unter Beschuss genommen. Zwangsarbeiter kein Zweifel. Von der Luftwaffe kam die Neugikeit, dass General Erich Bärenfäger von seinem Posten als Garnisonskommandeur Berlins enthoben wurde. Eine Stunde später hörten wir, dass General Weidling unser neuer Kommandeur ist. General Mummert übernimmt den Befehl des Panzerkorps...

Kriegstagebücher der PD Müncheberg, 26. April 1945

Am 27. April ordnet Hitler die Flutung der Berliner U-Bahn an, obwohl zahlreiche Zivilisten und Soldaten dort vor dem Artillerie- und Raktenwerferfeuer Unterschlupf gesucht haben.

Neuer Kommandobefehl: U-Bahnstation Anhalter Platz . Gleise und Kontrollräume ähneln einem Heereslager. Frauen und Kinder kauern in den Nischen, andere sitzen auf den Stufen. Sie alle lauschen den Geräuschen der Schlacht. Auf einmal beginnt Wasser in die Station zu fließen. Schreie, Schluchzer, Flüche. Leute kämpfen um die Leitern, die zu den Luftschächten nach oben führen. Mengen von glucksendem Wasser erfüllt die Stufen. Kinder und Verwundete werden in Stich gelassen und zu Tode getrampelt. Das Wasser über ihnen steigt noch drei Fuß höher und senkt sich dann langsam ab. Die Panik hält für Stunden an. Viele sind ertrunken. Der Grund lag darin, dass aufgrund des Befehls von jemandem, Pioniere die Verschlüsse des Kanals zwischen Schöneburg und Mockern Brücke gesprengt hatten und die Tunnel gegen vordrängende Russen fluteten. Mittlwereile haben sich die schweren Gefechte auch unter die Erde verlagert. Am späten Nachmittag wurden Stellungen in die Station Potsdamer Platz verlegt. Der Befehlsstand befand sich im ersten Stock, als die Tunnel bereits voller Wasser waren. Direkte Treffer auf dem Dach. Schwere Verluste unter den Verwundeten und Kindern. Rauch dringt durch die Einschlagslöcher. Oberhalb fliegen Panzerfaustgeschosse in die Luft. Ein direkter Treffer auf der Straßenseite. Ein fürchterliches Bild: Männer, Soldaten, Frauen und Kinder buchstäblich an der Wand festgeklebt.

Kriegstagebücher der PD Müncheberg, 27. April 1945

Die Panzer-Division wurde bei Wilmersdorf eingeschlossen, kämpfte aber dennoch weiter. Die KTB der PD Müncheberg berichten von Chaos und Auflösungserscheinungen während dieser Phase:

Fliegende Kriegsgerichte sind heute ungewöhnlich bedeutend. Die meisten wurden von sehr jungen SS-Offizieren durchgeführt. Kaum einer von ihnen hatte bisher eine Auszeichnung. Blind und fanatisch. Die Hoffnung auf Ablöse und die Furcht vor diesen mobilen Kriegsgerichten brachten die Männer zurück zum Kämpfen. General Mummert verbot jegliche Kriegsgerichte in seinem Sektor unter seinem Kommando. Er ist entschlossen persönlich die Leute dieser Kriegsgerichte niederzuschießen . . . Wir können den Potsdamer Platz nicht mehr halten und bewegen uns durch den U-Bahntunnel bis zum Nollendorferplatz. Im nächsten Tunnel bewegen sich die Russen in entgegengesetzer Richtung zu uns.

Kriegstagebücher der PD Müncheberg, 30. April 1945

Am 30. April 1945 beging Hitler Selbstmord, als sich die PD Müncheberg, 18. Panzergrenadier-Division zusammen mit der SS-Panzer-Abteilung 503, welche mit Tiger II Kampfpanzern ausgestattet waren, auf der Linie Westkreuz, Halensee und Kurfürstendamm immer noch im Gefecht befanden. Am 1. Mai 1945 wurde die Division gegen den Tiergarten zurückgedrängt, den sie zusammen mit dem Flakturm Berlin-Zoo[2] verteidigte. Am Flakturm Berlin-Zoo suchten tausende von Zivilisten Schutz vor Luftangriffen und Artilleriefeuer. Der letzte noch funktionsfähige Tiger 1 Panzer der PD Müncheberg wurde auf der Straße Unter den Linden unweit des Brandenburger Tors stehen gelassen. Mummert wollte mit den Überlebenden seiner Kampfgruppe nach Westen über die U-Bahn Spandau entkommen und ignorierte dabei den Befehl Weidlings zur Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen. Mummert befahl den Ausbruch und galt später als vermisst. Jahre später wurde er in einem sowjetischen Gulag gesichtet. Die PD Müncheberg und 18. Panzergrenadier-Division flohen in Richtung Westen und erreichten am 3. Mai 1945 die Charlottenbrücke über die Havel in Spandau, welche von der sowjetischen Artillerie beschossen wurde, so dass nur wenigen Divisionsangehörigen die Überquerung gelang. Ein Großteil der Division geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft, andere Teile, die sich weiter im Westen befanden, in US-amerikanische Gefangenschaft.

Personen

Divisionskommandeur der Panzer-Division Müncheberg:
Dienstzeit Dienstgrad Name
9. März 1945 – 8. Mai 1945 Generalmajor Werner Mummert
Generalstabsoffizier (Ia) der Panzer-Division Müncheberg:
Dienstzeit Dienstgrad Name
5. März 1945 – Mai 1945 Major Helmut Thoma

Gliederung

Veränderungen in der Gliederung der Panzer-Division Müncheberg von März 1945 bis April 1945[3]

geplant März 1945 Ostfront-Gliederung April 1945
Stab Panzer-Regiment Müncheberg Panzer-Regiment Coburg [4]
Panzer-Abteilung Kummersdorf I. Abteilung/Panzer-Regiment 29
Panzer-Abteilung Müncheberg Panzer-Abteilung Müncheberg
Panzergrenadier-Regiment Müncheberg 1 Panzergrenadier-Regiment Müncheberg 1
Panzergrenadier-Regiment Müncheberg 2 Panzergrenadier-Regiment Müncheberg 2
Panzerartillerie-Regiment Müncheberg Panzerartillerie-Regiment Müncheberg
Panzeraufklärungs-Kompanie Müncheberg Panzerspäh-Kompanie Müncheberg
Feldersatz-Bataillon Müncheberg schwere Heeres-Panzerjäger-Abteilung 682
Panzerpionier-Kompanie Müncheberg Pionier-Kompanie Müncheberg
-- Feldersatz-Bataillon Müncheberg
Panzer-Nachrichten-Kompanie Müncheberg Panzer-Nachrichten-Kompanie Müncheberg
Panzer-Versorgungstruppen Müncheberg Versorgungstruppen Müncheberg

Literatur

  • Hans-Joachim Eilhardt: Frühjahr 1945: Kampf um Berlin und Flucht in den Westen, Helios Verlag 2003, ISBN 978-3933608765.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. von Sowjets besetzter Höhenzug während der Schlacht um die Seelow Höhen in http://www.curme.co.uk/seelow.htm
  2. auch „Zoobunker“ genannt
  3. http://www.diedeutschewehrmacht.de/pz%20div%20muencheberg.htm
  4. zur besonderen Verfügung

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