Deutscher Städtetag

Deutscher Städtetag
Deutscher Städtetag
Logo
Gründung 1905
Ort Berlin und Köln
Präsident Christian Ude
Mitglieder ca. 3400 Städte und Gemeinden
Website staedtetag.de

Der Deutsche Städtetag (DST) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten in Deutschland.

Der DST vertritt aktiv die kommunale Selbstverwaltung. Er nimmt als kommunaler Spitzenverband die Interessen der Städte gegenüber Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat, Europäischer Union und zahlreichen Organisationen wahr. In der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände haben sich der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund zusammengeschlossen, um zu übergreifenden kommunalpolitischen Themen gemeinsam Stellung zu nehmen.[1]

Weiter berät er seine Mitgliedsstädte, informiert sie über bedeutsame Vorgänge und Entwicklungen und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen ihnen. Hauptgeschäftsstellen existieren in Köln und in Berlin. Für jedes Bundesland gibt es einen Landesverband des DST. Überdies verfügt der Deutsche Städtetag über ein Europabüro in Brüssel.

Der DST wählte das Lübecker Holstentor als Verbandssymbol. Derzeitiger Präsident ist Münchens Oberbürgermeister Christian Ude.

Vergleichbare Institutionen sind

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Deutsche Städtetag konstituierte sich am 27. November 1905 auf einer ersten Sitzung in Berlin, auf der Vertreter von 131 Städten und 7 regionalen Städteverbänden anwesend waren, als ständige Einrichtung. Initiiert wurde er – zuerst als einmalige Veranstaltung – anlässlich einer im September 1903 in Dresden ausgerichteten Deutschen Städteausstellung vom Dresdner Oberbürgermeister Otto Beutler. Sitz und Geschäftsstelle waren die des 1896 gegründeten Allgemeinen Preußischen Städtetags in Berlin. Im Juli 1908 fand die zweite Sitzung statt. Ab 1913 hatte der DST mit Hans Luther einen ersten hauptamtlichen Geschäftsführer. Während des Ersten Weltkriegs regte der Deutsche Städtetag die Hindenburg-Spende zur Beschaffung von Wollwaren und Pelzen für die an der Ostfront kämpfenden deutschen Soldaten an.

Hauptamtlicher (geschäftsführender) Präsident des Deutschen Städtetages war seit März 1926 Oskar Mulert, bis dahin hoher Ministerialbeamter (Leiter der Kommunalabteilung im Preußischen Innenministerium). Er hatte den Vorsitz in den Fachausschüssen und das Vertretungsrecht nach außen. Der Engere Vorstand gewann ab 1926 an Bedeutung. Das Gremium umfasste zusammen (Preußischer und Deutscher Städtetag) etwa 12 Personen und wurde als eines der vielleicht verwaltungspolitisch bedeutendsten Gremien der Weimarer Zeit eingeschätzt. Der Gesamtvorstand hatte rund 40 Mitglieder. Mitglied des Vorstandes und des Engeren Vorstandes waren u. a. der Mannheimer OB Hermann Heimerich sowie Robert Görlinger, SPD-Stadtverordneter in Köln. Der Sitz befand sich im Städtehaus am Rande des Berliner Tiergartens unweit des Reichstagsgebäudes.

In den 1920er Jahren engagierte sich Carl Friedrich Goerdeler im Deutschen Städtetag.

Nachfolgeorganisation des DST wurde 1933 der Deutsche Gemeindetag, ein auf Anregung von Robert Ley im Mai 1933 erzwungener Einheitsverband. Mulert wurde unter dem Vorwurf der Veruntreuung beurlaubt.

Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ihrer Gleichschaltungspolitik wurden die kommunalen Spitzenverbände am 15. Dezember 1933 zum Deutschen Gemeindetag zwangsvereinigt.

Die Deutsche Gemeindeordnung (DGO) vom 30. Januar 1935 schaffte das bisher föderalistisch strukturierte Gemeindeverfassungsrecht der deutschen Länder ab zugunsten einer zentralistischen Regelung. Gleichzeitig bedeutete die DGO das Ende der kommunalen Selbstverwaltung, die viele für eines der bedeutendsten Elemente der deutschen Bürokratie überhaupt hielten[4] Die DGO beseitigte die unmittelbare oder mittelbare Mitwirkung der Bevölkerung an innergemeindlicher Willensbildung und übertrug weite Teile der städtischen Aufgaben an den Staat oder an die NSDAP. Die verbliebenen Aufgaben der Gemeinde gingen nach dem „Führerprinzip“ auf die Person des Bürgermeisters über.

Der Deutsche Gemeindetag wurde als nationalsozialistische Organisation nach Beendigung der Zeit des Nationalsozialismus am 10. Oktober 1945 durch den Alliierten Kontrollrat mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 aufgelöst.

Auf Initiative des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer begann in den westlichen Besatzungszonen der Prozess der Wiederbegründung des DST. Erster Nachkriegspräsident wurde Adenauers Nachfolger Hermann Pünder, die Geschäftsführung mit der des nordrhein-westfälischen Landesverbandes zusammengelegt. 1952 gründete sich die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, dieser gehören an:

1960 stand die Hauptversammlung des DST unter dem Motto „Erneuerung der Städte“ – erstmals wurden auch Grundsatzfragen diskutiert; 1973 wurde das Deutsche Institut für Urbanistik gegründet.

Am 13. Juni 1990 konnte im Berliner Ernst-Reuter-Haus (Straße des 17. Juni), dem in den 1950er Jahren an den DST übertragenen und wiederaufgebauten vormaligen Haus der deutschen Gemeinden, der erste gesamtdeutsche Städtetag abgehalten werden.

Seit 2009 wirkt der Deutsche Städtetag an der Organisation des zentralen Deutsch-Belgischen Partnerstädtetages mit.

Organe

Verein

Der Deutsche Städtetag ist ein nicht eingetragener Verein. An der Spitze steht ein Präsident, der den Vorsitz im dreimal jährlich tagenden Hauptausschuss des DST sowie dem fünfmal jährlich tagenden Präsidium hat. Gewählt wird er durch die alle zwei Jahre tagende Hauptversammlung.

In den beiden Hauptgeschäftsstellen werden durch den Hauptgeschäftsführer, eine ständige Stellvertreterin, sechs hauptamtliche Beigeordnete und einen Pressesprecher insgesamt acht Dezernate mit 35 Referenten und insgesamt rund 125 Mitarbeitern betreut.

  • Dezernat Finanzen (Leiterin: Beigeordnete Monika Kuban, Ständige Stellvertreterin des Hauptgeschäftsführers)
  • Dezernat Bildung, Kultur und Sport (Leiter: Beigeordneter Klaus Hebborn)
  • Dezernat Arbeit, Jugend und Soziales (Leiterin: Beigeordnete Verena Göppert)
  • Dezernat Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr (Leiter: Beigeordneter Folkert Kiepe)
  • Dezernat Umwelt und Wirtschaft (Leiter: Beigeordneter Jens Lattmann)
  • Dezernat Recht und Verfassung, Gesundheit (Leiter: Beigeordneter Dr. iur. Manfred Wienand)
  • Dezernat Personal und Organisation (Leiter: Beigeordneter Helmut Fogt)

Daneben gibt es weitere durch Mitarbeiter der Mitgliedsstädte betreute Gremien, die die fachliche Arbeit der Kommunen koordinieren. Dies sind vor allem die Fachausschüsse:

  • Recht und Verfassung
  • Schule und Bildung
  • Kultur
  • Sport
  • Soziales, Jugend und Familie
  • Gesundheit
  • Bau und Verkehr
  • Wirtschaft und Europäischer Binnenmarkt
  • Umwelt
  • Finanzen
  • Personal und Organisation
  • Frauen- und Gleichstellungsangelegenheiten
  • Presse
  • Ausschuss für mittlere Städte

Unterhalb dieser Fachausschüsse existieren weitere Arbeitskreise zu spezifischen Themenfeldern.

Präsidenten

Hauptgeschäftsführer

Themen und Orte der Hauptversammlungen

Unvollständige Aufzählung der letzten Hauptversammlungen

  • 2001: Leipzig „Zukunft der Stadt? – Stadt der Zukunft“
  • 2003: Mannheim „Städte sind Zukunft“
  • 2005: Berlin „Die Zukunft liegt in den Städten“
  • 2007: München „Städte schaffen Integration – Stadtpolitik in Zeiten der Globalisierung“
  • 2009: Bochum „Städtisches Handeln in Zeiten der Krise“
  • 2011: Stuttgart „Zusammenhalt und Zukunft – nur mit starken Städten!"

Siehe auch

Die Initiative Treffpunkt der Wissenschaft wurde von der Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag 2009 initiiert.

Literatur

  • Otto Ziebill: Geschichte des deutschen Städtetages. Stuttgart (Kohlhammer) 1954 (2. Aufl.).

Einzelnachweise

  1. www.kommon.de
  2. staedteverband.ch
  3. www.rgre.de
  4. Vgl. zum Beispiel: Ines Reich: Carl Friedrich Goerdeler. Ein Oberbürgermeister gegen den NS-Staat. Böhlau-Verlag. Köln 1997, Seite 218. Böhlau-Verlag. Köln 1997.

Weblinks



Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Deutscher Städtetag — Deutscher Städtetag,   ein 1905 mit Sitz in Köln gegründeter kommunaler Spitzenverband als Zusammenschluss der kreisfreien und eines Teiles der kreisangehörigen Städte Deutschlands. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören die beratende Mitwirkung… …   Universal-Lexikon

  • Deutscher Städtetag — Zusammenschluss kreisfreier (116) und kreisangehöriger (110) Städte als unmittelbare Mitgliedstädte und über 5.000 mittelbare Mitgliedstädte mit etwa insgesamt 51 Mio. Einwohnern. Der D.St. ist untergliedert in 16 Landesverbände. Die Aufgaben… …   Lexikon der Economics

  • Städtetag — ⇡ Deutscher Städtetag …   Lexikon der Economics

  • Städtetag — bezeichnet: Deutscher Städtetag, ein freiwilliger Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten in Deutschland Österreichische Städtetag, die jährliche Generalversammlung des Österreichischen Städtebundes Historisch der ab 1887… …   Deutsch Wikipedia

  • Städtetag Rheinland-Pfalz — Der Städtetag Rheinland Pfalz e.V. ist die Vereinigung von 32 mittleren und größeren Städten des Landes, darunter die zwölf kreisfreien und die acht großen kreisangehörigen Städte. Die größte Mitgliedsstadt ist Mainz mit 198.118 Einwohnern (2007) …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Städte- und Gemeindebund — Logo Der Deutsche Städte und Gemeindebund (DStGB) vertritt als kommunaler Spitzenverband in Deutschland und Europa die Interessen der kommunalen Selbstverwaltung kreisangehöriger Städte und Gemeinden. Er ist föderal organisiert, parteipolitisch… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Gemeindetag — Der Deutsche Gemeindetag war während des Nationalsozialismus die Spitzenorganisation der deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände. Er entstand 1933 als Zwangsvereinigung der früheren kommunalen Spitzenverbände Deutscher Städtetag, Deutscher… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Tourismusverband — Der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) ist eine Lobbyorganisation in der deutschen Tourismuspolitik sowie Beratungs und Koordinationsstelle der nationalen Tourismuswirtschaft. Er stellt den Dachverband kommunaler, regionaler und landesweiter… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Museumsbund — Vorlage:Infobox Verband/Mitglieder fehlt Deutsche Museumsbund e.V. Gründung 1917 …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Landgemeindetag — Der Deutsche Landgemeindetag e.V. war im Wesentlichen eine Vereinigung deutscher Landgemeinden, die ihre Interessen gegenüber den Instanzen des Deutschen Reiches Anfang des 20. Jahrhunderts hinreichend vertreten wollten. Während im Deutschen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”